Geschäftsidee
22.03.2018

Mit der eigenen Geschäftsidee glücklich werden
Wird mein Businessplan wirklich funktionieren?

Diese Frage stellen sich Gründer*innen natürlich zu Beginn ihrer Selbstständigkeit. Auch wir können nicht in die Zukunft sehen. Was wir aber können: Dich dabei unterstützen, deine Geschäftsidee auf Herz und Nieren zu prüfen und herauszufinden, ob du wirklich für diese eine Idee brennst. Und, ob sie dich glücklich macht.

1. Die eigene Motivation hinterfragen

Wer kennt das nicht: Da wird tage- und wochenlang recherchiert, geplant, gefeilt und optimiert, bis aus einer Idee ein Geschäftsmodell geworden ist und man endlich durchstarten kann. Dabei wusste schon Georg Christoph Lichtenberg, der erste deutsche Professor für Experimentalphysik: „Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“

Tatsächlich vergessen manche ambitionierte Gründer*innen, eine ganz wesentliche Frage zu stellen: Welche Auswirkungen hat das, was ich hier gerade tue, auf mein Lebensgefühl? Werde ich mit der Entscheidung auch in den kommenden Jahren noch glücklich sein? Und ganz wichtig: Was genau macht mich daran eigentlich zufrieden?

Denn ganz unabhängig davon, was für eine Gründerpersönlichkeit du bist – ob Freiberufler*in oder Kleinunternehmer*in, ob du eine Unternehmensnachfolge antrittst oder dich in einem Franchise-Unternehmen verwirklichen willst: Hürden und Herausforderungen, mit denen du auf deinem Weg konfrontiert sein wirst, kannst du nur meistern, wenn du für deine Geschäftsidee brennst.

2. Die große Frage nach dem Warum

Alexander Keller ist Trainer und Coach für Führungskräfte. In seiner Arbeit mit Gründer*innen nutzt er eine einfache Methode, damit seine Klient*innen die eigenen Ideen mit dem abgleichen können, was sie wirklich wollen. Also schnapp dir schnell ein leeres Blatt Papier und einen Stift und dann geht’s auch schon los!

In einem Businessplan schreibt man auf, wie man die eigene Idee umsetzen möchte. Jetzt notierst du hingegen, warum du überhaupt etwas Eigenes umsetzen möchtest. Was ist dein Antrieb? Was ist deine Motivation?

Hier ein paar Beispiele, was andere Menschen antreibt:

  • etwas Kreatives machen
  • etwas machen, das Spaß bringt
  • mit anderen Menschen gleichberechtigt an einer Sache arbeiten
  • jedes Jahr neue Orte entdecken
  • Tieren oder Menschen helfen
  • ein Kulturgut in der Gesellschaft bewahren
  • andere vor Schaden bewahren
  • mehr Zeit für die Familie haben
  • 50.000 EUR auf dem Konto haben

Anschließend drehst du das Blatt um und zeichnest eine Tabelle. In die erste Spalte trägst du Zeile für Zeile ein, was du eben notiert hast. Nach rechts hat die Tabelle so viele Spalten, wie du Geschäftsideen hast. Dabei kannst du natürlich auch mit Varianten deiner Geschäftsidee spielen: Kombiniere sie, entwickle sie weiter, sei kreativ. Das Ganze kann dann so aussehen:

 Blog über Reisen schreibenSelbstgebastelten Schmuck verkaufenApp für erste Hilfe für wilde Tiere
jedes Jahr neue Orte entdecken   
etwas Kreatives machen   
Tieren helfen   


Herzlichen Glückwunsch: Vor dir liegt eine erste Bewertung deiner Geschäftsideen – und zwar auf Basis genau dessen, was dich bewegt und motiviert.

3. Passt die Geschäftsidee wirklich zu dir?

Nun wollen wir herausfinden, welche Variante am besten zu dir passt. Dafür trägst du in die einzelnen Felder je eine Bewertung von null bis zehn ein. Null bedeutet „passt nicht“, zehn bedeutet „passt voll“. In dem Beispiel oben würde etwa deine Erwartung, neue Orte zu entdecken, sehr wahrscheinlich mit dem Schreiben eines Reiseblogs voll erfüllt werden (sofern du genügend Geld für das Reisen aufbringst, z.B. durch Kooperation mit einem Reiseanbieter). Hier könnte eine zehn stehen. Wenn du alle Felder ausgefüllt hast, addierst du einfach die Einzelwerte. Wir haben das einmal plakativ für die Beispieltabelle erledigt.

 Blog über Reisen schreibenSelbstgebastelten Schmuck verkaufenApp für erste Hilfe für wilde Tiere
jedes Jahr neue Orte entdecken1025
etwas Kreatives machen3102
Tieren helfen1010
 141217


Und, überrascht dich das Ergebnis? Vielleicht rangiert deine eigentliche Idee im unteren Punktebereich. Vielleicht ist auch eine Notlösung plötzlich dein Favorit. In jedem Fall zeigt dir die Tabelle, ob du mit der Umsetzung einer Geschäftsidee deine wahren Interessen und Leitmotive verwirklichen kannst.

4. Und nun zu den harten Fakten: Stimmen Zeit, Geld und deine Fähigkeiten?

Unter den gesammelten Summen ergänzt du nun eine letzte Zeile für den Realitätscheck. Denn schließlich brauchst du neben Motivation vor allem Zeit, Geld und deine eigenen Fähigkeiten, um deine Geschäftsidee umzusetzen. Daher stelle dir folgende Fragen und fülle wieder aus:

  • Passt mein aktuelles Zeitkontingent, um das Projekt angemessen angehen zu können? (1 = Ich habe keine Zeit dafür, 10 = Ich habe reichlich Zeit für die Umsetzung)
  • Passt meine aktuelle Finanzsituation, um effektiv an dem Projekt arbeiten zu können?
  • Kann ich mit meinen Fähigkeiten alle für die Umsetzung erforderlichen Tätigkeiten ausführen?

Unsere Beispieltabelle sieht dann schließlich so aus:

 Blog über Reisen schreibenSelbstgebastelten Schmuck verkaufenApp für erste Hilfe für wilde Tiere
jedes Jahr neue Orte entdecken1025
etwas Kreatives machen3102
Tieren helfen (doppelt)1010 (20)
 141217 (27)
Realitätscheck Zeit/Geld/Fähigkeiten1/1/106/1/65/3/8
 262543


Übrigens ist natürlich nicht jede Motivation so stark wie eine andere. Deshalb darfst du doppelt gewichten, was für dich eine größere Bedeutung hat. Wir haben das beispielhaft bei der Motivation „Tieren helfen“ getan. Wenn dein Drang, etwas auszuleben, besonders hoch ist, kannst du der Sache so mehr Gewicht geben. Am Ende macht dich das vielleicht zufriedener.

5. Zur Konkurrenz: Wer ist noch auf dem Markt vertreten?

Nun hast du dich intensiv mit deiner Geschäftsidee beschäftigt. Eigentlich kann jetzt alles losgehen, glaubst du? Fast, denn nach der kritischen Auseinandersetzung mit deiner Geschäftsidee steht nun noch eine Konkurrenzanalyse an. Je genauer du deine Mitbewerber*innen kennst, desto besser kannst du auch die Wettbewerbsfähigkeit deiner eigenen Geschäftsidee einschätzen. Und: Den Unterschied zwischen dir und deinen Konkurrenten kannst du später potenziellen Kunden als Alleinstellungsmerkmal und Mehrwert präsentieren.

6. Mit der Zielgruppe ins Gespräch kommen

Du bist bereit für die Öffentlichkeit. Nun ist es Zeit, deine Idee auch anderen zu präsentieren! Warum? Nun, möglicherweise ist deine Geschäftsidee bzw. dein Produkt oder deine Dienstleistung genau die richtige Lösung für dich. Aber ist sie es auch für andere? Um den Kundennutzen klar herauszuarbeiten, ist es für dich als Existenzgründer*in sehr hilfreich, mit deiner Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn du deinen Businessplan deinen besten Freund*innen zeigst? Diskutiere mit ihnen ausführlich die Stärken ebenso wie die Schwächen der Idee.

So bist du bestens vorbereitet auf den zweiten Schritt: Telefonate mit echten potenziellen Kunden. Sie können dir ganz klar sagen, ob sie dein Angebot interessant finden oder wie es aussehen müsste, damit sie dein Produkt beziehungsweise deine Dienstleistung kaufen. Kleiner Tipp: Stelle ihnen Fragen, die mit einem W beginnen: Wie finden Sie ...? Was müsste ich tun, um ...? Die meisten Menschen helfen Gründer*innen gerne weiter, daher wirst du mit dieser Strategie sicherlich wertvolles Feedback erhalten.

7. Bereit für die Zukunft

Wenn du alle diese Punkte bearbeitet hast, bist du vielen Mitbewerber*innen schon einen großen Schritt voraus. Nun brauchst du nur noch einen langen Atem. Aber wie heißt es so schön? „Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut“. Der Aufbau deines erfolgreichen Businesses ist ein langfristiges Projekt. Wenn du dabei von deiner eigenen Motivation angetrieben wirst, hast du eine große Chance auf Erfolg.

Teile diesen Beitrag

Unser Gründungs-Newsletter
Relevantes Know-how, verständlich aufbereitet

Unsere Gründerplattform wurde von über 2000 Personen mit 

 von 5 Sternen bewertet. Bewerte auch du uns!

bhp