Nur Basteln oder revolutionäre Bewegung?

Die Maker-Szene

Kennst du das Gefühl, in der Planung festzustecken oder dir erst ganz viel Theorie aneignen zu müssen, bevor du deine Idee in die Tat umsetzen kannst? Dieser Hang zum Perfektionismus führt manchmal dazu, dass vielversprechende Produkte gar nicht erst zustande kommen. Umgekehrt verrennst du dich leicht, wenn du zu lange an einer Idee arbeitest, für die es am Ende gar keinen Markt gibt. 

Ein ganz anderer Wind weht in der aufstrebenden Maker-Szene. Die innovativen Bastler*innen, die ihr angehören, arbeiten nach dem Motto: einfach machen und nicht zu lange drüber nachdenken. Sie haben eine Idee und gehen sofort in die Umsetzung! Dabei arbeiten sie mit den Materialien und dem Wissen, das ihnen bereits zur Verfügung steht. Von der Maker-Bewegung kannst du dir also eine dicke Scheibe abschneiden, wenn du gerade das Gefühl hast, mit deiner Gründungsidee nicht weiterzukommen. Hier erfährst du, was echte Maker ausmacht und wie du dich von der Szene inspirieren lassen kannst.

Definition: Was sind Maker*innen?

Die Maker-Bewegung hat sich einerseits aus der Do-it-yourself-Szene der Punks in den 1970ern und andererseits aus dem klassischen Heimwerken entwickelt. Außerdem weist sie Bezüge zur Hackerkultur auf. Eine klare Definition oder zentrale Organisierung gibt es nicht. Im Prinzip kann alles, was ansatzweise mit Basteln, Heimwerken oder DIY zu tun hat, Teil der Maker-Szene sein. Häufig werden dabei klassische Basteltätigkeiten mit digitalen Möglichkeiten wie Programmieren, Internetchips oder 3D-Druckern vereint.

Obwohl es nicht „die“ klar definierbare Maker-Szene gibt, organisieren sich begeisterte Bastler*innen in sogenannten Maker-Spaces oder FabLabs (das kommt von „fabrication laboratory“). Das sind Werkstätten, in denen es Platz zum Arbeiten gibt und sich die Mitglieder gemeinsam Geräte und Materialien anschaffen, die sie sich allein nicht leisten könnten. Häufig finanzieren sie sich über Workshops oder verlangen einen kleinen Betrag von allen, die den Maker-Space nutzen wollen.

Wie die Maker-Szene analoge und digitale Welten vereint

Ein verbreiteter Aspekt der Maker-Szene ist die Verknüpfung von analogen und digitalen Materialien. So werden beispielsweise normale Alltagsgegenstände „enhanced“, also digital erweitert oder mit dem Internet verbunden. Das Konzept „Internet der Dinge“ wird in der Maker-Szene gerne umgesetzt. So kommen gerne Mikrochips und Mikro-Controller wie der Einplatinencomputer Raspberry Pi zum Einsatz, um einfache Prozesse zu programmieren – etwa, dass ein LED-Glasuntersetzer je nach Temperatur des Getränks rot oder blau aufleuchtet. Ebenfalls beliebte Geräte sind 3-D-Drucker, Laser-Cutter und CNC-Fräsen. Damit kannst du Produkte wie Möbel, Gehäuse oder Figuren einfach computergestützt herstellen. Aber auch mit Nadel und leitendem Faden lassen sich tolle Sachen machen, etwa textile Lautsprecher in Kleidung einnähen.

Du siehst: Die Maker-Szene ist unglaublich kreativ und innovativ. Dabei sind ihre Mitglieder keine Expert*innen auf dem jeweiligen Gebiet, sondern erreichen ihr Ziel durch Ausprobieren, Scheitern und Weiterprobieren. Sie beweisen: Jede*r kann erfinden, dabei lernen und sich weiterentwickeln. Viele Maker*innen geben die Anleitungen für ihre Projekte weiter (Open Source) – sodass sie kostenfrei nachgemacht und weiterentwickelt werden können. Aber natürlich lässt sich aus einer genialen Erfindung auch ein Geschäftsmodell entwickeln! Ein besonders inspirierender Fall ist unsere Vorbildunternehmerin Christin Stark, mit der wir in einem Interview über ihre Werkstatt für Heimwerker*innen gesprochen haben. 

Christin Stark – STARK Heimwerken – über ihre Gründung und ihre Motivation

Was du als Gründer*in von der Maker-Bewegung lernen kannst

Vielleicht ist der Funke jetzt schon übergesprungen und du sprühst vor neuen Ideen? Dann schlummert wohl auch in dir der Maker-Spirit. Wenn du dich mit deinem eigenen Business selbstständig machen möchtest, kannst du viel von der Maker-Szene lernen. Einerseits bietet sie eine wunderbare Mindset-Vorlage:

  • Wenn du eine Idee hast, leg sofort los!
  • Du musst kein Profi sein, um eine Innovation zu erschaffen – basteln kann jede*r!
  • Sieh den Weg als Ziel – basteln, ausprobieren, Probleme suchen, um sie zu lösen – diese Schritte sind schon Teil deiner Unternehmerausbildung und deines lebenslangen Lernens.
  • Nimm die Möglichkeiten, die du hast, und mach daraus, was du kannst! 
  • Erweitere deine Möglichkeiten: Mach eine Inventur deiner Ressourcen und erweitere sie durch Lernen und Netzwerkaufbau. In den FabLabs, Maker-Spaces, Erfinderclubs und Community-Werkstätten vor Ort wirst du Menschen finden, die Spaß daran haben, mit anderen gemeinsam Probleme zu lösen. Und dort stehen immer mehr 3-D-Drucker und andere tolle Instrumente, die du nutzen kannst und die dich womöglich erst auf neue Lösungen oder sogar Geschäftsideen bringen.

Zum anderen kannst du dich von den Ideen und Vorgehensweisen der Maker-Bewegung inspirieren lassen. Sie zeigen, dass es nicht immer kompliziert und aufwendig sein muss, ein neues Produkt zu entwickeln. Maker*innen beschäftigen sich nicht so sehr damit, wie etwas normalerweise gemacht wird, sondern überlegen sich, wie sie das mit einfachen Mitteln selbst hinbekommen. Ein Prototyp muss nicht aufwendig und kostenintensiv produziert werden, sondern darf auch aus dem 3-D-Drucker kommen. Das geht schnell, ist günstig und du siehst sofort, was du noch verbessern kannst. Mit der Trial-and-Error-Methode tastest du dich so nach und nach an das perfekte Produkt heran.

Gerade für Start-ups lohnt es sich, die Methoden der Maker-Szene zu nutzen. Sie haben oft nicht die finanziellen Mittel, ihre Prototypen auf klassischem Wege herstellen zu lassen. Einige Maker-Spaces bieten frischen Gründer*innen daher ihre Hilfe an und stellen ihnen ihre Ausstattung zur Verfügung. Frag einfach mal an einem Standort in deiner Nähe nach, ob du dort Unterstützung erhalten kannst!

Beispiele für Gründungen aus der Maker-Szene

Für einige Maker*innen ist das Basteln ein reines Hobby, dem sie sich nach der Arbeit und am Wochenende widmen. Andere wollen mehr und machen ihre Leidenschaft zum Beruf! Eine Möglichkeit ist, das eigene Wissen weiterzugeben und selbst einen Maker-Space oder eine offene Werkstatt zu gründen. Dort kannst du zum Beispiel Workshops für verschiedene Zielgruppen anbieten.

Manche Gründer*innen finden durch die Maker-Szene erst heraus, was sie eigentlich gerne machen und gut können. Sie übernehmen den Einfach-Machen-Spirit und entwickeln dadurch nicht selten ihr erstes Produkt. So entstehen Innovationen in verschiedensten Bereichen. Beispiele sind:

  • Kombinationen aus Mode und Wearables (z.B. Fitnesstracker)
  • Bausätze und Möbel aus dem Laser-Cutter
  • Internet der Dinge und Smart Home
  • Open-Source-Programme
  • Spiele
  • Roboter 
  • Kunstwerke

Die Möglichkeiten sind unendlich! Auch auf der Gründerplattform haben wir schon Gründer*innen interviewt, die dank ihrer Maker-Mentalität erfolgreich geworden sind – zum Beispiel Florian Nitschke mit seiner Manufaktur für Aquarienanlagen oder Natalie Warneke mit ihrer Biermanufaktur. Lies auch mal in unser Interview mit Erfinderclubleiter Rolf Schiller rein – dort findest du viele tolle Tipps für Macher*innen und Erfinder*innen!

Deine Geschäftsidee ist noch zu vage?

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Maker-Spaces, FabLabs und Messen – wo sich die Maker-Szene trifft

Die ersten Maker-Spaces und FabLabs sind in den USA entstanden – allen voran die offene Werkstatt am MIT (Massachusetts Institute of Technology), die der Physiker und Informatiker Neil Gershenfeld 2002 gründete. Sie gilt als Geburtsstätte der Maker-Bewegung. Das erste deutsche FabLab entstand 2009 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Inzwischen gibt es in ganz Deutschland Maker-Spaces – zum Beispiel in Berlin, Hamburg, Köln, Hannover, Oldenburg, München usw. Dort treffen zahlreiche Maker*innen aufeinander, teilen Wissen und Material und inspirieren sich gegenseitig.

Mit der Maker Faire gibt es außerdem eine Messereihe, die jährlich an verschiedenen Standorten in Deutschland und Österreich stattfindet. Zahlreiche Austeller*innen aus der Maker-Szene zeigen dort ihre Projekte, es gibt Workshops und Vorträge sowie etliche Möglichkeiten zum Austauschen und Vernetzen. Weitere Informationen und spannende Insights aus der Maker-Szene findest du regelmäßig in dem von Heise herausgegebenen Magazin „Make“

Auch interessant: Seit 2012 gibt es die Initiative „Make Light – Photonik selber machen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie fordert dazu auf, eigene Lichtprojekte zu verwirklichen – zum Beispiel mithilfe von Mikrocontrollern, LED-Technik, optischen Sensoren usw. Die Projekte werden jährlich auf der Maker Faire in Hannover ausgestellt.

Elektrowerkzeuge auf grüner Gittertafel

Jetzt loslegen und machen!

Du bist jetzt Feuer und Flamme für die Maker-Bewegung und willst deine eigenen Ideen umsetzen? Dann nutze die Motivation und lege direkt los! Dabei helfen dir die folgenden Tipps: 

  • Auch wenn Machen das Motto ist, können regelmäßige Boxenstopps nicht schaden, wenn du als Maker*in gründen willst. Frag dich immer mal wieder, wie du mit der Lösung, an der du arbeitest, Geld verdienen könntest. Dabei unterstützt dich die Gründerplattform: Hier kannst du deine Ideen festhalten, speichern, ausarbeiten und teilen. Damit du dich bei aller Kreativität stets auf solidem Boden bewegst, findest du verschiedene Ratgeber zur systematischen Ideenentwicklung bei uns.
  • Sobald du eine Reihe von Geschäftsideen gesammelt hast, baust du die besten von ihnen zu einem vollständigen Geschäftsmodell aus. Wenn du dich näher mit Geschäftsmodellen beschäftigen möchtest, legen wir dir die Arbeit unserer Partner LaborX Berlin und LaborX Hamburg ans Herz, die regelmäßig Events durchführen, bei denen du live dabei sein kannst, wie eine Idee zum Erfolgsmodell wird. Auch der Podcast „Ideencouch“ lässt dich teilhaben, wie die unterschiedlichsten Ideen weiterentwickelt werden. Das hilft dir dabei, besser einschätzen zu können, was du für die Umsetzung deiner Idee noch brauchst
  • Möchtest du deine Gründung durch einen Kredit oder einen Gründungszuschuss finanzieren, benötigst du außerdem einen Businessplan. Während du den schreibst, beschäftigst du dich noch intensiver mit deinem Vorhaben und den nächsten Schritten. Überlege dir dabei auch, welche Rechtsform dein Unternehmen haben soll und ob du als Solopreneur*in oder im Team mit mehreren Gründer*innen bzw. Mitarbeiter*innen starten willst.

Parallel kannst du schon an deinem Produkt tüfteln, erste Entwürfe oder einen Prototypen herstellen. Bei aller Euphorie: Eine gute Planung ist wichtig, wenn es um deine Existenzgründung geht. Du solltest dich nur nicht zu stark in die Theorie verrennen oder dich davon demotivieren lassen, dass du noch nicht alles kannst und weißt. Genau darum geht es in der Maker-Szene: in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und einfach mal anzufangen.

Je weniger du dich nach dem richtest, was alle machen, umso wahrscheinlicher ist es, dass es dir gelingen wird, etwas völlig Neues zu erschaffen. Bevor du mit deiner Innovation an eine breite Öffentlichkeit gehst, solltest du dann vielleicht noch ein Patent anmelden, um deine Geschäftsidee zu schützen. Das geht allerdings nur, wenn es sich tatsächlich um etwas absolut Neues mit entsprechender Erfindungshöhe handelt. Zuerst gilt es jedoch, herauszufinden, ob es auch einen Markt für dein Produkt gibt. Dazu kannst du es beispielsweise an Testkunden erproben. Auch mit verschiedenen Marketingmaßnahmen solltest du dich beschäftigen. Und mit ein wenig Trial and Error wirst du schließlich deine ersten Käufer finden!

Fazit

Die Maker-Szene ist unglaublich vielfältig, innovativ und zeigt: Jede*r kann mit einfachen Mitteln eigene Ideen umsetzen. Du brauchst dazu kein Profi zu sein oder jahrelang Theorie zu pauken, sondern kannst dich auch durch Ausprobieren, Scheitern und immer wieder Verbessern weiterentwickeln. Manchmal fehlt nur ein einziger entscheidender Schritt zur Unternehmensgründung: das Anfangen. Mit dem Maker-Spirit gelingt das leichter, weil du keinen Anspruch auf sofortige Perfektion erhebst. Das Motto lautet „Lernen durch Machen“. Für Gründer*innen kann das ein wahnsinniger Motivationsschub sein. Du musst kein „Unternehmertyp“ sein, sondern einfach eine gute Idee haben und dranbleiben. Bei der Umsetzung kannst du dich in Maker-Spaces und FabLabs von anderen Makern inspirieren und unterstützen lassen. 

Natürlich sind auch Planung und Hintergrundwissen für eine Gründung nützlich. Wichtig ist nur, dass du dich irgendwann mit deiner Idee in die Welt hinaus traust und sie nicht zurückhältst, nur weil du sie noch nicht perfekt geplant oder Sorge vor Ideenklau hast. Wie gut dein Produkt ist, wirst du sowieso erst merken, wenn du es auf den Markt bringst und es an echten Kunden erprobst. Also sei mutig und leg jetzt gleich los – wie ein echtes Mitglied der Maker-Szene! 

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bhp