Partner Spotlight
18.11.2018

Partner-Spotlight: Maria Leye von der HAWK
"Für mich ist jeder Studierende, der zur Tür rein kommt, immer ein Überraschungsei."

Maria Leye ist Gründungsberaterin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Wenn Studierende zu ihr kommen, haben sie tolle Geschäftsideen und viele Fragen. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen und verrät häufige Herausforderungen.

Maria Leye von der HAWK

Maria Leye von der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen. (Fotocredits: Maria Leye)

Sie beraten seit vielen Jahren gründungsinteressierte Studierende. Hat sich in diesen Jahren in puncto Gründungen etwas verändert?

Das Thema Gründung ist seit 2008 an der HAWK verankert und seither konnten aus allen Fakultäten Gründungsinteressierte und Gründungswillige identifiziert und unterstützt werden. In einigen Branchen, bspw. der Kultur- und Kreativwirtschaft oder den Gesundheitsfachberufen, ist es besonders offensichtlich eine Gründung bzw. Selbstständigkeit anzustreben, in anderen wiederum, bspw. den Naturwissenschaften, ist es eher seltener geworden. Dies liegt nicht zuletzt an den sehr günstigen Arbeitsmarktbedingungen. Sich „gründen“ oder ein bestehendes Unternehmen „übernehmen“ ist schon lange keine Notsituation mehr. Vielmehr reden wir heute von einer Lebenseinstellung und dem aktiven Wunsch nach eigenständigem und selbstbestimmtem Arbeiten. Das sorgt aus unserer Sicht aber vor allem für qualitativ sehr hochwertige und nachhaltige Gründungen.

Wann sind Sie die richtige Wahl für Studierende? Können auch Nicht-Studierende aus der Region zu Ihnen kommen?

Wir hier an der HAWK verfolgen ein ganzheitliches Konzept und sind daher für alle Studierenden der Region die erste Anlaufstelle, sobald es um das Thema Entrepreneurship geht. Sei es, um sich nur zu informieren, was das eigentlich bedeutet oder auch mit einer konkreten Idee und dem Wunsch, selbstständig tätig zu sein. Unsere Bausteine umfassen daher die Themen „Sensibilisierung“, „Lehre“, „Beratung“, „Forschung“ und vor allem auch „Netzwerkarbeit“. Nicht-Studierende können sich demnach auch gern bei uns melden, wir arbeiten dann allerdings eng mit unseren Netzwerkpartnern zusammen, bspw. der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hildesheim Region (Hi-Reg), die ebenfalls intensiv unterstützen.

An welchen Stellen brauchen Studierende die meiste Unterstützung beim Gründen?

Hier kommt es ganz darauf an, von welchen Studierenden wir sprechen. Einige kommen mit konkreten Vorstellungen und fertigen Produkten, da geht es meist um die Themen Erlöskonzept und Vertriebs-  sowie Kommunikationswege. Wir kümmern uns dann aktiv darum, welche Preise aufgerufen werden sollten bzw. wie die Produkte mit der richtigen Story auf den Markt kommen.

Dann haben wir Studierende, die kommen mit der Vorstellung, gründen zu wollen oder haben eine innovative Idee, die noch ganz am Anfang steht. Hier ist vor allem Aufbauarbeit und Sortieren angesagt. Hier lösen wir oft noch ganz grundsätzliche Fragen oder sprechen auch darüber, was Selbstständigkeit bedeuten würde.

Was mehr oder weniger für alle gilt: Wir sind immer ein Stück weit Teammitglied auf Zeit und denken die verschiedenen Optionen mit, sind Gesprächspartner*innen und Berater*innen zugleich und bauen zusammen das Geschäftsmodell – ein bisschen Lebensberatung gehört eben auch dazu.

Was sind die häufigsten Anfängerfehler von Gründer*innen und welche Tipps geben Sie ihnen?

Ich würde hier ungern von Fehlern sprechen. Ich denke, alle Richtungen zu probieren und verschiedene Optionen durchzuspielen, ist gerade bei studentischen Gründungen ein besonderes Prädikat. Unsere Studierenden haben innerhalb des Studiums die Möglichkeit, ihre Zeit an der Hochschule als eine Art Käseglocke – also einen geschützten Bereich – für ihre Gründung, bzw. die Gründungsvorbereitung zu nutzen. Somit sind gerade Anfangsversuche nicht sofort ein Scheitern und die Geschäftsmodelle haben Zeit zum Reifen. Wovon wir ggf. zu Beginn immer mal abraten müssen, ist, sofort ein Gewerbe anzumelden. Hier wollen unsere Studierenden meist sehr schnell zu viel bzw. bedenken nicht, was dann alles daran hängt bzw. zu beachten ist.

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In welchen Bereichen entwickelt sich die Gründerszene in Ihrer Region momentan besonders gut?

Die studentische Szene der Gründer*innen wird gerade immer sichtbarer und fängt an, sich auch selbst zu organisieren. Neue Partner erweitern das Gründerökosystem. Die Region ist grundsätzlich von einer starken Kooperationsfähigkeit und -willigkeit gekennzeichnet. Unternehmen und Institutionen sind neugierig auf Ideen der studentischen Gründer*innen, öffnen ihnen als Mentor*innen auch die eigenen Netzwerke und nehmen sie als Geschäftspartner*innen wahr und ernst. Durch die drei Standorte unserer Hochschule mit ganz unterschiedlichen Studiengängen, aber insgesamt hohem Gründungspotenzial, prägen unsere Gründer*innen den Raum vor allem mit Vorhaben aus der Kreativwirtschaft, insb. im Bereich Digitale Medien, dem Gesundheitsbereich und der Technologie.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die innovativsten und zukunftsfähigsten Märkte?

Ich glaube, dass gerade die derzeitige Entwicklung zeigt, dass in allen Märkten riesige Potenziale liegen und vor allem auch neue Geschäftsmodelle an jeder Ecke lauern. Selbstverständlich hat vieles mit dem Megatrend der „Digitalisierung“ zu tun. Aber trotzdem reden wir hier davon, dass veraltete Geschäftsmodelle durch digitalisierte ausgetauscht oder erweitert werden. Auch wenn meine eigene Vorstellungskraft doch sehr ausgeprägt ist, bin ich manchmal verwundert darüber, wie viele vermeintlich offensichtliche Lösungen doch für ganz einfache Probleme auch heute noch gefunden werden. Für mich ist also jeder Studierende, der zur Tür rein kommt, immer ein Überraschungsei.

Ich halte es für sinnvoll, wenn wir unsere eigenen wirklich sehr guten und innovativen Ideen auf nachhaltigem Boden unterstützen. Ich möchte hier auf den Amerikaner Steven Hill hinweisen, der es sehr schön auf den Punkt gebracht hat: „Europa, trau dir endlich was zu!“ Wir sind an einem Standort, der ein gutes Ökosystem für Gründungswillige darstellt, denn hier, in der eher ländlichen Region, sind viele Hidden Champions angesiedelt, die gerne mit Startups kooperieren. Genauso gibt es hier eine Reihe interessanter Investor*innen und Venture Capital Geber*innen. So gibt es noch viele Innovationspotenziale auch in traditionellen Branchen zu heben.

Sie sind seit Kurzem unsere Partnerin. Wieso? Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für sich und andere Hochschulen für eine solche Plattform?

Die Gründerplattform ist aus unserer Sicht gerade für die selbstständige Sammlung von Informationen geeignet. Ich empfehle die Plattform gern als einen ersten Blick auf Testimonials, auf andere, die „es bereits getan haben“ und zeigen, wie sie gegründet haben.

Wir nutzen die Plattform besonders gerne als Ergänzung zu unseren Live-Veranstaltungen und Vorlesungen. Natürlich ist es mit echten Unternehmer*innen vor Ort leichter in den Dialog zu treten als mit Videos und Tools. Nichtsdestotrotz sind diese Elemente der Plattform für den ersten Blick, erste Ideen und Inspiration besonders geeignet.

Für unsere Zielgruppe ist also der ganze Bereich „Brainstorming“ am hilfreichsten. Die Instrumente Geschäftsmodellierung und Businessplan lernen die Studierenden auch in unseren Kursen – hier ist die Plattform geeignet, um darauf zur Weiterarbeit zu verweisen.

Die Gründerplattform wird jeden Monat weiterentwickelt. Expertenfeedback ist uns sehr wichtig: Was gefällt Ihnen an der Gründerplattform besonders gut und was kann sie noch besser machen?

Wie bereits erwähnt, gefallen mir vor allem die Videos mit den Testimonials. Ich denke, gerade Beispiele sind immer hilfreich, wenn man noch verunsichert ist. Die Seite gibt einen schönen Überblick und macht Lust auf mehr. Wer sich unsicher ist, kann sich durchklicken und bekommt einen Eindruck, was die Szene macht und wer für was zuständig ist bzw. helfen kann.

Nicht ganz so hilfreich finde ich, dass die Nutzer*innen immer direkt ihre Gründungsidee angeben müssen, wenn sie sich mit den spezifischen Themen beschäftigen möchten. Das raubt die Möglichkeit, sich erstmal mit der Materie auseinander zu setzen, bevor man „verbindlich“ dabei ist. Für einige, innovative, neuartige, ggf. patentierbare Ideen könnte das Eingeben von Zahlen, Daten und der Idee auch ein Hindernis sein bzw. ist dann eine Nutzung ggf. unwahrscheinlicher.

Was ist aktuell der stärkste Engpass, um noch mehr innovative Gründungen in Deutschland und Ihrer Region zu haben?

Aus meiner Erfahrung heraus fehlen vor allem personelle Ressourcen, um Ideen und Innovationen noch besser scouten und matchen zu können. Wir haben hier über die umfangreiche Gründungslehre bereits viel abgedeckt und mit der zusätzlichen Beratung die Möglichkeit geschaffen, Studierende und Wissenschaftler*innen für das Thema zu sensibilisieren und zu aktivieren. Allerdings kann die Gründerplattform gerade für Gründungsinteressierte, die keine Beratungsstelle in der Nähe haben oder nutzen wollen, eine gute Alternative sein, um sich rundum zu informieren, einen Überblick zu bekommen, sich eigenständig zu strukturieren und auch ggf. Partner*innen zu finden.

Ich muss allerdings anmerken, dass eine Eins-zu-Eins- bzw. Face-to-Face-Beratung auch in der Zukunft nicht ersetzt werden kann, da viele Gründungen wie eingangs bereits erwähnt auch mit ein bisschen Lebensberatung einhergehen.

Was war Ihre Lieblingsgründung der letzten drei Jahre?

Ich möchte hier ungern von Lieblingsgründungen sprechen, da jede Gründung für sich ein Liebling ist und es auch verdient, so behandelt zu werden. Allerdings können wir hier an der HAWK durchaus von Good Practices sprechen, die nach unseren Prinzipien entstanden sind. Das heißt zum Beispiel, dass das Team die Lehrveranstaltungen durchgehend besucht hat, sich an verschiedenen Stellen ins Netzwerk eingebracht hat, das Thema als Multiplikatoren vor Kommilitonen beworben hat, die HAWK-spezifischen Standortvorteile genutzt hat, heute einfach noch Kontakt hat und sich am Markt etabliert hat.

Zu diesen Good Practices gehören zum Beispiel Hastily Assembled Games, ein aktuell EXIST-gefördertes Team im Bereich Virtual Reality, Urban Invention, die mit den Projekten Streetpong und Sisyfox erfolgreich unterwegs sind, FlexBio, die heute auch Forschungspartner der Hochschule sind oder Fovea, die vor allem eine große Öffentlichkeitswirkung erzielt haben.

Vielen Dank für das informative Interview. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Beratung Ihrer Studierenden!

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bhp