Finanzierung
08.02.2019

Bürgschaft für Gründer*innen
Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Wer eine eigene Firma auf die Beine stellen oder sich selbstständig machen möchte, benötigt häufig auch höheres Startkapital. Doch nur die wenigsten Existenzgründer*innen können dieses aus eigener Tasche bezahlen. Stattdessen sind viele auf einen Kredit von der Bank angewiesen, welchen sie nur mit der Unterstützung eines oder mehrerer Bürgen erhalten. Im Folgenden erfährst du das Wichtigste rund um das Thema Bürgschaft sowie die Gefahren und Risiken, die damit einhergehen.

Was ist eine Bürgschaft?

Wenn du einen Kredit von der Bank benötigst, um dein Unternehmen zu gründen, verlangt diese in der Regel Sicherheiten. Ihr ist es wichtig, dass sie die zur Verfügung gestellte Summe in einem festgelegten Zeitraum – natürlich mit Zinsen – zurückerhält. Bankübliche Sicherheiten sind beispielsweise Grundstücke, Aktien oder Lebensversicherungen. Bist du selbst noch nicht in der Lage, geeignete Garantien vorzulegen, kann dir eine Bürgschaft aushelfen.

Grundsätzlich verpflichtet sich bei einer Bürgschaft ein Außenstehender dazu, für deine Kosten aufzukommen, wenn du es nicht kannst. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist dies mit § 765 folgendermaßen definiert: „(1) Durch den Bürgschaftsvertrag verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger eines Dritten, für die Erfüllung der Verbindlichkeit des Dritten einzustehen. (2) Die Bürgschaft kann auch für eine künftige oder eine bedingte Verbindlichkeit übernommen werden.“

Den richtigen Bürgen wählen

Bei der Existenzgründung ist es jedoch sehr wichtig, einen passenden Bürgen zu haben. Einen Familienangehörigen etwa, wie es bei einer Bürgschaft für Mietwohnungen üblich ist, solltest du im Notfall nicht für dein Unternehmen aufkommen lassen. Dies könnte sowohl ihn als auch dich in die Insolvenz treiben.

Für Gründende und Selbstständige existieren in allen Bundesländern die sogenannten Bürgschaftsbanken. Diese springen zunächst ein, wenn du einmal nicht für die Rate der Kreditrückzahlung gegenüber deiner Hausbank aufkommen kannst. Im Anschluss schuldest du den Betrag dann zwar nicht mehr der Bank, dafür aber der Bürgschaftsbank, mit der ebenfalls entsprechende Rückzahlungsmodalitäten bestehen.

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Welche Bürgschaftsformen gibt es?

Grundsätzlich gibt es für Gründer*innen zwei relevante Bürgschaftsarten: die klassische Bürgschaft und die Bürgschaft ohne Bank.

Erstere ist vor allem für Selbstständige, die bereits in Kreditverhandlungen mit ihrer Hausbank stehen, relevant. Scheut diese noch das Risiko einer Kreditvergabe, etwa weil die vorliegenden Sicherheiten nicht ausreichen, kann ein Antrag bei der Bürgschaftsbank gestellt werden. In der Regel gewährt diese Bürgschaften bis zu einer Million Euro. Allerdings verbürgt sie sich dabei nicht für die gesamte Summe des Kredits, sondern lediglich für maximal 80 Prozent. Deshalb entsteht hierbei für dich ein gewisses Risiko, bei Zahlungsunfähigkeit sowohl der Haus- als auch der Bürgschaftsbank gegenüber noch Schulden zu haben. Darüber hinaus entstehen durch die Inanspruchnahme der Bürgschaft weitere Kosten. So wird zunächst einmalig ein Prozent der Kreditsumme fällig sowie eine anschließende jährliche Provision von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Ebenso ist es möglich, eine Bürgschaft von der Bürgschaftsbank zu erhalten, noch bevor du einen Kreditgeber für dein Unternehmen gefunden hast. Dies hat den Vorteil, dass Hausbanken leichter vom eigenen Vorhaben überzeugt werden können, denn das finanzielle Hauptrisiko liegt bereits vorwiegend bei der Bürgschaftsbank. Es gibt jedoch auch einen Nachteil: Die Bürgschaftsbeträge fallen deutlich kleiner aus. Sie liegen in der Regel maximal bei 200.000 EUR. Außerdem besteht für dich die Gefahr unnötiger Ausgaben, denn die Zusage für die Bürgschaft gilt nur für einen bestimmten Zeitraum, meist sind das ein paar Monate. In dieser Zeit musst du versuchen, eine Bank als Kreditgeber zu werben. Gelingt dir das nicht, berechnet dir die Bürgschaftsbank einige Kosten. In Bayern beispielsweise werden 200 EUR für einen zurückgezogenen Antrag oder eine abgelehnte Bürgschaft erhoben.

Was passiert, wenn du den Kredit nicht zurückzahlen kannst?

Bei der Existenzgründung besteht immer ein gewisses Risiko: Nehmen wir an - sei es aufgrund einer falschen Kalkulation oder weil dein Produkt bzw. deine Dienstleistung auf dem Markt nicht so gut ankommt wie erhofft –deine Ausgaben sind höher als die Einnahmen, und du kannst den Kredit der Bank nicht zurückzahlen. Zwar springt nun dein Bürge vorübergehend ein, doch auch ihm gegenüber musst du irgendwann deine Schulden begleichen. Es ist ratsam, in solch einem Fall so früh wie möglich Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa in Form einer Schuldnerberatung für Selbstständige. Viele Beratungsstellen und sogar manche Anwaltskanzleien bieten zumindest eine kostenlose Erstberatung an – insbesondere wenn es sich um ein kleines Unternehmen handelt.

Stellt sich heraus, dass eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger nicht möglich ist – etwa, weil die Schulden nicht in einem für den Gläubiger angemessenen Zeitraum zurückgezahlt werden können –, bietet die Anmeldung der Insolvenz oft den einzigen Ausweg. Viele Gründer*innen scheuen sich vor dieser Entscheidung, da auch eine Regelinsolvenz hohe Kosten verursacht. Es besteht für Selbstständige aber auch die Möglichkeit der preisgünstigen Privatinsolvenz. Dies ist der Fall, wenn

  • du zwar eine selbstständige wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt hast, es jetzt aber nicht mehr tust,
  • du zum Zeitpunkt der Antragstellung für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nicht mehr als 19 Gläubiger hattest und
  • keinerlei Forderungen aus Arbeitsverhältnissen gegen dich vorliegen.

In jedem Fall sollte die Insolvenz nur das allerletzte Mittel sein. Eine solide Liquiditätsplanung bringt dich in die Lage, früh genug auf negative Entwicklungen reagieren und notfalls deine Selbstständigkeit bei Misserfolg wieder einstellen zu können, ohne dass es zur Insolvenz kommt.


Laura Gosemann von der Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Laura Gosemann schreibt hier für die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.. Im Jahr 2017 gegründet, macht es sich der Verband zur Aufgabe, die Themen rund um Schulden und Insolvenz klar und verständlich auf seiner kostenfreien Ratgeberseite www.schuldnerberatung.de aufzubereiten und die wichtigsten Informationen zusammenzufassen.

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