Friseursalon eröffnen und drauflos frisieren

Nicht mehr die Haare raufen, sondern direkt durchstarten

Abhängig von der Größe des Salons liegt der handwerkliche Jahresumsatz pro Platz zwischen 15.500 und 24.700 EUR

2017 waren rund 54.500 Salons und 81.000 Handwerksrollen eingetragen

Das Einzugsgebiet eines Friseursalons sollte etwa 1.600 bis 1.700 Einwohner beinhalten

Friseursalon eröffnen – ein Ratgeber für kreative Gründer*innen

Um sich im Beautybereich selbstständig zu machen braucht es kreatives Talent und ein gutes Gespür dafür, was den jeweiligen Kunden*innen gut zu Gesicht steht. Die Frisur ist ein wesentliches Kriterium, wenn es beim äußeren Erscheinungsbild um den Begriff Schönheit geht. Wenn du einen Friseursalon eröffnen und damit Erfolg haben willst, gilt es eine ganze Reihe von Punkten zu beachten. Dieser Ratgeber soll dir eine Hilfe sein und klärt unter anderem über folgende Themen auf:

  • Ist zum Friseursalon eröffnen ein Meisterbrief zwingend notwendig?
  • Welche Vorschriften und Richtlinien gilt es zu beachten?
  • Wie unterscheiden sich die einzelnen Rechtsformen?
  • Welche Anlaufstellen für die Gründung musst du kennen?
  • Wie kommst du an Kredite und Zuschüsse?
  • Wie teuer wird das gesamte Prozedere?

Der Befähigungsnachweis – so sieht es im Detail aus

Die häufigste Frage, die in Zusammenhang mit dem Friseursalon eröffnen gestellt wird, dreht sich um den Befähigungsnachweis. Ist ein Meisterbrief zwingend notwendig? Die Antwort lautet: In der Regel „ja“ – es gibt allerdings Ausnahmen. Da der Friseurberuf ein Handwerk ist, bei dem die Meisterpflicht besteht, musst du in der Regel einen Meisterbrief besitzen, um deinen eigenen Friseursalon zu eröffnen. Ausnahmen sind jedoch möglich, wenn du zum Beispiel aufgrund deiner Erfahrung von der Handwerkskammer eine sogenannte Ausübungsberechtigung (§7 HwO) erhältst. Gleiches trifft zu, wenn du wegen eines speziellen Friseur-Konzeptes eine Ausnahmebewilligung (§8 HwO) bekommst. Außerdem besteht daneben die Möglichkeit, dass du einen Friseurmeister als Betriebsleiter einstellst. Diese Ausnahmefälle betrachten wir nachfolgend.

Ein ausgeklügelter Businessplan ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmung, das Vorsprechen bei Handwerkskammern und für die Bewilligung von Krediten und Zuschüssen

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Die Ausübungsberechtigung – wenn sich Erfahrung bezahlt macht

Die Bedingung für die Erteilung einer Ausübungsberechtigung ist das Bestehen der Gesellenprüfung im Friseurhandwerk. Du musst mindestens sechs Jahre Arbeit als Friseur nachweisen können und davon mindestens vier Jahre in leitender Stellung tätig gewesen sein. Nachweise hierzu liefern deine Arbeitszeugnisse und die jeweilige Stellenbeschreibung. Ebenso wird der Besitz der erforderlichen Kenntnisse in kaufmännischer, betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht vorausgesetzt. Informiere dich bei der zuständigen Handwerkskammer, ob diese eventuell spezielle Fach-Lehrgänge zur Bedingung für die Friseursaloneröffnung macht. Fachlehrgänge können Kosten im Bereich von 1.000 EUR verursachen. Für einen Meisterbrief musst du übrigens mit mehreren tausend Euro rechnen.

Die Ausnahmebewilligung – auf die Friseurtätigkeit kommt es an

Eine Ausnahmebewilligung nach §8 HwO kannst du einholen, wenn in deinem Friseursalon „einfache Tätigkeiten“, die nicht zu den „wesentlichen Friseurtätigkeiten“ zählen, angeboten werden. Du erkennst bereits an den Formulierungen, dass es hier zu Problemen hinsichtlich der Auslegung kommen kann. Nimm in jedem Fall Kontakt mit deiner Handwerkskammer auf und erkläre dich anhand deines Businessplans. Als Beispiel für eine Ausnahmebewilligung ließe sich ein Friseursalon anführen, der den Fokus im Wesentlichen auf Kosmetik legt und zusätzlich Flechtfrisuren, Extensions oder einfache Pony-Haarschnitte anbietet. Aber wie bereits erwähnt, wenn es ohne Meisterbrief klappen soll, sprich vorher mit der Handwerkskammer.

Im Übrigen, falls du deine Scheren einpackst und mit dem Auto als „mobiler Friseur“ unterwegs bist, kannst du ebenfalls ohne Meistertitel tätig werden. Du benötigst ebenfalls die Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer und musst ein Reisegewerbe anmelden. Und wie sieht es ansonsten mit der Anmeldung aus?

Rechtsform, Gewerbeanmeldung, Handelsregistereintrag und Finanzamtmeldung

Als alleiniger Besitzer des Friseursalons kannst du als Rechtsform eine Einzelfirma (auch Einzelunternehmen) anmelden. Es handelt sich dabei um die unkomplizierteste Unternehmensform, allerdings haftest du bei einer Insolvenz mit deinem gesamten Privatvermögen. Willst du hingegen mit weiteren Personen einen Friseursalon eröffnen, muss eine andere Rechtsform gewählt werden. Gründest du mit mehreren Partnern, ohne weitere Verträge, kommt es automatisch zu einer GbR. Im Hinblick auf die ebenfalls komplett private Haftung empfiehlt sich eine vertragliche Regelung der Zusammenarbeit.

Eine GmbH ist schon wegen den Notarkosten keine günstige Variante. Die Eröffnung kostet zwischen 500 und 1000 EUR. Es müssen mindestens 25.000 EUR Stammkapital vorhanden sein. Allerdings haftest du bei einer Insolvenz nicht mit deinem gesamten Privatvermögen, sondern nur mit den 25.000 EUR Stammkapital. Da sich eine GmbH erst bei Jahresumsätzen im sechsstelligen Bereich rechnet, kommt sie fürs Friseurhandwerk selten in Betracht. Hier bietet sich eher die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) an, auch als Mini-GmbH bezeichnet. Hier kannst du bereits mit 1 EUR Stammkapital gründen – der Gewinn bleibt im Folgenden zur Hälfte im Unternehmen, bis das Stammkapital von 25.000 EUR erreicht ist – es folgt die Wandlung in eine „richtige“ GmbH.

Den Friseursalon musst du beim zuständigen Gewerbeamt anmelden – dafür wird eine Gebühr zwischen 15 und 65 EUR fällig. Das Gewerbeamt setzt Behörden wie Berufsgenossenschaft, Finanzamt, Handwerkskammer, Amtsgericht und Gewerbeaufsichtsamt von der Gründung deines Unternehmens in Kenntnis. Hast du dich bei der Rechtsform für die Einzelunternehmung oder eine GbR entschieden, steht es dir frei zur Wahl, dich ins Handelsregister eintragen zu lassen.

Friseurscheren

Bei einer Mini-GmbH oder GmbH besteht dazu die Pflicht und es fallen Gebühren von rund 200 EUR an. Als Vorteil einer Eintragung ins Handelsregister ist das hohe Maß an Seriosität zu nennen, die dein Unternehmen dadurch ausstrahlt. Nachteile bestehen in der doppelten Buchführung (im Gegensatz zur Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) sowie der Tatsache, dass du für jedes Geschäftsjahr eine Inventur und Bilanz erstellen musst.

Als Gründer*in wirst du deinen Friseursalon beim Finanzamt anmelden und bekommst eine Umsatzsteuernummer zugeteilt. Falls du für das erste Geschäftsjahr von einem Umsatz unter 17.500 EUR ausgehst, kannst du dich als Kleinunternehmer anmelden – somit bist du von der Umsatzsteuer befreit. Du musst in diesem Fall auf deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und abführen, kannst Leistungen somit günstiger anbieten. Dafür kannst du auf der anderen Seite beim Einkauf (z. B. für Ladenausstattung) keine Umsatzsteuer beim Finanzamt geltend machen (Umsatzsteuer-Rückerstattung).

Wie realisiere ich Fördermaßnahmen und Kredite?

Die erste Fördermaßnahme betrifft deinen Befähigungsnachweis. Falls du doch als Friseurmeister*in durchstarten und eine Fortbildung machen willst, kannst du Meister-BAföG beantragen. Voraussetzung: Du musst über eine abgeschlossene Friseurausbildung verfügen, darfst aber keinen Hochschulabschluss besitzen. Besonderheit: Eröffnest du innerhalb von drei Jahren nach dem Meisterabschluss einen Friseursalon und verfügst über Angestellte und Azubis, werden dir Teile des Darlehens erlassen.

Übernimmst du einen bestehenden Friseursalon, erhältst du in einigen Bundesländern eine Prämie von 7.500 EUR (Voraussetzung: Meisterbrief). Auch das Arbeitsamt hilft dir als Gründer*in, wenn du bislang Arbeitslosengeld I erhältst (plus weiteren Anspruch für 150 Tage hast) mit einem Gründungszuschuss. Auch hier gibt es im Übrigen eine zwingende Notwendigkeit: ein transparenter Businessplan.

Und für Kredite gilt: Vorsicht vor Kredithaien! Sprich zuerst mit der Hausbank, die womöglich sogar das KfW-StartGeld von der KfW-Bank in Höhe bis zu 50.000 EUR erwirken kann – falls du mit dem Businessplan überzeugst.

Was kostet mich das Friseursalon eröffnen?

Das Thema Kosten für die Friseursaloneröffnung hängt von so vielen Faktoren ab, dass hier kein absoluter Wert genannt werden kann. Nimm zum Beispiel die Situation, dass du einen etablierten Salon vom Vorgänger inklusive Stammkundenkartei übernimmst. Im anderen Fall ginge es um einen Friseursalon, den du erst einmal komplett einrichten und einem breiteren Publikum bekannt machen musst. Und dann spielt es selbstverständlich auch eine Rolle, wie groß dein Friseursalon ist (Ausstattung), die Lage (Miete) und wie viel Personal du beschäftigst – inklusive aller Abgaben für Sozialversicherungen. Und denke auch an deine soziale Absicherung (Beiträge zur Krankenversicherung, Rentenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, etc.) Es gilt deshalb auch im Hinblick auf die Kosten: Ohne Businessplan, in dem du Einnahmen und Ausgaben transparent gegenüberstellst, keine erfolgreiche Unternehmung.

Fazit

Nicht nur wegen der rechtlichen Aspekte, auch im Hinblick darauf, dass du deinen Kund*innen ein breites Leistungsspektrum anbieten willst, empfiehlt sich der Friseur-Meisterbrief. Allerdings ist unter bestimmten Voraussetzungen via Ausübungsberechtigung oder Ausnahmebewilligung das Eröffnen deines Friseursalons auch ohne Meistertitel möglich.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmung, das Vorsprechen bei Handwerkskammern und für die Bewilligung von Krediten und Zuschüssen ist indessen immer ein ausgeklügelter Businessplan. Hier sind neben Marktanalysen, prognostizierten Einnahmen und Ausgaben auch Maßnahmen zur Kundenakquise gelistet (Printwerbung, Onlinewerbung, Website, etc.). Gerade wenn es sich um einen ganz neu eröffneten Friseursalon handelt, solltest du über ein finanzielles Polster verfügen, um Anlaufschwierigkeiten zu überbrücken.

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bhp