Geschäftsidee
11.12.2018

Hightech-Gründung
Wie du Herausforderungen meistern kannst

Entscheidend: dein Alleinstellungsmerkmal

Kennzeichnend für die Wettbewerbsfähigkeit, den Erfolg und die Etablierung deiner Innovation ist also das Alleinstellungsmerkmal. Was hebt dich bzw. dein Angebot von bestehenden, am Markt vorhandenen Lösungen ab? Das Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Proposition, kurz: USP) ist gleichzeitig das wichtigste Verkaufsargument bei der Ansprache deiner Zielgruppe. Dabei solltest du auf folgende Fragen eine prägnante und überzeugende Antwort parat haben, die dir auch bei der späteren Vermarktung einen Orientierungsrahmen bietet:

  • Welches Kundenproblem löst du? (Relevanz)
  • Welchen Mehrwert bietet dein Produkt für die Kundschaft? (Nutzen)
  • Was macht es einzigartig? (Besonderheit)

Am Anfang geht Hightech oft mit High Costs einher. Der Aufwand für eine komplexe technologiebasierte Entwicklung ist nicht zu unterschätzen. Je nach technischer Komplexität des Produkts solltest du genügend Zeit für das Testen und die technische Anpassung einrechnen.

Absichernd: Feedback und Patentschutz

Wenn deine technologische Entwicklung auf neuen Verfahren oder Methoden aufbaut, solltest du die Patentierbarkeit deines Produktes oder deiner Dienstleistung prüfen. Es kann sich lohnen, hier mit Expert*innen auf deinem Gebiet zu sprechen. Bei positiver Einschätzung durch ein Patentanwaltsbüro und das Patentamt kannst du dir damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz sichern. Eine Software allerdings ist in Europa nicht patentierfähig. Daher solltest du alternative Strategien entwickeln, um dein Produkt zu schützen (z.B. den Quellcode nicht herausgeben). Auch auf das Feedback deiner ersten Pilotkund*innen solltest du unbedingt Wert legen. Es kann sehr hilfreich sein, um bestehende Schwachstellen zu identifizieren, an deinem Produkt zu feilen und es noch stärker auf die Bedürfnisse deiner Kundschaft auszurichten.

Relevant: Der Zeithorizont

Als angehende*r Hightech-Gründer*in solltest du mit teilweise langen Zeitspannen bis zur fertigen Entwicklung eines verkaufsfähigen Produkts rechnen. Dabei durchläuft eine technologische Gründung meist folgende Phasen: die Konkretisierung der Anfangsidee, die Entwicklung eines ersten Prototypen (Demonstrator), die Pilotphase und ggf. technische Anpassung (Pivot), der Aufbau von Vertriebskanälen sowie der Markteintritt (Launch) und ggf. die Zertifizierung bei physischen Produkten in hochregulierten Branchen wie Medizin(-technik), Pharmaindustrie oder auch Spielwaren. Daher kann es schon mal ein bis zwei Jahre dauern, bis die ersten Einnahmen in der Kasse sind. Ein ausreichender Vorlauf bis zu den ersten zahlenden Kund*innen muss eingeplant werden, dafür ist ein finanzieller Puffer unabdingbar.

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Überlebenswichtig: Finanzierung der Kosten und Preisgelder

Bei einem Hardware-Produkt oder einer Kombination aus Soft- und Hardware fallen erfahrungsgemäß zusätzliche Kosten an, wie etwa die Vorfinanzierung der Produktion, Lieferantenrechnungen, Lagerkosten, Infrastruktur (z.B. Fertigungs- und Prüf-Tools) oder auch für die Einbindung weiterer Partner*innen. Ein wesentlicher Unterschied zu nicht-technologiebasierten Gründungen sind also die vergleichsweise hohen Anlaufkosten in den ersten Monaten vor und nach der Gründung, die vor allem in die Forschung und Entwicklung des Produkts fließen. Überlege dir gleich zu Beginn ein Konzept zur Finanzierung deines Vorhabens  – für die Startphase, aber auch für die Wachstumsphase, um das Produkt erfolgreich in den Markt einzuführen und eine ausreichende Zahl von Kund*innen zu gewinnen. Folgende Fragen helfen dabei:

  • Wie hoch sind meine Kosten zur Entwicklung der ersten Prototypen?
  • Welche Eigenmittel möchte/kann ich selbst zur Verfügung stellen?
  • Wie will ich mich nach der Gründung weiter finanzieren und welchen Kapitalbedarf habe ich bis zum Break-Even (Gewinnschwelle)?

Eine gute Möglichkeit zur finanziellen Überbrückung in der Startphase bieten Businessplan- oder Ideenwettbewerbe, die speziell für angehende Gründer*innen gedacht sind – also noch vor der eigentlichen Gründung zur Validierung der eigenen Idee dienen. Durch die Teilnahme kannst du je nach Wettbewerb eine Finanzspritze in vier- bis fünfstelliger Höhe erwarten. Dabei musst du noch kein komplett ausgefeiltes Geschäftskonzept vorweisen. Meist ist es ausreichend, in einer Ideenskizze deine technische Innovation als solche, deinen Zielmarkt und die Kundschaft, den Kundennutzen, sowie deine Kompetenzen bzw. die deines Teams überzeugend darzustellen. So erhältst du bspw. beim bundesweiten „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nicht nur ein Preisgeld (bis zu 32.000 EUR), sondern auch den Zugang zu Coaches, die dir wertvolle Hinweise geben können.

Die kostenlose Teilnahme als Austeller auf einschlägigen Messen oder auch an Workshops und Seminaren sowie Vernetzungsmöglichkeiten mit Investoren wird ebenfalls angeboten. Zudem bekommst du durch die Einreichung deiner Ideenskizze konstruktives Feedback von ausgewiesenen Fachleuten zu deiner Gründungsidee.

Mit der Teilnahme an Wettbewerben kannst du etwaige Anfangskosten leichter stemmen, auf wichtiges Know-how von Expert*innen zum Aufbau deines Unternehmens zugreifen und hilfreiche Kontakte knüpfen. Es lohnt sich also, zu recherchieren und den für dich passenden Wettbewerb zu finden. Dabei solltest du neben den formalen Voraussetzungen (vor oder nach der Gründung) auch die Einreichfristen beachten.

Erfolgreich: Diese Hightech-Ideen haben funktioniert

Ehemalige Preisträger*innen aus dem „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ zeigen, wie man mit innovativen Hightech-Ideen und einer erfolgreichen Wettbewerbsteilnahme durchstarten kann. So hat das Bochumer Unternehmen PHYSEC eine Plattform entwickelt, die es Herstellern ermöglicht, Geräte verschlüsselt miteinander kommunizieren zu lassen. Die Plattform IoTree nutzt dafür Informationen aus dem Umfeld der Geräte, um daraus kryptografische Schlüssel zu generieren.

Das Start-up oculid aus Berlin hat ein Zwei-Faktor-Verfahren zur Nutzerauthentifizierung entwickelt, das auf Augenbewegungen und den biometrischen Charakteristika des Auges basiert. In Zukunft soll das Verfahren in der Automobilbranche eingesetzt werden.

HygNova beschäftigt sich mit der Verbesserung der Krankenhaushygiene. Um Krankenhauspersonal an die regelmäßige Desinfektion der Hände zu erinnern, erkennen Sensoren im Patientenzimmer Bewegungsmuster der Ärzte und Pfleger. Auf Basis dieser Daten ermittelt der selbstlernende HygNova-Algorithmus den Zeitpunkt für die nächste Desinfektion. Von einem Tablet-PC gesendete Licht- und Tonsignale erinnern anwesende Ärzte und Pfleger an die Handdesinfektion.

Picum MT will die industrielle Fertigung auf den Kopf stellen. Bisher ist die Bearbeitung von großen Bauteilen, wie beispielsweise Flugzeugrümpfen, kostspielig und aufwendig, weil die eingesetzten Werkzeugmaschinen unflexibel sind. Picum MT entwickelt leichte und mobile Werkzeugplattformen, die wie Ameisen über Bauteile krabbeln. Im Team können die intelligenten Geräte selbstorganisiert Arbeiten wie Bohren, Schleifen, Schweißen, 3D-Drucken oder Messen erledigen. Grundlage ist eine integrierte Software-Lösung, die ausgeklügelte Algorithmen, neuartige Messtechnik und präzise Hardware kombiniert. 

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Kristina Peneva vom Gründerwettbewerb

Kristina Peneva hat zunächst Tech-Start-ups bei der Fördermittelakquise beraten und anschließend bei einem Crowdinvesting-Anbieter als Kampagnenmanagerin die Vorbereitung von Crowd-Finanzierungen verantwortet. Derzeit ist sie beim „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ als Beraterin tätig. Dabei ist sie neben der Vorbereitung und Durchführung von Seminaren, Workshops und Roadshows auch für die Bewertung von Ideenskizzen und Vernetzungsaktivitäten zuständig.

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bhp