Mit Intrapreneurship zum Unternehmens­erfolg

Entrepreneurship kennen wir alle – aber hast du schon einmal etwas von Intrapreneurship gehört? Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen Intracorporate und Entrepreneurship zusammen. Es bedeutet, dass Angestellte innerhalb einer Firma ihre unternehmerischen Ideen verfolgen und umsetzen können. Das wird auch als Binnenunternehmertum bezeichnet. Der Vorteil: Als Intrapreneur*in profitierst du von der Stabilität eines Angestelltenverhältnisses und hast zugleich unternehmerische Freiheiten – wenn die Unternehmenskultur mitspielt. 

Der Trend zu Intrapreneurship verbreitet sich rasant und ist vor allem für größere Konzerne interessant. Hier erfährst du, welche Voraussetzungen dafür nötig sind und wie du ein erfolgreiches Intrapreneurship-Programm startest!

Definition: Was ist Intrapreneurship?

Intrapreneure sind Mitarbeiter, die sich so verhalten, als wären sie selbst Unternehmer. Sie sind also daran interessiert, das Unternehmen nach vorn zu bringen und zu verbessern. Ihr innovationsorientiertes Denken und ihre hohe intrinsische Motivation (aus eigenem Antrieb) sorgen dafür, dass sie auch widrigen Umständen entgegenarbeiten, um ihre Ideen durchzusetzen. Sie werkeln oft neben ihren eigentlichen Aufgaben und in der Freizeit an eigenen Projekten, die dem Unternehmen zugutekommen könnten.

Unternehmer*innen innerhalb eines bestehenden Unternehmens mögen auf den ersten Blick wie Querköpfe wirken, die sich nicht eingliedern können. Doch kann die Organisation vielfältig von ihnen profitieren. Klassischerweise beziehen große Konzerne neues Wissen und frische Innovationen von außen, indem sie beispielsweise kleinere Firmen übernehmen. Dabei sind viele kreative Ideen bereits da – beim eigenen Personal. 

Dieses enorme Potenzial lag in der Vergangenheit oft brach. Heute wird es zunehmend bewusst gefördert. Bieten die Unternehmen günstige Strukturen – wie Förderungsmöglichkeiten in Form von Budget oder frei zur Verfügung gestellter Zeit – ist es viel leichter, mögliche Intrapreneure zu erkennen und ihre Geschäftsideen zu nutzen.

Was sich mit Intrapreneurship erreichen lässt

Inzwischen gibt es zahlreiche Beispiele erfolgreicher Intrapreneur*innen, die etwa eigene Tochterfirmen ihres Stammunternehmens leiten. Organisationen, die sich vergrößern, neue Geschäftszweige etablieren oder einen Trend nicht verpassen wollen, sollten Intrapreneurship in Erwägung ziehen und fördern. 

Oftmals haben nämlich die eigenen Leute die besten Ideen, denn sie kennen das Unternehmen bzw. ihre eigene Abteilung von Grund auf und wissen, wo Verbesserungspotenziale liegen. 

Darüber hinaus sind weitere Vorteile mit Intrapreneurship verbunden:

  • Kosteneinsparungen, wenn Innovationen nicht von außen generiert werden müssen
  • Weiterentwicklung des Unternehmens durch neue Geschäftszweige, Technik oder Produkte
  • Verbesserung der Workflows
  • Erkennen, Fördern und Halten von Talenten
  • Höhere Arbeitszufriedenheit
  • stetig neue Ideen durch intrapreneurfreundliche Unternehmenskultur
  • Steigerung der Umsätze und Gewinne

Wichtig ist, dass Innovationen nicht generell von allen Mitarbeiter*innen erzwungen werden können. Sie müssen von innen heraus entstehen und durch eine entsprechende Unternehmenskultur möglich gemacht werden. Nicht alle Menschen sind geeignete Intrapreneure. Dafür braucht es eine intrinsische Motivation und gleichzeitig eine hohe Loyalität gegenüber dem Unternehmen.

Menschen an einem Tisch reichen sich gegenseitig ein High-Five.

Die wichtigsten Voraussetzungen für Intrapreneurship

Zu einem gelungenen Intrapreneurship-Projekt gehören zwei: ein möglichmachendes Unternehmen und Team-Mitglieder mit Unternehmergeist. Auf beiden Seiten müssen also bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Unternehmen müssen offen für Innovationen ihrer Mitarbeiter sein, unabhängig von deren Hintergrund, und diese nach Möglichkeit bewusst fördern. Intrapreneure benötigen Eigeninitiative und Kreativität. Beides kann sich wiederum nur in einem Arbeitsumfeld entwickeln, in dem es erlaubt oder sogar gewünscht wird, eigene Vorschläge zu äußern, neue Wege zu gehen und Projekte selbstständig umzusetzen.

Was Unternehmen tun können, um Intrapreneurship zu ermöglichen

Ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber Intrapreneurship können Unternehmen durch konkrete Maßnahmen Ausdruck verleihen. Zahlreiche Organisationen wie Google, 3M, die Deutsche Bahn und die Fraunhofer-Gesellschaft haben bereits Intrapreneurship-Programme entwickelt, in denen sich Interessierte mit ihren Ideen engagieren können. 

Neben dem allgemeinen Wohlwollen gegenüber unternehmerisch denkendem Personal ist es vor allem wichtig, Intrapreneure mit Ressourcen zu unterstützen:

  • Zeit: Viele Intrapreneure sind zwar breit, über den Feierabend hinaus an ihren Ideen zu arbeiten, bessere Ergebnisse erzielen sie allerdings, wenn ihnen ein Teil ihrer Arbeitszeit dafür zur Verfügung steht. Für die Umsetzung sind verschiedene Konzepte möglich, zum Beispiel eine mehrwöchige Auszeit oder, wie bei Google, ein Tag pro Woche für eigene Projekte.
  • Geld: Da Intrapreneure von sich aus motiviert sind, ist finanzielle Anerkennung nicht ihr oberstes Ziel. Dennoch benötigen sie ein Budget, das die Umsetzung ihres Projektes ermöglicht.
  • Wissen: Zur Umsetzung einer Idee gehört meist mehr Know-how als zur bloßen Entwicklung. Daher sollten Unternehmen auch Weiterbildungen oder die Beratung durch Fachleute ermöglichen, damit die Idee zum Erfolg wird.
  • Zugriff auf vorhandene Ressourcen: Das bestehende Potenzial des Unternehmens sollte Intrapreneure offenstehen. Sie profitieren vom Zugang zu bereits vorhandenen Materialien, internen Studien, Technik und Geräten.

Ungehörte Intrapreneure suchen sich oft einen Weg, auch gegen Widerstände auf ihre Innovation aufmerksam zu machen und sie durchzusetzen. Sie sind in der Regel nicht daran interessiert, das Unternehmen zu verlassen, sondern lieben ihren Job. Stoßen sie allerdings auf zu viele Barrieren, stellt sich schnell Frustration ein und sie sehen sich nach einer anderen Möglichkeit um. Daher sollten Unternehmen eine ermutigende Kultur schaffen und

  • Intrapreneure wertschätzen und ihre Arbeit anerkennen
  • Fehler und Scheitern tolerieren
  • flache Hierarchien etablieren, zumindest für das Intrapreneurship-Programm
  • in Kontakt bleiben und viel mit Intrapreneuren kommunizieren

Häufig werden Intrapreneure von Kollegen oder direkten Vorgesetzten ausgebremst, die den internen Wettbewerb scheuen, Veränderungen ablehnen oder fürchten, Macht und Einfluss zu verlieren. Gerade in hierarchisch organisierten Betrieben ist daher die volle Unterstützung durch Geschäftsführung oder Vorstand und ein enger Draht zur Führungsetage wichtig, um diese internen Widerstände schneller überwinden zu können. 

Intrapreneurship ist ein Bottom-up-Ansatz, von dem Unternehmen profitieren. Intrapreneure zeichnen sich durch ihre Loyalität zum Unternehmen aus und lieben, was sie tun. Sie wollen aktiv einen Beitrag leisten, haben Ideen, die sie einbringen wollen – und diese Ideen sind wertvoll! Es lohnt sich also, Intrapreneurship gezielt zu fördern.

Was Intrapreneure ausmacht

Fragst du dich gerade, ob du auch das Zeug zum Intrapreneurship hast? Die gute Nachricht ist: Jede*r kann Intrapreneur*in sein! Aber nicht jede*r fühlt sich dazu berufen. Deshalb bringt es nichts, wenn Unternehmen von ihren Mitarbeitern fordern, innovativ und unternehmerisch zu denken. Manchen liegt es im Blut, anderen nicht – dabei spielt es keine Rolle, ob du Führungskraft bist oder ein Praktikum machst. Das ist ja gerade das Schöne an Intrapreneurship: Wird es vom Unternehmen begünstigt, kommen nicht nur die klassischen Entscheidungsträger, sondern alle zu Wort.

Welche Voraussetzungen brauchst du also? Du musst mutig sein, Regeln auch mal auf die Probe stellen und über das hinausschauen, was in deiner Jobbeschreibung steht. Von starren Strukturen darfst du dich nicht aufhalten lassen, gegen Widerstände musst du dich durchsetzen und dennoch realistisch einschätzen, wann das Spiel vorbei ist. Klingt erstmal hart – aber wenn du wirklich Intrapreneur*in bist, dann kannst du gar nicht anders! Du bist so motiviert, dass du gar nicht merkst, wie anstrengend dein Vorhaben sein kann. Du weißt, dass deine Ideen gut sind und das Unternehmen weiterbringen – und das ist dein größter Antrieb.

Zusammengefasst sind das die wichtigsten Eigenschaften, die du als Intrapreneur*in mitbringen solltest:

  • Du zeigst eine hohe Risikobereitschaft.
  • Du bist lösungsorientiert – während andere sich nur über Probleme beschweren, überlegst du, was du ändern könntest.
  • Du siehst in allem eine Chance – nichts ist unmöglich!
  • Deine hohe Motivation kommt aus dir selbst heraus und ist dein Motor.
  • Du bist teamfähig und schätzt deine Unterstützer*innen.
  • Du bist praktisch veranlagt und kreativ.
  • Du lässt dich von nichts und niemandem aufhalten, solange du davon überzeugt bist, dass deine Idee einen positiven Effekt haben wird.

Passt alles? Dann kann es ja losgehen!

Tipps für den perfekten Intrapreneurship-Start

Viele Intrapreneure feilen erst einmal im stillen Kämmerlein an ihrer Idee. Das ist gar nicht so verkehrt. Gerade wenn dein Unternehmen noch nicht so offen für personalinterne Innovationen ist, sollte dein Vorhaben dem Gegenwind standhalten können. Arbeite also zunächst ein kluges Konzept aus und lege dir für jeden Zweifel eine passende Antwort zurecht.

Im nächsten Schritt suchst du dir geeignete Mitstreiter*innen. Du kannst ein vorläufiges Team zusammenstellen, das dich bei der Umsetzung unterstützen wird. Außerdem brauchst du Befürworter*innen, die in der Chefetage ein gutes Wort für dich einlegen – zum Beispiel deine direkten Vorgesetzten. Je mehr Leute du von deiner Idee überzeugst, desto größer ist die Chance, dass du sie verwirklichen darfst. Gut netzwerken zu können, ist für dich als Intrapreneur*in also von Vorteil.

Der letzte Schritt ist die Umsetzung. Hast du dein Unternehmen überzeugt und erhältst die nötigen Ressourcen zur Verwirklichung deiner Innovation, kommt dir deine akribische Vorbereitung zugute. So kannst du schnell erste Erfolge erzielen und dir langfristige Finanzierung und Unterstützung sichern. Ist Intrapreneurship schon in der Unternehmenskultur verankert, hast du natürlich bessere Karten als bei einem konservativen Arbeitgeber. Aber ein Selbstläufer wird dein Projekt vermutlich auch dann nicht:  Womöglich bist du nicht die einzige Person, die unternehmerisch denkt und handelt – und nicht alle Innovationen können auch gefördert und umgesetzt werden.

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Intrapreneur vs. Entrepreneur: Wo liegt der Unterschied?

Als Entrepreneur*in gründest du dein eigenes Unternehmen. Du bist unabhängig und hast alle Freiheiten – trägst aber auch die gesamte Verantwortung. Geht etwas schief, steht im Zweifel deine Existenz auf dem Spiel. Intrapreneure sind keine selbstständigen Unternehmer. Dafür profitieren sie von der Stabilität eines festen Jobs, sind finanziell abgesichert und gehen kein ganz so hohes Risiko ein. Für viele Visionäre ist das das perfekte Modell – vielleicht ja auch für dich?

Drei Beispiele für gelungenes und gescheitertes Intrapreneurship

Intrapreneure bieten ihren Unternehmen ein enormes Entwicklungspotenzial. Große Player machen es vor: Aus ihrer für Intrapreneurship offenen Unternehmenskultur heraus haben sich bereits zahlreiche innovative Projekte entwickelt. Doch nicht immer können sich Mitarbeiter mit ihren Ideen durchsetzen – was für manche Unternehmen fatale Folgen hat. Die folgenden drei Beispiele geben dir einen Einblick in die Praxiswelt des Intrapreneurship.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn bietet ihren Mitarbeiter*innen ein eigens entwickeltes Intrapreneurship-Programm. Jede*r kann Ideen einreichen, ganz egal, welcher Position. Wird eine Idee ins Programm aufgenommen, erhalten die Intrapreneur*innen vielfältige Unterstützung: Sie können an speziellen Schulungen teilnehmen und werden von ihrer eigentlichen Arbeit zu bis zu 100 Prozent freigestellt. So konnten sich schon einige erfolgreiche Projekte entwickeln. Das erste und bekannteste ist weColli, das inzwischen unter dem Namen Grüne Stadtlogistik agiert. Dabei handelt es sich um einen Logistikservice mit Last- und E-Fahrrädern.

Kodak

Dies ist keine Erfolgsgeschichte: Am Beispiel des Herstellers von fotografischer Ausrüstung und Filmmaterial siehst du, was passiert, wenn Unternehmen nicht offen für Intrapreneurship sind. 1974 entwickelte der Elektroingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera der Welt. Was Kodak die Vorreiterrolle im Bereich Digitalfotografie hätte einbringen können, sah das Unternehmen als Bedrohung an. Sasson durfte nicht über seine Erfindung sprechen und Kodak blieb bei seinen altbekannten Leistungen. 2012 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Die Tagesschau

Als Robert Amlung in den 1990er-Jahren als Redakteur bei der ARD arbeitete, bekam er eines Tages mit, dass im Internet nun auch Videos abgespielt werden konnten. Er schloss daraus, dass auch die Tagesschau von einem Webauftritt profitieren würde. Sein Chefredakteur war sofort begeistert, doch beim Programmdirektor musste Amlung lange gegen Widerstände kämpfen. Irgendwann hatte er schließlich Erfolg: 1996 brachte er die Website tagesschau.de an den Start. Damit wurde die ARD zur Internetpionierin – ein echter Intrapreneurship-Klassiker!

Fazit

Intrapreneure sind hartnäckig, motiviert und innovativ. Sie lieben ihre Arbeit und profitieren von den Vorteilen des sicheren Angestelltenverhältnisses. Dennoch benötigen sie Ausdauer und Mut, um sich und ihrer Idee Gehör zu verschaffen. Für Unternehmen lohnt es sich jedenfalls, offen für interne Innovationen zu sein und Intrapreneurship gezielt zu fördern. Nur so können sie sich das volle Potenzial ihrer Mitarbeiter*innen zunutze machen – und verlieren es nicht an andere Unternehmen, weil ihre kreativsten Köpfe den Job wechseln oder sich selbstständig machen.

Wenn du glaubst, dass deine Idee das Unternehmen, in dem du arbeitest, weiterbringen kann und du die typischen Intrapreneur-Fähigkeiten besitzt, ist dieser Weg womöglich genau richtig für dich. Zögere also nicht und probiere dich aus!


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bhp