Ausgründung aus der Hochschule – so gelingt Gründen zwischen Hörsaal, Labor und Doktorarbeit

Aus dem Hörsaal direkt in den Chefsessel – kann das klappen? Mit guter Planung und kompetenter Unterstützung durchaus! Es ist nicht gesagt, dass man nach dem Hochschulabschluss erstmal Berufserfahrung sammeln sollte, bevor man sich in die Selbstständigkeit wagt.

Wie eine Ausgründung gelingt und worin die besonderen Herausforderungen liegen, erklären wir in diesem Artikel.

Für wen ist eine Ausgründung geeignet?

Vielleicht bist du ja im Rahmen deines Studiums oder beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit zu spannenden Forschungsergebnissen gekommen, die sich in eine Geschäftsidee umsetzen lassen. Oder du arbeitest an einer Forschungseinrichtung und bist dabei auf eine Erkenntnis gestoßen, aus der ein Geschäftsmodell entstehen kann. Noch eine Möglichkeit: Du bist im Mittelbau einer Hochschule tätig und die Förderung deines Projekts läuft demnächst aus. In allen diesen Fällen könnte eine Ausgründung eine Möglichkeit sein, deine wissenschaftliche Arbeit weiterzuführen und zum Ausgangspunkt für die Gründung eines eigenen Unternehmens zu machen.

Was ist eine Ausgründung?

Bei einer Ausgründung, auch Spin-off genannt, wird eine Abteilung aus einem Unternehmen oder einer Institution durch die Gründung eines eigenständigen Unternehmens ausgegliedert. Es entsteht also eine neue rechtliche Einheit. Häufig bestehen inhaltliche und wirtschaftliche Verbindungen zwischen der Ursprungsorganisation und der neuen Einheit.

Unter einer Ausgründung aus einer Hochschule versteht man eine Gründung, bei der wissenschaftliches Know-how unmittelbar in das Geschäftsmodell einfließt und die Geschäftsidee direkt aus Studium und Forschung abgeleitet wird. Diese Art von Existenzgründungen zählen zu den sogenannten „Wissensgründungen“. Ihnen wird für den gesellschaftlichen Fortschritt eine besondere Bedeutung zugeschrieben, da sie mit ihren neuen Produkten und Dienstleistungen die Innovationskraft der gesamten Wirtschaft befördern und so zu Wachstum und Wohlstand beitragen.

Nicht alle universitätsnahen Ausgründungen erfolgen direkt aus wissenschaftlichen Projekten. Oft sind es auch nur die offene Atmosphäre und das systematische Denken an Hochschulen, die Gründungen aus dem akademischen Umfeld so erfolgreich machen.

Die besonderen Marktchancen von wissensbasierten Ausgründungen resultieren dabei in den meisten Fällen aus

  • einem Wissensvorsprung,
  • einer Erfindung oder
  • aus der Kombination bestehender Leistungen zu einer Innovation.

Viele bekannte Startups sind auf diese Weise entstanden. Ihr besonderes Kennzeichen ist ihre Skalierbarkeit, also ein starkes Wachstumspotenzial. Wenn dich diese Form der Wissensgründung reizt oder du schon immer wissen wolltest, was sich hinter diesem Buzzword verbirgt, empfehlen wir dir den Gründerplattform-Artikel „Gründe dein eigenes Startup und mach dein Ding".

Graphische Darstellung von Menschen auf farblichen Feldern

Ein Beispiel für wissenschaftliche Ausgründungen: CureVac

Ein Beispiel für wissenschaftliche Ausgründungen, das in jüngster Zeit für Aufsehen gesorgt hat, ist das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac. Die Firma, die bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 eine führende Rolle spielt, ist 2000 aus einer Doktorarbeit hervorgegangen. Als Doktorand fand CureVac-Gründer Ingmar Hoerr heraus, dass das Biomolekül mRNA, das in jedem Menschen vorkommt, relativ einfach als therapeutischer Impf- oder Wirkstoff genutzt werden kann. Seine Erkenntnis kann bei der Entwicklung von individuellen Therapien für schwer erkrankte Patienten oder bei der Entwicklung von Impfstoffen eingesetzt werden.

Heute beschäftigt CureVac über 450 Mitarbeitende und hat kürzlich für die Forschung an einem Covid-19-Impfstoff Fördermittel in Millionenhöhe erhalten.

Mit Wissensgründungen erfolgreich werden und Förderungen nutzen

Auch wenn die Erfolgsgeschichte von CureVac außergewöhnlich ist und sicher nicht als Regelfall gelten kann: Das große Potenzial, das in Wissensgründungen aus der Hochschule steckt, hat auch die Politik erkannt. So werden Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen seit einigen Jahren verstärkt angehalten, Ausgründungen zu fördern. Zu diesem Zweck wurden an vielen Hochschulen Referate für Transfer und Gründung gebildet, die meist direkt am Präsidium angedockt sind und als interdisziplinäre Schaltstellen das Thema in den Lehr- und Forschungseinrichtungen voranbringen sollen. Eigene Gründungszentren und Inkubatoren sollen ebenfalls den Weg für Ausgründungen bereiten.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert diese Anstrengungen unter anderem mit den Programmbausteinen „EXIST für Hochschulen“ und „EXIST Gründungsstipendien. Auch die Europäische Kommission macht ihre Forschungsförderung zunehmend davon abhängig, ob an einer wissenschaftlichen Einrichtung eine Transfer-Strategie besteht, also ob ein Aktionsplan für Ausgründungen explizit formuliert wurde.

Es gibt also verschiedene Fördermöglichkeiten, die du als Gründer*in im Hochschul-Kontext nutzen kannst. Wenn du eine Ausgründung anstrebst, schau dir unbedingt die Finanzierungsmöglichkeit „Gründungsstipendium" an. Recherchiere außerdem Fördermöglichkeiten und Stipendien in deinem Bundesland. Dabei hilft dir der interaktive Förder-Finder der Gründerplattform, in den wir alle Gründungsstipendien der Länder aufnehmen. 

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In sieben Schritten zur Ausgründung

Lass uns jetzt gemeinsam schauen, wie du deine Ausgründung aus der Hochschule umsetzen kannst. Wir schlagen dir hierzu sieben Schritte vor und geben dir eine Reihe von Hilfen und Tools der Gründerplattform an die Hand.

Schritt 1: Prüfe, ob deine Erfindung schon genutzt wird

Auf der ganzen Welt wird fleißig geforscht und getüftelt. Da kann es durchaus sein, dass mehrere Menschen die gleichen Ideen haben. Deshalb solltest du zunächst prüfen, ob deine Idee wirklich neu ist oder vielleicht schon irgendwo genutzt wird. Das ist vor allem im Hinblick auf eine Patentanmeldung bzw. die Schutzrechte von Erfindungen von Bedeutung. Hier hilft nur eine intensive Recherche in den einschlägigen Fachjournals und in den Datenbanken der Patentbehörden.

Tipp: Du suchst Inspiration für Innovationen? Dann schau dir mal die Geschäftsmodelle von anderen an und lies dir auch unseren Artikel über Disruption durch. Lass dich vom Unternehmergeist anderer anstecken. Als Gründer*in mit wissenschaftlichem Background hast du großes Potenzial, die Unternehmenswelt kreativ weiterzuentwickeln! 

Schritt 2: Frage dich, ob sich deine Innovation zu einer Geschäftsidee entwickeln lässt.

Eine gute Idee ist noch keine Garantie für ein gutes Geschäft. Mach dich an die Arbeit und prüfe deine Idee auf Herz und Nieren. Folgende Fragen solltest du dir stellen:

  • Welches Problem möchtest du mit deinem Angebot lösen? Worin liegt der Nutzen für deine Kunden?
  • Was weißt du über den Markt? Wie groß ist er, wie ist die Konkurrenz aufgestellt, welche neuen Trends zeichnen sich ab, welche Zielgruppen sprichst du an?
  • Wie willst du mit deinem Unternehmen Geld verdienen? Wofür bezahlen deine Kunden? Wie schnell lässt sich Geld verdienen?

Teste deine Annahmen so früh wie möglich, z. B. über einen Prototypen oder ein MVP (Minimal Viable Product).

Tipp: Hilfreiche Ansätze findest du in unserem Blog-Artikel zu Geschäftsideen und auch im Beitrag zur Business Model Innovation. Oder du wirfst mal einen Blick auf neue Methoden, die besonders auf die Entwicklung von Geschäftsmodellen aus der Wissenschaft abzielen.

3. Schritt: Erkunde deine Stärken und Schwächen

Fachliche Expertise ist in der Wissenschaft das A und O. Um aber ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen zu gründen, brauchst du darüber hinaus Organisationstalent und die Gabe, unternehmerische Chancen zu erkennen. Es gibt nur wenige Menschen, die alles drei – Fachwissen, Management-Skills und unternehmerischen Weitblick – gleichermaßen in sich vereinen. Das sollte auch nicht dein Anspruch sein. Hauptsache, du kennst diese drei idealtypischen Seiten des Unternehmertums und machst dir bewusst, wo deine individuellen Stärken und Schwächen liegen. Dann kannst du nämlich durch gezielte Weiterbildung gegensteuern und dir ein Team aufbauen, das dich perfekt ergänzt.

Damit dir der Seitenwechsel gelingt, solltest du dir klar machen, dass in der Wirtschaft ganz andere Dinge zählen, als in der Wissenschaft: Während es in der Wissenschaft um Erkenntnisgewinn, den Austausch von Argumenten und um Innovation geht, steht im wirtschaftlichen Kontext der Kundennutzen im Mittelpunkt. Eine Idee kann aus wissenschaftlicher Perspektive noch so genial und innovativ sein – wenn sie sich nicht verkauft, taugt sie nicht als Geschäftsidee.

Schritt 4: Kläre deine rechtliche Situation

Das kommerzielle Verwerten von Forschungsergebnissen kann rechtlich betrachtet kompliziert sein. Du bekommst es hier unter anderem mit dem Hochschulrecht, dem Urheberrecht, dem Patentrecht und dem Kartellrecht zu tun. Im Beitrag zur Verwertung von Patenten zeigen wir dir, was du beachten solltest, wenn du eine Idee aus dem Hochschulkontext zu einem Unternehmen entwickelst.

Um auf der sicheren Seite zu sein, solltest du dich mit der Praxis an deiner Hochschule vertraut machen, denn die kann sich von Standort zu Standort unterscheiden. Allgemein lässt sich feststellen: Hochschulen werden immer offener gegenüber der unternehmerischen Verwertung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, denn sie stärkt ihre Reputation.

Erste Anlaufstelle an deiner Hochschule ist die Gründungsberatungsstelle oder das Referat für Transfer und Gründung. Suche möglichst früh den Kontakt, damit nicht später das böse Erwachen kommt, wenn du feststellen musst, dass du die wissenschaftliche Basis deiner Geschäftsidee gar nicht verwenden darfst.

Schritt 5: Erarbeite ein Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell ist das Fundament deines Unternehmens und beschreibt dessen Funktionsweise. Ob ein Unternehmen erfolgreich durchstartet oder zum Rohrkrepierer wird, hängt nicht vom Produkt ab, sondern Geschäftsmodell im Ganzen. Auf der Gründerplattform findest du die richtigen Fragen zu diesem Thema. Mit ihrer Hilfe kannst du deine Idee schrittweise zu einem vollständigen Geschäftsmodell ausarbeiten.

Schenke dabei nicht nur deiner Erfindung, sondern auch dem Markt besondere Aufmerksamkeit. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den Markt für eine Innovation zu beschreiben, wenn es noch keine Erfahrungswerte gibt. Das ist auch der Grund, warum innovative und wissensbasierte Geschäftsmodelle besonders anspruchsvoll sind: Die vielen Unbekannten bringen eine große Unsicherheit mit sich und fordern von allen Beteiligten eine Extraportion Mut.

Das Geschäftsmodell (Business Model Canvas): Warum ist das so wichtig? - Patrick Stähler

Schritt 6: Schreibe deinen Businessplan

Zu jeder Gründung gehört ein Businessplan. Er stellt einen Fahrplan für die Existenzgründung und den zukünftigen Unternehmensaufbau dar und beschreibt nicht nur, was du vorhast, sondern auch, mit welchen Maßnahmen du deine Ziele in welchem Zeitraum erreichen willst. Im Unterschied zum Geschäftsmodell enthält der Businessplan konkrete Zahlen zu den Kosten und zu den erwarteten Umsätzen deiner Gründung.

Auf der Gründerplattform findest du alles, was du zur Erstellung deines Businessplans brauchst. Außerdem kannst dich von unternehmerischen Vorbildern und ihren Businessplänen inspirieren lassen und findest dort Leitfragen, die dir das Planen leichter machen. Du hast die Möglichkeit, deinen Businessplan an Fachleute von Kammern, Wirtschaftsförderern, Hochschulen oder Banken zu schicken, die mit der Gründerplattform zusammenarbeiten. Sie geben dir gerne Feedback und sagen dir, wo du vielleicht nachbessern könntest.  

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Schritt 7: Kläre deine Finanzierung

Ein vergleichsweise hoher Finanzbedarf ist typisch für wissens- und technologiebasierte Ausgründungen. Wenn du jedoch solide planst und die Wachstumschancen deines Unternehmens überzeugend darlegen kannst, wird es dir gelingen, mutige Finanzierungspartner zu finden, die an dein Projekt glauben und dich unterstützen.

Ausgründungen aus Hochschulen sind politisch gewünscht. Deshalb hält jede Hochschule heutzutage Angebote zu den Themen Technologietransfer und Gründung bereit. Erkundige dich nicht nur bei deiner eigenen, sondern auch bei benachbarten Hochschulen und scheue dich nicht, deren Ansprechpersonen zu kontaktieren. Recherchiere zusätzlich, welche Angebote es von der ortsansässigen Wirtschaftsförderung gibt, was die Kammern anbieten und  welche Förderungen es auf Landesebene gibt. Ja, die Förderlandschaft in Deutschland erscheint manchmal wie ein Dschungel, doch sie birgt auch „süße Früchte“.

Tipp: Viele Hochschulen kooperieren mit der Gründerplattform und liefern dir auf Knopfdruck Feedback zu deiner Geschäftsidee, deinem Geschäftsmodell oder deinem Businessplan. Wenn du dich auf der Gründerplattform anmeldest, findest du unter „Unterstützung holen“ mit deiner Postleitzahl das passende Beratungsangebot.

Noch ein Beispiel: X-Spectrum

Wie eine Ausgründung aus einem Forschungsinstitut aussehen kann, zeigt die Gründungsgeschichte von Florian Quis und seinem Team vom Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY. Die Wissenschaftler*innen haben einen Hochgeschwindigkeits-Röntgendetektor zur Erforschung molekularer Prozesse erfunden. Aus dieser ursprünglich nur für den eigenen Bedarf entwickelten Lösung haben sie ein marktfähiges, standardisiertes Produkt entwickelt, das vor allem in der Materialforschung Anwendung findet. Für die Vermarktung haben sie eine GmbH gegründet, deren Gesellschafter*innen sie sind. Ein weiterer der Gesellschafter ist das Forschungszentrum DESY, aus dem die Geschäftsidee ursprünglich hervorgegangen war.

Die Gründungsgeschichte und das Geschäftsmodell von X-Spectrum haben wir uns genauer angeschaut, damit andere davon lernen können. Auf der Gründerplattform findest du die Ergebnisse unserer Analysen.

X-Spectrum: High-Tech Röntgenkamera! - Florian Quis

Fazit

Wenn du im Rahmen deines Studiums oder deiner Forschung auf eine Geschäftsidee kommst und es dir um Fortschritt und die praktische Anwendung deiner wissenschaftlichen Arbeit geht, dann ist Gründen der richtige Weg für dich. Trau dich und überprüfe deine Idee unbedingt auf ihre Marktfähigkeit! Wissenschaftliche Erkenntnisse, die relevante Probleme lösen, können – im wahrsten Sinne des Wortes – Gold wert sein. Große Unternehmen beschäftigen ganze Forschungs- und Entwicklungsabteilungen für die Entwicklung von Innovationen – und du hast sie möglicherweise „nebenbei“ entdeckt! Erkenne und nutze dein Potenzial.

Vielleicht signalisiert dir dein Umfeld, dass du erstmal auf klassischem Wege Berufserfahrung im Angestelltenverhältnis sammeln solltest. Doch sei dir bewusst, dass möglicherweise jemand anderes schneller ist und in der Zwischenzeit deine Idee umsetzt. Unterschätze auch nicht die Kraft deines frischen Geistes, der noch frei von „Konzerndenke“ ist. Wenn du das Gefühl hast, dass dir Know-how fehlt, hol dir Hilfe, z. B. in Form von Beratung oder auch durch Mitgründer*innen, die dich mit ihren Stärken und Erfahrungen perfekt ergänzen. Deine Uni, deine Hochschule oder dein Institut sind dafür die ersten Anlaufstellen, weitere haben wir dir bei den Beratungs- und Förderangeboten skizziert.

Die Förderangebote im Hochschul-Kontext haben zwei große Vorteile gegenüber Förderangeboten ohne wissenschaftlichen Bezug: Sie sind meist mit einem starken Netzwerk verbunden und schließen Stipendien zur Sicherung deines Lebensunterhalts ein – du stehst also nicht sofort unter dem Druck, neben dem Unternehmensaufbau auch dein persönliches Einkommen zu erwirtschaften. Nutze diese Unterstützungsmöglichkeiten, die die Politik extra für Wissensgründer*innen geschaffen hat.

Mit der richtigen Idee, dem richtigen Set aus Team und Finanzen, und mit Lust an Entrepreneurship ist der direkte Weg von der Hochschule in dein eigenes Unternehmen genau der richtige.

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bhp