Unternehmens­führung

Formen, Inhalte und Aufgaben des Managements

Als Gründer*in fragst du dich womöglich, was genau eigentlich gute Unternehmensführung ausmacht und auf welchen Prinzipien diese fußt. Hierzu gibt es viele verschiedene Ansätze und Leitlinien, die sich dem Thema mal wissenschaftlich und mal praxisorientiert nähern. Da aber die Unternehmensleitung für die Führungskräfte eines Dax-Konzerns andere Herausforderungen mit sich bringt als für eine Person, die gerade erst ein Unternehmen gegründet hat, wollen wir dich nicht mit komplizierten Details belasten, sondern dir in diesem Ratgeber zunächst einmal die wichtigsten Aspekte der Unternehmensführung näherbringen. Zudem erfährst du hier, was bei den Themen Unternehmensführung und Management sonst noch eine Rolle spielt und welche Gedanken du dir als Gründer*in dazu machen solltest.

Strategische Unternehmens­führung

Bei der strategischen Unternehmensführung ist der Blick immer fest in die Zukunft gerichtet, es geht um die mögliche Entwicklung des Unternehmens. Dafür werden Ziele definiert, die diese Pläne abbilden sollen.

Zur strategischen Unternehmensführung gehören:

  • Produkte planen: Wie setzt sich die Produktpalette des Unternehmens zusammen? Die strategische Planung legt fest, was den Kund*innen zukünftig angeboten werden soll und was im Portfolio womöglich noch fehlt.
  • Ausrichtung definieren: Ob dein Unternehmen rein profitorientiert arbeiten möchte oder sich eher an ökologischen oder sozialen Werten ausrichtet, spielt eine große Rolle: Die Antwort auf diese Frage hilft dabei, einen Markenkern zu definieren und sich von der Konkurrenz abzuheben.
  • Visionen formulieren: Wo dein Unternehmen in der Zukunft stehen soll, kannst du bereits jetzt festlegen. Die Umsetzung obliegt zwar dem operativen Geschäft – aber in der strategischen Unternehmensführung werden diese Ziele überhaupt erst formuliert.
  • Markt sondieren: Auch wenn es gut läuft, ist nicht gesagt, dass es immer so bleibt. Ein Auge sollte daher immer auf den Markt gerichtet sein, um Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und die strategische Ausrichtung womöglich entsprechend anzupassen.

Gründerplattform-Tipp: Ziele an Fristen binden

Um die Einhaltung der Ziele überprüfen zu können, müssen diesen klar abgesteckte Zeiträume zugeordnet werden. Üblich ist die Definition von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Ein langfristiges Ziel wäre etwa die Erschließung eines neuen Marktes (in einem bestimmten Land oder einer neuen Region). Mittelfristig könnten dann schon erste Schritte unternommen werden, um dieses Ziel auch zu erreichen. Kurzfristig dagegen würde vielleicht ein Besuch vor Ort stattfinden, um die lokalen Gegebenheiten zu begutachten.

Operative Unternehmens­führung

Die operative Unternehmensführung beschäftigt sich mit der inneren Struktur eines Unternehmens und der Frage, wie es gelingt, die strategischen Ziele zu erreichen. Im Grunde kannst du dir das Ganze als riesiges Projektmanagement vorstellen: Es braucht die richtigen Ressourcen (Mitarbeiter*innen und Sachkapital) und Köpfe, die es verstehen, diese auch perfekt einzusetzen. Neben einer guten Organisation spielt aber auch Veränderung eine Rolle: Um nicht stehenzubleiben, ist stets ein gesundes Maß an Weiterentwicklung notwendig – in Form von Investitionen etwa.

Darum wird sich in der operativen Unternehmensführung gekümmert:

  • Mitarbeiter*innen: Das Personal ist das wichtigste Kapital deines Unternehmens. Wie viele Angestellte benötigst du und welche Kompetenzen sollen diese mitbringen? Brauchst du möglicherweise auch Leih- und Zeitarbeiter*innen, um saisonale Engpässe zu überbrücken?
  • Aufgabenverteilung: Wer macht was in deinem Unternehmen? Das muss festgelegt werden. Sonst sitzen, überspitzt formuliert, die Pförtner*innen in der Buchhaltung und die Programmierer*innen im Vertrieb. In der operativen Unternehmensführung wird also auch über den richtigen Einsatz der Mitarbeiter*innen entschieden.
  • Prozessoptimierung: Dass jede*r weiß, was er/sie machen soll, ist schon einmal gar nicht so schlecht. Jetzt geht es aber noch darum, dass das Ganze auch effizient und schnell funktioniert. Die komplexen Abläufe in einem Unternehmen so zu steuern, dass alles wie bei einem Uhrwerk reibungslos ineinandergreift, ist definitiv eine Herausforderung. Entscheidungswege sollten möglichst kurz und unkompliziert sein, um flexibel auf Probleme und unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können.
  • Standort: Der wird natürlich bereits im Businessplan festgelegt, bevor das Unternehmen überhaupt seine Pforten öffnet. Geht es aber darum, weitere Filialen zu eröffnen oder in andere Märkte zu expandieren, ist die Wahl eines passenden Standorts überaus wichtig. Ob eine Geschäftsidee für dich erfolgreich ist, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wo genau du sie umsetzen möchtest.

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Das Controlling – wichtiger Teil des Unternehmens­managements

Der letzte der drei Kerninhalte der Unternehmensführung ist die Steuerung. Wie gehst du sicher, dass du deine Ziele auch erreichen kannst? Indem du dich der nackten Zahlen annimmst und sie überprüfst. Denn nur so kannst du herausfinden, wie effizient dein Unternehmen arbeitet. Hat die strategische Führung als mittelfristiges Ziel etwa die Markteinführung eines neuen Produkts ausgegeben, so bleibt es zwar dem operativen Management vorbehalten, alle dafür notwendigen Prozesse in die Wege zu leiten – das Controlling ist aber dafür zuständig, die Kostenstruktur im Auge zu behalten und die Realisierbarkeit des Projekts einzuschätzen. Irgendwer muss den Laden schließlich zusammenhalten. Das Controlling unterstützt also die strategische und die operative Unternehmensführung bei der Erledigung ihrer Aufgaben.

Im Optimalfall geht Controlling sogar so weit, dass jede*r Mitarbeiter*in selbst darauf achtet, gesteckte Ziele im Sinne des Unternehmens einzuhalten – indem er/sie beispielsweise nicht fahrlässig mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umgeht und kein Geld verschwendet.

Voraussetzungen für ein funktionierendes Controlling:

  • klar mess- und überprüfbare Ziele
  • strukturierte Betriebsabläufe
  • lückenlose und transparente Aufbereitung aller Daten
  • analytisches Denken, um Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen
  • richtige Interpretation der vorhandenen Daten

Die Kunst des Controllings besteht darin, aus den gesammelten Kennzahlen (KPIs) die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, um daraus folgerichtige Handlungsempfehlungen ableiten zu können. Auf gut Deutsch: Wenn du merkst, dass deine Ausgaben im Bereich Vertrieb höher sind, als in der Planung veranschlagt, gilt es zu überlegen, warum dem so ist. Ist womöglich ein Partnerunternehmen schlicht zu teuer oder ist die Abteilung vielleicht nicht effizient genug?

Als Gründer*in deines eigenen Unternehmens wirst du den Controlling-Job anfangs selbst erledigen müssen, bis du ihn ab einer gewissen Unternehmensgröße schließlich ausgewiesenen Fachleuten anvertraust.

Soziale Unternehmens­führung: Hier sind Führungs­persönlichkeiten gefragt

Neben den oben genannten Punkten wird oft auch die Mitarbeiterführung zum Management hinzugezählt. Ein Unternehmen zu leiten heißt eben auch, Führungskompetenzen auf sozialer Ebene zu haben – oder aber eine Person einzustellen, die genau diese besitzt und gewinnbringend für das Unternehmen einsetzen kann. Schließlich muss ein Ass in der strategischen Unternehmensführung nicht zwangsläufig auch überdurchschnittlich gut mit Menschen umgehen können.

Damit sich kein Frust in der Belegschaft breitmacht, gilt es, deine Mitarbeiter*innen also nicht nur strategisch und operativ als Ressource zu betrachten, sondern sich mit ihnen auch auf sozialer Ebene auseinanderzusetzen.

Am besten funktioniert das mit folgenden Tipps:

  • Unternehmensziele verinnerlichen: Natürlich möchtest du im Idealfall ein Team haben, das die Vision deiner Firma mit dir teilt. Wenn an der Basis mit der gleichen Passion gearbeitet wird wie an der Spitze, gehst du sicher, dass auch wirklich alle an einem Strang ziehen – zum Wohle des Unternehmens. Dazu benötigt es jedoch gewisse soziale Kompetenzen in der Unternehmensführung, um sicherzustellen, dass sich die DNA auch auf alle überträgt. Wer einfach nur gleichgültig seinen Job machen will, muss entweder von den Unternehmenszielen überzeugt werden – oder im Zweifel gehen.
  • Motivation hochhalten: Wie sorgst du dafür, dass deine Mitarbeiter*innen motiviert zur Arbeit erscheinen und nicht nach fünf Minuten gleich wieder gehen wollen? Indem du einerseits ein entsprechendes Arbeitsumfeld schaffst, andererseits aber auch ausreichend Führungsqualität in den Teams und Leitungsebenen versammelst. Die Angestellten wollen für ihre Arbeit wertgeschätzt werden. Und mit einem/einer fairen, ehrlichen und verantwortungsvollen Chef*in arbeitet es sich gleich viel besser.
  • Unternehmenswerte definieren: Das bedeutet in diesem Fall, dass es im Unternehmen eine Art Leitlinie zum Umgang miteinander gibt – auch „Unternehmenskultur“ genannt. Teilen alle Mitarbeiter*innen diese Werte, kann eine wunderbare Teamchemie entstehen.
  • Für Transparenz sorgen: Mitarbeiter*innen mögen nichts weniger als das Gefühl, nicht zu wissen, was im Unternehmen vor sich geht. Das kann schnell in die unbegründete Befürchtung münden, der eigene Job sei in Gefahr. Schaffe also Transparenz und informiere die Angestellten über wichtige Entscheidungen und Veränderungen. So gibst du ihnen das Gefühl, ein wichtiger Baustein der Firma zu sein.
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Moderne Unternehmens­führung

Immer mehr Firmen berücksichtigen in der Unternehmensleitung noch weitere Aspekte, die oft einem erhöhten Bewusstsein für ökologische und soziale Probleme geschuldet sind. So spielt gesellschaftliches Engagement in der Unternehmensführung eine immer größere Rolle – genauso bedeutend ist aber auch eine agile Arbeitsweise, sollte diese in der Branche erforderlich sein.

Folgende Punkte sind in der modernen Unternehmensführung wichtig:

  • Agilität: Flexibel auf Marktschwankungen oder wirtschaftliche Entwicklungen reagieren zu können, ist nur ein Teil von agilem Management. Vielmehr gilt es auch, proaktive Maßnahmen zu ergreifen und zu antizipieren, welche Schritte und Prozesse in einem Unternehmen anstehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für die Arbeitsweise in Teams bedeutet Agilität vor allem, die Arbeitsabläufe für alle transparent zu gestalten, Ergebnisse regelmäßig zu überprüfen und Ziele, wenn nötig, flexibel daran anzupassen. Ob agile Methoden in deinem Betrieb sinnvoll sind, hängt nicht zuletzt von deinem Geschäftsmodell und deiner Unternehmensstruktur ab.
  • Umweltfreundlichkeit: Nicht erst seitdem die öffentliche Debatte um den Klimawandel besonders breit in der Gesellschaft geführt wird, spielen Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine verstärkte Rolle in der Unternehmensführung. Wer bewusst auf eine Green Policy setzt, wird zwar aller Voraussicht nach höhere Kosten für Produktion und Verpackung seiner Waren haben, lockt damit unter Umständen aber auch ein zahlungskräftigeres Klientel an. Und auch fürs Marketing ist ein „grüner Daumen“ nicht verkehrt. Wie weit du dabei gehen möchtest, hängt ganz davon ab: Ist die ökologische Ausrichtung Teil einer Strategie, um lukrative Märkte zu erschließen, oder handelst du tatsächlich aus Überzeugung?
  • Soziale Verantwortung: Dieser Aspekt schlägt in eine ähnliche Kerbe wie das Umweltbewusstsein – nur dass es hier um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter*innen und Lieferant*innen geht. Eine große Zahl von Maßnahmen kommt hier infrage: von der Inklusion Benachteiligter über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu fairer Bezahlung derjenigen Menschen, die ganz am Anfang der Produktionskette stehen – etwa Stofffärber*innen und Näher*innen in Südostasien. Wenn du dich mit Unternehmensmanagement beschäftigst, wirst du dir auch Gedanken um soziale Aspekte machen müssen.
  • Gesundheit: Wer dafür Sorge trägt, dass die eigenen Mitarbeiter*innen gesund und munter bleiben, erhält im Gegenzug motivierte Arbeitskräfte, die deutlich seltener krankheitsbedingt ausfallen. Ob du ihnen jeden Morgen Obst in die Küche stellst, ergonomische Möbel und höhenverstellbare Schreibtische anschaffst oder nach der Arbeit ein Sport- und Fitnessangebot bezahlst: Zur Unternehmensführung gehört es auch, für die Gesundheit deiner Angestellten zu sorgen.

Unternehmens­führung als Gründer*in

Während die oben genannten Punkte vor allem allgemeine betriebswirtschaftliche Grundsätze zur Unternehmensführung darstellen, wollen wir an dieser Stelle auf einige zusätzliche Punkte eingehen, die speziell für Existenzgründer*innen und Startups wichtig sind:

  • Outsourcing: Nach der Unternehmensgründung steigt die Komplexität des operativen Geschäfts stetig an. Das heißt für dich: Du kannst unmöglich alles selbst machen – und wirst vermutlich auch gar nicht über das nötige Know-how verfügen. Arbeite also lieber daran, was dich und deine Geschäftsidee so besonders macht, und kaufe alles andere als externe Services ein. Der bekannte Gründer und Experte für Entrepreneurship Prof. Günter Faltin hat dazu das Konzept der Komponentengründung entwickelt. Es beruht darauf, dass du in deinem Unternehmen nicht unbedingt Spezialist*innen für jeden Bereich benötigst – vielmehr holst du dir professionelle Dienstleister*innen („Komponenten“) ins Boot, auf deren gefestigte Strukturen du zurückgreifst. Stell dir dein Unternehmen also nicht als klassisches großes Gebäude mit vielen Abteilungen vor, sondern vielmehr als kleine Schaltzentrale, in der du als Dirigent*in die verschiedensten Komponenten miteinander kombinierst und aufeinander abstimmst. Das Motto dabei lautet: Funktion statt Konvention. Meint: Wichtig ist, dass etwas funktioniert, und nicht, ob es schon immer so gemacht wurde. Unser Artikel „Schau mal anders drauf“ hilft dir dabei herauszufinden, welche Komponenten für dein Geschäftsmodell wichtig sind.
  • Ressourcennutzung: Arbeite effektiv mit dem, was da ist, und mache bereits vor der Gründung eine Inventur deiner Ressourcen. Das bedeutet, dass du nicht erst alles Nötige heranschaffen musst, um deine Geschäftsidee umzusetzen – vielmehr schaust du, was bereits vorhanden ist, und startest damit dein Unternehmen. Gemäß dem Prinzip der Effectuation bestimmen also die Mittel, was machbar ist, und nicht etwa die Ziele.
  • Finde Schlüsselpartner*innen: Richte deine Unternehmensführung nach dem Nutzen für Kund*innen und Geschäftspartner*innen aus. Überlege dir, welche Partner*innen du für dein Geschäftsmodell benötigst und wie du mit ihnen zusammen ein gemeinsames Ziel verfolgen und den größtmöglichen Kundennutzen generieren kannst. Unternehmensberater und Autor Patrick Stähler nennt das auch den „Unternehmerspirit”: Sieh deine Geschäftspartner*innen nicht als notwendiges Übel an, sondern als unverzichtbaren Bestandteil deines Unternehmens.
  • Überprüfe deine Stärken: Der amerikanische Unternehmensberater Michael E. Gerber unterscheidet drei Kernaufgaben des/der Unternehmer*in: Du musst Fachmann bzw. Fachfrau, Visionär*in und Manager*in sein. Da aber nur die wenigsten Menschen alle drei Dinge in sich vereinen, wird auch die individuelle Unternehmensführung immer etwas andere Akzente haben. Das bedeutet konkret für dich: Überlege, in welchem Gebiet deine persönlichen Stärken liegen, und vervollständige sie dann durch Mitgründer*innen und neue Teammitglieder. Hast du die nötigen Visionen, aber keinerlei Ahnung von Management, dann hole dir diese Expertise, über Partner*innen ins Haus!

Auf unserer Inspirationsseite kannst du über Schieberegler einstellen, wie du deine Stärken einschätzt, und erhältst passend dazu Videos von Vorbildunternehmer*innen, um von ihnen zu lernen.

Fazit: Unternehmens­führung hat viele Facetten

Wie du siehst, umfassen die Aufgaben der Unternehmensführung viele verschiedene Aspekte – und wir kratzen bei diesem Überblick lediglich an der Oberfläche. Dass dich als Gründer*in vielschichtige Aufgaben erwarten, ist aber klar geworden. Mit wachsendem Erfolg deines Unternehmens wirst du einige dieser Aufgaben an andere Leute delegieren können – oder sogar müssen. Bis es so weit ist, wirst du jedoch für das meiste selbst verantwortlich sein. Zum Glück helfen wir dir dabei, dich für dein Unternehmertum gut zu wappnen!

Schau dir hierzu doch gerne folgende Beiträge an:

 

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bhp