Geschäftsidee
24.05.2019 | Dr. Jan Evers

Als Erfinder*in mit Patent erfolgreich gründen – wie geht das?

Rolf Schiller war lange bei der IHK Ulm und der IHK Bodensee-Oberschwaben als Innovationsberater tätig und leitet heute den Erfinderclub Allgäu-Oberschwaben e.V.  Er erarbeitete bei Dornier-System die Grundlagen der getrennten Hausmüllsammlung und erwarb sich mit einer Patentanmeldung zu deren Rationalisierung tiefe Einblicke in das Schutzrechtswesen und das Verhalten von Großfirmen. Über seine Erfahrungen in dieser Branche schrieb er ein Buch, Kabale um Hausmüll, Verrai Verlag Stuttgart. Er macht sich stark für freie Erfinder*innen in Deutschland und möchte ihnen den Weg von der Idee bis zum marktreifen Produkt erleichtern.

Rolf Schiller

Rolf Schiller - Fotocredits: Stefanie Rebhan

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, vor welchen Hürden Erfinder*innen in Deutschland stehen und woran sie denken sollten, wenn sie ihre Ideen erfolgreich umsetzen wollen.

Hallo Rolf, danke, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Startups wie Airbnb oder UBER, die mit ihren neuartigen Ideen ganze Branchen auf den Kopf stellen, finden ja sehr viel mediale Aufmerksamkeit. Wie bewertest du diesen Hype?

Ich beobachte die Entwicklung seit gut 40 Jahren und begrüße es sehr, dass das Thema Startups, Erfindungen und Innovationen inzwischen eine höhere Aufmerksamkeit genießt. Aber dennoch wird es Erfindern in Deutschland schwer gemacht, ihre Ideen umzusetzen und auf den Markt zu bringen. Das Problem ist, dass es lokal durchaus gute Ansätze zur Innovationsförderung gibt, aber aufgrund der weitgehend föderalen und regionalen Finanzierungsstruktur eben nicht bundesweit und ohne Öffentlichkeitswirksamkeit. Ob und welche Unterstützung jemand bekommt, bleibt dem Zufall überlassen.

Du leitest den Erfinderclub Allgäu-Oberschwaben e.V. seit 16 Jahren. Was ist die Aufgabe dieses Clubs?

Wir versuchen, unsere Erfinder gleichzeitig zu motivieren und sie auf dem Boden zu halten. Denn eins sollten sie sich bewusst machen: Ihre Idee mag noch so gut sein, die Welt werden sie nicht damit verändern.

Wieso eigentlich nicht?

Seien wir realistisch: Es ist für einen kleinen Erfinder wahnsinnig schwer, sich gegen die Marktmächte durchzusetzen. Die hohe Wirtschaftskonzentration sorgt dafür, dass mit massiven Mitteln gegen Neuerungen vorgegangen wird, sobald dadurch ökonomische Interessen ernsthaft berührt werden. Denken wir an die E-Mobilität und den Wasserstoffantrieb. Diese Trends hat die Automobilindustrie in Deutschland nicht nur verschlafen, sondern zum Teil sogar aktiv verzögert.

Aber man könnte einwenden: Diese Technologien kommen ja jetzt doch.

Stimmt, aber der Weg dahin war steinig und verschlungen. Es könnte und müsste erheblich mehr dafür getan werden, dass die vielen guten Ideen unserer Erfinder nicht in der Schublade verschwinden, sondern Wirklichkeit werden.

Ich formuliere hier vielleicht auch etwas scharf, weil ich selbst ein gebranntes Kind bin: Obwohl ich als technischer Leiter eines wichtigen Projektes früh die Chancen des Müllrecyclings erkannte und innovative Produkte entwickelte, scheiterten wir an den Interessen der Müllbranche. Und an einem Anmeldefehler unserer Patentabteilung.

Solange eine Idee nicht realisiert wird, kostet ein Patent nur Zeit, Nerven und Geld, ohne etwas einzubringen. Aber wenn die Idee auf den Markt kommt, bist du auf einen wasserdichten Patentschutz angewiesen.

Erzähl doch mal: Wie kommt es denn überhaupt zu Erfindungen?

Klassischerweise läuft es so ab: Jemandem fällt auf, dass etwas nicht gut funktioniert oder unnötig lästig ist. Er oder sie sucht nach einer besseren Lösung. Und geht dann von der Idee in die Tat über und versucht, die neue Lösung mit meist sehr bescheidenen Mitteln umzusetzen.

Dabei steht der Erfinder vor folgendem Dilemma: Er hat furchtbare Angst, dass ihm jemand seine Idee klauen könnte, und würde sie am liebsten für sich behalten. Gleichzeitig weiß er, dass er Öffentlichkeit braucht. Ohne Feedback von anderen und ohne einflussreiche Partner, die ihm Türen öffnen, wird er seine Idee kaum umsetzen können.

Aus dieser Zwickmühle versuchen die Erfinderclubs herauszuhelfen: Unsere Treffen sind streng vertraulich und alle Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dadurch können die Erfinder bei uns ganz offen über ihre Ideen sprechen – auch ohne sie patentrechtlich geschützt zu haben. Das ist grandios, aber viel zu wenig bekannt!

Schau dir das Video mit Stefan an, dem Erfinder eines aufblasbaren Zeltes und Gründer von Heimplanet:

Was sind denn typische Fehlannahmen von Erfinder*innen und wie kann man sie davor bewahren?

Viele überschätzen ihre Chancen, sich am Markt durchzusetzen – ohne starke Partner ist das fast unmöglich. Die TV-Sendung Die Höhle der Löwen veranschaulicht dieses Problem sehr deutlich. Man fragt sich beim Zuschauen doch oft, wieso sich ein Produkt erst durchsetzt, wenn einer der Löwen einsteigt und seine Vertriebskanäle öffnet. Es braucht eben Kontakte und Geld. Beides haben Erfinder in der Regel nicht und sie wollen nicht unbedingt gründen.

Wo brauchen Erfinder*innen Unterstützung, damit aus ihren Ideen marktreife Produkte werden, mit denen sich Geld verdienen lässt?

Es gibt vier Schalthebel, an denen man ansetzen sollte, um Erfinder zu stärken:

  1. Aufklärung über das Erfindungs- und Patentwesen in Deutschland,
  2. Unterstützung beim Aufbau von Kooperationen,
  3. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und
  4. Kapital.

Lass uns diese vier Punkte doch mal einzeln durchgehen. Fangen wir mit der juristischen Seite an: Was sollte man zum Thema Patentanmeldung und Schutzrechte wissen?

Das Problem ist Folgendes: Solange eine Idee nicht realisiert wird, kostet ein Patent nur Zeit, Nerven und Geld, ohne etwas einzubringen. Aber wenn die Idee auf den Markt kommt, bist du auf einen wasserdichten Patentschutz angewiesen. Dann wird mit harten Bandagen und den besten Anwälten gekämpft. Das habe ich selbst erlebt. Es ist also durchaus berechtigt, dass sich Erfinder sehr früh Gedanken um diese Dinge machen. Denn ohne Schutz besteht die Gefahr, dass ihre Idee geklaut wird und jemand anderes sie umsetzt. Oder schlimmer noch: dass jemand anderes sie schützen lässt, um ihre Umsetzung zu blockieren.

Wie läuft denn so eine Patentanmeldung ab?

Grundlage der Patentanmeldung ist eine exakte Beschreibung der Innovation, aus der klipp und klar hervorgeht, worauf sich die Ansprüche beziehen sollen. Von der Formulierung hängt ab, ob bzw. wie leicht meine Wettbewerber die Schutzansprüche umgehen können. Das ist für viele Erfinder eine große Herausforderung. Jemand aus dem Ingenieurwesen ist ja noch lange keine Literaturkoryphäe, schon gar keine juristische Autorität. Hinzu kommt, dass hier knifflige juristische Fragen berührt werden.

Des Weiteren setzt jede Patentanmeldung eine umfangreiche Recherche voraus, die ohne einen erfahrenen Patentanwalt kaum zu bewältigen ist. Bevor du das Patentverfahren in die Wege leitest, solltest du dich natürlich davon überzeugt haben, dass deine Erfindung wirklich neu und damit patentfähig ist. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass das Patentamt diese Recherche übernimmt. Das stimmt nicht. Das Patentamt recherchiert erst nach der Anmeldung.

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Gibt es nicht bereits genügend Stellen, die bei der Patentanmeldung unterstützen? Was ist zum Beispiel mit dem Patentamt selbst?

Beim Deutschen Patent- und Markenamt findet man tatsächlich eine Menge Informationen. Aber wie man recherchiert, wird dort nicht erklärt. Deshalb haben wir auf der Seite der Wirtschaftsförderung im Landkreis Ravensburg einige hilfreiche Details aufgeschrieben. Leider erreichen wir damit nicht die Strahlkraft, die ein bundesweites Angebot entwickeln könnte. Viele Erfinder finden uns schlicht nicht.

Die Crux ist, dass sich das Patentamt gar nicht dafür verantwortlich fühlt, Erfindungen und Erfinder aktiv zu fördern – was unter anderem erklärt, warum die Suche in der Datenbank des Patentamtes so kompliziert ist. So kann man dort nicht etwa, wie man erwarten dürfte, gezielt nach lizenzwilligen Patentanmeldungen suchen. Das geht nur über fünf Ecken. Ich habe die Verantwortlichen mal auf diese Schwachstelle hingewiesen und bekam die lapidare Antwort, dass die Vermarktung der Patente gar nicht die Aufgabe des Patentamts sei.

Und wie sieht es aus deiner Sicht mit den IHKs aus?

Viele IHKs bieten Patentberatung an, wobei es deutschlandweit große Unterschiede gibt. In meiner Zeit bei der IHK habe ich zum Beispiel dafür gesorgt, dass bei uns ein Mal im Monat Patentanwälte aus juristischer Sicht zu diesem Thema informieren und Fragen beantworten – auf neutralem Boden und ohne dass für die Erfinder daraus die Verpflichtung entsteht, die jeweilige Person gleich beauftragen zu müssen. Ein sehr sinnvolles niedrigschwelliges Angebot.

Was schlägst du vor, um die Situation für Erfinder*innen zu verbessern?

Wichtig wäre, wie gesagt, dass alle relevanten Informationen gebündelt im Netz zur Verfügung stünden. Ein solches Online-Angebot würde die Beratungsleistungen von Patentanwälten und der IHKs natürlich nicht überflüssig machen, aber die Leute könnten sich besser vorbereiten und mit mehr Wissen in die Beratung gehen.

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Ich kenne Fälle, da haben Patentanwälte ihre Klienten regelrecht abgezockt. Die haben sie zur Patentanmeldung gebracht, obwohl sie sie eigentlich anders hätten beraten müssen. Wenn ein Patent so leicht zu umgehen ist, dass es gar keinen echten Schutz mit sich bringt, dann sollte man sich das Geld und die Zeit lieber sparen.

Die zweite Hürde, die du genannt hast, ist der Aufbau von Kooperationen. Was hilft Erfinder*innen bei der Suche nach Partner*innen?

Partnerschaften sind für die meisten Erfinder der Schlüssel zum Erfolg. Dabei geht es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um die Bereitstellung von Produktionsmitteln und Vertriebswegen.
Die Suche nach geeigneten Partnern beginnt meist im Internet. Wer eine Firma gefunden hat, sollte aber keinesfalls per E-Mail Kontakt aufnehmen, sondern immer zum Telefonhörer greifen.

Mein Tipp: Finde heraus, wer deine Ansprechperson ist, und versuche, sie von deiner Idee zu begeistern.

Wenn sie echtes Interesse zeigt, bist du schon einen riesigen Schritt weiter. Bevor du ihr jetzt aber Produktblätter, Zeichnungen und Beschreibungen deiner Erfindung schickst, solltest du diese unbedingt schützen lassen. Daran führt meiner Erfahrung nach kein Weg vorbei – auch wenn es aufwendig ist und Geld kostet.

Häufig wird Erfindern geraten, auf den Patentschutz zu verzichten und stattdessen von ihren potenziellen Partnern eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen zu lassen. Das klingt nach einer pragmatischen Lösung, erweist sich aber in der Praxis als unrealistisch: Die meisten Firmen scheuen sich nämlich, eine solche Vereinbarung zu unterzeichnen, weil sie Klagen und langwierige Prozesse fürchten.

Schau dir an, was Florian über die Erfindung hinter dem erfolgreichen Startup X-Spectrum erzählt:

Kommen wir zum dritten Knackpunkt: der Öffentlichkeitsarbeit. Was wäre hier zu tun?

Wir müssen die Leute aus ihrer Isolation holen und ihnen mehr Öffentlichkeit verschaffen. Auf regionaler Ebene gelingt uns das mit unserem Erfinderclub sehr gut: Wir organisieren zum Beispiel Ausstellungen, bei denen wir die Erfindungen unserer Mitglieder präsentieren. Dabei sammeln unsere Erfinder wichtige Erfahrungen und bekommen wertvolle Anregungen. Aber eigentlich bräuchten sie eine viel größere Reichweite. Man könnte zum Beispiel ihre Patentneuheiten in eine Datenbank einspeisen, in der jeder ganz einfach nach Schlagworten und Patentklassen recherchieren kann.

Insgesamt stellen wir fest, dass Vertrieb und Marketing Riesenthemen für Erfinder sind – und zugleich die, bei denen sie die größten Schwächen haben. Sie bräuchten mehr Unterstützung auf diesem Gebiet und mehr Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten auszubauen.

Ich selbst gehe mit gutem Beispiel voran und probiere einfach aus, wie man den Vertrieb nach vorne bringen kann. So habe ich versuchshalber meine jüngste Erfindung, den Jackenbutler, bei der Sendung „Wie genial ist das denn?“  angemeldet. Ich wollte einfach herausfinden, wie solche Formate wirken und was passiert, wenn man die mediale Aufmerksamkeit hat. Es sind tatsächlich noch weitere TV-Sender aufgesprungen und der Jackenbutler hat es bis ins ARD-Buffett geschafft. Trotzdem muss ich sagen: Ich habe zwar viel gelernt, aber den ganz großen Schub hat der Medienrummel nicht gebracht. Wirklich nachhaltige Effekte sind bislang ausgeblieben.

Auch mit Facebook habe ich experimentiert. Ich habe ein Budget von 50 EUR eingesetzt und beobachtet, was passiert. Mein Fazit: Die Vermarktung von innovativen Produkten ist eine große Herausforderung für Erfinder – gerade, weil es so viele verschiedene Kanäle gibt. Es ist verdammt schwer, in den Fokus der Öffentlichkeit zu gelangen. Auch hier spielen große Partner eine wichtige Rolle.

Partnerschaften sind für die meisten Erfinder der Schlüssel zum Erfolg. Dabei geht es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um die Bereitstellung von Produktionsmitteln und Vertriebswegen.

Der vierte und letzte Punkt deiner Liste ist das liebe Geld. Woran hapert es aus deiner Sicht bei der Finanzierung von Erfindungen?

Aus meiner Zeit als Innovationsberater weiß ich, dass es in Deutschland zwar diverse Darlehen und Zuschüsse für die Finanzierung von Erfindungen gibt, aber die Hürden dafür sehr hoch sind. In der Regel müssen die Leute voll ins Risiko gehen und sich komplett ausziehen. Im Vergleich zu den USA ist es hierzulande viel schwerer, Geld für innovative Ideen zu bekommen.

Um das zu ändern, habe ich Ende der 1990er Jahre mit einigen Partnern eine Venture-Capital-Firma gegründet. Wir waren damals 13 Leute, Experten und Unternehmer aus der Region. Leider hatte unsere Firma einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Alle hatten Mitspracherecht, und wenn nur einer Bedenken äußerte, hat er immer gleich mehrere andere mitgezogen. Wie sich herausstellte, waren nämlich auch von uns die meisten gegenüber Neuerungen zu ängstlich. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass wir eine Brezelmaschine finanzieren wollten. Aber einigen war das dann plötzlich doch zu heikel und wir sind nicht eingestiegen. Heute stehen diese Maschinen in allen Großbetrieben. Unsere VC-Firma war also keine Erfolgsgeschichte…

Aber wenigstens hast du es probiert. Du würdest also sagen, es gibt zu wenig Risikokapital in Deutschland?

Ja, das ist so. Hinzu kommt, dass die Risikokapitalgeber, die es gibt, ihr Geld ungern in kleinere Vorhaben stecken. Sie konzentrieren sich lieber auf große Projekte. Wenn jemand kommt und sagt, er hätte gerne zwischen 50.000 und 100.000 EUR für seine Innovation, bedeutet ihnen das meist zu viel Aufwand. Dabei sind das genau die Beträge, die vielen Erfindern helfen würden.

Geben wir gerne als Anregung weiter. In der aktuellen Gründungsliteratur wird ja immer wieder geraten: „Löst das Problem der Kunden und nicht das, was ihr glaubt, was das Problem sei.“ Ist das ein typisches Problem von Erfinder*innen, dass sie zu sehr vor sich hin tüfteln?

Ja, genau. Da sprichst du was an. Auch hier setzen unsere Erfinderclubs an. Wenn dir während einer Beratungssprechstunde eine Person sagt, „Pass mal auf, ich glaube, das funktioniert so nicht“, dann glaubst du ihr vielleicht nicht. Wenn da aber zehn, zwölf Leute am Tisch sitzen und skeptisch sind, dann bist du schon eher geneigt, ihnen zu vertrauen. Und meist liefern sie ja auch gleich ganz viele Verbesserungsvorschläge mit.

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Welchen Beitrag können Erfinder*innenclubs darüber hinaus leisten, um Erfinder*innen zu unterstützen?

Neben dem Austausch steht die juristische Aufklärung im Vordergrund. Wir organisieren regelmäßig Vorträge von Fachanwälten und versorgen unsere Mitglieder mit Informationen rund um das Thema Patentanmeldung, Recherche und Schutzrechte. Außerdem versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Aufmerksamkeit für die vielen tollen Ideen zu schaffen.

Wie viele Erfinder*innenclubs gibt es eigentlich in Deutschland?

Es gibt rund 80 Erfinderclubs. Davon sind allerdings etwa die Hälfte Schulprojekte, bei denen es vor allem darum geht, dass die Jugendlichen neue technische Lösungen entwickeln, ohne dass die wirtschaftliche Machbarkeit im Vordergrund stünde. In den anderen Erfinderclubs sitzen häufig Personen im Ruhestand, die ihre gewonnenen Spielräume für die Entwicklung von Innovationen nutzen.

Es ist doch merkwürdig: Obwohl alle klagen, dass wir mehr Erfindungen in Deutschland brauchen, hat die Unterstützung für freie Erfinder abgenommen. Früher hat zum Beispiel das Haus der Deutschen Wirtschaft die Betreuung der Erfinderclubs übernommen, und es gab sogar einen kleinen Topf für die Öffentlichkeitsarbeit – das gibt es heute alles nicht mehr. Gefördert wird erst, wenn jemand wirklich gründet. Aber so weit muss man erstmal kommen.

Wer sollte zu den Treffen der Erfinder*innenclubs hingehen?

Jede Person, die eine Idee hat, die patentfähig ist, oder die bereits ein Patent angemeldet hat.

Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Wir brauchen viel mehr Aufmerksamkeit für das Thema Erfindungen, und zwar in zwei Richtungen: Einerseits wäre eine zentrale Anlaufstelle für Erfinder wünschenswert, wo sie alle relevanten Informationen und vor allem praktische Tipps finden. Stichworte sind hier Patentschutz, Partnersuche, Vertrieb und Finanzierung. Andererseits könnte man dieses Angebot verknüpfen mit einer Plattform, auf der alle Interessierten nach Patenten suchen könnten, sodass  Erfinder und umsetzende Personen einander schneller finden.

Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn wir bei der Innovationsförderung die klassischen tüftelnden Personen stärker in den Blick nehmen würden. So toll es beispielsweise ist, dass der Wissenstransfer an den Unis endlich mehr gefördert wird: Was ist mit den Menschen, die in keine Hochschulstrukturen eingebunden sind? Sie fallen bei vielen staatlichen Initiativen hintenüber.

Vielen Dank für dieses spannende Gespräch! Wir von der Gründerplattform gehen jeder Chance nach, gründen zu vereinfachen.  Auch für Erfinder*innen.

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