Finanzierungs­möglichkeit „Crowdfunding“

Crowdfunding ist eine alternative Finanzierungsform für kreative Projekte und Ideen. Die Finanzierung erfolgt durch eine Vielzahl von Unterstützern, die das Projekt fördern möchten - also ohne die klassischen Finanzierungspartner wie Geschäfts- oder Förderbanken.

Das sogenannte reward-based Crowdfunding, auf das wir uns hier konzentrieren, ist die älteste und am weitesten verbreitete Form des Crowdfundings (zur Abgrenzung der einzelnen Crowdfundingformen siehe Link unten). Unterstützer erhalten bei dieser Form für ihr Geld eine konkrete Gegenleistung. Diese besteht bei Kreativprojekten oft aus einer Dienstleistung oder einem eher symbolischen Dankeschön (z.B. Einladung zu Aufnahmen bei Musikproduktionen oder Nennung im Abspann bei Filmprojekten). Klassische Produktionsunternehmen verkaufen über Crowdfunding den Unterstützern in der Regel das finanzierte Produkt zum Sonderpreis. Man kann sich das Ganze also als „Vorverkaufsmodell“ vorstellen, bei dem der Käufer am Anfang zahlt, um später mit Rabatt und früher als alle anderen das fertige Produkt zu erhalten. Die Gegenleistung kann für Unterstützer, die die Produktentwicklung mit geringeren Geldbeträgen unterstützen wollen, sogar nur eher symbolisch sein (z.B. in Form von kleineren Merchandising-Artikeln).

Reizvoll aus Unternehmenssicht ist an dieser Finanzierungsform in jedem Fall, dass du hier liquide Mittel aus eigenen Vorverkäufen in einer Phase erhältst, in der  nur echte „Fans“ dieses Risiko eingehen. Das bedeutet, du kannst gleichzeitig testen, ob es Käufer*innen für dein Produkt oder deine Dienstleistung gibt.

Geeignet für dich, wenn…

  • du ein Produkt verkaufst, das bereits relativ marktfähig ist (mindestens Prototyp und/oder Möglichkeit zur Produktion) und über eine attraktive, gut kommunizierbare Story dargestellt werden kann
  • du liquide Mittel brauchst, um eine erste Produktion deines Produkts vorzufinanzieren
  • du bereit bist (und auch Spaß daran hast), während und nach deiner Geldsammel-Kampagne mit der Crowd intensiv zu kommunizieren und ihr Feedback zur Weiterentwicklung deines Produkts zu nutzen
  • du organisatorisch in der Lage bist, nach der erfolgreichen Kampagne den Versand deiner Produkte und das Einlösen der „Belohnungen“ durchzuführen.

Typische Finanzierungshöhe: 5 TEUR – 100 TEUR

Die durchschnittliche Finanzierungshöhe von erfolgreichen reward-based Crowdfunding-Kampagnen über alle Projektarten hinweg liegt in Deutschland bei etwa 10 TEUR. Dahinter verbirgt sich jedoch eine große Streuung: Reine Projektkampagnen erreichen etwa 5 TEUR, bei produktorientierten Kampagnen liegen die typischen Volumina mit etwa 50-100 TEUR deutlich höher.

Kosten: eher hoch

Kosten entstehen zum einen durch die Aufwände zur Produktion von Videos und Bildern für die Kampagne, zum anderen durch die Gebühren für die Crowdfunding-Plattform. Dabei wird zwischen Provisionsgebühren für die Plattform und Transaktionsgebühren für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs unterschieden. Sie liegen zwischen 5 und 10 Prozent (Provision) und 2-4 Prozent (Transaktion). In Deutschland gibt es zudem Anbieter, die die Zahlung von Provisionsgebühren auf freiwilliger Basis anbieten.

Grundsätzlich gilt:  Provisions- und Transaktionsgebühren werden nur fällig, wenn die Kampagne auch erfolgreich war, d.h. das Finanzierungsziel (Fundingziel) erreicht wurde. Dein Arbeitsaufwand und die dabei eingesetzten Ressourcen bekommst du allerdings nicht zurück.

Häufig sind die Belohnungen für deine Finanzierer*innen (Rewards) ein erheblicher Kostenblock. Er kann bis zu 50 Prozent deiner Gesamteinnahmen aus der Kampagne auffressen – das wird häufig unterschätzt.

Steuerlich werden die Einnahmen aus dem Crowdfunding, denen materielle Gegenleistungen gegenüberstehen, in der Regel als Verkaufserlöse behandelt. Daher ist Umsatzsteuer abzuführen, was du ebenfalls einkalkulieren musst.

Arbeitsaufwand für dich: eher hoch

Deine Crowdfunding-Kampagne sollte gut überlegt sein und adäquat präsentiert werden: Mit welchem Zweck und welchem Ziel startest du die Kampagne? Was möchtest du mit deinem Projekt erreichen und wer sind deine potenziellen Unterstützer*innen? Ist es wirklich die beste Finanzierungsform für dich? Am ehesten macht Crowdfunding Sinn, wenn du mit der Kampagne gleichzeitig deine Bekanntheit steigern und deinen Markt testen kannst.

Bei der Präsentation deiner Kampagne auf einer der Plattformen solltest du entsprechend auf aussagekräftiges Bild- bzw. Videomaterial achten. Während die Kampagne läuft, musst du in deinen Netzwerken aktiv die Werbetrommel rühren: Je mehr Personen über dein Projekt sprechen, desto größer wird die Chance, dein Finanzierungsziel zu erreichen.

Sobald du das Geld zusammen hast, solltest du dich voll in dein Projekt stürzen können. Die Kommunikation mit der Crowd musst du aber auch dann noch am Laufen halten. Zudem müssen die Unterstützer*innen mit ihren Gegenleistungen (Rewards) versorgt werden.

Entscheidungsdauer: mittel

Du selbst bestimmst die Dauer deiner Crowdfunding-Kampagne. Die ideale Laufzeit liegt erfahrungsgemäß zwischen 30 und 45 Tagen. Kurze Laufzeiten haben höhere Erfolgschancen, da so viel schneller eine Dynamik entsteht. Die maximale Laufzeit liegt in der Regel bei drei Monaten. Beachte: Schon vor dem Kampagnenstart beginnt die Vorbereitungszeit.

Feedback und Leistungen jenseits der Finanzierung: eher hoch

Du machst dir beim Crowdfunding die ganze Power des Schwarms zu Nutze: Deine Unterstützer*innen sind z.B. gleichzeitig erste Kunden. Und sie können auch wertvoll als Berater und Multiplikatoren sein. Crowdfunding ist daher eine ideale Finanzierungsform für einen Markttest deiner Produktidee, bevor du ins ganz große Risiko gehst.

Für Crowdfunding ist ein Businessplan vorteilhaft
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bhp