Ein eigenes Tattoostudio eröffnen

Alles, was Gründer*innen wissen müssen

Früher fingen sie missbilligende Blicke ein, heute gehören sie zum Alltag: Tattoos. Laut Statista gaben 2017 rund 24 Prozent der befragten Deutschen an, mindestens ein Tattoo zu haben – das ist fast jeder Vierte, und weitere 21 Prozent denken immerhin darüber nach, sich ein Tattoo stechen zu lassen.

Die nach wie vor ungebrochene Begeisterung für Tattoos und die damit verbundene hohe Auftragslage sind eine gute Basis für die Eröffnung eines eigenen Tattoostudios. Für ein erfolgreiches Gewerbe müssen Gründer*innen jedoch einiges beachten. Hier erfährst du, was in punkto Voraussetzungen, Kosten und allgemeiner Planung wichtig ist.

Tattoostudio eröffnen: Die Voraussetzungen

In Deutschland gibt es bis dato keine staatlich anerkannte Ausbildung zum/zur Tätowierer*in, die Berufsbezeichnung selbst ist nicht geschützt. Daher kann theoretisch jede*r per Anmeldung beim Gewerbeamt ein Tattoostudio eröffnen. Bei der Anmeldung wird nach dem Namen des Studios, dem gebotenen Leistungsspektrum und der Gewerbeart gefragt.

Bereits nach wenigen Tagen erhältst du deinen Gewerbeschein. Im Zuge der Gewerbeanmeldung informiert das Gewerbeamt weitere zuständige Stellen, einige davon werden zusätzliche Informationen bei dir einholen. Dazu gehören:

  • Das Finanzamt: Du erhältst einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in dem du auch eine Einschätzung zu der Höhe deiner Einnahmen angeben musst.
  • Das Gesundheitsamt: Dir werden Fragen zur Einhaltung von Hygienestandards gestellt und Auflagen für deinen Laden erteilt.

Das Gesundheitsamt wird kurz nach der Eröffnung dein Studio inspizieren. Derlei Kontrollen werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Solltest du die vorgeschriebenen Hygienestandards nicht einhalten, kann das Gesundheitsamt deinen Tattooladen schließen lassen.

Obwohl im Grunde keine rechtlichen Voraussetzungen bestehen, um ein eigenes Tattoostudio eröffnen zu können, ist es in der Praxis natürlich nicht ganz so einfach. Um ein erfolgreiches Gewerbe aufzubauen, sollten durchaus einige Bedingungen erfüllt sein.

1. Künstlerisches Talent

Tätowierer*in ist ein kreativer Beruf. Ein gewisses künstlerisches Talent ist deshalb eine unabdingbare Voraussetzung. Die meisten Tätowierer*innen zeichnen sich durch einen unverkennbaren Stil aus, der für die Kundschaft das wichtigste Entscheidungskriterium darstellt. Überdies haben nicht alle Tattoofans ein konkretes Motiv im Kopf – meist ist lediglich eine grobe Vorstellung des gewünschten Tattoos vorhanden. Die Aufgabe des/der Tätowierer*in ist es dann, einen Entwurf zu skizzieren, der den Wünschen des Kunden entspricht.

Zeichentalent allein reicht jedoch nicht aus. Angehende Tätowierer*innen müssen die theoretischen Grundlagen erlernen und viel üben, um in diesem Berufsfeld Fuß fassen zu können.

2. Handwerkliches Können und praktische Erfahrung

Daher solltest du dein Handwerk bestenfalls von Profis lernen und ausreichend praktische Erfahrung mitbringen. Während der informellen Ausbildung in einem Tattoostudio kannst du dir Kenntnisse in der Bedienung der Tätowiermaschine, Wissen über Hygienevorschriften und den Umgang mit der Kundschaft aneignen.

Als Tätowierer*in lernt man niemals aus: Neue Trends, neues Equipment und der permanente Wandel der Szene sorgen dafür, dass man sich in einem ständigen Lernprozess befindet.

Eine blonde Person tätowiert

3. Höchste Hygienestandards

Hygiene ist einer der wichtigsten Faktoren, die Tätowierer*innen beachten müssen. Da sie mit ihren Nadeln und Farben direkt auf den Körper ihrer Kunden einwirken, sind sie für deren Gesundheit verantwortlich. Gelangen Keime oder Verunreinigungen in den Blutkreislauf, kann es zu Entzündungen, Narben oder einer Blutvergiftung kommen. Das Studio und verwendete Instrumente und Utensilien müssen deshalb höchsten Hygienestandards entsprechen. Beachte daher u. a. folgende Standards:

  •     Studio mit glatten oder gefliesten Wänden und Böden, die sich leicht reinigen lassen
  •     hohe Qualität der Tätowiermaschine
  •     sterile Nadeln
  •     sterile Behälter für Tätowierfarben
  •     Einweghandschuhe und Einwegtücher
  •     Waschbecken mit Seifen- und Desinfektionsmittelspender
  •     Abfallbehälter

Je nach Bundesland ist es sogar vorgeschrieben, einen Impfpass mit gültiger Hepatitis-B- und Tetanusimpfung vorzulegen.

Tipp: Es lohnt sich, Kurse oder Fortbildungen zum Thema Hygiene zu absolvieren. Manche Gesundheitsämter bestehen sogar auf einen Nachweis, der die Teilnahme an mindestens einem Kurs belegt.

4. Kommunikationstalent und Empathie

Wortkarge Künstlerpersönlichkeiten sollten sich lieber überlegen, ob sie einen eigenen Tattooladen eröffnen wollen – immerhin arbeiten sie täglich mit den unterschiedlichsten Menschen. Ein gewisses Kommunikationstalent ist daher nicht unerheblich für ein erfolgreiches Studio, denn Tätowierer*innen müssen

  • Kundenwünsche erfüllen und zugleich auf Umsetzungsschwierigkeiten hinweisen
  • alternative Motive bieten, falls das gewünschte Tattoo nicht umsetzbar ist
  • auf Veränderungen hinweisen, die das Tattoo mit der Zeit durchläuft
  • hinsichtlich der besten Körperstelle für die Tätowierung beraten
  • über mögliche Risiken oder Komplikationen informieren
  • Kunden beruhigen und die Behandlung gegebenenfalls abbrechen, sollten die Schmerzen beim Stechen zu stark werden

Angehende Tätowierer*innen mit eigenem Geschäft sollten auf sämtliche Reaktionen und Verhaltensweisen vorbereitet sein und ihren Kunden immer mit Empathie begegnen.

5. Der geeignete Standort für ein Ladengeschäft

Gerade zu Beginn, wenn du dir noch keinen Namen als Tätowierer*in gemacht hast und auf die Wahrnehmung potenzieller Kunden besonders angewiesen bist, kann ein gut gewählter Standort für deinen Tattooladen existenziell sein. Wichtig ist, die Auffindbar- und Erreichbarkeit. Wähle also einen Standort, der leicht zu finden ist sowie eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel hat. Anfangs, wenn du dein Tattoostudio gerade eröffnet hast, kann eine große Laufkundschaft von Vorteil sein.

Versetze dich in deine Kundschaft hinein und prüfe die entsprechenden Kriterien. Achte außerdem darauf, wie viele Wettbewerber sich im direkten Umfeld befinden. Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, aber ein weiteres Tattoostudio in unmittelbarer Nähe kann sich nachteilig auf deinen Erfolg auswirken. Besonders dann, wenn sich das konkurrierende Tattoostudio bereits etabliert und einen guten Namen gemacht hat.

Ein wichtiger Aspekt bei der Standortwahl sind außerdem die Mietkosten und Vertragsbedingungen.

Tattoostudio eröffnen: Die Kosten

Rein formell mag die Eröffnung eines eigenen Tattooladens nicht aufwendig erscheinen. Doch ist eine ausreichende finanzielle Absicherung bedeutsam, um langfristig bestehen zu können. Immerhin können die Eröffnungskosten mit 30.000 bis 40.000 EUR zu Buche schlagen. So sollte eine gründliche Kostenkalkulation, die du am besten im Rahmen eines Businessplans vornimmst, der Gewerbeanmeldung vorausgehen.

Von essenzieller Bedeutung: Der Businessplan fürs Tattoostudio

Das Erstellen eines Businessplans ist für erfolgreiche Gründer*innen besonders wichtig. Der Businessplan

  • zeigt dir auf, ob dein Vorhaben finanziell umsetzbar ist
  • hilft dir herauszufinden, wie viele Kunden du zur Kostendeckung brauchst, wie lange es in etwa dauern wird, bis du Gewinne erzielst, welcher Standort sich lohnt und wie viel Startkapital du benötigst
  • verschafft Außenstehenden (z. B. potenziellen Investoren, Kreditbanken) in wenigen Minuten einen Eindruck über dein Vorhaben
  • überzeugt Geldgeber, in dein Gewerbe zu investieren

Mit der Businessplan-Vorlage der Gründerplattform kannst du sofort loslegen und deinen Businessplan erstellen. Außerdem findest du viele Beispiele von Businessplänen aus verschiedenen Branchen, an denen du dich auch orientieren kannst.

Ein weiterer absolut wichtiger Aspekt ist die Finanzierung deines Vorhabens. Vielleicht verfügst du bereits über ein Startkapital aus eigenen Mitteln, bekommst Unterstützung durch Freunde oder die Familie oder du beantragst einen Kredit. Damit dein Geschäft erfolgreich starten kann, solltest du deine Finanzierungsmöglichkeiten ganz genau prüfen. Die Gründerplattform bietet dir ein schnellen Überblick zu den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten abhängig von deinem Kapitalbedarf.

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Übernahme eines Tattoostudios

Um die Kosten für die Eröffnung deines Tattoostudios zu reduzieren, besteht gegebenenfalls die Möglichkeit, eine Ausstattung oder gar das komplette Geschäft eines anderen Studios zu übernehmen. Somit entfällt ein Großteil an Renovierungs-, Anschaffungs- und Einrichtungskosten. Hat sich das bestehende Geschäft bereits langfristig etabliert, kannst du zusätzlich etwaige Kosten für Marketingmaßnahmen sparen. Kommt ein Geschäft tatsächlich zur Übernahme in Betracht, informiere dich eingehend über:

  • die finanzielle Entwicklung der letzten Jahre
  • das Inventar
  • den Mietvertrag
  • die laufenden Kosten und offenen Forderungen (eventuell müssen Rückstände beglichen werden)
  • eventuelle Übernahme von Mitarbeiter*innen

Wenn du dich mit dem Kauf eines Tattoostudios näher beschäftigst, lies auch unsere Infos zur Unternehmensnachfolge und schau dir an, auf welche Besonderheiten du bei einem Businessplan für eine Unternehmensnachfolge achten musst.

Ein mobiles Tattoostudio für deine Selbstständigkeit als Tätowierer*in

Eine weitere Möglichkeit, um Kosten zu reduzieren, kann ein mobiles Tattoostudio sein. In diesem Fall arbeitest du direkt bei deinen Kunden und kannst auf diese Weise Miet-, Strom und Versicherungskosten sparen. Der Vorteil dieser Option für deine Kunden liegt auf der Hand: Sie müssen sich nicht extra auf den Weg zu dir machen, sondern du kommst zu ihnen nach Hause. Die Einhaltung von Hygienevorschriften gestaltet sich dafür etwas schwieriger.

Diese Versicherungen brauchst du als Tätowierer*in

Wie alle Selbstständigen trägst du auch als Inhaber*in eines Tattoostudios ein gewisses Berufsrisiko. Um deiner Verantwortung gegenüber Kunden und Mitarbeitenden gerecht zu werden und dich vor finanziellen Risiken zu schützen, musst du dich absichern. Die folgenden Versicherungen sind die gängigsten, wobei wir dir raten, dich eingehend von Fachleuten über deinen individuellen Bedarf beraten zu lassen.

  • Persönliche Versicherungen wie eine Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Betriebshaftpflicht­­versicherung: Schützt bei Sach-, Vermögens- und Personenschäden; Schäden durch Mitarbeitende oder Gasttätowierer*innen sollten auch gedeckt sein
  • Betriebs­unterbrechungs­versicherung: Solltest du den Betrieb deines Tattoostudios aufgrund eines eingetretenen Schadens vorübergehend einstellen müssen, kommt diese Versicherung für deinen Verdienstausfall auf
  • Gewerberechts­schutzversicherung: Im Falle eines Rechtsstreits trägt diese Versicherung Prozess- und Anwaltskosten
  • Gebäude- und Inhaltsversicherung: Deckt Schäden des Geschäftsgebäudes ab, in dem sich dein Studio befindet oder Schäden in den Geschäftsräumen

Zum Erfolg mit dem richtigen Marketing

Deine Tattoos sind im Prinzip eine Form von Marketing. Je mehr Menschen sich bei dir tätowieren lassen, desto mehr wird deine Arbeit an Ansehen gewinnen. Auch wenn sich deine Kunden während der Session bei dir gut aufgehoben fühlen, spricht sich dies herum. Nichtsdestotrotz ist eine Internetseite absolut empfehlenswert. Hier kannst du eine Übersicht deiner Leistungen darstellen, einen Einblick in deine Motive gewähren oder dich persönlich vorstellen, damit deine Kunden ein Gefühl dafür bekommen, mit wem sie es zu tun haben. Ein seriöser und vertrauensvoller Internetauftritt ist also obligatorisch.

Zusätzlich kannst du dein Geschäft mit Hilfe von Social Media pushen, beispielsweise mit einem interessanten Instagram- oder Facebook-Account. Dort kannst du aktuelle Motive posten oder eine Story aus einer Session veröffentlichen.

Auch die Vernetzung mit anderen Studios und Tätowierer*innen kann zu mehr Aufmerksamkeit in der Szene führen. Mit hervorragenden Online-Bewertungen zufriedener Kunden schaffst du zusätzliches Vertrauen und rundest dein Profil ab.

Fazit: Das eigene Tattoostudio eröffnen – nicht einfach, aber machbar

Ein eigenes Unternehmen zu starten ist kein leichtes Unterfangen und will gut geplant sein. Die kreative Arbeit muss bisweilen für Buchhaltung, Marketing und Wareneinkauf zurückgestellt oder an Mitarbeitende übergeben werden. Aber keine Sorge! Du musst nicht gleich ein BWL-Studium belegen, um wirtschaftlich zurechtzukommen.

Hilfreich ist zunächst ein gewisses Verständnis für kaufmännische Themen sowie das Interesse am stetigen Dazulernen. Vertraue auf deine Stärken und hole dir gegebenenfalls Unterstützung. So wird dein eigenes Tattoostudio sicher ein Erfolg. Möchtest du nun direkt mit der Planung für die Gründung deines eigenen Tattoostudios loslegen, findest du mit unserer Anleitung zum Unternehmensstart einen guten Einstieg.

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bhp