Private Equity (Venture Capital)

Mit privatem Kapital gründen

Nehmen wir einmal an, du hast eine geniale neue Geschäftsidee, doch dir fehlt das Geld und bei den Banken stößt du auf Kopfschütteln, obwohl deine Idee zwar herausragend, das finanzielle Risiko aber viel zu groß ist. Da meldet sich ein Unternehmen, das bei dir einsteigen möchte: Kapital gegen Mitspracherecht und anteilige Rendite-Ausschüttung für die nächsten zehn Jahre – danach zieht sich das Unternehmen zurück, hoffentlich mit einem großen Gewinn beim Verkauf der Anteile.

Jener Ablauf ist in der Wirtschaft unter dem Begriff „Private Equity“ geläufig. Sogenannte Private-Equity-Gesellschaften investieren dabei nicht nur in Gründungsphasen und neue Ideen, sondern auch in etablierte Firmen, die sich im Wachstum oder in der Umstrukturierung befinden.

Wenn du also Beteiligungskapital für deine Idee suchst und vielleicht schon einen Proof of Concept  hast, ist Private Equity für deine Gründung sehr interessant.

Steckbrief zu Kosten, Aufwand und Unterstützung jenseits der Finanzierung

Geeignet für dich, wenn…
  • du ein innovatives und skalierbares Unternehmen gegründet hast - gerne auch ein Hightech-Unternehmen - und es bereits einen Proof of Concept gibt.
  • du mit Geldgebern strategisch an deinem Unternehmen arbeiten und von deren Know-how und Netzwerk profitieren möchtest.
  • es für dich kein Problem ist, Anteile abzugeben und Mitspracherecht an Investierende zu vergeben.
  • du in deinem Geschäftsmodell eine gute Rendite und ein Exit-Szenario der Investierenden vorgesehen und einkalkuliert hast.
  • dein ungefährer Finanzierungsbedarf zwischen etwa 300.000 EUR und mehreren Millionen liegt.
Typische Finanzierungshöhe bei einer Gründung: ab 300 TEUR

Der Bedarf der Gründer*innen entscheidet über die Höhe der Finanzierungsbeiträge, die sie von den VC-Gebenden erhalten. Geschäftsmodelle, die viel Kapital erfordern, können auch in der Frühphase der Gründung mit mehreren 100 TEUR unterstützt werden. Im weiteren Verlauf geht es jedoch um Millionenbeträge.

Kosten Mittel

Kommt auf den Vertrag an. Typischerweise musst du keine Zinsen zahlen, gibst aber Unternehmensanteile ab und damit Rendite und einen Anteil am Verkaufserlös bei Exit. Im Erfolgsfall sind die Kosten also höher, im Misserfolgsfall niedriger als beispielsweise bei Bankkrediten.

Arbeitsaufwand Hoch

Die Vorbereitung auf die Gespräche ist sehr intensiv: Erstellung aller relevanten Unterlagen (Pitch Deck, Geschäftsmodell, Businessplan, Finanzierungsbedarf), und Durchführung eines Proof of Concept. Die Suche an sich ist auch zeitaufwendig, aber immerhin gibt es klare Ansprechpartner, die meist sehr schnell entscheiden, ob du überhaupt infrage kommst.

Feedback und Leistungen jenseits der Finanzierung Hoch

Die Leistungen jenseits der Finanzierung sollten substanziell sein, wenn du die richtigen VC-Gebenden gefunden hast. Die Investoren stellen neben Geld auch ihr eigenes Know-how sowie ein großes Netzwerk zur Verfügung, das aus Managern, Experten und Dienstleistern besteht. Bei Bedarf werden sogar geeignete Kandidaten zur Ergänzung des Teams bereitgestellt. Um die Qualität der Unterstützung einzuschätzen, ist das gemeinsame Arbeiten am zukünftigen Geschäftsmodell mithilfe der Canvas und ein persönlicher Chemiecheck hilfreich.

Was ist Private Equity und wie funktioniert es?

Der Begriff „Private Equity“ lässt sich mit privatem Eigenkapital bzw. außerbörslichem Beteiligungskapital übersetzen und wird im Gründungsbereich auch als Venture Capital bezeichnet. Dabei werden Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen, oft kleinen oder mittelständischen Firmen, erworben, die bereits mit einem Proof of Concept bewiesen haben, dass ihre Geschäftsidee skalierbar und extrem erfolgversprechend ist. Die Investition erfolgt durch professionelle Beteiligungsgesellschaften, die als geschlossene Fonds organisiert sind. Konkret bedeutet das, dass die Private-Equity-Gesellschaft über einen bestimmten Zeitraum das benötigte Kapital bei verschiedenen Investoren einsammelt. Der Mindestumfang solcher Fonds beträgt meist zehn bis 25 Millionen Euro. Es wird in viele Firmen investiert.

Ist die benötigte Summe an außerbörslichem Beteiligungskapital zusammen, wird der Fonds geschlossen und die entsprechenden Beteiligungen an den Zielunternehmen werden erworben. Für dich bzw. dein Unternehmen bedeutet das, dass der Investor ein Mitspracherecht erhält, dir im Gegenzug aber frisches Kapital zur Verfügung steht.

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Ziele der Private-Equity-Gesellschaften

Ziel der Private-Equity-Gesellschaften ist es, den Gewinn eines Unternehmens anzukurbeln bzw. zu maximieren. Das soll nicht nur durch die verbesserte finanzielle Situation erreicht werden, sondern vor allem durch das erworbene Mitspracherecht. Die Gesellschaften nehmen während der Fonds-Laufzeit aktiv Einfluss auf die strategische Ausrichtung und ggf. Neustrukturierung des Unternehmens. Das Ziel ist nicht die komplette Übernahme einer Firma, sondern die aktive Betreuung und Unterstützung durch brancheninternes und grundsätzlich unternehmerisches Know-how. In der Regel streben die Fonds eine sogenannte Sperrminorität an: eine Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent am Unternehmen, sodass es für die Gesellschaft möglich ist, wichtige Entscheidungen zu treffen oder zumindest zu verhindern. Sobald strategische Ziele erreicht und im besten Fall hohe Renditen erwirtschaftet wurden, zieht sich die Private-Equity-Gesellschaft zurück (Exit), indem die Anteile beispielsweise an andere Investoren oder den ehemaligen Eigentümer gewinnbringend verkauft werden. Beim Exit über ein sogenanntes „Inital Public Offering“ ist der Börsengang das Ziel der Investoren.

Private Equity in verschiedenen Unternehmensphasen

Klassischerweise wird Private Equity in etablierte Unternehmen mit stabilem Kapitalfluss investiert, etwa um das Wachstum zu steigern oder um Umstrukturierungen zu finanzieren. Es gibt aber auch Private-Equity-Gesellschaften, die sich auf die Gründungsphase bzw. Startups konzentrieren – diese Investition in der Anfangsphase wird als Venture Capital bezeichnet.

Investition in Startups

Stellt eine einzelne Person oder eine Gesellschaft einem Unternehmen eine große Investition in der Gründungsphase zur Verfügung, spricht man von Venture Capital. Übersetzt bedeutet das passenderweise Risiko- oder Wagniskapital. Das ist wenig verwunderlich, denn die Beteiligung an neu gegründeten Firmen birgt ein viel größeres Risiko als die Investition in etablierte Unternehmen. Keiner weiß, ob und wie gut eine neue Idee, ein neues Produkt und das Unternehmen an sich funktionieren werden. Läuft es gut, werden beim Exit, also dem Verkauf, des Unternehmensanteils hohe Gewinne erzielt.
Die Vereinbarungen, die in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ geschlossen werden, sind eine Mischung aus Venture Capital und Business Angel Investitionen. Ein prominentes Beispiel für so eine Beteiligung ist außerdem der Online-Dienst Skype.

Investition in der Wachstumsphase

Die meisten Private-Equity-Gesellschaften haben sich auf die Investition in etablierte und damit stabilere Unternehmen spezialisiert und stellen sogenanntes Growth Capital zur Verfügung. Hier ist die Unternehmensbewertung deutlich einfacher, da Erfahrungswerte bzw. belastbare Zahlen aus den bisherigen Geschäftsjahren vorliegen. Ein kompletter Kapitalausfall ist deutlich unwahrscheinlicher, sodass das Investitionsrisiko geringer ausfällt. Grundsätzlich können Private-Equity-Gesellschaften mit der Investition das Unternehmenswachstum ankurbeln, indem beispielsweise zusätzliche Produktionsstätten für mehr und größere Aufträge ermöglicht werden.

Investition in der Restrukturierungsphase

Noch wahrscheinlicher ist es, dass die Kapitalgeber in Zeiten von Umstrukturierungen investieren. Das birgt natürlich Risiken, aber auch enorme Chancen. Die Investitionen können unterschiedliche Ziele verfolgen:

  • Turnaround: Diese Art der Finanzierung ist die klassische Restrukturierungsfinanzierung, bei der ein bestehendes Unternehmen aus der Krise geführt und finanziell stabilisiert werden soll. Auch der Ausstieg bzw. Rückzug von der Börse kann Bestandteil dieser Restrukturierung sein.
  • Management Buyout: Beim sogenannten Management Buyout kauft die aktuelle Geschäftsführung mithilfe von Private-Equity-Investoren Anteile am Unternehmen, mit dem Ziel, das Unternehmen zu übernehmen. Besonders häufig ist das der Fall, wenn ein Generationswechsel ansteht und die zukünftige Generation das Familienunternehmen nicht fortführen möchte. Die komplett fremdfinanzierte Übernahme heißt Leveraged Buyout (LBO).

Chancen und Risiken von Private Equity

Bei der Überlegung, welche Chancen und Risiken in Private Equity stecken, gilt es beide Seiten zu betrachten: Investoren erhoffen sich selbstverständlich eine hohe Rendite beim Exit – die Erwartungen liegen dabei deutlich höher als bei Investitionen in Aktien. In der Vergangenheit waren dies oft jährliche Renditen von über 20 Prozent pro Haltejahr. Da konkret Anteile und somit ein Mitbestimmungsrecht erworben werden, haben Investoren ihren finanziellen Erfolg zu einem gewissen Anteil selbst in der Hand und tragen das unternehmerische Risiko entsprechend mit. Gerade bei Venture Capital ist das Risiko eines Totalverlustes eher die Regel als die Ausnahme. Dafür sollten im Korb aller Investitionen ein bis zwei Ideen sein, die so viel einbringen, dass sie die Verluste im Gesamtportfolio überkompensieren.

Als Unternehmer*in profitierst du zum einen von den finanziellen Mitteln, die dir zur Verfügung gestellt werden – so kannst du zum Beispiel in die Produktentwicklung und -verbesserung investieren, Personal einstellen oder ins Marketing investieren. Zum anderen stellen dir deine Investoren wertvolles Wissen zur Verfügung, das du gerade als Gründer*in noch nicht hast. Auch die Nutzung von bestehender Infrastruktur oder Business-Kontakten deiner Investoren können eine wertvolle Starthilfe sein. Bedenke jedoch, dass du dir damit auch eine weitere Meinung ins Haus holst. Auch wenn die Private-Equity-Investoren keine Mehrheit an deinem Startup halten, können sie im Zweifelsfall deine strategische Freiheit eingrenzen und Ideen zu Fall bringen, wenn diese nicht ihren Vorstellungen entsprechen.

Person wirft 2-Euro-Münze in Sparschwein

Fazit : Finanzieller Boost für dein Startup

Wenn du eine gute Idee hast, dir aber die finanziellen Mittel fehlen, ist Venture-Capital eine chancenreiche Möglichkeit, mit deinem Startup durchzustarten. Wichtig dabei ist, dass es hier nicht um einige Tausend Euro geht, die dir dein erstes Büro finanzieren sollen und die dir eventuell auch eine Bank zur Verfügung stellen würde. Vielmehr investieren hier Profis in dich und deine erfolgversprechende, meist digitale Idee. Sie erkaufen sich dabei ein zeitlich begrenztes Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht. Im Idealfall profitierst du dann auch von dem Wissen und den Kontakten deines Investors. Betreibst du bereits ein etabliertes Unternehmen, dessen Wachstum stagniert, kann eine Private-Equity-Gesellschaft bei nötigen Umstrukturierungen ebenfalls nützlich sein oder dein Unternehmen sogar an die Börse bringen.

Ein bekannter Akteur in der Gründungsszene ist der „High-Tech Gründerfonds“. In der ersten Finanzierungsrunde können Startups mit Beträgen von bis zu 1 Mio. EUR rechnen, die über die weiteren Finanzierungsrunden hinweg auf bis zu 3 Mio. EUR wachsen können. Der Fonds zeichnet sich durch eine Public Private Partnership aus, bei der die öffentliche Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft zusammenarbeiten. Er investiert vor allem in Chemieunternehmen oder IT-Unternehmen, die Hardware-Produkte entwickeln oder sich mit dem Thema Automatisierung beschäftigen. Außerdem gehören Unternehmen aus dem Bereich der Softwareentwicklung, Biowissenschaften sowie dem Gesundheitswesen zum Portfolio.

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bhp