Business Angel

Eigenkapital und Know-how von Privatinvestoren

Junge Unternehmen, gerade dann, wenn sie auf innovativen Geschäftsideen aufbauen, können starke wirtschaftliche Impulse setzen. Viele dieser Unternehmen haben in der Entstehungsphase jedoch häufig damit zu kämpfen, genug Kapital an den Start zu bringen. Wenn das eigene oder das von Freunden und Familie gestellte Kapital nicht ausreicht, können Business Angels eine Lösung sein.
Im folgenden Beitrag erfährst du alles, was du rund um das Thema Business Angels wissen musst. Wer sind Business Angels? Was kannst du von ihnen erwarten und wo liegen die Vor- und Nachteile dieser Finanzierungsform?

Geeignet für dich, wenn…

  • du ein innovatives, erfolgsversprechendes und skalierbares Geschäftsmodell hast
  • du bereit bist, von einem Business Angel Rat für das Management deines Unternehmens anzunehmen oder ihm Mitspracherechte und andere Einflussmöglichkeiten einzuräumen
  • du Geschäftspartner*innen suchst, die dich bei Bedarf mit Fachexpertise und Kontakten zu anderen Investierenden und Startups, Expert*innen, potenziellen Kund*innen und Kooperationspartner*innen unterstützen können
  • es kein Problem für dich ist, dass Investierende Anteile an deinem Unternehmen erhalten und Anspruch auf zukünftige Renditen haben

Typische Finanzierungshöhe bei einer Gründung: 25 TEUR – 100 TEUR

Die Beteiligungen von Business Angels können zwischen mehreren Tausend EUR und Millionen EUR liegen. In einer typischen Finanzierungsrunde können Gründer*innen mit ca. 25 – 100 TEUR rechnen. Das Geld in den Finanzierungsrunden wird häufig von mehreren Angels gemeinsam erbracht – dafür gibt es Netzwerke, in denen sich Investorengruppen zusammenfinden können. Grundsätzlich ist es so, dass in ein Einzelengagement nur so viel investiert wird, dass ein Totalausfall keine einschneidenden Folgen für die Vermögenslage des Angels hat.

Wer oder was ist überhaupt ein Business Angel?

Unternehmensgründer*innen sind gerade in der Frühphase (sog. Seedphase) ihrer Gründung häufig auf Hilfe angewiesen. Meistens benötigen sie finanzielle Unterstützung, aber auch persönliche Beratung oder den ein oder anderen nützlichen Kontakt. Im Idealfall kann all dies durch einen Business Angel (zu Deutsch: Unternehmensengel) geliefert werden. In der Regel sind Business Angels ehemalige Unternehmer*innen oder Manager*innen, die durch ihre Erfahrung und finanzielle Kraft Gründer*innen zum Durchbruch verhelfen können. Da sie in der Vergangenheit meist selbst ein Unternehmen gegründet haben, wissen sie, worauf es ankommt, wenn man langfristig Erfolg haben will. 

Es gibt eine simple Antwort auf die Frage, was der Business Angel von der Beteiligung hat: Der Angel erhält im Gegenzug Unternehmensanteile. Somit profitiert er aktiv von dem Erfolg des jeweiligen Unternehmens, indem er an Gewinnen beteiligt wird. Jedoch ist das übergeordnete Ziel nahezu aller Angels der erfolgreiche Exit. Im Klartext bedeutet das: Sie versuchen nach einiger Zeit, meist nach der ersten großen Wachstumsphase, die Unternehmensanteile gewinnbringend zu veräußern. Es wird angenommen, dass ca. jede dritte Beteiligung eines Business Angels zu einem erfolgreichen Exit führt.  

Wachstum, Geld und Durchblick

Wo liegt der Unterschied zu Venture-Capital?

Wer sich in der Gründerszene ein wenig auskennt, hat sicherlich schon von dem Begriff Venture-Capital (zu Deutsch: Wagnis- oder Risikokapital) gehört. Dies ist eine Form des Private Equity. Bei einer Venture-Capital-Beteiligung wird den Gründer*innen, genau wie bei der Investition durch einen Business Angel, Eigenkapital zur Verfügung gestellt.
Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Beteiligungsformen. Eine Venture-Capital-Beteiligung findet häufig erst in einer späteren Unternehmensphase statt. Das bedeutet, dass das Unternehmen den Proof of Concept bereits erbracht hat und eine intensive Beratung und Betreuung, wie es bei Business Angels üblich ist, entfällt. Außerdem überwiegen bei einer Beteiligung durch Venture-Capital die finanziellen Interessen, was durch hohe Beteiligungsanforderungen an Kapitalsuchende und höhere Investitionssummen deutlich wird. Dabei wird sich vor allem an dem ROI (Return of Investment) orientiert, der eine Kennzahl zur Messung von Renditen darstellt. Je höher der ROI, desto besser war das Investment.
Das bedeutet nicht, dass ein Business Angel ein/eine Unternehmer*in mit Heiligenschein ist, trotz des Namens (Angel = Engel), jedoch haben viele von ihnen ein mindestens ebenso großes Interesse an der Entwicklung eines jungen, innovativen Unternehmens als an der schnellen Vervielfachung ihres eingesetzten Kapitals.
Ein Grund für diese Unterschiede liegt darin, dass Venture-Capital-Gesellschaften Gelder von privaten Investoren anlegen. Das Ziel der Gesellschaften liegt darin, gleichzeitig in mehrere erfolgversprechende Unternehmen zu investieren. Da sie die Verwendung der Gelder rechtfertigen müssen, legen sie großen Wert auf die ausgiebige Risikoprüfung der in Frage kommenden Unternehmen. Der Business Angel hat demgegenüber die volle Verfügungsmacht über das eigene Kapital und ist dementsprechend flexibler in seinen Entscheidungen.

Wie läuft eine Investition ab?

Üblicherweise können Gründer*innen mit einer Investitionssumme von 25.000 bis 100.000 EUR und einer Investitionsdauer zwischen vier und sieben Jahren rechnen. Im Regelfall versucht der Business Angel nach Ablauf dieser Zeit die erworbenen Anteile gewinnbringend zu veräußern, um sich des nächsten Projektes anzunehmen.
Bei größeren Investitionen ist es üblich, dass Business Angels sich zu Netzwerken zusammenschließen, um das Risiko auf mehrere Köpfe zu verteilen und um das Know-how und das Netzwerk zu vergrößern.
Interessante Auskunft zu diesem Thema gibt Arne Paul Oltmann (Business Angel und Gründer von seedfeed) im Interview mit dem Gründungsexperten Jan Evers.

Als Privatpersonen sind wir knapp an Zeit und an Investitionsgeld. Daher lieben wir Co-Investments. Laut einer Untersuchung tätigen wir über die Hälfte unserer Investitionen gemeinsam mit anderen Business Angels, fast genauso oft mit anderen Typen von Investoren wie mit Venture Capital Gesellschaften o.ä., aber so gut wie nie ganz allein (3%).

Dabei kann es auch vorkommen, dass Business Angels den Großteil des Unternehmens erwerben, wobei eine Beteiligung der Gründer*innen immer Voraussetzung bleibt.

Wo findest du einen Business Angel für dein Unternehmen?

Einen Business Angel zu finden ist gar nicht so einfach. Wenn du aber überzeugt davon bist, dass diese Finanzierungsform für dich das Richtige ist, gibt es unterschiedliche Wege, um mit ihnen in Kontakt zu treten.

Eine Möglichkeit ist über dein bestehendes Netzwerk. Kennst du womöglich andere Gründer*innen, die von einem Business Angel finanziert worden sind? Wenn nicht, solltest du versuchen, deine Idee in deiner Familie und deinem Freundeskreis zu streuen. Da die meisten Business Angels wiederum durch Empfehlungen aus ihrem Netzwerk auf neue Investments stoßen, birgt die persönliche Weiterempfehlung eine Aussicht auf Erfolg.

Soziale Netzwerke wie LinkedIn und XING können ebenfalls bei der Suche nach einem Business Angel genutzt werden. Dort kann konkret nach Begriffen wie „Business Angel“ gesucht werden. Hast du einen gefunden, kannst du mit einer Kurzbeschreibung deiner Idee den direkten Kontakt aufnehmen. Arne Paul Oltmann weiß, worauf es dabei ankommt:

Man sollte sich schon etwas Mühe geben: Beim ersten Kontakt reicht zunächst eine Kurzbeschreibung in 3-5 Zeilen aus. Wenn das auf Interesse stößt, sollte man entweder einen knackigen One Pager parat haben oder das Vorhaben in Form eines sogenannten Pitch Decks darstellen.

Die Hauptsache ist, dass du dich traust!
Auch über das zentrale Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) kannst du Kontakt zu potenziellen Investoren aufnehmen. Auf der Internetseite des BAND kann ein One-Pager heruntergeladen werden und per Mail an das Netzwerk geschickt werden. Ein One-Pager ist eine Vorlage, die es ermöglicht, die eigene Idee, die Person und eventuelle Mitgründer*innen kurz und knackig vorzustellen. Nachdem eine Vorauswahl der bewerbenden Unternehmen bzw. Geschäftsideen getroffen wurde, leitet der BAND die Anfrage an die regionalen Business Angel Netzwerke weiter. In Deutschland existieren etwa 40 dieser regionalen Netzwerke, in denen ca. 1.500 Business Angels organisiert sind – wie hoch jedoch die genaue Zahl der einzelnen Business Angels ist, ist unklar – Schätzungen zu Folge liegt die Zahl irgendwo zwischen 6.000 und 9.000.
Eine weitere Möglichkeit liegt in der Teilnahme an Gründerwettbewerben und Pitch-Events. Auf derartigen Veranstaltungen tummeln sich Business Angels und suchen nach neuen Investments. Vor allem die branchenspezifischen Veranstaltungen, in denen der Fokus auf Geschäftsmodellen mit Zukunftspotenzial liegt, können ein Sprungbrett in die Welt der Business Angels sein.

Worauf solltest du bei der Auswahl eines Business Angels achten?

Die Auswahl eines Business Angels sollte gut überlegt sein. Denn es gibt durchaus Gründe, auf ein Investment zu verzichten.
Einer der Gründe ist, wenn es zwischen dir und dem Business Angel auf persönlicher Ebene nicht funkt. Da es nicht nur um Kapital geht, sondern um eine langfristige Zusammenarbeit, in der ihr auch vom Netzwerk und vom Know-how des Business Angels profitieren wollt, sollte es zwischenmenschlich passen. Denn es geht vor allem um Vertrauen!
Dabei gilt es auch, zwischen den Motivationen einzelner Business Angels zu unterscheiden: Während einige Lust auf die Weiterentwicklung von jungen, dynamischen Unternehmen haben, suchen andere den schnellen Exit und hohe Renditen. Mach dir bewusst, wer vor dir sitzt, bevor du deine Entscheidung triffst. Außerdem solltest du dich zuvor über den Hintergrund des jeweiligen Business Angels informieren. Was sind vergangene Investmentschwerpunkte und wo liegt die Expertise? Natürlich willst du einen Sparringspartner als Business Angel akquirieren und nicht jemanden, der sich nur oberflächlich mit deiner Branche auskennt.

Unser Tipp: Sollte es zu einem Zweitgespräch kommen, empfehlen wir dir dein Geschäftsmodell mit dem Business Angel zu besprechen. Einerseits wird es dadurch schnell konkret und andererseits filterst du heraus, wie gut sich der Angel mit deiner Branche auskennt und in welchen Bausteinen des Geschäftsmodells er oder sie Potenzial oder auch Baustellen sieht.

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Worauf achten die Business Angels bei der Auswahl passender Unternehmen?

Doch auch Business Angels suchen ihre Investitionen mit Bedacht aus. Es gibt unterschiedliche Kriterien, die erfüllt sein sollten, damit ein Business Angel in dich und dein Unternehmen investiert.

In allererster Linie solltest du eine innovative Idee haben, die in wenigen Sätzen erklärbar ist. Geschäftsmodelle, die am Markt bereits existieren, sind für Business Angels eher uninteressant. Bevorzugt werden insbesondere digitale Geschäftsmodelle, die gut skalierbar sind. Derartige Modelle haben nämlich das größte Potenzial, um zu wachsen, und versprechen daher einen erfolgreichen Exit. Im Idealfall ist deine Idee sogar disruptiv, was bedeutet, dass sie dazu in der Lage ist, den Markt komplett umzukrempeln.

Unser Tipp: Denk daran, dass die meisten Business Angels ein cooles Pitch-Deck oder einen aussagekräftigen Businessplan erwarten, um ein genaueres Bild von deiner Idee zu bekommen.

Darüber hinaus achtet der Business Angel natürlich auch auf die persönlichen und fachlichen Eigenschaften. So können Gründer*innen, die in ihre Idee verliebt sind und gleichzeitig wenig Ahnung vom Markt haben, keine Punkte sammeln. Vergiss nicht, dass der Business Angel das Risiko eingeht, sein Geld zu verlieren – würdest du in dein Unternehmen oder deine Idee investieren?

Vor- und Nachteile eines Business Angels

Aus dem Text lassen sich mehrere Chancen und Risiken der Finanzierungsform ableiten.  Hier noch einmal ein schneller Überblick über die Vor- und Nachteile:

Investitionszuschuss Wagniskapital

Mit dem Investitionszuschuss für Wagniskapital (INVEST) verfolgt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Ziel, die Finanzlage junger und innovativer Unternehmen in Deutschland zu verbessern.  Der Zuschuss richtet sich an private Investoren und vor allem Business Angels, die Anteile an Unternehmen erwerben.

Rahmenbedingungen des Zuschusses

Beteiligen sich private Investoren über mindestens drei Jahre und investieren mindestens 10.000 EUR, können sie 20 Prozent des Kaufpreises (Investition) über den Zuschuss erstattet bekommen. Der Höchstzuschuss pro Investor/Kalenderjahr liegt bei 100.000 EUR (maximal 500.000 EUR an Anteilskäufen werden bezuschusst). Der Höchstzuschuss pro Unternehmen/Kalenderjahr liegt bei 600.000 EUR. Das heißt, dass Anteilskäufe verschiedener Investoren eines Unternehmens bis zu 3.000.000 EUR bezuschusst werden. Außerdem darf das Unternehmen nicht mehr als 15 Millionen EUR an Risikokapital generiert haben.

Voraussetzungen des Unternehmens

Das Unternehmen darf nicht länger als sieben Jahre existieren und mit maximal 50 Mitarbeiter*innen höchstens 10 Millionen EUR Umsatz erwirtschaften. Zudem darf das Unternehmen nicht an der Börse gelistet sein und muss mindestens zu 75 Prozent in einer innovativen Branche tätig sein. Der Hauptsitz des Betriebs sollte in der EU und mindestens eine Zweigniederlassung in Deutschland sein.

Fazit

Ob ein Business Angel für dich geeignet ist, ist abhängig von deinem Vorhaben, deinem finanziellen Bedarf und insbesondere deiner Person. Der Business Angel erwirbt durch die Beteiligung Mitspracherecht und nimmt direkten Einfluss auf die Unternehmensentwicklung. Wenn du dafür offen bist und Lust hast, vom Know-how und Netzwerk erfolgreicher Unternehmer*innen zu profitieren, könnte ein Business Angel genau das Richtige für dich sein. Die Suche wird Zeit kosten und ist nur dann chancenreich, wenn deine Idee innovativ und skalierbar ist.

Steckbrief zu Kosten, Aufwand und Unterstützung jenseits der Finanzierung

Kosten Mittel

Kommt auf den Vertrag an. Typischerweise musst du keine Zinsen zahlen, sondern gibst Unternehmensanteile ab und damit Rendite bei Rentabilität und einen Anteil des Verkaufserlöses bei Exit. Im Erfolgsfall sind die Kosten also höher, im Misserfolgsfall niedriger als beispielsweise bei Bankkrediten.

Arbeitsaufwand Hoch

Die meisten Business Angels erwarten ein Pitch-Deck und später einen aussagekräftigen Businessplan, um ein genaueres Bild von deiner Idee zu bekommen. Hinzu kommt, dass die Suche sehr zeitaufwendig ist und Angels eher auf regionalen Events zu finden sind. Sehr unterschiedlich ist die Dauer bis eine Einigung erfolgt: Meist braucht es mehrere Anläufe und mit jedem mehrere Gespräche.

Feedback und Leistungen jenseits der Finanzierung Hoch

Die Leistungen jenseits der Finanzierung sollten substanziell sein, wenn du den richtigen Angel gefunden hast. Die Angels stellen neben Geld auch ihr eigenes Know-How sowie ein großes Netzwerk zur Verfügung. Um die Qualität der Unterstützung einzuschätzen, ist das gemeinsame Arbeiten am Geschäftsmodell mit Hilfe der Canvas und ein persönlicher Chemiecheck hilfreich.

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bhp