Werde erfolgreich Freiberufler*in

Vorteile und Herausforderungen beim selbstbestimmten Arbeiten

Freiberufler*in werden und damit einen Sonderstatus genießen

Planst du, für deine berufliche Zukunft mit einer selbstständigen Tätigkeit durchzustarten? Überlegst du, ob du Gewerbetreibende*r oder Freiberufler*in werden willst? Mit ein paar Tipps aus der Praxis kann die Freiberuflichkeit durchaus eine erfolgreiche Karriere werden. Je präziser dabei die Planung im Vorfeld, umso besser läuft es dann auch für dich als Freiberufler*in.

Selbstständig sein mit dem Status als Freiberufler*in

Als „Freie Berufe“ werden seit Jahrhunderten bestimmte Berufsbilder bezeichnet, die in ganz besonderer Weise von der Person und ihrer Qualifikation abhängig sind. Ärztliches Fachpersonal und Rechtsbeistände sind Beispiele, aber auch Kunstschaffende oder Coaches. Manches ist bei ihnen anders geregelt als bei klassischen Gewerbetreibenden – grundsätzlich gilt aber zunächst auch hier: In jedem Fall übst du eine Tätigkeit als selbstständige*r Unternehmer*in aus und wirtschaftest in eigener Verantwortung. Im Angestelltenverhältnis mit Gehalt von einem Unternehmen bist du nun nicht mehr. Du entscheidest allein über Verluste und Risiken und darüber, wie viel Geld du deinem Unternehmen privat entnimmst. Im Gegenzug haftest du mit deinem gesamten Privat- und Betriebsvermögen. Du hast also eine hohe Verantwortung und musst dafür deine Einnahmen außer mit dem Finanzamt oder Kreditgebenden mit keinen Geschäftspartner*innen teilen.

Als freiberufliche*r Unternehmer*in genießt du im betriebswirtschaftlichen Alltag allerdings eine Reihe von Vorteilen gegenüber Gewerbetreibenden. Im Gegenzug musst du eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, um Freiberufler*in werden zu können.

Nick von Travel Echo ist Freiberufler. Er erzählt im folgenden Video, wie er sein Hobby zum Beruf gemacht hat:

Unterschiede zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit

Die für Gründer*innen wichtigsten Unterschiede sind die Befreiung von der Gewerbesteuer und bestimmten Buchhaltungspflichten als Freiberufler*in. Allerdings kann nicht jeder, der sich selbstständig machen will, Freiberufler*in werden, denn der Gesetzgeber schreibt dazu bestimmte Voraussetzungen vor.

Um als Freiberufler*in anerkannt zu werden, darf der selbstständig ausgeübte Beruf nicht der Gewerbeordnung unterliegen. Gesetzliche Grundlage für das Finanzamt ist dabei § 18 des Einkommensteuergesetzes. Das bedeutet zunächst: Nur einige festgelegte Berufe kommen automatisch in Frage, in der Selbstständigkeit als Freiberufler*in anerkannt und somit von der Gewerbesteuer und Pflicht zur Finanzbuchhaltung befreit zu sein. Das Finanzamt greift dabei auf einen Katalog zurück („Katalogberufe“).

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Liste der freien Berufe in den verschiedensten Branchen

Zu den sogenannten freien, d.h. nicht der Gewerbeordnung unterliegenden Berufen zählen künstlerische und schriftstellerische sowie erzieherische und wissenschaftliche Tätigkeiten. Aber auch Rechtsbeistände, ärztliches Fachpersonal sowie Steuerbevollmächtigte und freischaffende Trainer*innen und Lehrer*innen zählen zu den freien Berufen.

Freiberufler*in in der Kunst

Hier geben wir dir eine kleine Übersicht, in welchen Berufszweigen du dich als Freiberufler*in selbstständig machen kannst:

  • Kunstschaffende wie Maler*innen und Bildhauer*innen
  • Schauspieler*innen und Musiker*innen
  • Personen mit freier journalistischer Tätigkeit und Schriftsteller*innen
  • Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen
  • Architekturschaffende und Personen aus den Ingenieursberufen
  • Rechtsbeistände, Wirtschaftsprüfer*innen und Steuerberater*innen
  • Ärztliches und zahnärztliches Fachpersonal
  • Heilpraktiker*innen und psychologisches Fachpersonal
  • Designer*innen und Web-Designer*innen

Die Liste ist allerdings nicht vollständig und gerade durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung entstehen immer wieder neue freie Berufe - vor allem in der IT-Branche. Ob du zur Gruppe der freiberuflich Tätigen oder zu den Gewerbetreibenden zählst, liegt nicht in deinem Ermessen. Das letzte Wort dazu hat immer das Finanzamt.

Einige der Freien Berufe unterliegen bestimmten Zulassungsvorschriften. Wer sie ausüben möchte, muss beispielsweise bestimmte Fähigkeiten oder eine bestimmte Ausbildung vorweisen können. Freiberufliche Heilpraktiker*innen müssen etwa beim örtlichen Gesundheitsamt eine Prüfung ablegen, um zu zeigen, dass sie über die notwendigen Kenntnisse verfügen.

Gelten für deinen Beruf keine Vorschriften, genügt es, deine Gründung beim Finanzamt anzumelden.

Als Freiberufler*in kannst du dich bei Bedarf übrigens mit anderen in der Rechtsform einer Partnergesellschaft zusammenschließen. Auch die Gründung einer GbR ist möglich.

Alleinstellungsmerkmal und Geschäftsmodell

Führst du eine Tätigkeit als Freiberufler*in aus, sollte dir eines von vornherein klar sein: Zwar ist deine eigene Person wichtig für den unternehmerischen Erfolg, aber ohne ein passendes Geschäftsmodell, wird es schwierig, sich langfristig am Markt zu etablieren. Somit solltest du dir zu Beginn deiner Gründung darüber Gedanken machen, wie du dein Geschäft, passend zu deiner Persönlichkeit, aufbauen möchtest.

Zunächst kannst du überlegen, ob du alleine oder mit anderen Freiberufler*in gründen möchtest. Kommst du zu dem Entschluss alleine starten zu wollen, solltest du das organisatorische Know-how besitzen, um dein Gründungsvorhaben in richtige Bahnen zu lenken. Dir muss klar sein, dass du „selbst und ständig“ dafür die Verantwortung trägst, Kunden zu akquirieren, die Leistung zu erstellen und diese auch durchzuführen. Möchtest du in einer Gemeinschaft starten, musst du deine Teamfähigkeit hinterfragen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, bestimmte Tätigkeiten an Schlüsselpartner auszulagern. Dies könnte u.a. der Bereich Marketing oder auch die Buchhaltung sein.

Hast du die Eckpfeiler deines Geschäftsmodells festgelegt, gehst du ein wenig mehr ins Detail. Was sind die kleinen Dinge, die neben deiner Leistung deine Kunden überzeugen? Als freiberufliche*r Designer*in kannst du z.B. individuelle Weihnachtskarten entwerfen und deinen Kunden für deren Kommunikation bereitstellen. Du löst somit nicht nur ein Problem deines Kunden, sondern erhöhst darüber hinaus deinen Bekanntheitsgrad, indem der Kunde deine Weihnachtskarte weiterversendet. Diese Form von Alleinstellungsmerkmal ist wichtig, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Status beim Umgang mit dem Finanzamt

Derzeit herrscht bei den Finanzämtern für zahlreiche neue Berufe vor allem aus der IT-Branche noch eine gewisse Unsicherheit über den Status als Gewerbetreibende*r oder Freiberufler*in. Häufig endet dies auch in Mischformen, sodass du als teilweise gewerbetreibend und teilweise freiberuflich eingestuft wirst. Wenn du zum Beispiel als freie*r Journalist*in und Texter*in arbeitest, aber gleichzeitig einen Online-Shop betreibst, ist das der Fall. Hier solltest du die freiberuflichen und gewerblichen Anteile für dich vorteilhaft gewichten. Als Basis, um als Freiberufler*in vom Finanzamt anerkannt zu werden, gilt folgende Faustregel: Bei einer gemischten Tätigkeit muss der freiberufliche Anteil größer sein als der gewerbliche. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, einen Rechtsbeistand für Existenzgründer*innen, eine*n Steuerberater*in oder eine Existenzgründungsberatung aufzusuchen, bevor du dich als Freiberufler*in beim Finanzamt anmeldest.

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Als Freiberufler*in weder Gewerbesteuer noch Finanzbuchhaltung nötig

Wenn du selbstständige*r Freiberufler*in werden willst, zahlst du keine Gewerbesteuer, sondern lediglich die Einkommen- und Umsatzsteuer. Auch eine Finanzbuchhaltung ist nicht nötig, dem Finanzamt reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die sogenannte „EÜR“. Dennoch empfehlen wir, zur Abklärung eine*n Steuerberater*in aufzusuchen und wie bei jeder Gründung einen Businessplan zu schreiben.

Mitglied in der IHK musst du als Freiberufler*in ebenfalls nicht sein und in der zuständigen Berufskammer nur dann, wenn du einen kammerpflichtigen Beruf ausübst,  wie ärztliches Fachpersonal oder Rechtsbeistände.

Generell kannst du als Freiberufler*in wählen, ob du dich privat oder gesetzlich sozialversicherst.Vielleicht  kommt für dich die günstige Künstlersozialkasse (KSK) in Frage Über sie kann sich versichern, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Für Schriftsteller*innen, freie Journalist*innen oder in anderer Weise publizistisch Tätige gibt es dort die Kategorie „Publizist*in“. Die Künstlersozialkasse umfasst sowohl die Renten- als auch die Krankenversicherung.

Viele Freiberufler*innen, die sich selbstständig machen, brauchen kein Startkapital. Sie haften allerdings mit ihrem Privatvermögen. Daher empfiehlt es sich in jedem Fall, im Vorfeld alle existenzsichernden Versicherungen abzuschließen, damit du mit Erfolg und Rückendeckung durchstarten kannst.

Die Rentenversicherung für Freiberufler*innen und für „Scheinselbstständige“

Als Freiberufler*in musst du dich mit deinem Unternehmen grundsätzlich nicht bei deiner Stadt oder Gemeinde, sondern nur beim zuständigen Finanzamt anmelden. Aber damit ist es mit dem Papierkram nach unserer Erfahrung noch nicht getan. Denn gleichzeitig interessiert sich auch dein Rentenversicherungsträger für dich und deine Beiträge zur Sozialversicherung. Falls es Probleme geben sollte, weil du zum Beispiel derzeit nur für einen einzigen Auftraggeber arbeitest und die Rentenversicherung dich als „scheinselbstständig“ einstuft, empfehlen wir dir Kontakt zur Clearingstelle Deutsche Rentenversicherung aufzunehmen. Hier lässt sich dann ein sogenanntes „Statusfeststellungsverfahren“ einleiten, was dir unter Umständen eine Menge Geld spart.

In jedem Fall solltest du dich umfassend informieren, gut vorbereitet sein und dich rechtlich absichern, bevor du dich als Freiberufler*in selbstständig machst. Viel Erfolg!

Kammerpflicht und Freie Berufe

Ein weiterer Vorteil, den du gegenüber den meisten Gewerbetreibenden genießt: Du bist nicht zur Mitgliedschaft in der IHK verpflichtet – und kannst dir die oft als ärgerlich empfundenen Mitgliedsbeiträge sparen.

Allerdings gelten einige Freie Berufe als sogenannte kammerpflichtige Berufe. Dazu zählen unter anderem niedergelassene Mediziner*innen, aber auch Notar*innen, Rechtsanwält*innen, oder Architekt*innen. Einige Kammern haben Restriktionen für Werbemaßnahmen ihrer freiberuflichen Mitglieder erlassen. Du solltest dich rechtzeitig informieren, ob und inwieweit du in deinem Marketing und deiner Öffentlichkeitsarbeit dadurch beschränkt wirst. 

Freiberufler*in werden: Rechtsform

Viele verwechseln den Status „Freiberufler*in“ mit der Rechtsform eines Unternehmens. Ein Irrtum – auch ein*e Freiberufler*in ist rechtlich gesehen ein*e Einzelunternehmer*in Wenn du zusammen mit weiteren freiberuflich Tätigen gründest, bildet ihr eine Partnerschaft und könnt euch in einer GbR zusammenschließen. Dann bleibt ihr auch als Gemeinschaft Freiberufler.

Sogar die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder einer Unternehmergesellschaft (UG) ist drin – um deine finanzielle Haftung zu beschränken. Als Freiberufler*in haftest du nämlich in der Regel mit deinem gesamten Privatvermögen. Diesen Schritt solltest du aber gut vorbereiten und unbedingt mit der zuständigen Berufskammer abklären, falls du kammerpflichtig bist. Außerdem solltest du bedenken, dass die Gewinne der Kapitalgesellschaft in jedem Fall der Gewerbesteuerpflicht unterliegen und du folglich das Privileg der Gewerbesteuerfreiheit für Freiberufler aufgibst.

Einkommen

Als Freiberufler*in verkaufst du nicht irgendein Produkt, du bist dein Produkt. Das heißt, nach Abzug aller Kosten stellt der Gewinn, den du erwirtschaftet hast, zugleich dein Einkommen dar.

Wenn du deine Preise oder Tagessätze kalkulierst, denk dran, dass sie nicht nur deine Kosten decken sollten, sondern auch deinen Lebensunterhalt – andernfalls wäre deine Freiberuflichkeit nichts weiter als ein aufwendiges Hobby. Vielen Freiberufler*innen fällt es schwer, einen realistischen Preis zu berechnen – und ihn gegenüber ihren Kunden durchzusetzen. Ein Branchenvergleich hilft dabei abzuschätzen, wie viel Geld andere Freiberufler*innen für vergleichbare Leistungen nehmen. Auf keinen Fall solltest du versuchen, dich mit unterdurchschnittlichen Preisen gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Dumpinglöhne schaden nicht nur dir selbst, sondern deinem gesamten Berufsstand.

Fazit

Eine freiberufliche Selbstständigkeit hat viele Vorteile. Gegenüber Gewerbetreibenden bleibt Freiberufler*innen eine Menge Papierkram erspart und sie können sich noch mehr auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren. Aber die Hürden zur Anerkennung als Freiberufler*in sind nicht ohne. Und natürlich bist du auch als Freiberufler*in selbständig unternehmerisch tätig und trägst die volle Verantwortung für dein Tun. Deshalb ist eine sorgfältige Planung unverzichtbar, wenn du dir ein erfülltes und selbstbestimmtes Berufsleben sichern willst.

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bhp