Vorteile und Herausforderungen beim selbstbestimmten Arbeiten

Werde erfolgreich Freiberufler*in

Freiberufler*in werden und mit einer freiberuflichen Tätigkeit durchstarten

Freiberuflich – schon der Begriff klingt verlockend. Er lässt an Freiheit, selbstbestimmtes Arbeiten und berufliche Kreativität denken. Was es mit dieser Form der Selbstständigkeit auf sich hat und für welche Berufsgruppen sie infrage kommt, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Selbstständig sein mit dem Status als Freiberufler*in

Als freie Berufe werden seit Jahrhunderten bestimmte Berufsbilder bezeichnet, die in ganz besonderer Weise von der Person und ihrer Qualifikation abhängig sind. Ärztliches Fachpersonal und Rechtsbeistände sind Beispiele, aber auch Kunstschaffende oder Coaches. Freie Berufe zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel ein großes Know-how voraussetzen, das man sich an einer Hochschule, aber auch im Selbststudium oder durch seine bisherige berufliche Erfahrung erworben haben kann. Manches ist bei Freiberufler*innen anders geregelt als bei klassischen Gewerbetreibenden – grundsätzlich gilt aber auch für sie: Sie sind selbstständige Unternehmer*innen, die auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung wirtschaften. Sie allein entscheiden, welche Risiken sie eingehen und wie viel Geld sie ihrem Unternehmen privat entnehmen. Sie tragen eine hohe Verantwortung, aber dafür müssen sie ihre Gewinne außer mit dem Finanzamt mit niemandem teilen.

Wenn du dich mit einem freien Beruf selbstständig machst, profitierst du im betriebswirtschaftlichen Alltag von einigen Vorteilen gegenüber Gewerbetreibenden. Allerdings musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um als Freiberufler*in anerkannt zu werden.

Nick von Travel Echo ist Freiberufler. Er erzählt im folgenden Video, wie er sein Hobby zum Beruf gemacht hat:

Unterschiede zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit

Freiberufler*innen genießen im Vergleich zu Gewerbetreibenden im Steuerrecht und auch sonst einige Vorteile: Sie sind zum Beispiel nicht verpflichtet, zum Jahresabschluss für das Finanzamt eine betriebswirtschaftliche Bilanz zu erstellen. Eine einfache und zeitsparende Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) reicht für die steuerliche Erfassung aus. 
Freiberuflich arbeitende Personen können zudem auf die Gewerbeanmeldung verzichten und müssen dementsprechend auch keine Gewerbesteuer zahlen. Und sie sind davon befreit, Mitglied der Handels- oder Handwerkskammer zu werden. 

Wann gilt eine selbstständige Tätigkeit als freie Tätigkeit?

Um in den Genuss dieser Privilegien zu kommen, darf dein ausgeübter Beruf nicht der Gewerbeordnung unterliegen. Im Einkommensteuergesetz unter dem Paragrafen 18 sind alle freiberuflichen Tätigkeiten in Katalogform aufgeführt (deshalb werden diese Berufe auch als „Katalogberufe“ bezeichnet). Wenn dein Beruf dort gelistet wird, hast du gute Chancen, vom Finanzamt als freiberuflich anerkannt zu werden. Doch leider wurde vom Gesetzgeber die Gruppe der freien Berufe nicht ganz eindeutig festgelegt. Nach der Auflistung der verschiedenen Berufsbezeichnungen heißt es im Gesetzbuch weiter: „…und ähnliche Berufe“. Ob deine geplante Selbstständigkeit auch als freier Beruf gilt, solltest du daher sicherheitshalber vorab mit deinem zuständigen Finanzamt abklären oder in einem Steuerbüro oder einer Anwaltskanzlei erfragen.

Liste der freien Berufe in den verschiedensten Branchen

Zu den sogenannten freien, d. h. nicht der Gewerbeordnung unterliegenden Berufen zählen künstlerische und schriftstellerische sowie erzieherische und wissenschaftliche Tätigkeiten. Aber auch Rechtsbeistände, ärztliches Fachpersonal sowie Steuerbevollmächtigte und freischaffende Trainer*innen und Lehrer*innen zählen zu den freien Berufen.

Freiberufler*in in der Kunst

Hier geben wir dir eine kleine Übersicht, in welchen Berufszweigen du dich als Freiberufler*in selbstständig machen kannst:

  • Kunstschaffende wie Maler*innen und Bildhauer*innen
  • Schauspieler*innen und Musiker*innen
  • Personen mit freier journalistischer Tätigkeit und Schriftsteller*innen
  • Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen
  • Architekturschaffende und Personen aus den Ingenieursberufen
  • Rechtsbeistände, Wirtschaftsprüfer*innen und Steuerberater*innen
  • Ärztliches und zahnärztliches Fachpersonal
  • Heilpraktiker*innen und psychologisches Fachpersonal
  • Designer*innen und Web-Designer*innen

Ob du zur Gruppe der freiberuflich Tätigen oder zu den Gewerbetreibenden zählst, liegt übrigens nicht in deinem Ermessen. Das letzte Wort dazu hat immer das Finanzamt.
Einige der freien Berufe unterliegen bestimmten Zulassungsvorschriften. Wer sie ausüben möchte, muss beispielsweise bestimmte Fähigkeiten oder eine bestimmte Ausbildung vorweisen können. Freiberufliche Heilpraktiker*innen müssen etwa beim örtlichen Gesundheitsamt eine Prüfung ablegen, um zu zeigen, dass sie über die notwendigen Kenntnisse verfügen.
Gelten für deinen Beruf keine Vorschriften, genügt es, deine Gründung beim Finanzamt anzumelden.

Status beim Finanzamt

Derzeit herrscht bei den Finanzämtern für zahlreiche neue Berufe noch eine gewisse Unsicherheit über den Status als Gewerbetreibende*r oder Freiberufler*in. Vor allem Freelancer aus dem IT-Bereich müssen oft dafür kämpfen, dass ihre Arbeit als freiberufliche Tätigkeit anerkannt wird. Häufig wird auch von einer Mischform ausgegangen. Es kann dir also passieren, dass du als teilweise gewerbetreibend und teilweise freiberuflich tätig eingestuft wirst. 
Ein passendes Beispiel hierfür ist die Arztpraxis, in der auch Pflegeprodukte verkauft werden. Hier sind die Einkünfte leicht zu trennen und sollten auch buchhalterisch getrennt erfasst und jeweils auf einem separaten Geschäftskonto verwaltet werden.

Es gibt auch untrennbar miteinander verwobene freiberufliche und gewerbliche Tätigkeiten. Wenn beispielsweise eine Grafikdesignerin Webseiten als Gesamtpaket verkauft, den Text und die Programmierung von einem Dienstleister bekommt und ihre eigene Designleistung mit einbringt. In diesem Falle gilt die komplette Tätigkeit als gewerblich. Bei Unsicherheiten bezüglich einer gewerblichen Nebentätigkeit solltest du Informationen direkt beim Finanzamt einholen.
Wenn möglich solltest du die gewerblichen und freiberuflichen Tätigkeiten für dich vorteilhaft gewichten. Als Basis, um als Freiberufler*in vom Finanzamt anerkannt zu werden, gilt folgende Faustregel: Bei einer gemischten Tätigkeit muss der freiberufliche Anteil größer sein als der gewerbliche. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, einen Rechtsbeistand für Existenzgründer*innen, ein Steuerbüro oder eine Existenzgründungsberatung aufzusuchen, bevor du dich als Freiberufler*in beim Finanzamt anmeldest.

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Freiberuf­ler*innen haben Steuervorteile

Wenn du Freiberufler*in werden willst, zahlst du keine Gewerbesteuer, sondern lediglich Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Auch bei der Buchführung wirst du entlastest, denn dem Finanzamt reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung, abgekürzt EÜR. Darin stellst die Einnahmen eines Jahres den betrieblichen Ausgaben gegenüber. Die Differenz ergibt dein zu versteuerndes Einkommen.

Einkommensteuer

Freiberufliche Tätigkeiten unterliegen der Einkommensteuerpflicht – ganz genauso wie jede andere Selbstständigkeit. Damit die Steuerlast am Ende des Jahres nicht zu hoch wird, müssen Freiberufler*innen schon während des Geschäftsjahres mehrere Abschlagszahlungen leisten. Wie hoch diese Zahlungen jeweils sind, richtet sich nach der Höhe der gezahlten Einkommensteuer vom Vorjahr. Bei Gründer*innen wird dieser Betrag im ersten Jahr geschätzt. An folgenden Stichtagen sind Abschlagszahlungen fällig: 10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember. 

Du kannst die Vorauszahlungen entweder überweisen oder du erteilst dem Finanzamt eine Einzugsermächtigung. Am Ende des Jahres wird anhand deiner Steuererklärung die tatsächliche Steuerhöhe ermittelt und die Differenz vom Finanzamt an dich zurückgezahlt oder im Rahmen einer Steuernachzahlung von dir ausgeglichen.

Tipp: Bei starken Umsatz- und Gewinnzuwächsen am besten Geld für die Steuer beiseitelegen. Ist der Umsatz rückgängig, kann dies schnell und einfach dem Finanzamt gemeldet und die Vorauszahlung angepasst werden. Dies gilt auch für die Krankenkassen-Beiträge, denn im Nachhinein gibt es hier keine Anpassung.

Mehrwertsteuer, Vorsteuer und Umsatzsteuer

Als Freiberufler*in musst du ans Finanzamt regelmäßig eine Umsatzsteuer-Voranmeldung senden. Dabei werden die an andere Unternehmen gezahlten Mehrwertsteuerbeträge (wenn du die Steuer zahlst, spricht man von „Vorsteuer“) mit den Mehrwertsteuerbeträgen verrechnet, die deine Auftraggeber*innen an dich gezahlt haben (in diesem Fall spricht man von „Umsatzsteuer“). 

In Deutschland beträgt der Regelsatz für die Mehrwertsteuer 19 Prozent (bis Ende 2020 16 Prozent). Doch aufgepasst: Auf Leistungen, die unter das Urhebergesetz fallen, werden nur sieben Prozent (bis Ende 2020 fünf Prozent) aufgeschlagen. Das gilt beispielsweise für journalistische Texte, Übersetzungen, Filme, grafische Werke wie Logos und Website-Design und Musikkompositionen. 

Egal, welchen Steuersatz du anlegst: Bei den eingenommenen Umsatzsteuerbeträgen handelt es sich buchhalterisch nur um einen durchlaufenden Posten – lass dich also nicht von deinem Kontostand täuschen!

Umsatzsteuer-Voranmeldungen

Deine Umsatzsteuer-Voranmeldungen kannst du (oder dein* Steuerberater*in) elektronisch an das Finanzamt senden. Wenn du deine Zahlen selbst an das Finanzamt schickst, kannst du das online auf dem Finanzamt-Portal www.elster.de machen. Dafür musst du dich lediglich einmal registrieren und kannst danach deine Daten verschlüsselt übermitteln.

In den ersten zwei Jahren nach deiner Gründung musst du diese Anmeldung jeweils bis zum zehnten Tag des Monats für den entsprechenden Vormonat einreichen. Danach richten sich die Einreichungstermine nach der Höhe deiner gezahlten Umsatzsteuerbeträge: Nur wenn du im ganzen Jahr mehr als 7.500 EUR Einkommensteuer zahlst, musst du deine Umsatzsteuer-Voranmeldung auch weiter jeden Monat einreichen. Liegt deine Einkommensteuer unter diesem Betrag, reicht es dem Finanzamt, wenn es deine Voranmeldung quartalsweise bekommt. Falls du weniger als 1.000 EUR Einkommensteuer im Jahr bezahlst, wird deine Umsatzsteuer-Voranmeldung sogar erst nach Jahresende fällig. 

Für die quartalsweise eingereichte Umsatzsteuervoranmeldung gelten folgende Stichtage: 10. April, 10. Juli, 10. Oktober und 10. Januar. Es gibt aber die Möglichkeit, beim Finanzamt die Fristen jeweils um vier Wochen verlängern zu lassen, sodass dir mehr als zehn Tage für die Fertigstellung bleiben.

Wenn du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machst, kannst du dir das Theater mit der Umsatzsteuer einfach sparen. Das lohnt sich vor allem, wenn sich deine betrieblichen Ausgaben in Grenzen halten und du überwiegend Privatleute zu deinen Kunden zählst. Wer die Kleinunternehmerregelung nutzen kann und was es dabei zu beachten gilt, erfährst du in unserem Artikel zu diesem Thema

Alleinstellungs­merkmal und Geschäfts­modell

Wenn du eine Karriere als Freiberufler*in anstrebst, solltest du dir rechtzeitig Gedanken über dein Geschäftsmodell machen. Zwar ist deine eigene Person wichtig für den unternehmerischen Erfolg, aber mit einem zündenden Geschäftsmodell und einem Alleinstellungsmerkmal, das deine Kunden begeistert, wird es dir leichter fallen, dich langfristig am Markt zu etablieren. Somit solltest du dir zu Beginn deiner Gründung darüber Gedanken machen, wie du dein Geschäft, passend zu deiner Persönlichkeit, aufbauen möchtest.

Dazu gehört auch die Frage, ob du alleine oder mit anderen freiberuflich Tätigen gründen möchtest. Kommst du zu dem Entschluss, alleine starten zu wollen, solltest du das organisatorische Know-how besitzen, um dein Gründungsvorhaben in richtige Bahnen zu lenken. Mach dir bewusst, dass du zukünftig die Verantwortung dafür trägst, Kunden zu akquirieren, die Leistung zu erbringen und ggf. auch deine Mitarbeiter*innen zu führen. 

Möchtest du in einer Gemeinschaft starten, ist es hilfreich, deine Teamfähigkeit zu hinterfragen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, bestimmte Tätigkeiten an Schlüsselpartner auszulagern. Dies könnte u. a. der Bereich Marketing oder auch die Buchführung sein.

Hast du die Eckpfeiler deiner Geschäftsidee festgelegt, gehst du ein wenig mehr ins Detail. Was sind die kleinen Dinge, die neben deiner Leistung deine Kunden überzeugen? Als freiberuflicher Designer kannst du z. B. individuelle Weihnachtskarten entwerfen und über eine Druckerei, mit der du eine Kooperation hast (Schlüsselpartner), auch gleich drucken lassen. So kannst du deinen Kunden für deren geschäftliche Weihnachtspost nicht nur das Design, sondern sofort die fertigen Karten bereitstellen. Du löst also nicht nur ein Problem deiner Kunden, sondern erhöhst darüber hinaus deinen Bekanntheitsgrad, indem deine Kunden die Weihnachtskarten wiederum an ihre Geschäftspartner schicken. Diese Form von Alleinstellungsmerkmal ist wichtig, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

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Das bringt ein Businessplan

Um freiberuflich tätig zu sein, brauchst du nicht zwangsläufig einen Kredit für teures Equipment, Immobilien oder Personal. Vielleicht reichen schon ein Computer und dein Expertenwissen aus, um mit deiner Selbstständigkeit zu starten. Trotzdem solltest du nicht darauf verzichten, einen Businessplan zu schreiben. Er hilft dir, alle wichtigen unternehmerischen Aspekte deiner freien Tätigkeit zu durchdenken, wie beispielsweise die passende Positionierung, die Preisfindung, die Konkurrenzanalyse und die Kundengewinnung. Wenn du dir über sämtliche Risiken und Chancen deiner Selbstständigkeit schon im Vorfeld ausführliche Gedanken machst und dir Fachwissen aneignest, wirst du es später bei der Umsetzung deiner Geschäftsidee leichter haben und viele ärgerliche Fehler vermeiden.

Beispiel: Als freiberufliche Landschaftsgärtnerin wirst du nicht nur teures Equipment anschaffen oder leasen, sondern gehst mit der Materialbeschaffung für deine Kunden auch in Vorleistung. Selbst wenn deine Kundschaft Anzahlungen leistet, bekommst du das Geld erst nach Fertigstellung der Aufträge wieder, was unter Umständen Wochen oder Monate dauern kann – diese finanziellen Lücken musst du kennen und einkalkulieren. Der Garten- und Landschaftsbau ist zudem ein Saisongeschäft, was du in deine Planung mit einbeziehen musst. Um Engpässe gut überbrücken zu können, musst du also Investitionen, Ausgaben und Rücklagen gut planen.

Welche Versicherungen sind für Freiberuf­ler*innen sinnvoll?

Freiberuflich tätige Personen benötigen – wie alle anderen Selbstständigen auch – verschiedene Versicherungen für ihren privaten und geschäftlichen Bereich. Bei deiner Recherche kommst du auf folgende. 
Stell dir aber auch die Frage, welche Risiken du als Freiberufler*in haben wirst und ob du diese über eine Versicherung abdeckst; besprich deine Situation am besten mit einem unabhängigen Versicherungsberater.

Krankenversicherung

Freiberufler*innen können zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung auswählen. Künstler*innen und Publizist*innen können sich über die Künstlersozialkasse (KSK) versichern und müssen dann selbst nur die Hälfte der Versicherungsbeträge zahlen. Die andere Hälfte übernimmt der Bund. 

Renten- und Pflegeversicherung

Die KSK übernimmt für ihre Mitglieder neben der Kranken- auch die Renten- und Pflegeversicherung. Freiberuflich Selbstständige, die einer Standeskammer angehören, müssen selbst eine Rentenversicherung abschließen. Freie Berufe, die keiner Kammer zugeordnet sind und auch nicht über die KSK versichert werden können, sind über die deutsche Rentenversicherung pflichtversichert.

Unfallversicherung

Für Freiberufler*innen besteht keine gesetzliche Pflicht, eine Unfallversicherung abzuschließen. Allerdings kann das für manche Berufsgruppen sinnvoll sein, wie zum Beispiel für selbstständige Sportlehrer*innen. Überlege dir, welchen Unfallrisiken du möglicherweise ausgesetzt bist und entscheide dann, ob gegebenenfalls eine private Unfallversicherung für dich ausreichend ist. Für einige Berufsgruppen besteht eine Versicherungspflicht bei der für sie zuständigen Berufsgenossenschaft, so sind beispielsweise freiberufliche Bildjournalist*innen oder Grafikdesigner*innen verpflichtet, sich über die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse zu versichern. Freiberufler*innen, für die diese Pflicht nicht besteht, können sich auch freiwillig bei der gesetzlichen Unfallversicherung absichern.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer freiberuflich tätig ist und sich noch stärker absichern möchte, kann über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Allerdings solltest du genau überprüfen, ob in einem möglichen Krankheitsfall der Versicherungsschutz auch wirklich gegeben ist. Zum Beispiel können aus Sicht der Versicherung Freiberufler*innen, die überwiegend Kopfarbeit leisten und dementsprechend ihren regulären Arbeitsplatz am Schreibtisch haben, ihrer Berufstätigkeit auch mit körperlichen Behinderungen nachgehen.

Berufshaftpflicht- und Betriebshaftpflichtversicherung

Beide Versicherungen schützen Freiberufler*innen vor Schadensansprüchen Dritter. Die Berufshaftpflichtversicherung sichert Vermögensschäden ab, die sich beispielsweise durch Falschberatung von Kund*innen ergeben. Für Freiberufler*innen, die medizinische oder lehrende Berufe ausüben, ist diese Versicherung gesetzlich vorgeschrieben.

Eine Betriebshaftpflichtversicherung haftet für Personen- und Sachschäden. Für freiberuflich Tätige mit eigenen Geschäftsräumen, in denen beispielsweise jemand über ein Kabel fallen kann, ist eine derartige Versicherung sinnvoll. Ebenso für Freiberufler*innen, die häufig bei ihren Kund*innen vor Ort sind und dort versehentlich etwas beschädigen könnten.

Das Problem mit der Schein­selbstständig­keit

Als Freiberufler*in musst du dich mit deinem Unternehmen zwar nicht beim Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde, sondern nur beim Finanzamt anmelden. Aber damit ist es mit dem Papierkram noch nicht getan. Denn gleichzeitig interessiert sich auch dein Rentenversicherungsträger für dich und deine Beiträge zur Sozialversicherung. Falls es Probleme geben sollte, weil du zum Beispiel derzeit nur für einen einzigen Auftraggeber arbeitest und die Rentenversicherung dich als „scheinselbstständig“ oder als „arbeitnehmerähnlich beschäftigt“ einstuft, empfehlen wir dir, Kontakt zur Clearingstelle Deutsche Rentenversicherung aufzunehmen. Hier lässt sich dann ein sogenanntes „Statusfeststellungsverfahren“ einleiten, was dir unter Umständen eine Menge Geld spart.
In jedem Fall solltest du dich umfassend informieren, gut vorbereitet sein und dich rechtlich absichern, bevor du dich als Freiberufler*in selbstständig machst. 

Teamgründung für freiberuflich Tätige

Gemeinsam ist man stark! Mehrere Selbstständige in freien Berufen können sich unternehmerisch zu einer Partnerschaftsgesellschaft zusammentun. Dazu ist kein Startkapital erforderlich. Die Haftung der Mitglieder beschränkt sich auf das Betriebsvermögen sowie ihr Privatvermögen, und die Gewerbesteuerfreiheit bleibt auch bestehen. Für die Gründung einer Partnergesellschaft benötigt ihr einen Partnerschaftsvertrag. Ihr meldet euer Unternehmen notariell beglaubigt beim Partnerschaftsregister des für euch zuständigen Amtsgerichts an. Auch andere Rechtsformen kommen unter Umständen infrage, zum Beispiel eine GbR, OHG, GmbH oder AG.
Mehr dazu in unserem Rechtsform-Finder.

Kammerpflicht und freie Berufe

Einer der Vorteile, die du als Freiberufler*in gegenüber den meisten Gewerbetreibenden genießt: Du bist nicht zur Mitgliedschaft in der IHK verpflichtet und kannst dir die oft als ärgerlich empfundenen Mitgliedsbeiträge sparen.
Allerdings gelten einige freie Berufe als kammerpflichtige Berufe. Dazu zählen unter anderem niedergelassene Mediziner, aber auch Notare, Rechtsanwälte oder Architekten. 
Einige Kammern haben Restriktionen für Werbemaßnahmen ihrer freiberuflichen Mitglieder erlassen. Du solltest dich rechtzeitig informieren, ob und inwieweit du in deinem Marketing und deiner Öffentlichkeitsarbeit dadurch beschränkt wirst. 

Rechtsformen für freie Berufe

Viele verwechseln den Status „Freiberufler*in“ mit der Rechtsform eines Unternehmens. Ein Irrtum – auch freiberuflich Tätige gelten rechtlich gesehen als Einzelunternehmer*innen. Wenn du zusammen mit weiteren freiberuflich Tätigen gründest, bildet ihr eine Partnerschaft und könnt euch in einer GbR zusammenschließen. Dann bleibt ihr auch als Gemeinschaft Freiberufler*innen.

Sogar die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder einer Unternehmergesellschaft (UG) ist drin, um dadurch die finanzielle Haftung zu beschränken. Als Freiberufler*in haftest du nämlich in der Regel mit deinem gesamten Privatvermögen. Diesen Schritt solltest du aber gut vorbereiten und unbedingt mit der zuständigen Berufskammer abklären, falls du kammerpflichtig bist. Außerdem solltest du bedenken, dass die Gewinne der Kapitalgesellschaft in jedem Fall der Gewerbesteuerpflicht unterliegen und du folglich das Privileg der Gewerbesteuerfreiheit für Freiberufler*innen aufgibst.

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Lass dich von unserem Beispiel aus dem Freiberufler-Bereich inspirieren

Verdienst­möglichkeiten von Freiberuf­ler*innen

Als Freiberufler*in verkaufst du nicht irgendein Produkt, du bist dein Produkt. Daraus folgt, dass nach Abzug aller Kosten der Gewinn, den du erwirtschaftet hast, zugleich dein Einkommen darstellt.

Wenn du deine Preise oder Tagessätze kalkulierst, denk dran, dass sie nicht nur deine Kosten decken sollten, sondern auch deinen Lebensunterhalt – andernfalls wäre deine Freiberuflichkeit nichts weiter als ein aufwendiges Hobby. Vielen Freiberufler*innen fällt es schwer, einen realistischen Preis zu berechnen – und ihn gegenüber ihren Kunden durchzusetzen. Ein Branchenvergleich hilft abzuschätzen, wie viel Geld andere Freiberufler*innen für vergleichbare Leistungen nehmen. Auf keinen Fall solltest du versuchen, dich mit unterdurchschnittlichen Preisen gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Dumpinglöhne schaden nicht nur dir selbst, sondern deinem gesamten Berufsstand.

Fazit

Eine freiberufliche Selbstständigkeit hat viele Vorteile. Gegenüber Gewerbetreibenden bleibt Freiberufler*innen eine Menge Papierkram erspart und sie können sich noch mehr auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren. Aber die Hürden zur Anerkennung als Freiberufler*in sind nicht ohne. Und natürlich bist du auch als Freiberufler*in selbstständig unternehmerisch tätig und trägst die volle Verantwortung für dein Tun. Deshalb ist eine sorgfältige Planung unverzichtbar, wenn du dir ein erfülltes und selbstbestimmtes Berufsleben sichern willst. 

So startest du mit wenigen Schritten in die Freiberuflichkeit:

  1. Informiere dich, ob deine geplante Selbstständigkeit als Freiberuflichkeit gilt.
  2. Finde ein wirkungsvolles Alleinstellungsmerkmal und erarbeite ein Geschäftsmodell
  3. Schreibe einen kurzen aber dennoch umfassenden Businessplan.
  4. Mach dich schlau, um welche Steuern du dich wann und wie kümmern musst.
  5. Melde deine Selbstständigkeit beim Finanzamt an.
  6. Schließe alle nötigen Versicherungen ab. Bemühe dich gegebenenfalls um die Mitgliedschaft in der KSK.
  7. Registriere dich in der für dich passenden Berufskammer.
  8. Leg einfach los!

Tipp: Ideencouch Podcast. Im Gespräch mit dem Künstler Jan Holtmann geht es unter anderem um die Fragen, wie ein*e Künstler*in aus der eigenen Kernkompetenz ein Geschäftsmodell entwickeln kann.

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bhp