Sich selbstständig machen – so geht’s

Plane deine Existenzgründung und mach dein eigenes Ding

Träumst du auch manchmal davon, dich selbstständig zu machen? Dir nichts mehr vorschreiben zu lassen, sondern selbst zu entscheiden, wann und wie die Dinge getan werden? Deine Leidenschaft zum Beruf zu machen und echte Unabhängigkeit zu gewinnen?

Wenn das nicht länger ein Traum bleiben soll, dann ist es Zeit, sich näher mit der Selbstständigkeit auseinanderzusetzen. Was bedeutet es eigentlich, selbstständig zu sein? Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen? Und welche Schritte sind dafür notwenig? Die Antworten gibt dir dieser Artikel. Mit Step-by-Step-Anleitung am Schluss.

Wann ist man selbstständig?

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit du dich – im beruflichen Sinne – zu den Selbstständigen in diesem Land rechnen darfst:

  • Du arbeitest auf eigene Rechnung
  • Du bist nicht weisungsgebunden
  • Du bestimmst deine Arbeitszeit und deinen Arbeitsort
  • Du trägst das unternehmerische Risiko

Anders als abhängig Beschäftigte kannst du also selbst entscheiden, ob du einen Auftrag annimmst oder nicht und wie du ihn erledigst. Hauptsache, das Ergebnis stimmt und liegt zur vereinbarten Zeit vor.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Viele Menschen sind unsicher, ob sie überhaupt das Zeug dafür haben, sich selbstständig zu machen. Geht es dir auch so? Hast du vielleicht sogar schon den einen oder anderen Persönlichkeitstest zur Frage “Bin ich ein Unternehmertyp” gemacht und warst von dem Ergebnis enttäuscht? Lass dich bitte nicht aus dem Sattel werfen. Dieser Unternehmertyp ist ein Mythos. Von den Millionen von Selbstständigen passen nur die wenigsten in das Klischee, das immer noch durch viele Köpfe geistert.

Trotzdem ist es gut, sich mit seiner Persönlichkeit auseinanderzusetzen und sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein, um eine Geschäftsidee zu entwickeln, die dazu passt. Dafür sind besagte Tests durchaus geeignet. Zu mehr aber auch nicht.

Natürlich gibt es Eigenschaften, die dir in der Berufswelt helfen können. Selbstständigkeit geht mit vielen Freiheiten einher, aber auch mit großer Verantwortung. Niemand sagt dir, was du wann zu tun hast – hier sind Zeitmanagement, Selbstdisziplin und Organisationstalent gefragt. Ebenso hilfreich sind ein gesunder Umgang mit Stress, Kommunikationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Aber keine Sorge: Superheldenkräfte sind nicht verlangt. Vieles, was du zum Selbstständigsein brauchst, lernst du “on the Job” und du wirst in deine neue Rolle als Unternehmer*in hineinwachsen.

Welche fachlichen Kompetenzen du für deine Existenzgründung mitbringen solltest, hängt von deinem Gründungsvorhaben ab. Für ein digitales Startup sind andere Fähigkeiten gefragt als für eine Tischlerei. Für einige Unternehmungen ist eine bestimmte Ausbildung oder ein Studienabschluss sogar vorgeschrieben. Dazu zählen viele freie Berufe und Handwerksberufe. Tipp: Informiere dich rechtzeitig, welche Qualifikationsnachweise für die von dir angestrebten Tätigkeit verlangt werden.

Wenn du dich selbstständig machst, geht es aber nicht nur darum, dass du dein Fachgebiet beherrschst. Du bist auch dafür zuständig, dass dein Laden läuft: Marketing, Buchhaltung, Steuern – alles das gehört zukünftig zu deinen Aufgaben. Auch hier sind die Anforderungen je nach Gründungsvorhaben sehr unterschiedlich. Aber selbst wenn du dich „nur“ mit einem kleinen Einzelunternehmen selbstständig machst, ist es wichtig, dass du die Zahlen im Blick behältst und immer weißt, wie viel du im Monat einnimmst und ausgibst. Ein Grundverständnis für die Finanzen bzw. die Bereitschaft, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, brauchst du nun mal als Existenzgründer*in. Tiefe Buchhaltungskenntnisse aber nicht.

Das alles ist kein Hexenwerk. Es war nie einfacher, sich selbstständig zu machen als heute. Dank der digitalen Vernetzung und dem technischen Fortschritt gibt es viele praktische Tools und Services, die dir Aufgaben abnehmen oder erleichtern können. Du kannst vieles automatisieren oder delegieren – nur den Blick aufs große Ganze, den solltest du nicht verlieren.

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Freiberuflich oder gewerbetreibend?

Wenn du dich mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigst, wirst du früher oder später auf das Begriffspaar „freiberuflich vs. gewerbetreibend“ stoßen. Was ist damit gemeint? Alle Selbstständigen in Deutschland werden in zwei Gruppen eingeteilt: in Gewerbetreibende und in Freiberufler*innen. Wenn wir an Unternehmer*innen im klassischen Sinne denken, die eine Firma mit mehreren Angestellten haben, sind damit fast immer Gewerbetreibende gemeint.

Aber im Grunde ist die Abgrenzung nur für die Steuer von Bedeutung. Angehörige der freien Berufe (das sind zum Beispiel Anwält*innen, Steuerberater*innen, Schriftsteller*innen oder Künstler*innen) genießen im Steuerrecht nämlich den Vorteil, von der Gewerbesteuer befreit zu sein. Außerdem müssen sie nicht Mitglied einer Handels- oder Handwerkskammer werden und können eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung vorlegen, um ihr zu versteuerndes Einkommen zu ermitteln.

Im Einkommensteuergesetz ist nachzulesen, welche Berufe in diese Gruppe gehören. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist eine besondere Qualifikation oder ein besonderes Talent, das sie dazu befähigt, ihre Dienstleistungen persönlich und eigenverantwortlich zu erbringen. Es gibt aber viele Grenzfälle.

Ob du freiberuflich oder gewerbetreibend bist, entscheidet das Finanzamt, und zwar anhand der Tätigkeit, die du ausübst.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Du kannst schon im Vorfeld deiner Gründung viel dafür tun, damit dein Vorhaben ein Erfolg wird. Gute Planung und eine sorgfältige Analyse der Marktsituation helfen dir, deine selbstständige Existenz von Anfang an auf solide Beine zu stellen.

Aus welchen Schritten der Planungsprozess im Idealfall bestehen sollte, erläutern wir dir jetzt:

1. Geschäftsidee

Mit einer Geschäftsidee fängt alles an. Aber was ist das eigentlich? Eine Geschäftsidee ist nicht der spontane Geistesblitz, der dir unter der Dusche oder beim Joggen kommt. Eine Geschäftsidee beinhaltet nämlich immer schon den wirtschaftlichen Aspekt: Wie lässt sich mit dem Produkt oder der Dienstleistung Geld verdienen? Ist die Idee so gut, dass sich ausreichend Kunden dafür finden lassen?

Eine geniale Erfindung, die kein Mensch haben will, mag eine geniale Erfindung sein – aber eine Geschäftsidee ist sie eben noch nicht.

Die besten Geschäftsideen lösen einen konkreten Bedarf und Kunden bezahlen dafür Geld. Wenn du – vielleicht aus eigener Erfahrung – ein Problem erkennst, für das es noch keine zufriedenstellende Lösung gibt, bist du auf einem guten Weg.

2. Geschäftsmodell

Deine Aufgabe als Gründer*in ist es, aus deiner ersten vagen Geschäftsidee ein komplettes Geschäftsmodell zu entwickeln. Es enthält im Unterschied zur Geschäftsidee bereits konkrete Aussagen zu allen Seiten deines Vorhabens: zur Geschäftsstruktur, zum Nutzenversprechen, zum Ertragsmodell und zum Unternehmensgeist.

Die Geschäftsmodell-Canvas

Wenn du dich selbstständig machen willst, brauchst du ein Geschäftsmodell.

Dein Geschäftsmodell entsteht nach und nach, indem du immer mehr Detailfragen klärst. In dieser Phase der Gründungsvorbereitung genügt es, deine Gedanken in Stichworten festzuhalten.

Damit du alles im Blick behältst und keinen Punkt vergisst, bietet es sich an, mit einer sogenannten Business Model Canvas (zu deutsch: Geschäftsmodell-Leinwand) zu arbeiten: Alle Bausteine werden auf einer Seite (der Leinwand) abgebildet und sind so auf einen Blick erkennbar. Sie können nach und nach bearbeitet werden und nichts Wichtiges wird vergessen.

3. Businessplan

Sobald dein Geschäftsmodell steht, fängst du an, deinen Businessplan zu schreiben. Dafür formulierst du deine Stichworte aus und ergänzt sie um wichtige Details. Wage einen Blick in die Zukunft und rechne aus, wie sich dein Unternehmen in den ersten Jahren nach der Eröffnung entwickeln wird. Je überzeugender du die Annahmen begründen kannst, auf denen deine Prognosen beruhen, umso besser.

Deinen Businessplan schreibst du aus zwei Gründen: Erstens, um die Machbarkeit deines Vorhabens beurteilen zu können. Und zweitens, um Geldgeber*innen oder Geschäftspartner*innen zu gewinnen, die dich unterstützen.

Deine Leserschaft möchte nicht nur verstehen, was du vorhast, sondern auch, mit welchen Strategien und in welchem Zeitraum du deine Ziele erreichen willst. Auch die Rechtsform, die du für dein Unternehmen wählst, interessiert sie. Von der Rechtsform hängt ab, wie die Unternehmensgewinne besteuert werden und wie die Haftung geregelt ist.

Als Herzstück des Businessplans gilt der Finanzplan. Darin rechnest du für die ersten Jahre nach der Gründung durch, wie viel Geld du wann ausgeben und einnehmen wirst und wann der Break-even erreicht ist. Der Finanzplan zeigt dir, wie hoch der Kapitalbedarf für deine Gründung ist.

4. Finanzierung

Wenn du bis hierhin gekommen bist, kannst du dir schon mal kräftig auf die Schulter klopfen: Du hast schon richtig viel geschafft! Dein Geschäftsmodell ist fertig, mit deinem Businessplan hast du eine Art Leitfaden für deine Existenzgründung in der Hand und du weißt, wie viel Startkapital du benötigst. Der nächste Schritt besteht darin, die passende Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Wenn der Kapitalbedarf deine Ersparnisse übersteigt, brauchst du Fremdkapital. Dafür bieten sich klassische Bankkredite an, die du durch Fördermittel auf Landesebene oder der bundeseigenen KfW-Bank aufstocken kannst.

Zusätzlich oder alternativ kannst du dir Partner suchen, die mit ihrem Geld den Eigenkapital-Anteil erhöhen, oder Investoren ins Boot holen, die an der Rendite beteiligt werden. Auch andere Finanzierungswege wie Crowdfunding kannst du für die Finanzierung deiner Existenzgründung in Betracht ziehen.

High-Five zwischen zwei Personen

5. Gewerbe anmelden

Ist das nötige Kapital beschafft, kann dich eigentlich nichts mehr aufhalten. In Deutschland gilt Gewerbefreiheit. Sofern du hier gemeldet und mindestens 18 Jahre alt bist, hast du das Recht, dich selbstständig zu machen. Und das ist auch gar nicht so kompliziert, wie viele meinen. Häufig genügt es, deine selbstständige Tätigkeit beim Gewerbeamt anzumelden (wie das geht, erfährst du weiter unten), und schon kannst du loslegen.

Allerdings gibt es Ausnahmen. In manchen Fällen ist die Ausübung eines Gewerbes an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Dann brauchst du zum Beispiel eine bestimmte Qualifikation oder eine Genehmigung. Ein früher Blick in die Gewerbeordnung lohnt sich, wenn du dir später bürokratischen Ärger und lästige Verzögerungen ersparen möchtest.

In einigen Fällen wird von den Gründer*innen verlangt, dass sie ihre persönliche und finanzielle Zuverlässigkeit nachweisen. Dafür müssen sie meist mehrere Dokumente vorlegen, darunter ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts.

In anderen Fällen kann es erforderlich sein, dass eine Behörde deine Betriebsräume prüft, um festzustellen, ob sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dafür sind meist das Ordnungsamt oder das Bauamt (bei baulichen Veränderungen) zuständig.

Kläre bitte unbedingt vorab, ob und welche Auflagen es in deinem Fall gibt, welche Unterlagen du für die Gewerbeanmeldung benötigst und wo du sie bekommst. Plane genug Zeit für Behördengänge ein und denk daran, dass damit häufig auch Kosten verbunden sind.

Gewerbetreibende gehen zum Gewerbeamt

Planst du, einen Gewerbebetrieb zu eröffnen, meldest du das beim zuständigen Gewerbeamt an. Dafür füllst du ein kurzes Formular aus und zahlst eine geringe Gebühr.
Das Gewerbeamt informiert von sich aus das Finanzamt, die zuständige Kammer und alle weiteren Behörden, die bei deiner Gründung ein Wörtchen mitzureden haben (das kann je nach Geschäftsidee zum Beispiel das Gesundheitsamt, das Ordnungsamt oder das Bauamt sein).

Handwerker*innen gehen erst zur Handwerkskammer

Möchtest du einen Handwerksbetrieb gründen, musst du dich zunächst in die Handwerksrolle bzw. in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke und handwerksähnlichen Gewerbe bei der Handwerkskammer eintragen lassen. Anschließend kannst du dein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden.

Angehörige der freien Berufe gehen zum Finanzamt

Wenn du dich mit einem freien Beruf selbstständig machen möchtest, kannst du dir den Weg zum Gewerbeamt sparen. Es genügt, wenn du das Finanzamt über deine Gründung informierst. Dafür reicht ein formloses Schreiben mit deinem Namen, deiner Anschrift und einer kurzen Beschreibung deiner Tätigkeit.

Einige Rechtsformen sehen nach der Gewerbeanmeldung eine Eintragung in ein spezielles Register vor. Wenn du dich zum Beispiel für eine GmbH entschieden hast, musst du sie nach der Gewerbeanmeldung ins Handelsregister eintragen lassen. Das Gleiche gilt für alle Kaufleute. Wenn du eine Partnerschaftsgesellschaft gründest, ist ein Eintrag in das Partnerschaftsregister erforderlich.

Nach der Anmeldung deiner Gründung schickt dir das Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Darin gibst du unter anderem an, für welche Rechtsform du dich entschieden hast und mit welchen Umsätzen und Gewinnen du rechnest. Außerdem kreuzt du an, ob du dich im Haupt- oder im Nebengewerbe selbstständig machst und ob du die Kleinunternehmerreglung in Anspruch nehmen möchtest. Diese Regelung wurde eingeführt, um den Einstieg in die Selbstständigkeit zu erleichtern: Wenn du weniger als 17 500 EUR im Jahr Umsatz machst, kannst du dich von der Umsatzsteuer und damit auch von der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung befreien lassen.

Nachdem das Finanzamt deine Angaben ausgewertet hat, teilt es dir deine Steuernummer mit, die du fortan auf allen geschäftlichen Rechnungen angeben musst. Außerdem legt das Finanzamt fest, ob du als freiberuflich oder als gewerbetreibend giltst.

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Verschiedene Gründungssituationen und ihre Besonderheiten

Es gibt ganz unterschiedliche Situationen, aus denen Menschen in die Selbstständigkeit starten. Manchmal ergeben sich daraus Besonderheiten im Gründungsprozess. Wir haben die wichtigsten Fälle zusammengefasst und sagen dir, worauf du achten musst:

Nebenberufliche Selbstständigkeit

Wenn du nebenberuflich gründest, bist du in bester Gesellschaft: Allein im Jahr 2018 haben sich laut KfW-Gründungsmonitor 292 000 Menschen für diesen Weg in die Selbstständigkeit entschieden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Da das Einkommen über den Hauptberuf gesichert wird, hast du genügend Zeit, deine Geschäftsidee in Ruhe auszuprobieren. Du brauchst weniger Kapital, um deine Pläne zu verwirklichen, und das Risiko bleibt alles in allem überschaubar.

Das solltest du beachten, wenn du dich nebenberuflich selbstständig machst:

  • Benachrichtige das Unternehmen, bei dem du angestellt bist, über deine nebenberuflichen Pläne. Solange du ihm nicht direkt Konkurrenz machst und deine Leistungsfähigkeit nicht darunter leidet, kann es dir deine Gründung nicht verbieten – ganz egal, was in deinem Arbeitsvertrag steht.
  • Informiere deine Krankenversicherung. Zwar hat eine nebenberufliche Gründung den Vorteil, dass du dich um deine soziale Absicherung nicht groß kümmern musst – schließlich läuft diese über deinen Hauptberuf. Aber es kann sein, dass die Gewinne aus der Selbstständigkeit zu deinem regulären Einkommen dazu gerechnet werden und sich dadurch deine Krankenversicherungsbeiträge erhöhen.
  • Prüfe, ob die Kleinunternehmerregelung für dich infrage kommt.
  • Vergiss nicht, das Thema Bürokratie (welche Institutionen müssen informiert werden?) noch einmal neu aufzurollen, falls du eines Tages deine nebenberufliche Selbstständigkeit zum Hauptberuf machst: Etliche Punkte ändern sich dadurch.

Ansonsten gilt: Eine nebenberufliche Gründung ist keine „Gründung light“. Es gelten dieselben Regeln wie für hauptberufliche Gründungen auch!

Gründung aus der Arbeitslosigkeit

Wenn du arbeitslos bist, kann in der Selbstständigkeit eine gute Chance liegen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Mit guter Vorbereitung und einer Geschäftsidee, die zu dir passt, kannst du auf diese Weise den Grundstein für eine unabhängige und selbstbestimmte Berufstätigkeit legen. Die Arbeitsagentur unterstützt dich dabei: Unter bestimmten Bedingungen kannst du Zuschüsse bekommen, die dir den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Das ist zu beachten, wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest:

  • Wenn du Arbeitslosengeld 1 beziehst, solltest du keine Zeit verlieren: Der Gründungszuschuss ist an die Voraussetzung geknüpft, dass du noch mindestens 150 Tage Anspruch auf ALG 1 hast. Am besten, du stellst den formlosen Antrag noch heute (zurückziehen kannst du ihn immer noch).
  • Es gibt keinen Rechtsanspruch auf den Gründungzuschuss. Es kommt also darauf an, die Verantwortlichen auf deine Seite zu ziehen. Das gelingt nur mit einem fundierten Businessplan und einer positiven Bewertung durch eine fachkundige Stelle.
  • Außerdem vergibt die Arbeitsagentur Vermittlungsgutscheine für gründungsbezogene Beratungen und Coachings. Informiere dich vor deinem nächsten Termin, welche Angebote für dich sinnvoll sind, und kläre mit deiner Ansprechperson, ob eine Förderung möglich ist.
  • Wenn du Arbeitslosengeld 2 („Hartz 4“) beziehst, kannst du Einstiegsgeld beantragen, das zusätzlich zum Arbeitslosengeld gewährt wird. Außerdem kannst du möglicherweise Darlehen und Zuschüsse für betriebliche Anschaffungen bekommen.
  • Auch wenn du arbeitslos bist, kannst du nebenberuflich selbstständig sein. Dann bleibst du über die Arbeitsagentur sozialversichert und erhältst weiterhin Arbeitslosengeld. Allerdings werden deine Gewinne teilweise vom Arbeitslosengeld abgezogen. 

Gründung während oder direkt nach dem Studium

Auch wenn du noch mitten im Studium steckst, ist es nicht zu früh, über eine Selbstständigkeit nachzudenken. Häufig bekommt man ja gerade durchs Studium die Inspiration für eine spannende Existenzgründung. Für einige studentische Gründer*innen ergibt sich daraus die Gelegenheit, sich ihr Studium zu finanzieren, ohne einen langweiligen Studi-Job machen zu müssen. Andere bereiten so den Boden, um direkt nach dem Studium mit dem eigenen Unternehmen voll durchstarten zu können.

Darauf ist zu achten, wenn du dich während des Studiums selbstständig machst:

  • Informiere deine Krankenkasse über die Aufnahme deiner selbstständigen Tätigkeit – es kann sein, dass die Einkünfte aus deiner Selbstständigkeit zu einer Erhöhung der Beiträge führen.
  • Nur wenn du nebenberuflich gründest, kannst du deinen Studierenden-Status sichern und bleibst studentisch versichert. Das heißt, dass du nicht mehr als 20 Stunden/Woche (in der Vorlesungszeit) in dein Unternehmen investieren darfst.
  • Wenn du BAföG bekommst, solltest du dich mit dem Amt für Ausbildungsförderung in Verbindung setzen und klären, in welchem Umfang du deine selbstständige Tätigkeit ausüben darfst.
Person am Laptop

Wo kann ich mir Beratung holen?

Wer sich selbstständig machen möchte, hat unfassbar viele Entscheidungen zu treffen, und es ist schlicht unmöglich, sich in allen Themen auszukennen. Da ist es durchaus angebracht, sich professionelle Beratung zu holen. Aber an wen kannst du dich wenden, wenn du nicht weiterweißt? Wir haben eine Auswahl der wichtigsten Anlaufstellen für dich zusammengefasst:

  • Die örtliche Handels- oder Handwerkskammer kann viele Fragen zu deiner Gründung beantworten. Dort gibt es meist Fachleute, die sich mit der Gründungsphase auskennen und wertvolle Tipps geben können. Oft sind sie auf einzelne Branchen oder auf inhaltliche Schwerpunkte (Recht, Steuern, Finanzierung etc.) spezialisiert.
  • Angehörige der freien Berufe können sich vom Institut für Freie Berufe beraten lassen.
  • Viele Berufsverbände informieren über Gründungsvoraussetzungen und halten umfangreiche Branchenberichte bereit, die du für die Einschätzung der Marktpotenziale und der Risiken deiner Gründung gut gebrauchen kannst.
  • Im Internet findest du Informationen zu den Gründungsinitiativen der Bundesländer. Sie beinhalten neben Informationsveranstaltungen auch individuelle Beratungen und Möglichkeiten zum Austausch.
  • Für Arbeitslose, die eine Selbstständigkeit planen, hält die Arbeitsagentur spezielle Beratungen bereit.
  • Studierende wiederum können sich an die akademischen Gründungszentren wenden, die es vielerorts an den Hochschulen gibt.
  • In komplizierteren Fällen solltest du auf anwaltlichen Rat nicht verzichten, etwa wenn es darum geht, wasserdichte Gesellschafterverträge zu formulieren oder Patente zu schützen.
  • Was das Thema Steuern und Rechtsform angeht, kannst du dich an ein Steuerberatungsbüro wenden. Auch schon vor der eigentlichen Gründung bekommst du dort hilfreiche Tipps.
  • Und schließlich sind die Banken und Sparkassen eine gute Adresse. Nicht nur, wenn es um die Finanzierung deines Vorhabens geht, sondern auch im Hinblick auf die lokalen Bedingungen und auf die Chancen und Risiken deiner Gründung allgemein.

Auf der Gründerplattform findest du nach dem Einloggen unter "Unterstützung" kostenlose Beratungsangebote. Unsere Partner, u.a. Institute, Kammern und Banken, beraten dich kostenlos zu vielen Themen rund um die Selbstständigkeit.

Welche Versicherungen brauchst du?

Es gibt eine Reihe von Versicherungen, die speziell auf die Situation von Selbstständigen zugeschnitten sind. Erkundige dich rechtzeitig und unabhängig, welchen Versicherungsschutz du wirklich brauchst, und sorge dafür, dass bis zum Start in die Selbstständigkeit alles geklärt ist.

Unerlässlich für alle Selbstständigen ist eine Betriebs- und/oder Berufshaftpflichtversicherung, die für alle Personen- und Vermögensschäden eintritt, die du (oder jemand aus deinem Team) anderen zufügst. Achte darauf, dass die abgedeckte Schadenssumme ausreicht. Insbesondere Personenschäden können durchaus in die Millionen gehen!

Ebenso unverzichtbar ist es, deinen Gewerbebetrieb bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anzumelden. Dafür bleibt dir nach der Gewerbeanmeldung nur eine Woche Zeit! Die Berufsgenossenschaft übernimmt die betriebliche Unfallversicherung von dir und deinen Beschäftigten.

Eine Inventarversicherung schützt dein Eigentum vor Schäden, die etwa durch Unwetter, Feuer, Einbruch oder Vandalismus entstehen können. Sie tritt immer dann ein, wenn dein Geschäft (deine Werkstatt, deine Kanzlei, deine Praxis etc.) oder darin enthaltenes Inventar beschädigt wird, und ist immer dann sinnvoll, wenn du sehr viel Geld investiert hast. 

Auf keinen Fall darfst du vergessen, dich selbst vor den schwerwiegendsten Risiken des Lebens abzusichern. Als Selbstständige*r hast du in der Regel die Wahl, ob du eine private oder gesetzliche Krankenversicherung abschließt. In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich der monatliche Beitrag nach dem Einkommen, in der privaten allein nach dem persönlichen Risiko.

Was die Rente angeht, besteht für einige Berufe Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Zu ihnen zählen zum Beispiel selbstständige Handwerker*innen, die in der Handwerksrolle eingetragen sind (mit dem Eintrag erfolgt meist automatisch die Anmeldung bei der Sozialversicherung, frage aber zur Sicherheit nach). Aber auch alle anderen Selbstständigen sind gut beraten, wenn sie sich rechtzeitig um ihre Altersvorsorge kümmern.

Freiberuflich Tätige, die im künstlerisch-kreativen Bereich arbeiten, können über die Künstlersozialkasse (KSK) in den Genuss einer gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung kommen. Den entsprechenden Antrag solltest du rechtzeitig bei der KSK einreichen, da für die Bearbeitung einige Wochen ins Land ziehen können. Auch in dieser Zeit brauchst du eine Krankenversicherung!

Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

Wer selbst gestalten und Verantwortung übernehmen kann, ist insgesamt zufriedener mit seiner Arbeit. Und wo könnte man das besser als in der Selbstständigkeit? Es verwundert also nicht, dass die Selbstständigkeit für viele Menschen einen besonderen Reiz hat. Hinzu kommt die Aussicht auf ein gutes Einkommen und auf hohe soziale Anerkennung.

Aber wir wollen nicht verschweigen, dass die Selbstständigkeit auch Nachteile haben kann: Die wirtschaftliche Unsicherheit ist größer als bei abhängig Beschäftigten (auch wenn die Unterschiede nicht so groß sind wie man meint). Mehr Freiheit bedeutet mehr Eigenverantwortung, aber auch  Verantwortung für andere, allen voran für die Mitarbeiter*innen und deren Familien. Das kann zur Belastung werden.

Doch vergiss dabei nicht, dass du nicht von heute auf morgen zum/zur Unternehmer*in wirst, sondern langsam in diese Position hineinwächst. Mach dir bewusst, dass Selbstständigkeit vor allem eins ist: ein toller Weg, dich persönlich weiterzuentwickeln und neue Seiten an dir kennenzulernen. Das ist wohl der Grund, warum wir niemanden kennen, der/die es bereut hätte, sich selbstständig gemacht zu haben.

Fazit: In fünf Schritten in die Selbstständigkeit

Jede Existenzgründung ist anders, aber dennoch gibt es ein Muster, das für alle gilt. Unsere Step-by-Step-Anleitung fasst die wichtigsten Schritte von der Idee bis zur Gründung zusammen und hilft dir, deinen Gründungsprozess zu strukturieren:

  1. Schritt: Geschäftsidee finden
    Finde in deinem Alltag Inspiration. Wo siehst du ein nicht oder nur schlecht gelöstes Problem? Wie ließe es sich (besser) lösen? Wer hat dieses Problem und wäre an einer Lösung interessiert?
     
  2. Schritt: Geschäftsmodell entwickeln
    Überlege, wie aus deiner Geschäftsidee ein komplettes Geschäftsmodell werden kann. Nutze dafür die Business Model Canvas und bearbeite nach und nach ihre einzelnen Bausteine. Stichpunkte genügen.
     
  3. Schritt: Businessplan schreiben
    Bring deine Einzelgedanken in einen sinnvollen Zusammenhang und beschreibe, wie du dein Geschäftsmodell umsetzen willst. Wie sieht die Entwicklung in den nächsten Jahren aus? Welche Ziele setzt du dir? Wie willst du sie erreichen? Und wie viel Geld brauchst du dafür?
     
  4. Schritt: Finanzierung sicherstellen
    Viele Banken und Sparkassen unterstützen Gründungen mit Krediten. Sie vermitteln auch öffentliche Förderprogramme, die meist als Ergänzung zum Bankkredit infrage kommen.
     
  5. Unternehmen gründen
    Die eigentliche Gewerbeanmeldung (für freie Berufe: Meldung deiner Selbstständigkeit beim Finanzamt) ist einfach: Kurzes Formular ausfüllen, fertig.
    Kläre aber rechtzeitig, ob du bestimmte Auflagen erfüllen musst und beachte ggf. auch die besonderen Bedingungen, die für nebenberufliche Gründungen, Gründungen aus der Arbeitslosigkeit oder Gründungen neben dem Studium gelten.

Auf der Gründerplattform findest du viele Hilfen, die dich auf deinem Weg von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Start ins Unternehmer*innenleben unterstützen. Lass dich doch einfach von den zahlreichen Geschäftsideen inspirieren, die wir auf der Gründerplattform vorstellen. Vielleicht ist ja sogar eine darunter, die deiner Vorstellung von einer selbstständigen Tätigkeit sehr nahekommt? Vom Gründen eines Musiklabels über die Eröffnung einer Bäckerei bis zum Erstellen eines Onlineshops reicht die Palette, die wir für dich zusammengestellt haben.

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bhp