Eigene Boutique eröffnen und im Einzelhandel durchstarten

Ein Laden, genau wie du ihn willst. Hier steht, wie das klappt!

Mit Mode Geld verdienen: Die besten Tipps für alle, die eine Boutique eröffnen wollen

Spielst du mit dem Gedanken, deine Begeisterung für Mode zum Beruf zu machen und eine eigene Boutique zu eröffnen? Hier erfährst du, was du dabei beachten solltest.

Wir haben die wichtigsten Tipps für dich zusammengefasst und mit einer Gründerin gesprochen, die diesen Weg bereits gegangen ist: Angelika Staab hat sich für eine Gründung im Franchisesystem entschieden. Sie kommt in unserem Artikel immer wieder zu Wort und lässt uns an ihren ganz praktischen Gründungserfahrungen teilhaben.

Persönliche und formale Voraussetzungen

Es gibt keine formalen Voraussetzungen – im Grunde kann in Deutschland jede*r eine Boutique gründen. Theoretisch genügt es, dein neues Modegeschäft beim zuständigen Gewerbeamt anzumelden, den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt an das Finanzamt zu schicken, und schon kann der Verkauf von Kleidungsstücken losgehen.

Aber ganz so einfach ist es in der Praxis doch nicht. Ohne eine gründliche Planung und einen Sinn fürs Geschäftliche wirst du es schwer haben. Das betont auch unsere Gründerin, die wir nach ihren persönlichen Ratschlägen für andere Gründer*innen gefragt haben. Sie weiß, dass es ohne ein gewisses Verständnis für den Einzelhandel nicht geht: „Wenn du in diesem Gewerbe überleben willst, musst du verstehen, was es heißt, ein Business aufzuziehen: Welche Kosten sind damit verbunden? Wie viel musst du jeden Monat einnehmen? Wie lange brauchst du, um deine Investitionen wieder einzuspielen?“

Und natürlich solltest du überdies Spaß an Mode und ein Faible für schöne Stoffe und Schnitte mitbringen – warum solltest du auch sonst eine Boutique eröffnen wollen?

Wissenslücken rechtzeitig schließen und Erfahrungen sammeln

Wenn du dich noch nie mit kaufmännischen Fragen auseinandergesetzt hast und wenig bis gar keine Erfahrungen im Textil-Einzelhandel hast, solltest du das dringend nachholen. Erkundige dich zum Beispiel nach Gründungsseminaren oder Fortbildungen für Selbstständige, die von der IHK oder der Volkshochschule in deiner Stadt angeboten werden.

Am meisten lernst du, wenn du für mehrere Wochen in einem Bekleidungsgeschäft mitarbeitest und dir anschaust, was dort gut läuft und was eher nicht. Dabei bekommst du gleichzeitig einen realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag in einer Boutique. Der besteht nämlich nicht nur darin, die schönsten Kollektionen auszuwählen und sie der begeisterten Kundschaft zu präsentieren – auch knallharte Verhandlungen mit Lieferant*innen, das Einarbeiten von Personal und die wenig glamouröse Buchhaltung gehören dazu.

Motivation ist wichtig

Um die oft langen Arbeitstage vor allem in den ersten Monaten nach der Eröffnung deiner Boutique durchzuhalten, brauchst du sehr viel Motivation und Einsatzbereitschaft. Und noch eine Eigenschaft fällt Angelika ein, die du mitbringen solltest: Authentizität. Ihr wichtigster Tipp für Gründer*innen einer Boutique lautet daher: Bleibt euch treu und sucht eine Nische, die wirklich zu euch passt.

Angelika ist sich sicher: Der Erfolg ihrer kleinen Boutique beruht vor allem auf ihrer ehrlichen Beratung. „Meine Kundinnen vertrauen mir, weil sie wissen, dass ich offen sage, was ich denke. Ich dränge niemandem etwas auf, sondern rate auch mal von einem Kleid oder eine Bluse ab.“ Auch wenn das bedeute, auf Umsatz zu verzichten, zahle sich diese Aufrichtigkeit langfristig aus. Denn nur Kundinnen, die sich wirklich gut beraten fühlen, kommen wieder.

Unser Experte Dr. Jan Evers erklärt dir im folgenden Video, was eine Gründerperson ausmacht:

Ein Businessplan schafft Überblick

Angelika hat mit ihrem Lädchen für italienische Damenmode einen guten Start hingelegt und schon im ersten Jahr die Investitionen fast komplett wieder eingespielt. Dieser Erfolg ist ihr allerdings nicht in den Schoß gefallen – er ist das Ergebnis sorgfältiger Planung. Damit auch dir der Einstieg in den Modemarkt gelingt, empfehlen wir, einen aussagekräftigen Businessplan zu schreiben. Er hilft dir dabei, deine Idee zu einem tragfähigen Geschäftsmodell reifen zu lassen, von dem du wirklich leben kannst.

Was gehört in einen vollständigen Businessplan?

In deinem Businessplan beantwortest du alle wichtigen Fragen rund um deine Gründung:

  • Wo verkaufst du welche Waren an wen und zu welchen Preisen?
  • Was ist das Besondere an deinem Angebot? Was macht deinen Laden einzigartig?
  • Wie stark ist die Konkurrenz und wie hebst du dich von ihr ab?
  • Wie willst du deine Kundschaft erreichen und halten?
  • Wie hoch sind deine Kosten und wie hoch könnte der Umsatz werden?
  • Wie viel Geld musst du am Anfang in deine Gründung hineinstecken?
  • Woher soll dieses Geld kommen?
  • Wie lange brauchst du, um deine Investitionen wieder rauszuholen und deine Kredite zurückzuzahlen?

Dein Businessplan ist der ultimative Realitätscheck und bewahrt dich vor bösen Überraschungen. Er ist zugleich die Basis für deine Finanzierung: Auch deine Geldgeber*innen wollen schließlich sehen, dass dein Gründungsvorhaben nicht auf Träumereien beruht, sondern wirtschaftlich machbar ist. Sieh dir zur Hilfe doch mal unsere kostenlose Businessplan Vorlage mitsamt verschiedener Businessplan Beispiele an.

Hier findest du die Informationen, die du für deinen Businessplan brauchst

Franchise-Gründer*innen wie Angelika sind beim Schreiben ihres Businessplans klar im Vorteil: Sie können in wesentlichen Punkten auf die Erfahrungen ihrer Franchiseverbindung zurückgreifen, etwa was die Umsätze, den Personalbedarf oder die Kosten für den Ladenbau angeht. Wenn du dein eigenes Ding planst, musst du diese und viele weitere Informationen für deinen Businessplan selbst herausfinden.

Viele Informationen findest du im Internet oder bekommst sie von der IHK oder von Branchenverbänden wie dem BTE – Handelsverband Textil. Noch wichtiger als offizielle Statistiken sind jedoch deine eigenen Erhebungen. Je konkreter du die Annahmen in deinem Businessplan untermauern kannst, desto geringer ist das Risiko, dass du später vergebens auf Kundschaft warten musst.

Worauf wartest du?
Schreib deine Idee auf und werde erfolgreich

Kein Hexenwerk: die Marktanalyse

Um ein tragfähiges Konzept für deine Boutique zu entwickeln, musst du den Markt kennen, in den du einsteigen willst. Beschreibe in deinem Businessplan, wie groß die Nachfrage und die Kaufkraft bei dir vor Ort sind, wie viele Wettbewerber*innen es gibt und welche Chancen und Risiken sich daraus für deine Existenzgründung ergeben. Lege außerdem dar, wie sich der Modemarkt speziell in deinem Segment entwickelt und welche Trends die Zukunft bestimmen.

Um deinen Wettbewerber*innen auf den Zahn zu fühlen, kannst du entweder ihre Websites durchforsten oder die einzelnen Boutiquen im Einzugsbereich persönlich abklappern. Letzteres verschafft dir einen guten Eindruck von den Strategien und Schwerpunkten deiner Konkurrenz. Außerdem kannst du bei dieser Gelegenheit gleich eine kleine Straßenumfrage unter potenziellen Kund*innen machen und sie nach ihren Wünschen und Erfahrungen befragen.

Notiere dir in Stichpunkten, was deine Wettbewerber*innen anbieten (Stil und Sortiment, Service, Preise, Besonderheiten etc.) und wie du dich von ihnen absetzen könntest. So schaffst du eine solide Ausgangsbasis für deine Positionierung.

Unser Experte Dr. Jan Evers gibt dir im folgenden Video seine Tipps zum Thema "Marktanalyse":

Auf den Standort kommt es an

Ein wichtiges Thema für alle, die im Einzelhandel starten wollen, ist der Standort. Er sollte zentral gelegen sein und genug Laufkundschaft anziehen, aber gleichzeitig bezahlbar sein. Das muss keineswegs eine 1a-Lage in der Innenstadt sein, für die in der Regel hohe Mieten aufgerufen werden. Eine B-Lage tut es auch, solange sie von deiner Zielgruppe gefunden wird. Bei der Suche nach einem geeigneten Objekt solltest du dir bewusst machen, dass es nicht darauf ankommt, dass so viele Leute wie möglich daran vorbeikommen, sondern die richtigen – also die, die auch als Kund*innen für dich infrage kommen.

Um das herauszufinden, ist es ratsam, eine Weile das Treiben rund um deinen Wunsch-Laden zu beobachten. Auch Angelika hat etliche Stunden in der Nähe der fraglichen Ladengeschäfte verbracht und die vorbeieilenden potenziellen Kund*innen gezählt, bevor sie den Mietvertrag unterschrieben hat. Dabei hat sie sich einer Gratis-App bedient, die sich ThingCounter nennt, aber ein Klickzähler oder eine einfache Strichliste tun es auch.

Das Ergebnis ihrer Frequenzanalysen hat Angelika dazu bewogen, einen kleinen Laden in einer belebten Einkaufsstraße von Aschaffenburg anzumieten, der direkt neben einem Programmkino liegt. „Das Kinopublikum passt genau zu der Zielgruppe, die ich mit meinem Modelabel anspreche – das ist ideal“, so ihr Fazit.

Das Beispiel zeigt, dass du bei der Standortwahl auch die Nachbarschaft im Auge haben solltest: Wenn die umliegenden Geschäfte, Restaurants und Kultureinrichtungen zu deiner Zielgruppe passen, steigerst du die Chancen, von dieser wahrgenommen zu werden.

Was weißt du über deine Zielgruppe?

Der Begriff Zielgruppe ist schon einige Male gefallen. Aber was hat es damit auf sich? Die Zielgruppe ist dein wichtigster Orientierungspunkt. Je genauer du sie kennst, desto besser kannst du dein Angebot an ihren Bedürfnissen ausrichten und desto erfolgreicher wirst du sein.

Die Preisgestaltung, das Warenangebot, die Einrichtung deines Ladens und sogar der passende Name deiner Boutique – alle diese Bausteine deines Geschäftsmodells hängen davon ab, welche Zielgruppe du ansprechen möchtest.

Welches Problem löst du für deine Kundschaft?

Auch wenn es abstrakt klingt: Mach dir die Mühe und überlege zunächst, welches Problem du mit deinem Bekleidungsgeschäft für deine Kundschaft lösen willst. Willst du ihnen die angesagten Teile aus den Modemetropolen der Welt präsentieren? Oder zeitlose Kleidung, die nachhaltig und fair produziert wurde? Willst du ihnen helfen, mehr aus ihrem Typ zu machen? Oder mit extravaganten Einzelstücken ihre Individualität betonen? Mode kann sehr viele unterschiedliche Zwecke erfüllen. Welche stehen bei dir im Mittelpunkt?

Sobald du das Problem beschreiben kannst, das du zu lösen versprichst, kannst du im nächsten Schritt definieren, wer typischerweise dieses Problem hat – und kommst so zu einer soliden Zielgruppenbeschreibung, die mit platten Klischees oder Vorurteilen nichts gemein hat.

Warum eine große Zielgruppe kein Erfolgsgarant ist

Viele Selbstständige unterliegen dem Irrglauben, ihre Zielgruppe müsse möglichst groß sein, um viele Kund*innen zu gewinnen. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Erst durch eine Eingrenzung der Zielgruppe erhältst du eine homogene Gruppe mit ähnlichen Bedürfnissen, die du mit deinem Angebot sinnvoll adressieren kannst. Aus der Zielgruppe „Frauen ab 30“ wird so vielleicht die Zielgruppe „Frauen zwischen 30 und 40, die beruflich erfolgreich sind, ein Jahreseinkommen von etwa 50.000 EUR haben und elegante, aber tragbare Businessmode suchen“. Diese Gruppe ist zwar durch die Einengung kleiner geworden, dafür kannst du sie durch eine gezielte Kundenansprache viel besser erreichen.

Hey, aufwachen!
Hier wird deine Idee lebendig

Was ist das Besondere an deinem Angebot?

Mode kann man heutzutage an jeder Ecke kaufen – und das zu teils unschlagbaren Preisen. Die bekannten Online-Riesen und Kaufhäuser, Modeketten und sogar Discounter führen Kleidung und Accessoires im Programm, und es wäre sinnlos, sich mit ihnen im Hinblick auf Preise und Auswahl messen zu wollen. Du solltest schon einen anderen Grund finden, warum die Leute zu dir kommen sollten. Was macht dein Angebot so besonders?

Dieser Punkt ist auch für die Leser*innen deines Businessplans von großem Interesse. Beschreibe die Waren, die du verkaufen möchtest, möglichst kurz und knapp. Füge exemplarisch einige Fotos oder Skizzen hinzu, ohne jedoch deinen Businessplan zu überfrachten. Die Kernfrage, die du zu deinem Angebot beantworten solltest, ist: Warum sollten die Leute in deinen Laden kommen und dein Angebot kaufen?

Im Fall von Angelika sind es die häufig wechselnden Kollektionen, die man im Internet nicht finden kann, vor allem aber die intensive Beratung und das besondere Einkaufserlebnis: Sie und ihre Mitarbeiterinnen nehmen sich viel Zeit für jede Kundin und schaffen eine entspannte Atmosphäre. Es gibt Cappuccino und Kaltgetränke und eine gemütliche Sitzecke für die einkaufsgestresste Begleitung.

Angelika erzählt im folgenden Video mehr über ihre Boutique und ihr Leben als Unternehmerin:

Wie aus Laufkund*innen treue Stammkund*innen werden

Zwar ist die Laufkundschaft eine wichtige Basis deiner Umsätze – aber mittelfristig kommt es darauf an, dass du aus den Kund*innen, die nur zufällig deinen Laden betreten, begeisterte Stammkund*innen machst.

Im Fokus steht dabei deine Person, denn die persönliche Beratung ist etwas, was kleine Fachgeschäfte den großen Ketten und vor allem dem Onlinehandel voraushaben. Wenn es dir gelingt, deiner Kundschaft mit Einfühlungsvermögen und fachkundigen Styling-Tipps ein gutes Gefühl zu geben, werden sie garantiert wiederkommen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Maßnahmen, mit denen du die Kundschaftsbindung aktiv stärken kannst. Beispielhaft seien die folgenden genannt:

Events

Du kannst deine Räumlichkeiten nutzen, um mit besonderen Veranstaltungen deinen Laden bei Stamm- und Neukund*innen in den Fokus zu rücken. Geeignet sind etwa Modenschauen, Konzerte oder Lesungen.

Sektgläser bei einem Event

Kundschaftskartei
Eine Kundschaftskartei hilft dir, den Kontakt zu deinen Kund*innen aufrechtzuerhalten und deine Beratung zu verbessern. Frage deine Kundschaft nach ihrer Anschrift, damit du sie persönlich auf Aktionen hinweisen oder sie zu Events einladen kannst (ob online oder per Post bleibt dir überlassen und hängt auch von der Größe deiner Kartei ab).
Nutze die Kartei, um relevante Informationen zu notieren (zum Beispiel Vorlieben, Konfessionsgrößen, Umsatz etc.). So kannst du deine Stammkundschaft noch besser beraten.

Loyalty Cards
Biete deinen Kund*innen Kundschaftskarten an. Wer in ihrem Besitz ist, bekommt Rabatt, Bonuspunkte oder andere Vergünstigungen.

Vorsicht ist bei allgemeinen Rabattaktionen und Sonderangeboten geraten: Wenn du deine Waren zu häufig reduziert anbietest, wird bald niemand mehr bereit sein, den Normalpreis zu bezahlen. Wohldosiert eingesetzt, können derlei Aktionen allerdings dazu dienen, deine Verkaufszahlen zu erhöhen.

Marketing – was läuft, was nicht?

Eine deiner Aufgaben als Unternehmer*in ist es, die Werbetrommel für deine Modeboutique zu rühren. Aber welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll und welche reine Geldverschwendung? Ein Patentrezept gibt es nicht, vielmehr entscheidet dein Individualkonzept darüber, wie du dein Marketing ausrichten solltest.

Für Angelika ist, neben den persönlichen Empfehlungen ihrer zufriedenen Kundinnen, die Facebook-Seite ihrer Boutique das wichtigste Marketinginstrument. Hier postet sie regelmäßig Bilder von neuen Kollektionen oder Hinweise auf besondere Aktionen. „Dass das wirkt, sehen wir einerseits an der Anzahl der Nutzerinnen, die unsere Facebook-Seite besuchen und unsere Posts liken, andererseits an den Verkäufen am nächsten Tag. Wenn wir Donnerstagabend unsere neue Mode auf Facebook präsentieren, dann steigen am Freitag die Umsätze.“

Die sozialen Medien

Angelika möchte nicht auf diese Möglichkeit verzichten, mit ihren bestehenden Kundinnen in Kontakt zu bleiben und neue Kundinnen neugierig zu machen. Ob das auch für deine Gründung ein guter Weg ist, ob du stärker auf Instagram, einen eigenen Modeblog oder Twitter setzen solltest oder ob die sozialen Medien eine untergeordnete Rolle für dich spielen, solltest du ausprobieren. Achte aber darauf, dich nicht zu verzetteln. Wenn du dich nicht immer wieder damit beschäftigst, wirst du mit deinen Onlineauftritten im digitalen Rauschen untergehen.

Angelika hat mit ihrer Franchiseverbindung ein starkes geschäftliches Gegenüber an ihrer Seite und ist daher in einer guten Position: Während sich die Zentrale um die Einrichtung ihrer Facebook-Seite kümmert und durch die eigene Onlinepräsenz dafür sorgt, dass sie gefunden wird, kann Angelika sich darauf beschränken, etwa ein Mal pro Woche neue Bilder zu posten. Ein vertretbarer Aufwand, der sich bezahlt macht.

Printwerbung

Wir wollen nicht vergessen, dass es neben den digitalen Medien auch immer noch die guten alten Printerzeugnisse gibt: Von der Anzeige in der Lokalzeitung über den Flyer, den du in der Nachbarschaft auslegst. Der größte Nachteil dieser analogen Werbemittel ist, dass du ihre Wirksamkeit nicht so leicht messen kannst. Falls du dich für diesen Weg entscheidest, solltest du deine Kundschaft anschließend fragen, wie sie auf dich bzw. auf eine besondere Aktion aufmerksam geworden sind.

Angelika hat zum Beispiel recht gute Erfahrungen mit kleinen Annoncen im örtlichen Anzeigenblatt gemacht. Die schlagen mit gerade mal 90 EUR zu Buche und haben ihr durchaus die eine oder andere Stammkundin beschert. Reine Geldverschwendung war hingegen ihr Versuch, mit einer großformatigen Anzeige in einem Hochglanzmagazin, das über die Themen Mode, Wellness und Kosmetik in der Region informiert, Kundinnen zu gewinnen. „Die halbseitige Anzeige hat mich stolze 900 EUR gekostet und nichts gebracht. Das würde ich eher nicht noch mal machen“ fasst Angelika ihre Lehre zusammen.

Marketing für eine Boutique

Ist ein Onlineshop sinnvoll oder nicht?

Eine Facebook-Seite oder ein Instagram-Auftritt für deine Boutique sind das eine – ein eigener Onlineshop etwas ganz anderes. Zwar kann sich ein eigener Shop durchaus lohnen, denn du kannst dadurch auch überregional potenzielle Kundschaft ansprechen und zumindest ein bisschen vom Onlineboom profitieren. Allerdings solltest du den Aufwand und die Kosten nicht unterschätzen, die damit verbunden sind. Überlege dir gut, ob du die nötigen Ressourcen aufbringen kannst, um dein Onlineangebot bei Google & Co. nach vorne zu bringen – denn was nützt dir der schönste Shop, wenn er von niemandem gefunden wird?

Angelika ist jedenfalls glücklich, dass sie nicht gezwungen ist, selbst einen Onlineshop anzubieten. So kann sie sich voll und ganz auf das konzentrieren, was ihr Freude macht: die persönliche Beratung ihrer Kundinnen.

Die Firmen-Website – deine Visitenkarte im Netz

Eine eigene Website ist heutzutage allerdings für alle Gewerbetreibenden Pflicht und sei es nur als eine Art digitales Firmenschild, das über dein Konzept, deinen Standort, deine Öffnungszeiten und dein Team informiert. Sie sollte professionell gestaltet sein, zum Erscheinungsbild deiner Boutique passen und immer aktuell sein, muss aber nicht zwingend jede Woche von dir gepflegt werden.

Dein Team

Auch wenn du am Anfang zu allem bereit bist: Um zuverlässig eine Sechs-Tage-Woche abdecken zu können, brauchst du Unterstützung. Wie viele Leute du für dein Team brauchst, hängt unter anderem von den Öffnungszeiten deiner Boutique ab. Diese werden dir meist von deinem Umfeld vorgegeben. Befindet sich dein Laden in einem Einkaufszentrum, bist du meist vertraglich verpflichtet, von 10 bis 20 Uhr geöffnet zu haben. Liegt er in einer normalen Einkaufsstraße, gibt es diese Vorgaben in der Regel nicht, du solltest dich aber an den Gepflogenheiten vor Ort orientieren.

So hat Angelikas Boutique wie die Läden in der Nachbarschaft werktags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Für diese 46 Stunden kommt sie mit einer Teilzeitkraft (20 Stunden pro Woche) und einer Aushilfe auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung aus. Am Wochenende stehen ihr außerdem die beiden Töchter zur Seite.

Versicherungen – welche braucht man wirklich?

Die Versicherungsbranche hält eine Vielzahl von Produkten für Gewerbetreibende und Einzelhändler*innen bereit. Nicht alle davon sind sinnvoll. Was du unbedingt brauchst, ist eine Betriebshaftpflichtversicherung. Sie tritt ein, wenn versehentlich Dritte durch dich oder deine Mitarbeiter*innen zu Schaden kommt. Achte darauf, dass die Deckungssumme insbesondere für Personenschäden ausreicht – wer hier spart, spart definitiv am falschen Ende.

Des Weiteren kannst du über eine Branschutzversicherung und/oder über eine Geschäftsinhaltversicherung nachdenken. Letztere funktioniert ähnlich wie eine private Hausratversicherung. Sollte dein Mobiliar oder deine Ware infolge eines Wasser- oder Brandschadens zerstört werden oder bei einem Einbruch abhandenkommen, ersetzt diese Versicherung den Verlust.

Nicht vergessen solltest du die Anmeldung deines Modegeschäfts bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik. Sie ist für die gesetzliche Unfallversicherung deines Unternehmens und deiner Mitarbeiter*innen zuständig.

Die passende Rechtsform

Die meisten Boutiquen werden als Einzelunternehmen oder, wenn sich zwei oder mehr Gründer*innen zusammentun, als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Das ist unkompliziert: Du brauchst kein Stammkapital, hast einen hohen Gestaltungsspielraum und es genügt eine einfache Einnahmenüberschussrechung (EÜR), um die Gewinne zu ermitteln.

Alternativ kommt auch die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder einer Unternehmergesellschaft (UG) in Betracht. Diese Rechtsformen zählen zu den Kapitalgesellschaften und haben den Vorteil, dass die Gründer*innen nur mit ihrem Einlagevermögen haften und ihr privates Vermögen im Falle einer Insolvenz unberührt bleibt. Allerdings sind sie organisatorisch anspruchsvoll und mit höheren Kosten verbunden (unter anderem für Beratungs- und Anwaltsbürohonorare).

Lass dich bestenfalls von einem Steuerberaterbüro beraten, welche Rechtsform in deinem Fall am besten geeignet ist. Vergiss nicht, in deinem Businessplan deine Entscheidung darzulegen und zu begründen. Zu deiner Beruhigung: Es ist keine Entscheidung fürs Leben: Du kannst die Rechtsform später ändern, wenn sich ein Wechsel im Zuge der Geschäftsentwicklung als sinnvoll herausstellt.

Im folgenden Video gibt Jan Evers weitere Erklärungen und Tipps zum Thema Rechtsform:

Was du zum Thema Kosten wissen solltest

Wofür gibst du mit deiner Boutique das meiste Geld aus? Wie ist das Verhältnis von fixen zu variablen Kosten? Das sind wichtige Fragen, die du vor deiner Gründung geklärt haben solltest.

Unter Fixkosten oder festen Kosten versteht man Kosten, die unabhängig vom Umsatz anfallen, also selbst dann, wenn du kein einziges Teil verkaufst. Die wichtigsten Fixkosten deiner Modeboutique dürften die Personal- und Mietkosten sein.

Hinzu kommen außerdem die variablen Kosten für den Wareneinkauf. Sie sind vom Umsatz abhängig, das heißt sie steigen, wenn du mehr verkaufst. Welche Summen du hierfür einplanen solltest hängt unter anderem davon ab, welches Modesegment du bedienst (hochpreisige Luxusbekleidung oder tragbare Streetwear) und wie hoch die Margen sind.

Daneben fallen noch weitere Kosten an: Für Energie, Versicherungen, die Rückzahlung deiner Kredite, Zinsen, Steuern und, und, und... Notiere alles, was dir einfällt und recherchiere die Preise. Wenn du alles zusammenrechnest – einschließlich deiner privaten Lebenshaltungskosten – weißt du, wie viel Geld du mindestens einnehmen müsstest. Dann kannst du sagen, wie viele Pullover, Kleider und Gürtel du jeden Monat, jede Woche und jeden Tag an den Mann oder an die Frau bringen müsstest, um von deiner Boutique leben zu können.

Diese einfache Rechnung ist die Basis, um die Wirtschaftlichkeit deiner Idee zu beurteilen. Wenn du zu völlig unrealistischen Verkaufszahlen kommst, solltest du dein Konzept überarbeiten. Vielleicht kannst du die Kosten reduzieren, indem du mit einem kleineren Laden startest oder noch mehr selbst hinterm Ladentisch stehst und so Personal einsparst? Keinesfalls solltest du solange ausschließlich an den Zahlen in deinem Finanzplan drehen, bis am Ende die schwarze Null steht. Jede deiner Korrekturen sollte sich umsetzen lassen. Wer sich selbst in die Tasche lügt, wird eines Tages einen hohen Preis dafür zahlen!

Kapitalbedarf und Finanzierung – darauf kommt es an

Noch nicht berücksichtigt haben wir die Investitions- und Gründungskosten, die du am Anfang deiner Selbstständigkeit zu stemmen hast. So wirst du vermutlich erstmal eine Stange Geld für den Ausbau und die Einrichtung deines Ladens in die Hand nehmen müssen.

Die Franchisekooperationsverbindung von Angelika rechnet mit rund 700 EUR pro Quadratmeter. Dieser Wert kann auch dir als grobe Richtschnur dienen. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt, und durch Eigenleistung oder die Übernahme einer vorhandenen Ausstattung kannst du eventuell auch günstiger davonkommen.

Die Kaution, die bei gewerblichen Mietverträgen sehr viel höher liegen kann als bei privaten, kommt noch hinzu. Es ist durchaus üblich, dass Vermieter*innen bis zu sechs Brutto-Monatsmieten als Sicherheit verlangen. Wenn du von 3.000 EUR Miete pro Monat ausgehst, kämen also „mal eben“ 18.000 EUR für die Kaution hinzu, die du gleich am Anfang deiner Selbstständigkeit hinblättern müsstest.

Außerdem solltest du unbedingt eine ausreichende Liquiditätsreserve einplanen, mit der du die ersten Monate nach der Eröffnung überbrücken kannst. Die Erfahrung zeigt, dass es meist einige Zeit braucht, bis eine neue Boutique genug Geld einspielt, um die laufenden Betriebsausgaben zu begleichen. Trotzdem musst du jederzeit genug liquide Mittel haben, um Miete und Strom zu überweisen und die Gehälter zu bezahlen.

Die Reserve solltest du möglichst genau berechnen: Wenn du übertrieben hohe Kredite aufnimmst, um auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein, musst du entsprechend hohe Zinsen dafür zahlen. Noch gefährlicher – und sehr viel weiter verbreitet – ist die entgegengesetzte Strategie: Viele Gründer*innen haben sehr optimistische Umsatzerwartungen, was sie dazu veranlasst, ihren Liquiditätspuffer zu knapp zu bemessen. Sie müssen dann vorzeitig aufgeben, weil sie ihre Rechnungen nicht begleichen können – obwohl ihre Geschäfte gerade anlaufen.

Das liebe Geld – woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Summe aus Investitionen, Gründungskosten und Liquiditätsreserve ergibt deinen Kapitalbedarf. Einen Teil davon solltest du aus eigener Tasche bestreiten können (mindestens 25 Prozent Eigenkapitalanteil gelten als untere Grenzen, es kommt aber stark auf den Einzelfall an). Für den Rest musst du eine Fremdfinanzierung auf die Beine stellen.

Die meisten Modeläden greifen dafür auf einen klassischen Bankkredit zurück. Andere Finanzierungswege, wie Venture Capital (Beteiligungskapital) oder Crowd-Finance-Modelle sind in dieser Branche eher die Ausnahme. Viele Banken und Sparkassen bieten Gründer*innen Kredite zu fairen Konditionen. Ergänzend können regionale oder bundesweite Förderprogramme und Bürgschaftsbanken die Finanzierung sichern.

Angelika hat zum Beispiel von einem Förderkredit der KfW profitiert, der ihr über ihre Hausbank vermittelt wurde. Voraussetzung war, neben einem überzeugenden Businessplan, dass sie Erfahrungen im Textil-Einzelhandel und ausreichendes kaufmännisches Know-how vorweisen konnte.

Doch lieber ein eigenes Modelabel gründen?
Unser Beispiel beinhaltet alle Infos, die du zur Gründung brauchst

Franchise – eine gute Idee?

Wir wollen es nicht verschweigen: Es ist nicht leicht, in der hart umkämpften Modebranche mit einer eigenen Boutique zu bestehen. Eine Partnerschaft mit seriösen Franchise-Anbieter*innen kann, wie das Beispiel von Angelika zeigt, das Risiko reduzieren und den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Die wichtigsten Vorteile von Franchising:

  • Du kannst von der etablierten Marke der Franchisegeber*innen und von deren überregionaler Bekanntheit profitieren
  • Du brauchst dir keine Gedanken um die Einrichtung deines Ladens, die Außendarstellung, die Kollektionsauswahl und die Preisgestaltung zu machen und kannst dich stärker auf den Verkauf konzentrieren
  • Du bekommst Unterstützung beim Aufbau deines Geschäfts (zum Beispiel in Form von Schulungen, Leitfäden oder Coachings)
  • Du musst nicht mit verschiedenen Lieferant*innen verhandeln, sondern profitierst von den günstigen Konditionen der Franchising-Gemeinschaft
  • In vielen Fällen bekommst du eine Software zur Verfügung gestellt, mit der du die Prozesse in deinem Unternehmen perfekt steuern kannst

Die Nachteile von Franchising

  • Du hast keinen Einfluss auf das Warenangebot
  • Du bist verpflichtet, die vorgegebenen Standards der Franchisegeber*innen umzusetzen
  • Häufig zahlst du eine Aufnahmegebühr
  • Deine Franchisegeber*innen erhalten einen festgelegten Teil deines Umsatzes

Wenn du Wert darauf legst, deine eigenen Ideen umzusetzen, wenn du selbst entscheiden möchtest, wie sich dein Sortiment zusammensetzt und wenn du es liebst, Trends aufzuspüren, kommt für dich vermutlich eher eine Einzelgründung infrage. Geht es dir stärker ums Organisieren, Verkaufen und Beraten, kannst du auch mit einem passenden Franchising-System glücklich werden.

Wie das mit dem Franchise auch wirklich klappt?
Die Antwort findest du in unserem Beispielplan

Fazit

Auch wenn du in Deutschland keine formalen Voraussetzungen erfüllen musst, um eine eigene Boutique zu gründen: Ohne kaufmännische Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Branche wirst du es schwer haben. Ein solider Businessplan ist die beste Vorbereitung für deinen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit und zugleich dein Schlüssel zur Finanzierung.

Die Gründerplattform bietet dir viele praktische Tools, mit denen du dein Geschäftsmodell erarbeiten und deinen Businessplan schreiben kannst. Und mit wenigen Klicks findest du hier auch passende Finanzierungswege und -partner*innen. Probiere es doch gleich aus!

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bhp