Eine eigene Brauerei gründen

Alle Schritte und persönliche Erfahrungen von echten Brauer*innen für dich zusammengefasst

Bier ist in Deutschland seit jeher ein äußerst beliebtes Genussmittel. Auf der ganzen Welt kennt und schätzt man die Vielfalt und die hohe Qualität deutschen Bieres. In jüngster Zeit hat sich neben traditionellen Brauereien und großen Marken eine junge, experimentierfreudige Craft-Beer-Szene etabliert und einen neuen Trend angestoßen: Statt Einheitsgeschmack verlangen viele Kund*innen Einzigartigkeit und legen Wert auf Regionalität und Handwerkskunst.

Im Zuge dieser Entwicklung sind in den letzten Jahren immer mehr Brauereien und Biermarken entstanden, und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Wie wäre es, auf diesen Zug aufzuspringen und deine Begeisterung für Biere zum Beruf zu machen? Mit einem einzigartigen Produkt und einem wirkungsvollen Marketing hast du gute Chancen, eine eigene Nische auf dem Biermarkt zu erobern.

Welche Möglichkeiten aufstrebende Nachwuchs-Brauer*innen haben, sich ihren Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen, und woran sie dabei unbedingt denken sollten, erfährst du in diesem Artikel. Darin kommen exklusiv erfolgreiche Brauer*innen zu Wort, deren Gründung schon einige Jahre zurückliegt.

Voraussetzungen

Eine eigene Brauerei zu gründen ist, bei aller Begeisterung und Leidenschaft, mit viel Arbeit verbunden. Auf dem Markt bestehst du nur, wenn du deiner Kundschaft ein wirklich leckeres und einzigartiges Angebot machen kannst. Erfahrung im Bierbrauen gehört also dazu und vor allem eigene Rezepte für verschiedene Biersorten.

Du solltest aber nicht nur den komplizierten Prozess des Brauens beherrschen, sondern auch ein gewisses Verständnis für finanztechnische Dinge mitbringen. Außerdem solltest du gut organisieren können – denn es nützt ja nichts, das beste Bier der Welt zu brauen, und dennoch am Monatsende mit einem dicken Minus auf dem Konto dazustehen, weil die Kosten explodiert sind oder kein Mensch von deinem Angebot weiß.

Was sollte ich an Fachwissen mitbringen?

Selbst wenn es zahlreiche begabte Hobbybrauer*innen in Deutschland gibt: Ohne fundierte Ausbildung wird dein Vorhaben noch schwieriger. Wenn du selbst kein Braudiplom vorweisen kannst und auch nicht vorhast, es vor deiner Gründung zu erwerben, solltest du ausgebildete Braumeister*innen einstellen oder als Geschäftspartner*innen mit ins Boot holen. Ein anderer, vor allem in jüngerer Zeit in der Branche sehr beliebter Weg könnte für dich darin bestehen, unter die sogenannten Kuckucksbrauer*innen zu gehen. Sie verzichten auf eine eigene Braustätte und mieten sich in einer bestehenden Brauerei ein, wo sie ihre Biere nach eigenen Rezepten herstellen lassen.

Vor allem in der Craft-Beer-Szene gibt es zahlreiche Beispiele für diese erfolgreichen Mikrobrauer*innen, die ohne Meistertitel und ohne eigene Brauanlage in den Markt eingestiegen sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Investitionskosten sind überschaubar und die Markteinführung kann relativ risikoarm gestaltet werden.
Eine von ihnen ist Natalie, die zusammen mit ihrem Partner schon 2013 antrat, um mit kreativen Rezeptideen und hochwertigen Zutaten ihre Kundschaft zu beglücken – zu einem Zeitpunkt, als der Craft-Beer-Trend noch gar nicht Einzug gehalten hatte und es ergo noch keinen großen Markt für diese Produkte gab. Damit gehörten die beiden zu den fünf ersten Craft-Beer-Startups, die den traditionellen Biermarkt in Deutschland aufmischen sollten.

Wenn du mehr über Natalies Geschäftsmodell erfahren möchtest, schau dir unser Video an, in dem sie von den Anfängen ihrer Brauerei erzählt und ihre Erfahrungen mit anderen Gründer*innen teilt.

Auch Christoph und Louise haben sich für diesen Weg entschieden, als sie vor drei Jahren ihr Unternehmen Brauer & Co Leipzig gegründet und mit ihrem Pils Funky Forelle an den Start gegangen sind. Nachdem sie einige Zeit an dem Rezept getüftelt hatten und die erste Kleinauflage der Forelle auf positive Resonanz gestoßen war, machten sie sich auf die Suche nach einer passenden Brauerei, mit der sie zusammenarbeiten könnten. In Chemnitz wurden sie schließlich fündig. Seitdem lassen sie dort in einer kleinen Brauerei mit viel Erfahrung ihr Pils und seit Neuestem auch das passende Radler Pretty Pottwal produzieren.

„Viele Brauereien, vor allem kleinere Familienbetriebe, haben die Kuckucksbrauer als neue Zielgruppe und ein zusätzliches Geschäftsfeld für sich entdeckt“, weiß Christoph. „Manche von ihnen brauen nicht nur, sie helfen sogar bei der Rezeptur.“ Dadurch werde die Produktion für Gründer*innen, die in den Bier- und Getränkemarkt einsteigen wollen, stark vereinfacht. „Im Grunde braut die Brauerei unser Bier für uns - als eine Art Dienstleister nach unseren Vorgaben. Dann sorgen wir für den Vertrieb unseres Produktes“, fasst Christoph das Geschäftsmodell von Brauer & Co Leipzig zusammen. Es gibt aber auch Modelle, bei denen die Mikrobrauer*innen eine Art Miete zahlen oder bei denen die Brauerei einen Teil des Bieres in Zahlung nimmt.
Und worauf sollte man bei der Auswahl einer geeigneten Kooperationsbrauerei achten? Für Christoph und Louise war die räumliche Nähe ausschlaggebend, sie wollten regional brauen lassen. Aber auch auf eine gute zwischenmenschliche Beziehung legten sie Wert. „Die Konditionen sind das eine. Mindestens ebenso wichtig ist, ob die Zusammenarbeit funktioniert und die Chemie stimmt“, stellt Christoph klar.

Unsere beiden Bier-Business-Fachleute Christoph und Louise verraten ihre drei wichtigsten Gründungtipps für alle, die in das Geschäft mit dem kühlen Gerstensaft einsteigen wollen.

  1. Die Hauptaufgabe liegt im Vertrieb. Stell dich darauf ein, dass du sehr viel Zeit und Energie darauf verwenden musst, eine Marke zu entwickeln und deine Biere in Handel und Gastronomie zu etablieren.
  2. Das Geschäft mit dem Bier ist stark saisonabhängig: Im Sommer wirst du deutlich mehr Bier verkaufen als im Winter. Denk bei der Produktionsplanung daran, sonst bekommst du bald ein Problem mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und mit den Lagerkosten.
  3. Vertrieb meint vor allem Logistik und Klinkenputzen. Du musst an die Händler*innen und Gastronomie-Betriebe herankommen und dort immer und immer wieder auf der Matte stehen. Wer bereits Kontakte in der Branche hat, ist hier klar im Vorteil.

Welche Genehmigungen und Lizenzen brauche ich?

Du benötigst zwar keine bestimmte Ausbildung, um in Deutschland eine eigene Brauerei zu gründen, aber ohne staatliche Braulizenz geht es nicht. Die bekommst du bei der zuständigen Gemeinde, in der du deine Brauerei ansiedelst. Kuckucksbrauer*innen sind auch hier im Vorteil, denn sie müssen sich nicht um eine eigene Lizenz bemühen. Es genügt, wenn die Brauerei, mit der sie zusammenarbeiten, eine hat.

Wenn du dein Bier auch gleich an deine Gäste ausschenken und zu diesem Zweck einen Gastraum einrichten möchtest, brauchst du dafür in einigen Bundesländern eine Gaststättenbetriebserlaubnis, im Volksmund auch Schanklizenz genannt. Um diese zu erhalten, musst du – ähnlich wie bei der Braulizenz – deine persönliche Zuverlässigkeit nachweisen. Zusätzlich musst du an einer Gaststättenunterrichtung teilgenommen haben. Diese Veranstaltungen werden regelmäßig von den örtlichen IHKs durchgeführt und dauern ca. einen halben Tag. Das Wichtigste aber ist, dass du geeignete Gasträume vorweisen kannst, die den lebensmittel- und baurechtlichen Bestimmungen genügen.
Am besten, du setzt dich möglichst früh mit den Mitarbeiter*innen vom Bauordnungsamt zusammen und lässt dir erläutern, welche behördlichen Anforderungen an deine Brauereistätte und ggf. an deinen Gastraum gestellt werden.

Wie melde ich ein Gewerbe an?

Bevor du mit dem Brauen loslegen kannst, steht die Anmeldung deines Gewerbes auf dem Programm. Das ist beim örtlichen Gewerbeamt schnell erledigt und geht in vielen Gemeinden sogar online.

Wenig später meldet sich das Finanzamt bei dir. Es wird automatisch vom Gewerbeamt über deine Gründung informiert und möchte noch etwas genauer wissen, was du vorhast. Anhand deiner Angaben zur Rechtsform deines Unternehmens und zu den erwarteten Einnahmen legt es die Art und Höhe der Besteuerung fest.

Auch von der Handelskammer bekommst du nach deiner Gewerbeanmeldung Post. Sie begrüßt dich als neues Mitglied in ihren Reihen, denn als Gewerbetreibende*r ist die Mitgliedschaft für dich in Deutschland Pflicht.

Gut zu wissen: Was ist das Reinheitsgebot?

Die Deutschen sind stolz auf ihr Reinheitsgebot, das seit über 500 Jahren festlegt, was in ein Bier gehört und was nicht. Demnach sind nur die vier Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe erlaubt.

Das Reinheitsgebot gilt allgemein als Zeichen für die Bewahrung der traditionellen Braukunst. Was viele jedoch nicht wissen: Eine Vielzahl von Zusatz- und Hilfsstoffen, die während des Brauprozesses zugegeben werden und vor allem die industrielle Großproduktion erleichtern sollen, sind eben doch erlaubt. Und während so manches handwerklich gebraute Craft Beer sich nicht auf diese historische Lebensmittelbestimmung berufen darf, kommen fast alle bekannten Produkte großer Biermarken mit dem Label „Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot“ daher. Und das, obwohl der Brauprozess nicht mehr viel mit der ursprünglichen Braukunst zu tun hat, wie sie vor 500 Jahren verbreitet war.

Für dich ist in diesem Zusammenhang die Frage von Belang, ob du mit dem Reinheitsgebot für die Qualität deines Bieres werben möchtest – oder ob du bewusst darauf verzichten willst, um dir mehr kreative Spielräume beim Brauen deines eigenen Bieres zu bewahren. Für viele, vor allem eher traditionelle Verbraucher*innen, ist dieses Label noch immer ein wichtiges Kaufkriterium.

Brauche ich einen Businessplan fürs Brauen?

Braucht man heutzutage wirklich noch einen Businessplan? So manch einer sieht darin ein völlig veraltetes Instrument, das viel zu statisch ist, um damit erfolgreich zu gründen. Wir von der Gründerplattform sehen das anders. Wir sind überzeugt, dass der Businessplan eine unschätzbare Planungshilfe sein kann – solange man diese geschickt einzusetzen weiß.

Wer sich ewig und drei Tage an seinen Schreibtisch zurückzieht und das Ergebnis seiner Arbeit dann auch noch als unverrückbar begreift, der hat etwas falsch verstanden. Es geht nicht darum, mit dem Businessplan ein perfektes Zahlenwerk vorzulegen, sondern darum, sich intensiv mit den Überlegungen zu beschäftigen, die hinter diesen Zahlen stehen. Dafür muss man nicht wochenlang Statistiken auswerten und Studien wälzen. Sinnvoller ist es, die Annahmen so früh wie möglich draußen am Markt zu testen, zum Beispiel durch Bierverkostungen im Freundeskreis oder, noch besser, durch Testverkäufe auf Festen oder Märkten.
In diesem Sinne ist selbst Deutschlands bekanntester Businessplan-Kritiker Günter Faltin mit uns einer Meinung, der sagt: „Wenn es gelingt, die eigenen Annahmen zu prüfen und das Ergebnis nachvollziehbar im Businessplan darzulegen, dann ist er ein sehr gutes Mittel, eine Geschäftsidee gründlich zu durchdenken, ihre Potenziale auszuloten und im Vorfeld ihre Chancen und Risiken zu erkennen.“

Die Gründerplattform will mit verschiedenen digitalen Assistenten, einer anerkannten Businessplanstruktur, einfachen Leitfragen und echten Beispielen das Businessplanschreiben für alle einfacher und schneller machen. Derart digital unterstützt kannst du deinen Businessplan zügig fertigstellen und ihn anschließend flexibel nutzen – nicht als starre Vorgabe, sondern als Orientierungshilfe in den turbulenten Jahren nach deiner Gründung. Eine kostenlose Businessplan Vorlage findest du ebenfalls bei uns.

Vertrieb: Wie kommt das Bier zum Kunden?

Ein zentrales Kapitel deines Businessplans ist der Vertrieb. Christoph von Brauer & Co Leipzig ist überzeugt, dass der Vertrieb im Bierbusiness sogar das Allerwichtigste ist. Und er macht klar, dass es dabei auch um ganz handfeste Logistikherausforderungen geht. „Sobald das Bier gebraut ist, müssen wir es bei der Brauerei abholen und irgendwo lagern. Dann müssen wir dafür sorgen, dass es zur Kundschaft kommt, also entweder abgeholt oder von uns geliefert wird. Das alles muss möglichst schnell gehen, denn je länger wir das Bier lagern müssen, umso teurer wird es.“

Es gibt verschiedene Wege, den Vertrieb deiner Bierspezialitäten vom Sudhaus zur Kundschaft zu organisieren. Die gängigsten Vertriebswege führen über den Einzel- oder Zwischenhandel, die Gastronomie, einen eigenen Laden, einen eigenen Schankraum oder über einen Onlineshop. Auch eine Kombination verschiedener Vertriebskanäle ist denkbar.
Überlege, welche Kanäle sich am besten für dein Vorhaben eignen und behalte dabei die Kosten im Blick. Der Onlinevertrieb ist praktisch, weil du den Gewinn nicht mit Zwischenhändler*innen teilen und keine teuren Verkaufs- oder Schankräume samt Personal unterhalten musst. Deshalb vertreiben Natalie und ihr Partner ihre „von Freude“-Bierspezialitäten unter anderem auf diesem Weg.

Allerdings solltest du den finanziellen Aufwand nicht unterschätzen. Da sind zum einen die Ausgaben für die technische Infrastruktur, zum anderen die im Verhältnis zum Produktpreis sehr hohen Versandkosten. Dazu ein Beispiel: Um eine Flasche Bier für zwei Euro zu versenden, musst du Versandkosten in mindestens derselben Höhe kalkulieren. Der springende Punkt beim Onlinegeschäft ist aber, ob es dir gelingt, dass jemals Kundschaft auf dein Angebot stößt. In Suchmaschinen unter den ersten Treffern zu landen, zählt dabei sicherlich zu den härtesten Jobs. Angesichts der großen Konkurrenz ist das alles andere als ein Selbstläufer, sondern setzt kontinuierlichen Einsatz voraus. Bist du bereit und in der Lage, diesen zu leisten? Rechne mit spitzer Feder aus, wie teuer Aufbau und Pflege deines Onlineshops wirklich sind und welche möglichen Einnahmen dem gegenüberstehen. Nur wenn sich der Aufwand lohnt, solltest du diesen Weg gehen.

Christoph und Louise haben sich aus genau diesen Gründen bewusst gegen einen eigenen Shop entschieden. Sie vertreiben ihr Bier hauptsächlich über Großhandelsunternehmende und direkt über einige Bars und Restaurants in mehreren deutschen Großstädten. Dabei sei die größte Hürde gewesen, überhaupt eine gewisse Marktpräsenz aufzubauen. „Man muss viele, viele Klinken putzen und immer wieder bei Händler*innen und Gaststättenbetreibenden nachfragen.“ Erst, wenn das Bier schon ein wenig bekannt sei, würde es langsam etwas leichter. Dann käme womöglich der Einzelhandel auch mal von allein auf die Idee, die neuen Produkte ins Programm zu nehmen.
Vom Vertrieb hängen viele weitere Fragen ab, die du in deinem Businessplan beantwortest. Dazu gehören die Fragen nach dem besten Standort, dem wirkungsvollsten Marketing oder der Zielgruppe. Besteht diese aus Endverbraucher*innen, Zwischenhändler*innen, der Gastronomie oder dem Einzelhandel? Es ist klug, diese Punkte möglichst früh im Planungsprozess zu klären.

Gesellige Runde

Standort

Die Kriterien, die bei der Standortwahl ausschlaggebend sind, hängen von deinem Geschäftsmodell ab. Planst du eine kleine Gasthausbrauerei, solltest du dich bevorzugt dort ansiedeln, wo viele Menschen ausgehen und sich vergnügen. Suchst du hingegen einen reinen Produktionsstandort ohne Ausschank, findest du vielleicht in einem abgelegenen Gewerbegebiet die besseren Bedingungen, was den Platz, die Miete und die Erreichbarkeit für zuliefernde Betriebe angeht.

Bei einer Gasthausbrauerei solltest du dir nicht nur pragmatisch die Frage stellen, ob die Räumlichkeiten deinem Bedarf gerecht werden. Kläre ferner, ob die Nachfrage vor Ort ausreichen kann, ob du dort deine Zielgruppe erreichst, wie stark die Konkurrenz ist und wie du dich von ihr abheben kannst. In Top-Lagen sind die Fixkosten am Standort meist sehr hoch. Aber auch ein vermeintliches Schnäppchen kann dich teuer zu stehen kommen, wenn es so unattraktiv gelegen ist, dass sich kaum Kundschaft dorthin verirrt. Nimm dir unbedingt die Zeit für eine kleine Marktanalyse, bevor du den Mietvertrag unterschreibst.

Unser Experte Jan Evers gibt dir in diesem kurzen Video Tipps für deine Standortwahl:

Was ist das Besondere an deinem Bier?

Um Erfolg zu haben, musst du ausreichend Kund*innen von deinem Biersortiment überzeugen. Überlege dir vor der Gründung, mit welchen Alleinstellungsmerkmalen (USPs) du punkten willst: Hast du eine traditionelle Kleinbrauerei im Sinn oder setzt du eher auf originelle Craft-Beer-Kreationen? Möchtest du mit einem einzigartigen Herstellungsverfahren überzeugen oder mit einer großen Produktpalette? Sprichst du eher die geübten Craft-Beer-Expert*innen an oder die breite Masse?

Deine Spezialisierung sollte zu dir und den Werten passen, die dir wichtig sind. Wofür möchtest du mit deiner Brauerei stehen? Gerade Mikrobrauereien leben von ihrer Authentizität und der Geschichte, die sie erzählen. Aber auch deine Zielgruppe und deren Bedürfnisse sollten natürlich Berücksichtigung finden.

Wenn du nicht Gefahr laufen willst, an deiner Zielgruppe vorbeizuplanen, solltest du so früh wie möglich mit der Marktforschung beginnen. Das geht einfacher, als du vielleicht denkst. Lass deine neu entwickelten Biersorten von möglichst vielen Leuten probieren und bitte sie um Feedback. Rede mit den Menschen, die du mit deinem Bier begeistern möchtest, und frag sie nach ihren Gewohnheiten, ihrem Geschmack, ihren Preisvorstellungen und ihren Ansprüchen an ein richtig gutes Bier.

Eine clevere Idee ist es außerdem, eine erste Charge deines neuen Bieres auf Straßenfesten oder Festivals zu verkaufen. Dabei kannst du direkt in Kontakt mit der Kundschaft treten und sie nach ihrem Geschmackseindruck fragen. Die Erfahrungen aus diesen ersten Verkäufen kannst du wiederum in das Feintuning deiner Rezepturen einfließen lassen.

Was kostet mich die Gründung einer Brauerei?

Die genauen Kosten für die Gründung deiner Brauerei lassen sich pauschal nicht beziffern. Ihre Höhe hängt vor allem von deinem Geschäftsmodell ab. Um eine Kuckucksbrauerei zu gründen, musst du natürlich weniger Geld in die Hand nehmen, als für eine komplette Braustätte mit angeschlossener Gastronomie.

Deshalb führt für dich kein Weg daran vorbei, die Kosten einzeln zu ermitteln. Schreibe dafür alles auf, wofür du Geld ausgeben wirst. Auf deine Liste gehören unter anderem diese Punkte:

  • Miete
  • Strom
  • Umbaukosten
  • Brauanlage
  • Zutaten
  • Personalkosten
  • Lager
  • Fuhrpark
  • Beratungskosten und Gebühren für Anwalts- und Notarbüros
  • Lizenzgebühren
  • Website
  • Marketing
  • Versicherungen

Anschließend recherchierst du, wie viel Geld du für jeden einzelnen Posten auf deiner Liste einplanen solltest. Besorge dir Preislisten, lass dir Angebote geben oder nutze die Erfahrungswerte vergleichbarer Brauereien.

Finanzierung deiner Brauerei-Gründung

Erst wenn du deine Kosten kennst, kannst du dir Gedanken über die Finanzierung deiner Brauerei machen. Nicht nur die Investitionen in deine Brauanlage und der Umbau der Räumlichkeiten wollen am Anfang finanziert werden. Auch für die laufenden Kosten, die während der Anlaufphase anfallen und noch nicht durch die Einnahmen aus dem Bierverkauf gedeckt werden können, brauchst du Geld. 

Beantworte für deine Finanzierung in deinem Businessplan folgende Fragen:

  • Wie viel Eigenkapital habe ich?
  • Wie viel Fremdkapital brauche ich?
  • Wofür brauche ich Fremdkapital?
  • Ab wann kann ich meine Schulden zurückzahlen (Kredittilgung und Zinsen)?

In Deutschland steht dir eine ganze Reihe von Finanzierungswegen für den Unternehmensstart offen. Zu den beliebtesten zählt der klassische Bankkredit. Zusätzlich halten der Bund und die Länder diverse Förderprogramme bereit. Sie umfassen Bürgschaften, Förderdarlehen oder nicht rückzahlbare Zuschüsse und werden über die Banken und Sparkassen vermittelt. 

Der Finanzierungsfinder auf der Gründerplattform hilft dir, passende Finanzierungspartner für deine Brauereigründung ausfindig zu machen. Er filtert die Förderprogramme heraus, die bei deinem Vorhaben zum Einsatz kommen könnten. Dafür brauchst du nichts weiter zu tun, als ein paar grundlegende Angaben zu deiner Gründung und zu deinen Wünschen zu machen. Daraufhin wird dir eine Liste der geeigneten Programme und Finanzierungsoptionen angezeigt.

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Welche Rechtsform ist die beste?

Die ideale Rechtsform für deine Brauerei gibt es nicht. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Deine Aufgabe ist es, die bestmögliche Wahl zu treffen. Die Rechtsformen unterscheiden sich unter anderem nach dem finanziellen und personellen Aufwand, mit dem sie verbunden sind, nach dem Ausmaß der persönlichen Haftung und nach der Art der Besteuerung.

Eine GmbH zu gründen ist zum Beispiel teurer und aufwendiger als die Gründung eines Einzelunternehmens und auch im laufenden Betrieb mit sehr viel mehr Bürokratie verbunden. Dafür ist das Haftungsrisiko für die Gesellschafter*innen beschränkt.

Der Rechtsformfinder der Gründerplattform zeigt dir, welche Rechtsformen es gibt, worin sie sich unterscheiden und welche für dein Vorhaben infrage kommen.

Marketing: Nichts verkauft sich von allein

Eine deiner Hauptaufgaben wird es sein, dafür zu sorgen, dass die Leute von deinem einzigartigen Bier erfahren und es kaufen. Und da dein Geld vermutlich knapp ist, solltest du es nicht für unnötige Werbekampagnen rausblasen, sondern so zielgenau wie möglich einsetzen. Bevor du dir ein Marketingkonzept ausdenkst, solltest du dich in deine Zielgruppen hineinversetzen. Wo erreichst du deine potenzielle Kundschaft? Welche Kanäle nutzt sie? In welche Bars und Restaurants geht sie?

Das Internet bietet ideale, da kostengünstige Möglichkeiten fürs Marketing. Der größte Vorteil besteht darin, dass du die Effekte deiner Werbemaßnahmen messen kannst. Wie wäre es, wenn du eine Onlinekampagne schaltest und zählst, wie viele Personen auf die Anzeige oder den Bestellbutton klicken?
Auch Handzettel oder Anzeigen in der lokalen Presse können eine Wirkung erzielen. Und schließlich sind Foodfestivals, Straßen- oder Stadtfeste eine gute Gelegenheit, Aufmerksamkeit für dein Bier zu gewinnen.

Die Preisgestaltung

Ein wichtiger Bestandteil des Marketings ist die Preisgestaltung. Dir sollte klar sein, dass auf dem Biermarkt über den Preis allein kein Stich zu machen ist – gegen die Discounter mit ihren Billigmarken wirst du nicht ankommen.
Den optimalen Preis findest du heraus, indem du dich von mehreren Seiten annäherst – und dann einfach ausprobierst. Im ersten Schritt rechnest du aus, welchen Preis du mindestens erzielen müsstest, um deine Ausgaben wieder einzuspielen. Dazu können Ausgaben für Rohstoffe zählen, aber auch für Miete, Fuhrpark, Personalkosten, deine privaten Lebenshaltungskosten, Zinsen und Rückzahlungen etc.

Dann ermittelst du die marktüblichen Preise und vergleichst: Liegt dein Minimalpreis unter oder über dem Durchschnitt? Wenn er völlig überzogen ist, solltest du dringend nachsteuern und versuchen, deine Kosten zu senken.
Der Preis, mit dem du deine Kosten decken kannst, bildet die untere Grenze, die du keinesfalls unterschreiten darfst. Aber es wäre doch schön, wenn am Ende des Monats etwas übrigbliebe, um für die nächste Durststrecke gewappnet zu sein oder die nächste Wachstumsphase zu finanzieren. Um das zu erreichen, gilt es herauszufinden, welchen Betrag deine Kundschaft zu zahlen bereit wäre. Auch überdurchschnittliche Preise können funktionieren, wenn du die Leute davon überzeugen kannst, einen angemessenen Preis für ein wirklich gutes Produkt zu bezahlen.

Personal für deine Brauerei

Eine Brauerei zu gründen, ist nichts für Einzelkämpfer. Schließlich ist es mit dem Bierbrauen nicht getan. Irgendjemand muss sich um den Vertrieb und das Marketing, den Einkauf und die Buchhaltung kümmern. Um nicht mit deiner Gesundheit zu bezahlen, solltest du dir Mitstreiter*innen suchen. Ob du sie als gleichberechtigte Geschäftspartner*innen ins Boot holst oder sie einstellst, hängt von deinen Prioritäten ab.

Personalkosten können schnell ausufern. Am Anfang ist es daher durchaus sinnvoll, so viel wie möglich selbst zu machen. Mittel- bis langfristig sollte deine Gründung jedoch genug Geld einbringen, um die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen und dich entlasten zu können.

Welche Versicherungen sind wichtig?

Unabdingbar für alle, die mit einem eigenen Bier auf den Markt stoßen wollen, ist eine Betriebshaftpflichtversicherung. Sie übernimmt, ähnlich wie eine private Haftpflichtversicherung, alle Schäden, die durch dein Unternehmen Dritten zugefügt werden, z.B. Sach-, Personen- und Vermögensschäden. Sie steht auch für mögliche Kosten gerade, die durch die Abwehr ungerechtfertigter Schadenersatzansprüche entstehen. Das können beispielsweise Anwalts- oder Gerichtskosten sein.

Zusätzlich kann eine Inhaltsversicherung für deine Brauerei sinnvoll sein. Sie deckt alle Schäden ab, die am „Inhalt“ deines Unternehmens auftreten. Wenn also etwa die Lagerhalle abbrennt und dein gesamter Biervorrat zerstört wird oder gar deine Brauanlage draufgeht, tritt die Inhaltsversicherung auf den Plan.

Denk auch an deine soziale Absicherung und informiere dich nach günstigen Möglichkeiten, eine Krankenversicherung abzuschließen, eine Altersvorsorge aufzubauen und dich ggf. gegen das Risiko der Erwerbsunfähigkeit abzusichern.

Außerdem solltest du dein Unternehmen unmittelbar nach der Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden. Sie übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung deiner Mitarbeiter*innen. Auch, wenn du (noch) kein Personal beschäftigst, musst du dich dort anmelden. Kosten entstehen dir dann aber noch nicht.

Fazit

Der Markt wächst und die Begeisterung für neue Biere ist anhaltend groß. Gute Aussichten also für Gründer*innen, die ihre Leidenschaft für das erfrischende Hopfengetränk zum Beruf machen wollen. Damit das funktioniert, ist gute Vorbereitung gefragt. Die Gründerplattform unterstützt dich dabei mit ihren vielen Werkzeugen und Arbeitshilfen.

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bhp