Growth-Hacking

Wie Startups mit Growth-Hacking schneller wachsen

Wenn du gerade erst frisch gründest, hast du vermutlich noch kein großes Marketingbudget. Vielleicht fehlt dir auch die nötige Erfahrung. Das heißt aber noch lange nicht, dass du kein erfolgreiches und schnell wachsendes Business gründen kannst! Mit Growth-Hacking haben es schon einige Startups von null auf hundert geschafft. Diese kreative Marketingtechnik basiert auf kleinen Tricks mit großer Wirkung. 

Eines der ersten Unternehmen, die Growth-Hacking angewendet haben, ist Hotmail. Damals, im Jahr 1996, als es noch kaum E-Mail-Anbieter und nur wenige Websites im Internet gab, setzte Hotmail einen einzigen wirkungsvollen Satz in die Signatur aller über den Anbieter versendeten E-Mails: „P. S.: I love you – get your free e-mail at Hotmail“. Versehen mit dem entsprechenden Link sorgte dieser Satz dafür, dass Hotmail in nur sechs Monaten auf über eine Million Nutzer*innen kam. Ein Jahr später kaufte Microsoft den Anbieter für stolze 400 Millionen US-Dollar. 

Heute ist Growth-Hacker sogar eine Berufsbezeichnung und immer mehr Unternehmen schreiben entsprechende Stellen aus. Auch etablierte Marken nutzen die Strategie für neue Produkte und weiteres Wachstum. Ganz besonders hilfreich ist Growth-Hacking jedoch für Unternehmen in der Gründungsphase. Hier erfährst du, was genau Growth-Hacking eigentlich ist und wie du es selbst anwenden kannst, um dein Business zahlenmäßig nach oben zu katapultieren!

Definition: Was ist Growth-Hacking?

Obwohl Hotmail schon in den 1990er-Jahren den Grundstein legte, wurde der Begriff Growth-Hacking erst 2010 von dem amerikanischen Gründer und Marketingexperten Sean Ellis geprägt. Er nutzte die Strategie unter anderem während seiner Tätigkeiten bei Dropbox und Eventbrite. 2010 schrieb er einen Blogartikel mit dem Titel „Where are all of the Growth-Hackers?“ Darin definierte er Growth-Hacker*innen als Personen, die vorrangig auf ein skalierbares Wachstum fokussiert sind und dazu mit viel Kreativität sowie analytischem Denken verschiedenste Möglichkeiten ausprobieren. Alles kann Marketing sein, wenn es um Growth-Hacking geht. Der Growth-Hacking-Experte Andrew Cheng schrieb, dass die Strategie eine Mischung aus Programmier- und Marketingfähigkeiten erfordere. Durch seinen Artikel verbreitete sich der Begriff noch weiter. Seit 2012 gibt es sogar eine jährlich stattfindende Growth-Hacking-Konferenz. 

In den letzten Jahren ist der Trend aus dem Silicon Valley auch nach Deutschland herübergeschwappt. Wie der Name schon sagt, arbeiten Growth-Hacker*innen mit kleinen, kostengünstigen Marketingtricks („Hacks“) daran, Startups zu schnellem Wachstum („Growth“) zu verhelfen. Im Prinzip entwickelte sich die Strategie aus der Not heraus: Jungen Unternehmen mangelt es in der Regel zum einen an Geld, zum anderen an Erfahrung im Marketingbereich. Ist das der Fall, sind kreative Ideen gefragt, mit denen das Wachstum angekurbelt werden kann. 

Klassische Maßnahmen zur Imagebildung und Bekanntheitssteigerung sind erst einmal nebensächlich (und teuer). Beim Growth-Hacking fokussieren sich die Gründer*innen ausschließlich auf ihr Produkt und versehen es mit simplen Hacks wie einst der Weiterempfehlungssignatur von Hotmail. Kreativität allein bringt dich allerdings nicht zum Ziel. Die Effektivität der Hacks muss regelmäßig überprüft und gemessen werden. Deshalb sind erfolgreiche Growth-Hacker*innen nicht nur kreativ, sondern auch neugierig und zahlenbegeistert. Sie können analytisch denken und sind gut darin, innovative Problemlösungen zu finden. Insgesamt ist Growth-Hacking also nicht einfach nur ein Tool, sondern ein Mindset. 

Welche Growth-Hacks du anwenden kannst

Wenn du dein eigenes Unternehmen gründest, kannst du mit gezielt eingesetzten Growth-Hacks auch bei kleinem Budget schnell Fortschritte machen. Doch mit welchen Tricks arbeiten Growth-Hacker*innen eigentlich? Da das immer vom jeweiligen Produkt abhängig ist und beim Growth-Hacking oft ganz neue Ideen entstehen, gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Hier sind jedoch ein paar typische Bereiche, an denen Growth-Hacker*innen ansetzen:

Empfehlungsmarketing

Ähnlich wie Hotmail mit seiner Signatur kannst du mehr potenzielle Kund*innen erreichen, wenn du dich gezielt weiterempfehlen lässt. Das funktioniert zum Beispiel über eine Prämie oder einen Rabattcode als Belohnung für jede erfolgreiche Empfehlung.

Content-Marketing

Ob du einen Blog startest, Videos drehst oder einen Podcast ins Leben rufst – mit hilfreichem Content, der Antworten auf häufige Fragen deiner Zielgruppe gibt, aktuelle Trends oder auch extreme Nischenthemen aufgreift, kannst du mit etwas Glück virale Effekte erzielen.

Suchmaschinenoptimierung

Um sich mit Werbeanzeigen bei Suchmaschinen gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können, braucht es entsprechendes Budget. Mit Suchmaschinenoptimierung kannst du deine Inhalte aber auch kostenlos weit vorn in den Suchergebnissen platzieren. Außerdem kannst du die SERP-Snippets optimieren, also die Überschrift und den kleinen Beschreibungstext, die auf der Suchergebnisseite zu sehen sind – zum Beispiel mit einem anziehenden Call-to-Action.

Gastbeiträge und Pressearbeit

Sorge dafür, dass andere über dich sprechen! Schreibe dazu beispielsweise gezielt Gastartikel für andere Blogs, sprich Journalist*innen an oder pitche erfolgreichen Podcaster*innen deine Idee für ein Interview mit dir. 

Social Media

Nutze die sozialen Medien, Foren oder Kleinanzeigenportale, um deine Inhalte zu teilen und auf dein Angebot aufmerksam zu machen. Mehr Aufmerksamkeit erreichst du zum Beispiel mit Gewinnspielen, kreativen Mitmachaktionen oder Influencer-Marketing. 

E-Mail-Marketing

Bewege Interessierte mithilfe von sogenannten Freebies dazu, deinen Newsletter zu abonnieren, indem du ihnen zum Beispiel einen kostenlosen Guide, eine Vorlage oder einen Rabatt anbietest. Hast du sie einmal im E-Mail-Verteiler, kannst du deine Zielgruppe so jederzeit auf direktem Wege ansprechen.

Diese Hacks erfordern zwar Zeit, kosten aber kaum Geld. Deshalb eignen sie sich besonders gut für Gründer*innen. Lass dich von den hier genannten Vorschlägen aber nicht einschränken. Wenn du einen kreativen Einfall hast, probiere ihn aus und miss den Erfolg! Oft ist es etwas nie Dagewesenes, ein kleines Detail, das dich von deinen Mitbewerber*innen abhebt und dein Business wachsen lässt. Trau dich, auch unkonventionelle Ideen umzusetzen. Wenn sie nicht funktionieren, so das Mindset von Growth-Hacker*innen, dann hast du zumindest etwas dabei gelernt!

Mann steht vor einem Berg und zeigt auf den Gipfel

Beispiele für Growth-Hacking

Das Internet hat viele Growth-Hacking-Methoden erst ermöglicht. Deshalb ist es eine Strategie, die vorwiegend im Online-Marketing zur Anwendung kommt. Wir haben dir einige Beispiele erfolgreicher Growth-Hacks aus dem Real Life zusammengestellt!

Da wäre zum Beispiel Dropbox. Das Unternehmen bediente sich der Weiterempfehlungsstrategie, um in nur 15 Monaten von 100.000 auf vier Millionen Nutzer*innen zu kommen: Es bot den Kund*innen im Gegenzug für ihre Weiterempfehlung kostenlos mehr Speicherplatz an. Ähnlich agierte PayPal und verschenkte jeweils zehn Dollar an die empfehlende und die neu angemeldete Person. 

Auch viele große und etablierte Social-Media-Unternehmen haben einmal mit Growth-Hacking angefangen. Twitter ermittelte zum Beispiel, dass die Aktivität seiner Nutzer*innen steigt, wenn sie mindestens 30 anderen Accounts folgen. Also führte Twitter eine Funktion ein, die neuen User*innen Profile vorschlägt, die ihnen gefallen könnten. Das funktioniert natürlich auch in anderen Kontexten, zum Beispiel in Shops über eine „Andere Nutzer*innen kauften auch …“-Liste. Bei Pinterest werden nicht nur Profile vorgeschlagen, sondern neu Angemeldete folgen automatisch einigen Top-Accounts, von denen sie sich inspirieren lassen können.

Ein weiteres bekanntes Beispiel für Growth-Hacking ist Airbnb. Das Unternehmen führte eine automatische Schnittstelle zu Craiglist ein, dem größten Anzeigenportal der USA. Solche sogenannten APIs erweisen sich bei verschiedensten Produkten als äußerst nützlich – zum Beispiel Buchungstools mit Kalenderschnittstelle oder E-Mail-Programme, die sich in Content-Management-Systeme wie WordPress einbinden lassen. Auch Instagram bot von Anfang an die Möglichkeit, Beiträge in zahlreichen anderen Apps zu posten und so mehr Aufmerksamkeit zu generieren.

So wirst du Growth-Hacker*in

Growth-Hacking hat nicht nur mit Kreativität zu tun, sondern auch mit Zahlen und analytischem Denken. Growth-Hacker*innen probieren also nicht irgendetwas aus, um das Wachstum ihres Startups zu steigern, sondern sie haben einen Plan. Dieser Plan orientiert sich an einem Funnel, also dem Filter, der Interessierte aus der Zielgruppe herausfiltert, Käufer*innen und im Idealfall wiederkehrende Kund*innen aus ihnen macht und diese letztlich dazu bringt, das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens weiterzuempfehlen. In jeder Phase dieses Funnels können unterschiedliche Growth-Hacks eingesetzt werden:

  • Akquise: Im ersten Schritt musst du Interesse wecken und potenzielle Kundschaft auf deine Website holen – zum Beispiel durch hilfreichen Content, ein virales Video, Social Media oder Pressearbeit.
  • Aktivierung: Willst du die Interessierten bei der Stange halten und zahlende Kund*innen aus ihnen machten, musst du sie dazu bringen, sich für deinen Newsletter einzutragen, dir zu folgen oder ein Erstgespräch zu buchen. Hilfreich sind dabei der Call-to-Action, Sonderangebote, Freebies etc.
  • Bindung: Deine Zielgruppe bindest du zum Beispiel durch regelmäßige Newsletter und weitere hilfreiche Inhalte, mit denen sie auch interagieren kann. Oft sind 5 bis 20 Kontakte nötig, bevor eine Person dein Angebot wahrnimmt.
  • Monetarisierung: Bei diesem Schritt geht es darum, Nutzer*innen tatsächlich zum Kauf zu bewegen. Das funktioniert mithilfe unschlagbarer Angebote oder auch durch Automation: Hat eine Kundin beispielsweise etwas in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft, kannst du ihr automatisiert eine Erinnerungsmail zukommen lassen.
  • Weiterempfehlung: Zufriedene Kund*innen empfehlen dich weiter – aber oft nicht von allein. Hier kannst du Growth-Hacks aus dem Empfehlungsmarketing anwenden.

Um herauszufinden, ob dein Plan auch funktioniert, musst du die Wirkung deines Growth-Hackings immer wieder überprüfen. In Newsletter-Programmen kannst du anhand verschiedener Parameter automatisch A/B-Tests durchführen und zum Beispiel einer Hälfte deiner Zielgruppe eine andere E-Mail zukommen lassen als der anderen. Dasselbe funktioniert auch auf deiner Website oder Social Media: Probiere verschiedene Methoden, Bilder, Angebote usw. aus – und vergiss nicht, den jeweiligen Erfolg zu messen. So findest du heraus, welche Herangehensweisen am besten funktionieren.

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Fazit

Growth-Hacking ist eine spannende Methode, die vor allem jungen Startups ohne großes Budget zugutekommt. Für dich als Gründer*in lohnt es sich also, sie in deinen Marketing-Mix zu integrieren, sobald du deine Geschäftsidee gefunden hast. Wer Growth-Hacker*in werden möchte, sollte Interesse an Daten haben, kreative Problemlösungen entwickeln und analytisch denken können. Auch Neugier ist eine wichtige Eigenschaft: Growth-Hacking erfordert Interesse am Verhalten der Internetnutzer*innen und immer neuen Ideen, sie für dein Angebot zu gewinnen. Klingt nach dir? Dann probiere doch gleich mal deinen ersten Growth-Hack aus!

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bhp