Ein eigenes Kino eröffnen

Mit Leidenschaft und einem guten Konzept zum Happy End

Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder vom Kinosterben die Rede war: In der Kinobranche werden nach wie vor gute Umsätze gemacht. Nicht nur die großen Kinoketten finden ihr Publikum, auch kleinere Filmtheater können von der ungebrochenen Begeisterung der Kinofans in Deutschland profitieren.

Wenn du schon immer davon geträumt hast, dein eigenes Kino zu eröffnen, dann solltest du dich gut vorbereitet daran machen, deinen Traum zu erfüllen. In diesem Beitrag erfährst du, wie dein Vorhaben gelingen kann.

Welche Fähigkeiten sind gefragt?

Wir dürfen wohl eine gewisse Filmleidenschaft bei dir voraussetzen, denn sonst würdest du wohl kaum mit dem Gedanken spielen, ein Kino zu eröffnen. Das ist gut so, denn deine cineastische Begeisterung ist eine wichtige Basis. Aber sie ist leider nicht alles, was du für den Erfolg brauchst. Als Kinobetreiber*in wirst du dich nämlich nicht nur mit der Filmauswahl beschäftigen, sondern auch mit so profanen Dingen wie Schichtplanung, Werbung, Lizenz- und Urheberrecht und Buchhaltung. Um es gleich zu sagen: Deine wichtigste Aufgabe wird nicht darin liegen, die großartigsten Filme aller Zeiten ausfindig zu machen, sondern für ein ausgeglichenes Geschäftskonto zu sorgen.

Kaufmännisches Wissen, Recht, Marketing – hast du Lücken auf einem dieser Gebiete, kannst du sie durch (Gründungs-) Seminare oder das Lesen von Ratgebern füllen. Seit einiger Zeit gibt es sogar den Fernstudiengang zum Kaufmann/zur Kauffrau für Filmtheatermanagement, bei dem du nebenberuflich dein Wissen vertiefen kannst. Oder du schließt dich mit anderen zusammen, die dich mit ihren Fähigkeiten perfekt ergänzen.

Formale Voraussetzungen: Gewerbeschein und Betriebserlaubnis

Bevor du den Kinobetrieb aufnehmen kannst, brauchst du einen Gewerbeschein. Den bekommst du nach deiner Anmeldung beim örtlichen Gewerbeamt. Das Anmelden ist relativ schnell erledigt und kostet meist zwischen 20 und 60 Euro.

Das Gewerbeamt informiert automatisch alle weiteren Stellen, die von deiner Kinoeröffnung betroffen sind. Zu ihnen gehören das Finanzamt, die örtliche IHK (die Mitgliedschaft ist für alle Gewerbetreibenden Pflicht) und die Bauaufsicht. Letztere ist dafür zuständig, die Einhaltung der behördlichen Auflagen zu kontrollieren (Brandschutz, Lärmschutz, Belüftung, Sanitäranlagen etc.).

Die Auflagen der Bauaufsicht solltest du strikt einhalten, weil es dabei um die Sicherheit deiner Gäste geht. Abgesehen davon werden die Verantwortlichen im Zweifel nicht zögern, dein Kino von einem Tag auf den anderen dicht zu machen, wenn sie auf Mängel stoßen.

Was bringt ein Businessplan?

Wenn du ein Kino eröffnen möchtest, wird ein Businessplan eine große Hilfe sein. Er dient zum einen als Türöffner bei Banken, Investoren und Geschäftspartnern, zum anderen als zentrale Entscheidungsgrundlage für dich selbst.

Du setzt dich darin mit allen Fragen rund um dein Kino auseinander. Du beschreibst deine Mission und die Besonderheiten deines Angebots, analysierst den Markt an deinem Standort, kalkulierst die Kosten und planst deine Umsätze. Im Finanzteil legst du dar, ob bzw. ab wann sich dein Kino durch die Einnahmen trägt. Daraus kannst du ableiten, wie viel Geld du für den Unternehmensstart benötigst. Wenn du Eigenkapital hast, rechnest du das auch mit ein.

Und Action:
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Standort: Darauf kommt es an

Ob du mit deinem Kino Erfolg haben wirst, hängt maßgeblich vom Standort ab. Wichtige Kriterien sind das Aufkommen an Laufkundschaft, eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, die Anzahl der Parkplätze und - last but not least - die Kosten für den Erwerb, die Miete oder die Pacht des Gebäudes. Ein Kino auf der grünen Wiese ist zwar günstiger als eines in bester Innenstadtlage, aber es ist viel schwieriger, die Kinobesucher dorthin zu locken.

Auch auf dem Land bzw. in einer Kleinstadt kann sich ein Kino lohnen, wenn du den Nerv des Publikums triffst. Finde heraus, wie viele Menschen im Einzugsbereich leben und ob es eine Nachfrage am Standort gibt.  

Vor allem in den Großstädten ist die Kinodichte teils sehr hoch. Hier kommt es darauf an, deine Nische zu finden und dich mit einem überzeugenden Alleinstellungsmerkmal von der Konkurrenz abzusetzen.

Angebot: Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?

Ganz egal, wo du dein Kino eröffnen möchtest, du wirst dir etwas einfallen lassen müssen, um die Menschen in dein Filmtheater zu ziehen. Das gilt auch dann, wenn du weit und breit das einzige Kino betreibst. Denn du stehst auch mit Fernsehen, Streamingdiensten und anderen Kultur- und Freizeitangeboten (Theater, Sportevents etc.) in Konkurrenz.

Außerdem ist Kino nicht gleich Kino. Die Palette reicht vom lauschigen Nachbarschaftskino mit einem bunten Kinoprogramm für Jung und Alt über das anspruchsvolle Arthouse-Kino bis hin zum Mainstream-Kino, das die neuesten Filme zeigt. Es gibt Autokinos, Open-Air-Kinos, Uni-Kinos und mobile Kinos. Es gibt Multiplexe mit tausenden von Plätzen. Aber auch das kleinste Kino der Welt, das „Palastkino“ bei Dresden, ist so erfolgreich, dass das Konzept zum Franchise-System ausgeweitet werden soll. Und das, obwohl es gerade mal neun Plätze hat!

Überlege dir im Vorfeld, wofür dein Kino stehen soll. Welche Zielgruppen willst du ansprechen und womit möchtest du sie überzeugen? Mit welchen Alleinstellungsmerkmalen hebst du dich von der Konkurrenz ab?

Finde heraus, was die Leute sehen wollen

Wenn du mit dem Gedanken spielst, ein Kino zu gründen, hast du wahrscheinlich schon eine Vorstellung davon, was deinem Publikum gefallen könnte. Unsere Empfehlung: Vergiss nicht, deine Annahmen gründlich zu validieren (zu überprüfen). Verzichtest du auf diesen wichtigen Schritt, läufst du Gefahr, deine Filme später vor leerem Haus abzuspielen.

Statistiken über die Bevölkerungsstruktur und die Kaufkraft im Einzugsbereich liefern dir erste Anhaltspunkte. Was aber wirklich weiterhilft, ist Marktforschung. Sprich mit den Menschen in deiner Stadt über deine Geschäftsidee und frage sie, was sie gerne im Kino sehen und erleben würden. Eine Straßenumfrage in der Nähe deines zukünftigen Standorts kann dafür ebenso nützlich sein, wie Gespräche mit den Besuchern anderer Kinos. Vielleicht gibt es etwas, das sie vermissen und das du ihnen bieten könntest?

Noch besser wäre, die Nachfrage vor Ort realitätsnah zu testen. Wenn es möglich ist, organisiere doch im Spätsommer ein kleines Open-Air-Kino in deiner Stadt oder funktioniere einen Gemeindesaal zum Kino um. Oder starte eine Crowdfunding-Kampagne für dein neues Kino. So sammelst du wertvolle Erfahrungen, die dir später bei der Programmplanung helfen können, und kannst mit wenig Risiko prüfen, wie groß die Nachfrage tatsächlich ist.

Wie stark ist die Konkurrenz?

Nun fehlt für deine vollständige Marktanalyse noch die Angebotsseite. Finde heraus, wie viele Kinos es in demselben Einzugsbereich bereits gibt. Mit wie vielen Leinwänden und Plätzen warten sie auf, was sind ihre Schwerpunkte und wie teuer sind die Karten? Trau dich, zu den Betreiber*innen dieser Kinos Kontakt aufzunehmen und erkundige dich nach ihren Erfahrungen. Vielleicht könnt ihr euch später sogar zusammentun und gemeinsame Aktionen durchführen, um die Kinokultur in eurer Stadt zu stärken.

Wenn du alle deine Informationen über die Nachfrage und das Angebot vor Ort zusammenführst, hast du schon eine erste solide Marktstudie, anhand derer du die Chancen und Risiken deiner Gründung realistisch abschätzen kannst. Derart vorbereitet fällt es dir leichter, eine Nische zu finden, die du mit deinem einzigartigen Angebot erobern kannst.

Je früher du weißt, was für eine Art von Kino du eröffnen möchtest, desto besser. Dann kannst du jedes Detail – von der Farbe der Vorhänge bis zur technischen Ausstattung – daran ausrichten und ein einheitliches Gesamtbild schaffen.

So stellst du ein packendes Programm auf die Beine

Das Herzstück deines Angebots ist selbstredend die Auswahl an Filmen, die du deinem Publikum präsentierst. In aller Regel wird das Kinoprogramm von Woche zu Woche festgelegt. Das bietet dir die Möglichkeit, recht flexibel auf die Vorlieben deines Publikums einzugehen. Sobald du den Betrieb in deinem Kino aufgenommen hast, kannst du anhand der Umsätze der laufenden Woche festlegen, welche Filme verlängert oder vorzeitig abgesetzt werden.

Aber natürlich gehört zu einer guten Programmplanung auch vorausschauendes Handeln. Dafür die Filmszene ständig im Blick zu behalten und neue Trends rechtzeitig zu erkennen, wird ein entscheidender Teil deiner Aufgaben sein. Schau dabei auch über den Tellerrand der Kinowelt hinaus. Spannend ist auch, welche gesellschaftlichen Themen an Bedeutung gewinnen (zum Beispiel Migration oder Klimawandel), die als Schwerpunkt einer Sonderfilmreihe interessant sein könnten.

Im Idealfall entwickelst du eine übergreifende Geschäftsidee, mit der du dein Haus nicht nur abends und am Wochenende füllst, sondern auch tagsüber und unter der Woche. Kinobesuche von Schulklassen sind bewährt und beliebt. Aber es gibt noch mehr Ideen: Kinocafé für Senioren mit selbstgebackenem Kuchen statt Popcorn, Filmvorführungen für Firmen oder Tanzkurse im Foyer sind nur einige von vielen Möglichkeiten.

Woher kommen die Filme?

Die Filme bekommst du in den meisten Fällen über Verleihfirmen, die dich auch hinsichtlich der Programmgestaltung beraten können.

Nachdem du den gewünschten Film bestellt hast, wird er dir heutzutage meist digitalisiert auf Festplatten geliefert.  Bei älteren Filmen bekommst du ihn vielleicht auch noch in der Form von Filmrollen. Außerdem erhältst du vom Verleih eine Terminbestätigung. Erst ab diesem Datum hast du das Recht, den Film zu zeigen. Nach Gebrauch schickst du die Filmrollen oder Festplatten wieder zurück an den Verleih, wenn sie nicht direkt an ein weiteres Kino geliefert werden sollen.

Die Filmmiete setzt sich aus zwei Dingen zusammen: Erstens aus der Filmabgabe, mit der die Filmförderungsanstalt in Deutschland die Produktion von Filmen unterstützt, und zweitens aus dem Anteil, den die Verleihfirma für sich beansprucht. Sie ist außerdem vom Umsatz abhängig, also davon, wie viele Leute den Film tatsächlich sehen. Dabei ist der Netto-Umsatz ausschlaggebend, das heißt die Summe, die dir vom Ticketverkauf nach Abzug von Umsatzsteuer (7 Prozent), GEMA- und GVL-Gebühr bleiben.

Die Filmabgabe für die Filmförderung liegt bei bis zu 3 Prozent des Kartenumsatzes. Kinos, die im Vorjahr weniger als 100.000 EUR Umsatz pro Leinwand erwirtschaftet haben, sind davon befreit.

Der Prozentsatz, den der Filmverleih von dir bekommt, ist Verhandlungssache, aber die Spielräume sind gering. Er richtet sich vor allem danach, wie teuer der Film war und wie lange er bereits in den Kinos läuft. Für eine Erstausstrahlung (erste Woche) ist eine Filmmiete von über 50 Prozent üblich. Danach verringert sie sich etwas von Woche zu Woche. Eine Filmmiete von unter 40 Prozent gilt meist nur bei kleineren Filmproduktionen, die seit einigen Wochen laufen.

Zusätzlich verlangen die meisten Filmverleihfirmen einen garantierten Mindestbetrag pro Film, der bei ca. 200 Euro liegt und mit der Filmmiete verrechnet wird.

Für jeden Film erstellst du wöchentlich eine gesonderte Abrechnung, in der du genau angibst, wie oft der Film gezeigt wurde und wie viele Kinobesucher ihn jeweils gesehen haben.

Neben den großen Verleihfirmen gibt es auch kleinere, spezialisierte Verleiher, mit denen du kooperieren solltest, wenn ihr Profil zu deinem passt. Auch Archive können eine Quelle von Filmkopien sein.

Popcorn

Womit verdienst du dein Geld?

Dein Kerngeschäft als Betreiber*in eines eigenen Kinos ist das Vorführen von Filmen. Dementsprechend wirst du den größten Anteil deiner Einnahmen mit dem Verkauf von Eintrittskarten erzielen. Ein paar Zahlen zur Orientierung: Schätzungen zufolge werden in der Kinobranche etwa 65 Prozent der Umsätze mit dem Eintritt erzielt, 25 Prozent mit dem Verkauf von Snacks und Getränken, und die restlichen 10 Prozent verteilen sich auf Werbeeinnahmen, Vermietung und sonstige Einkünfte.

Bei diesen Zahlen solltest du allerdings beachten, dass es sich um Durchschnittswerte handelt. Bei großen Multiplexkinos ist der Anteil des Umsatzes, der an der Snackbar und über Werbung eingenommen wird, höher als beim kleinen Programmkino nebenan. In ländlichen Regionen sind die Werbeeinnahmen teils so gering, dass etliche Kinos komplett auf Werbung vor dem Film verzichten, weil sich der Aufwand für sie nicht mehr lohnt.

Für viele Kinobesucher gehört das Naschen einfach zu einem gelungenen Kinoabend dazu. Es wäre keine gute Idee, auf diese Einnahmequelle zu verzichten. Wenn du die Auswahl an Speisen und Getränken an die Bedürfnisse deiner Zielgruppe anpasst, kannst du damit sogar deine Marktposition stärken. Vielleicht ist ein popcornfreies Kino für die Cineasten in deiner Stadt ein Alleinstellungsmerkmal, das sie überzeugt? Oder du servierst zu besonderen Filmen die passenden Leckereien, die auch auf der Leinwand eine Rolle spielen?

Auch was die Bestückung deiner hauseigenen Bar angeht, gilt: Der Kunde ist König. Finde durch Beobachtungen und Gespräche heraus, was deine Zielgruppe wünscht.

Preise richtig setzen

Die Preise für die Eintrittskarten sollten sich an den üblichen Marktpreisen orientieren, können aber im Hinblick auf dein Angebot und deine Zielgruppen angepasst werden. Ein starkes Alleinstellungsmerkmal rechtfertigt unter Umständen etwas höhere Preise. Bedenke aber, dass du deine Einnahmen auch bei geringeren Ticketpreisen steigern kannst, wenn du dafür eine höhere durchschnittliche Besucherzahl erreichst.

Generell setzen sich in der Kinobranche immer mehr dynamische Preiskonzepte durch. Das heißt, dass das Publikum zwischen mehreren Preisabstufungen wählen kann bzw., dass es unterschiedliche Preise für unterschiedliche Zielgruppen gibt (Loge/Parkett, nachmittags/abends, Rabatte für Familien/Studierende etc.).

Nach unten werden die laufenden Kosten deiner Preisgestaltung Grenzen setzen: Wenn es nicht möglich ist, sie durch die Einnahmen wieder einzuspielen, musst du dein Preiskonzept überarbeiten oder die Kosten senken.

Welche Rechtsform passt am besten?

Eine der vielen Entscheidungen, die du vor der Gründung treffen musst, bezieht sich auf die Rechtsform für dein Unternehmen. Bei vielen unabhängigen Kinos in Deutschland handelt es sich um Einzelunternehmen oder um Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR).

Um deine persönliche Haftung zu beschränken, kannst du auch eine GmbH gründen. Das setzt aber mehr Startkapital voraus (die Mindesteinlage beträgt 25.000 EUR) und bedeutet mehr Bürokratie. Ein Notar muss eingeschaltet und ein Vertrag aufgesetzt werden.

Die Unternehmergesellschaft (UG) - als kleine Schwester der GmbH - kann praktisch ohne Einlage gegründet werden. Rücklagen aus dem Gewinn verbleiben so lange im Unternehmen, bis 25.000 EUR zusammen sind und die UG in eine GmbH umgewandelt wird. Diese Rechtsform gilt aber allgemein als weniger kreditwürdig, sofern du nicht privat für deine Kredite haftest.

Auch außergewöhnliche Rechtsformen wie die Genossenschaft, der Verein oder die gemeinnützige GmbH kommen für deine Gründung in Betracht, vor allem wenn es sich bei deinem Vorhaben eher um ein Liebhaberprojekt handelt.

Was kostet es, ein Kino zu eröffnen?

Ein Kino zu eröffnen ist keine Kleinigkeit. Du brauchst geeignete Räume, das heißt mindestens einen Kinosaal mit Aufführungsraum, Toiletten für Personal und Besucher, ein Foyer, eine Kasse und ein Büro. Dann fehlt natürlich noch die Ausstattung: bequeme Kinosessel, eine Leinwand, digitale Projektoren und Datenserver, Soundanlagen, Tresen, Beleuchtung, Dekoration etc. Und schließlich kommen noch so unprätentiöse, aber unverzichtbare Dinge wie Heizungs- und Belüftungsanlage, Schallschutz, Rauchmelder und Feuerlöscher hinzu. 

Zwar kannst du viel Geld sparen, wenn du gut erhaltene Kinoeinrichtung und Technik aus zweiter Hand erwirbst. Aber zu spartanisch sollte deine Ausstattung nicht sein. Die Ansprüche des Kinopublikums sind hoch. Du musst ihm schon ein einzigartiges Kinoerlebnis verschaffen, wenn es wiederkommen soll. 

Wie hoch die Kosten für dein Kino ausfallen, hängt unter anderem von der Größe und der Lage ab. Dir bleibt nichts anderes übrig, als jeden Posten einzeln zu recherchieren.

Für eine bessere Übersicht lohnt es sich, die Kosten in drei Blöcke zu unterteilen (wir zählen hier nur beispielhaft ein paar der Dinge auf, für die du Geld ausgeben wirst):

1. Gründungskosten und Investitionen

Beratung, Weiterbildung, Notarkosten, Maklergebühren etc.
Immobilienkauf, Umbaukosten, Ausstattung etc.

2. Laufende Fixkosten (fix = unabhängig vom Umsatz)

Miete/Pacht, Strom, Heizung, Personal, Versicherungen, Marketing, Rückzahlung von Darlehen etc.

3. Laufende variable Kosten (variabel = abhängig vom Umsatz)

Filmmiete (inkl. aller Abgaben), Wareneinkauf

Wann ist dein Kino rentabel?

Wenn du deine Kosten kennst, kannst du ausrechnen, ob bzw. ab wann dein Kino rentabel sein wird. Dafür sind folgende Schritte notwendig:

1. Schätze ab, mit wie vielen Kinobesuchern du rechnen kannst, also wie hoch die durchschnittliche Auslastung sein wird. Nutze hierfür unter anderem die Ergebnisse deiner Marktforschung und Erfahrungswerte aus der Kinobranche.

2. Überschlage, wie viel Umsatz du im Durchschnitt pro Besucher machst, und ziehe davon die variablen Kosten für Filmmiete und Wareneinkauf ab. Besorge dir dafür, wenn möglich, Zahlen von Kinos, die deinem sehr ähnlich sind.

3. Multipliziere Punkt 1 (Besucheranzahl) mit Punkt 2 (Umsatz/Besucher) und ziehe das Ergebnis von deinen laufenden Fixkosten ab – fertig.

Wir raten dringend, bei den Umsatzprognosen nicht zu optimistisch zu sein. Eine durchschnittliche Auslastung von 14 Prozent ist nach einer Studie aus dem Jahr 2014 schon sehr gut und wird sicher nicht vom ersten Tag an erreicht. Sicherheitshalber solltest du mit weniger rechnen, ganz besonders in den ersten Monaten nach der Gründung.

Hinzu kommt, dass das Kinogeschäft ein Saisongeschäft ist, das starken Schwankungen unterliegt und nur bedingt planbar ist. So hat zum Beispiel der lange, heiße Sommer 2018 in Verbindung mit der Fußball-WM dazu geführt, dass deutlich weniger Tickets verkauft wurden als im Jahr zuvor.

Finanzierung und Förderung für deine Kino-Gründung

Im Vergleich zu anderen Gründungen erfordert eine Kinoeröffnung sehr hohe Investitionen. Wahrscheinlich wirst du mit deinem Eigenkapital nicht auskommen – schließlich musst du nicht nur das Geld für die Ausstattung deines Kinos aufbringen, sondern auch für die laufenden Kosten in den ersten Monaten. Rechne damit, dass ein bis eineinhalb Jahre ins Land ziehen, bis die monatlichen Einnahmen die Ausgaben übersteigen.

Für die Finanzierung deiner Existenzgründung kannst du klassische Bankkredite beantragen und sie mit öffentlichen Fördermitteln kombinieren. Die KfW und die Investitions- und Förderbanken der Länder unterstützen Existenzgründungen durch günstige Darlehen, Bürgschaften oder Zuschüsse. Auf der Gründerplattform findest du eine Liste passender Förderbanken.

Da Kino ein wichtiges Kulturgut ist, kannst du über die übliche Gründungsförderung hinaus auch Kulturförderung beantragen. Mach dir aber nicht zu große Hoffnungen: Diese Förderung beträgt im Durchschnitt weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes eines Kinos. Sie ist ein nettes Extra, wird aber niemals reichen, um ein unwirtschaftliches Kino am Leben zu erhalten.

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Werbung muss sein

Wenn du den Saal vollkriegen willst, musst du deine Filmvorführungen bewerben. Das war schon immer so. Während Kinowerbung früher vor allem in Printmedien gemacht wurde (Zeitung, Plakate), spielt heute die Onlinewerbung eine größere Rolle.

In diesem Zusammenhang ist eine eigene Website für dein Kino nahezu unverzichtbar. Idealerweise kann man dort nicht nur das aktuelle Kinoprogramm schnell finden, sondern auch direkt E-Tickets erwerben.

Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten, für dein Kino zu werben. Überlege dir ein effizientes Marketingkonzept, mit dem du auf dein Kino und das jeweils aktuelle Programm aufmerksam machst, ohne dich finanziell und personell zu überfordern. Neben Social-Media-Aktionen können auch Zeitungsannoncen, Flyer und Aushänge darin einen Platz haben. Auch nicht zu vergessen: Die lokale Presse, mit der du von Anfang an eng zusammenarbeiten solltest.

Ein gutes Mittel, um neue Kunden zu gewinnen und Stammkunden zu binden, sind besondere Aktionen. Schon bei der Eröffnung deines Kinos solltest du es ordentlich krachen lassen, um zum stadtweiten Gesprächsthema zu werden. Aber auch im laufenden Geschäft solltest du dein Publikum immer wieder durch besondere Filmreihen, mit Previews, Double Features und anderen Aktionen überraschen

Was kannst du für die Kundenbindung tun?

Vor allem kleinere Kinos und Programmkinos leben in der Regel von einem treuen Stammpublikum. Deshalb solltest du dir früh überlegen, wie du aus neugierigen Erstkunden zufriedene Stammkunden machst, die gerne wiederkommen. Monatskarten oder andere Abo-Modelle können attraktiv sein, aber auch ein Newsletter, der mit spannenden Rezensionen auf die neuen Filme neugierig macht, kann Wirkung zeigen.

Wenn du in einer größeren Stadt mit mehreren unabhängigen Kinos bist, zögere nicht, Kontakt zu ihnen herzustellen. Nur weil ihr theoretisch in Konkurrenz steht, heißt das nicht, dass ihr nicht auch gemeinsame Interessen habt. Vielleicht könnt ihr eine gemeinsame Rabattkarte anbieten oder ein kleines Festival auf die Beine stellen?

Auch eine Kooperation mit Unternehmen oder Institutionen, die sich in der Nachbarschaft deines Kinos befinden, kann sich lohnen. Was spricht dagegen, das Kino zum Beispiel mal für eine Lesung zu nutzen, die der Buchladen um die Ecke organisiert? Oder mit dem kleinen Café von gegenüber zu vereinbaren, dass ihr euch mit Gutscheinaktionen gegenseitig unterstützt?

Die Zielgruppe immer im Blick

Es gibt so viele Möglichkeiten, Werbung zu machen, dass man sich schnell verzettelt. Damit das nicht passiert, solltest du dich konsequent an deiner Zielgruppe orientieren: Wo und wie erreichst du dein Publikum am besten? Welche Gewohnheiten haben diese Leute? Welche Medien nutzen sie? Welche Argumente ziehen bei ihnen? Statt Hals über Kopf aktiv zu werden, lohnt es sich, eine auf diese Fragen abgestimmte Marketingstrategie zu entwickeln. Einen geeigneten Rahmen dafür bietet dir dein Businessplan.

Außerdem kannst du dir das Leben einfacher machen, indem du das Marketing teilweise an einen spezialisierten Dienstleister auslagerst. Diese Firmen stellen nicht nur komplette Content-Management-Systeme für deine Website bereit, sondern binden nach Bedarf auch deine Pressearbeit, deine Social-Media-Aktivitäten und das E-Ticketing ein.

Personal

Personalkosten können deine laufenden Kosten sehr schnell in die Höhe treiben. Wenn du bereit bist, auch mal selbst an der Kasse zu sitzen oder zwischen den Vorstellungen zum Staubsauger zu greifen, kannst du viel Geld sparen. Das ist vor allem in der Anlaufphase sinnvoll. Aber irgendwann sollte dein Kino genug Geld einbringen, um das nötige Personal bezahlen zu können. Mit Verwaltung, Marketing, Pressearbeit und Programmplanung wirst du nämlich alle Hände voll zu tun haben.

Wie viele Leute du brauchst und welche Qualifikation sie mitbringen sollten, hängt von der Größe und der Ausrichtung deines Kinos ab. Die meisten Tätigkeiten sind schnell erlernbar und können gut in Teilzeit erledigt werden. Sie sind deshalb bei Studierenden und Schüler*innen sehr beliebt.

Du kannst diese Teilzeitkräfte flexibel einbinden und gehst – anders als bei festangestellten Mitarbeitenden – keine allzu hohen Verpflichtungen ein. Allerdings ist die Schichtplanung nicht ganz ohne und erfordert ein gewisses Organisationstalent. Am besten, du baust dir einen Pool von zuverlässigen Leuten auf, die du bei Bedarf auch spontan anrufen kannst, falls jemand plötzlich ausfällt.

Bei der Auswahl für dein Team solltest du darauf Wert legen, dass die Chemie zwischen euch stimmt und, dass deine Leute die zentralen Werte teilen, für die dein Kino steht. Außerdem sind Gastronomieerfahrung, Kundenorientierung und handwerkliches Geschick von Vorteil.

Gemeinsam mehr erreichen: Kino-Dachverbände

Als Kinobetreiber*in hast du ein vielfältiges Aufgabengebiet. Aber keine Sorge: Du musst dich nicht jedem Problem alleine stellen. In Deutschland gibt es verschiedene Kino-Verbände, denen du dich anschließen kannst. Sie fördern den Austausch untereinander und treten auf bundespolitischer Ebene für die Interessen ihrer Mitglieder ein. Zu ihnen gehören die AG Kino – Gilde e.V. und der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF).

Besonders hervorzuheben ist die Cineplex-Gruppe, in der knapp 90 Programmkinos in Deutschland organisiert sind. Ihre Mitglieder profitieren unter anderem von günstigeren Vertragsbedingungen beim Filmeinkauf, einem gemeinsamen Markenauftritt und von bundesweiten Werbemaßnahmen, bleiben aber ökonomisch eigenständig und legen ihre Programme selbst fest.

Fazit

Wir wollen es nicht schönreden: Ein neues Kino zu eröffnen oder ein Bestehendes übernehmen zu wollen, ist ein mutiger Schritt. Die Arbeit, die vor dir liegt, und die Kosten sind beträchtlich. Gleichzeitig ist durch kleine Filmtheater und große Kinoketten, sowie durch Streamingdienste und Onlineunterhaltung, einige Konkurrenz vorhanden. Aber trotzdem: Mit Leidenschaft, einem durchdachten Geschäftskonzept und einem guten Gespür für deine Zielgruppe kannst du deine Nische finden. Dann wird dein Kino vielleicht zu einem lebendigen Zentrum des Miteinanders und der Filmkultur in deiner Stadt! 

Wie bei jedem guten Geschäftsmodell kommt es vor allem auf eine sorgfältige Kalkulation deiner Ausgaben und Einnahmen an. Wenn es um die Einschätzung deiner zukünftigen Besucherzahlen geht, solltest du dich nicht einfach auf allgemeine Statistiken verlassen. Teste die Annahmen, die deiner Kalkulation zugrunde liegen, am besten frühzeitig selbst. Je konkreter du belegen kannst, dass die Leute deine Filme wirklich sehen wollen und dein Kino lieben werden, desto besser.

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bhp