Was das mit Kleinunternehmer­regelung, Kleingewerbe und Solopreneurship zu tun hat

Kleinunter­nehmen gründen

Der Gedanke daran, dein Angestelltenverhältnis oder die klassische Jobsuche einfach hinter dir zu lassen und dein eigenes kleines Unternehmen zu gründen, lässt dein Herz höherschlagen? Vielleicht ist die klassische Selbstständigkeit genau dein Ding, oder du hast dich auch schon von dem neuen Konzept des Solopreneurship begeistern lassen? Oder du willst das alles nur nebenberuflich? In jedem dieser Fälle hast du gerade großartige Chancen, denn es gab in Deutschland nie eine bessere Zeit, um selbst zu gründen, als heute. Das Informationsangebot ist breit und die Möglichkeiten der Förderung und Finanzierung sind insgesamt stark gewachsen.

Aber natürlich gibt es auch ein paar Knackpunkte und grundlegende Fragen, die zuerst gut durchdacht und beantwortet werden müssen. In diesem Beitrag erfährst du, was es bedeutet, ein Kleinunternehmen zu gründen und was du dabei beachten solltest. Es gibt auch einige verwandte Begriffe, wie die Kleinunternehmerregelung oder das Kleingewerbe, die den allgemeinen Begriff des Kleinunternehmens umschwirren – da lohnt es sich, mal genau hinzuschauen.

Was ist ein Kleinunternehmen?

Zuallererst wollen wir den Begriff Kleinunternehmen einordnen, denn es ist oft nicht klar, was damit eigentlich gemeint ist. Ein Kleinunternehmen ist keine eigene Rechtsform oder festgelegte Unternehmensform. Wenn man umgangssprachlich von einem Kleinunternehmen spricht, meint man wahrscheinlich eines mit wenigen Mitarbeitenden, zum Beispiel einen kleinen Laden oder ein paar Freund*innen, die sich zusammen selbstständig machen, um eine Dienstleistung anzubieten. Eventuell verbindet man damit auch einen eher geringen Umsatz, aber dafür auch ein überschaubares Risiko und einen kleineren Management- und Verwaltungsaufwand. Das alles kann zutreffen, muss es aber nicht.

Um eine Vorstellung zu gewinnen, was ein Kleinunternehmen ist, ist die Definition der Europäischen Kommission für die sogenannten kleinen und mittleren Unternehmen (in Deutschland spricht man von kleinen und mittelständischen Unternehmen), kurz KMU genannt, interessant. Diese legt genaue Größenschwellen fest, die nicht unbedingt „klein“ sind:

Unternehmensgröße Zahl der Beschäftigten Umsatz EUR/Jahr Bilanzsumme EUR/Jahr
kleinst bis 9 bis 2 Millionen bis 2 Millionen
klein bis 49 bis 10 Millionen bis 10 Millionen
mittel bis 249 bis 50 Millionen bis 43 Millionen

Wenn du dich in der Geschäftswelt etwas auskennst, denkst du bei dem Begriff Kleinunternehmen wahrscheinlich auch schnell an die oben erwähnten Fachbegriffe Kleinunternehmerregelung und Kleingewerbe. Beide Begriffe bezeichnen konkrete Sonderregelungen, die man kennen sollte, um Missverständnisse zu vermeiden. Zu diesen Details kommen wir gleich, denn bestimmt interessiert dich zunächst viel mehr, wie man überhaupt ein Kleinunternehmen gründet.  

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Wie gründe ich ein Kleinunternehmen?

Deine Geschäftsidee finden

Zur Gründung eines (Klein-)Unternehmens brauchst du erstmal eine gute Geschäftsidee. Du hast schon eine? Großartig, dann prüfe, wie stark sie ist und nutze die zahlreichen Tipps, die dir die Gründerplattform bietet! Du hast noch keine Idee? Macht auch nix. Schau dir einfach bei uns auf der Gründerplattform den Bereich Geschäftsideen an und lass dich inspirieren. Manchmal kann man auch gut zu Ideen kommen, wenn man mit einem unternehmerischen Blick die ganz alltäglichen Probleme durchdenkt, die einem ständig begegnen. Vielleicht fällt dir irgendwo eine bessere, angenehmere, nachhaltigere oder sozialere Lösung ein, die anderen ihr Geld wert wäre?

Dein Geschäftsmodell entwickeln und testen

Hast du deine Idee gefunden, steht als nächstes einer der wichtigsten Schritte auf deinem Weg in ein erfolgreiches Unternehmerleben an: die Entwicklung deines Geschäftsmodells. Hier durchdenkst, überprüfst und entwickelst du deine Anfangsidee so lange, bis du ein wasserdichtes Geschäftsmodell aufgestellt hast. Dabei stellst du dir konkrete Fragen, wie z.B.

  • Was bietest du deinen Kunden an und wie soll das genau funktionieren?
  • Wer sind deine Kunden und warum wird dein Angebot sie überzeugen?
  • Welche Rolle spielst du, was/wen brauchst du, wie kommt dein Geld rein?
Person benutzt einen Laptop

Für deine nächsten Schritte kommt es nun natürlich darauf an, auf welche Art von Gründung du abzielst. Willst du zum Beispiel:

Ein klassisches Geschäftsmodell anwenden und beispielsweise eine Pizzeria oder einen Friseursalon gründen? Dann steht eine genaue Marktanalyse an: Welche Konkurrenten gibt es schon, in welcher Gegend macht eine Neugründung Sinn? Wenn es dort schon ähnliche Angebote gibt, was ist das Alleinstellungsmerkmal, das dein Geschäft von den anderen abheben wird? Was ist deine Nische am Markt?

Oder geht es dir darum, ein etabliertes Geschäftsmodell weiterzuentwickeln? Vielleicht hast du eine Idee, um das Problem, um das es geht, einen Tick besser zu lösen als bisher. Oder du möchtest das existierende Angebot abwandeln und es entweder einfacher machen oder es mit einer neuen Facette bereichern. Dann frage dich, ob deine Lösung für deine Kunden so überzeugend ist, dass sie ihre alten Gewohnheiten dafür aufgeben wollen. Welche Gründe gibt es dafür, dass an der alten Lösung festgehalten wird?

Wenn du eine ganz neue Idee verfolgst, ist deine wichtigste Aufgabe, dein Geschäftsmodell gründlich zu testen und Folgendes herauszufinden: Funktioniert das Ganze technisch und wirtschaftlich? Sprich deine Idee doch mal mit Freund*innen und Expert*innen durch, entwickle einen möglichst unkomplizierten Prototypen und teste, wie deine Zielgruppe darauf reagiert. Bedienst du gezielt die Bedürfnisse deiner Kunden? Und zu guter Letzt: Passt die Tätigkeit wirklich gut zu dir und macht dir Spaß? Das ist wichtig, damit du motiviert bleibst und auch mal zähe oder schwierigere Zeiten gut überstehst.

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Wenn dein Geschäftsmodell steht, geht es weiter. Lass dich auf der Gründerplattform durch die verschiedenen Schritte, wie Businessplan, Förderung, Finanzierung, Rechtsform und Umsetzung leiten.

Kleines Unternehmen, große Möglichkeiten: Der Solopreneurship-Trend

Wenn dir die Gründung eines Kleinunternehmens vorschwebt, mach dich auf jeden Fall mit dem neuen Konzept des „Solopreneurship“ vertraut. Der Begriff wurde aus den Worten „solo“ und „Entrepreneur“ zusammengesetzt und liegt mehr und mehr im Trend. Dabei geht es um eine neue Art zu gründen, die stark an die neuen Möglichkeiten durch den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt gekoppelt ist. Als Solopreneur*in stellst du deine Unabhängigkeit in den Vordergrund und bleibst dafür ganz bewusst als Unternehmen schlank und als Unternehmer*in solo, das heißt ohne Angestellte oder Mitgesellschafter*innen. Im Gegensatz zum klassischen Freelancertum arbeitest du nicht an Projekten anderer, sondern an deinen eigenen, denn du verkaufst nicht deine Arbeitszeit, sondern die Ergebnisse deiner Arbeit. Du entwickelst also ein eigenes Produkt – meistens technisch oder digital – und wirst damit zum/zur Entrepreneur*in. Auf diese Weise deinen Wunsch vom eigenen Kleinunternehmen zu verwirklichen, kann ein idealer Weg sein.

Es gibt hier übrigens eine besonders erfolgversprechende Strategie: Denke dein Produkt gleich in verschiedenen Versionen durch. Der Kern deines Geschäftes ist natürlich dein Standardprodukt, das du gut durchdacht und getestet hast. Nun kannst du dir zusätzlich eine Lightversion und eine Premiumversion überlegen. Die Lightversion sollte massentauglich sein und dich möglichst wenig Zeit und Geld kosten, denn dann kannst du diese sehr preiswert – oder auch umsonst – unter deine Kunden bringen, um dich bekannt zu machen und von deiner guten Arbeit zu überzeugen. Ein typisches Beispiel wäre hier ein allgemeines Webinar. Die Premiumversion hingegen kann dein absolutes Luxusprodukt sein. Hier gibst du alles und bietest ein Spezialprodukt, das voll und ganz auf die speziellen und individuellen Wünsche deiner Kunden zugeschnitten ist. Dafür nimmst du dann aber auch einen angemessenen Preis.  

Das alles bitte als Sidepreneur?

Vielleicht möchtest du dein Kleinunternehmen auch „nur“ nebenberuflich oder saisonal betreiben? Dann passt du auch in einen Trend, und zwar in einen, den es in Deutschland schon länger gibt. Schau dir dazu auch unsere Geschäftsideen für nebenberuflich Selbstständige an. Du könntest übrigens auch erwägen, deine Elternzeit zu nutzen, um dein eigenes kleines Business zu starten. Und noch ein kleiner Tipp: Erkundige dich, wie dieses Thema in deinem Beschäftigungsverhältnis geregelt ist. In manchen Fällen brauchst du eine Erlaubnis der Chefetage.

An dieser Stelle kommen wir nun auch wieder zu den Themen Kleinunternehmerregelung und Kleingewerbe, denn diese beiden Sonderregelungen können sich vor allem dann für dich lohnen, wenn du nebenberuflich und/oder als Einzelunternehmer*in selbstständig sein willst.

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Kleinunternehmer­regelung und Kleingewerbe – was ist das und für wen ist das geeignet?

Erstmal ist es wichtig, sich klarzumachen, dass das Kleingewerbe und die Kleinunternehmerregelung thematisch nichts miteinander zu tun haben – denn sie werden oft fälschlicherweise in einen Topf geworfen. Das Kleingewerbe ist eine Ausnahmeform in der Welt des Gewerbes, in der dein Unternehmen von den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) und der Eintragspflicht in das Handelsregister befreit bleibt. Die Kleinunternehmerregelung ist eine steuerliche Sonderregelung, die dich von der Umsatzsteuer (das Gleiche wie die Mehrwertsteuer) befreit (§ 19 UstG). 

Während ein Kleingewerbe als Rechtsform nur das Einzelunternehmen und die GbR zur Wahl hat, ist die Nutzung der Kleinunternehmerregelung in den meisten Formen der Freiberuflichkeit oder Gewerbebetreibung möglich. Als Kleingewerbe kannst du also die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, wenn sich das für dich lohnt. Umgekehrt lohnt sich die Kleinunternehmerregelung meistens vor allem für Einzelunternehmen, daher gibt es hier auch letztendlich viele Überschneidungen.

Die beiden „Kleinformate“ haben also keinen thematischen Zusammenhang, aber Gemeinsamkeiten in ihrer Nutzbarkeit:

Erstens handelt es sich bei beiden um rechtliche Sonderregelungen für Unternehmen, die dafür konkret festgelegte Umsatzgrößen nicht überschreiten:

Um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, liegt die maximale Grenze bei einem Gesamtumsatz von 22.000 EUR im letzten Kalenderjahr und einer Umsatzerwartung von 50.000 EUR für das laufende Jahr.

Um ein Kleingewerbe zu betreiben, liegt die Grenze der Einnahmen, die dein Unternehmen pro Jahr erwirtschaftet, bei maximal 60.000 EUR Gesamtgewinn oder 600.000 EUR Gesamtumsatz. Diese Grenzen gelten übrigens für alle Gewerbetreibenden, die noch die sogenannte einfache Buchführung nutzen möchten.

Zweitens – und im Zusammenhang damit – lohnt sich die Inanspruchnahme beider Regelungen am ehesten dann, wenn du entweder Einzelunternehmer*in oder nur nebenberuflich oder saisonal selbstständig bist. Denn in diesen Fällen sind die jährlichen Umsätze natürlicherweise niedriger und ein gewisser Verwaltungsaufwand lohnt sich einfach nicht – weder für dich noch für das Finanzamt.

Aber Vorsicht: Lass dich nicht zu schnell von dem beliebten Argument überzeugen, dass die Einsparung von Verwaltungsaufwand, die mit den Sonderregelungen einhergeht, schon an sich ein großer Vorteil ist. In unseren modernen Zeiten ist dieses Argument etwas überholt. Heute kannst du mit praktischen Buchhaltungsprogrammen vieles per Knopfdruck erledigen. Und noch viel wichtiger: Einen soliden Überblick über deine Finanzen zu behalten, hat Top-Priorität. Da kann es äußerst sinnvoll sein, sich regelmäßig die Zeit zu nehmen, sich strukturiert damit zu beschäftigen. Dafür kann dir die monatliche Berechnung deiner Umsatzsteuer für das Finanzamt einen guten Rahmen bieten.

Ein Kleinunternehmen ist keine eigene Rechtsform oder festgelegte Unternehmensform.

Die Kleinunternehmer­regelung lohnt sich vor allem im B2C-Geschäft

Bei der Frage, ob sich die Kleinunternehmerregelung für dich lohnt, gibt es eine hilfreiche Faustregel: Bist du im B2C-Geschäft (Business to Customer statt Business to Business, das als B2B abgekürzt wird) und hast nur geringe Investitions- und Betriebskosten, können niedrigere Preise ein entscheidender Marktvorteil sein. Daher kann sich hier der Preisvorteil durch die Einsparung der Umsatzsteuer lohnen. Im B2B-Bereich gilt dies nicht, da hier die Umsatzsteuer von deinen Kunden wieder verrechnet wird. Bedenke aber, dass es nicht einfach ist, die Preise später anzuheben, wenn sich die Geschäfte entwickeln und du doch mehr Umsatz machen willst. In unserem Beitrag Kleinunternehmerregelung: Ja oder nein? nehmen wir dieses Für und Wider der Kleinunternehmerregelung genau für dich auseinander.

Das Kleingewerbe ist auf zwei Rechtsformen limitiert

Wie schon oben erwähnt, stehen dir als Kleingewerbetreibende*r nur zwei Rechtsformen zur Verfügung. Du kannst entweder Einzelunternehmer*in sein oder mit anderen zusammen eine GbR gründen. Diese Rechtsformen haben bestimmte Vor- und Nachteile. Die Vorteile liegen in der unkomplizierten und kostengünstigen Gründung und Handhabung. Andererseits gibt es den entscheidenden Nachteil, dass du bei beiden möglichen Rechtsformen mit deinem Privatvermögen haftest – bei der GbR auch für deine Teampartner*innen.  Das Risiko, das dir dadurch entsteht, lässt sich aber gut managen, wenn du einen entsprechenden Gesellschaftsvertrag abschließt.

Ein Wort zum Thema Versicherungen

Wenn es um den Abschluss von Versicherungen geht, steht immer eine Abwägung von Kosten und Risiken an. Wenn du ein Kleinunternehmen gründest, können dabei verschiedene Versicherungen für dich interessant sein. Die Betriebs- und/oder Berufshaftpflichtversicherung gilt als besonders wichtig. Geschäftsversicherungen und auch eine Rechtsschutzversicherung können ebenfalls empfehlenswert sein. Deine zuständige Berufsgenossenschaft (bei der du dich immer anmelden musst, wenn du ein Gewerbe betreibst!) übernimmt die betriebliche Unfallversicherung von dir und deinen Beschäftigten. Um deine eigene Kranken-, Unfall-, und Rentenversicherung solltest du dich selbstverständlich ebenfalls gut kümmern.

Fazit

Bei der Gründung eines Kleinunternehmens zählt auf jeden Fall das Motto: kleines Unternehmen, große Möglichkeiten. Ob du dich als Solopreneur*in, Sidepreneur*in oder ganz klassisch selbstständig machst, dir stehen ein breites Informations- und Förderangebot und gute Chancen auf Erfolg bereit, wenn du dein Geschäftsmodell sorgfältig durchdenkst und dir die richtigen Fragen stellst.

Gleichzeitig stehen dir die Ausnahmeregelungen der Kleinunternehmerregelung und des Kleingewerbes zur Verfügung. Diese sind absolut freiwillig für dich und du solltest die Vor- und Nachteile gut abwägen. Meistens lohnen sich diese „Kleinformate“ vor allem dann, wenn du nebenberuflich und/oder als Einzelunternehmer*in selbstständig sein willst.

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bhp