Kleingewerbe genau verstehen

Die Gewerbe-Light-Version

Wenn du mit einer selbstständigen Tätigkeit in deine berufliche Zukunft starten willst, weißt du vielleicht schon, dass es dabei immer eine Unterscheidung von Gewerbe und freien Berufen gibt. Der Begriff Kleingewerbe steht für eine Möglichkeit, mit einer Art Light-Version in die Welt des Gewerbes einzusteigen. Dein Gewerbe wird dann (noch) nicht ins Handelsregister eingetragen und unterliegt (noch) nicht den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB).

Die Voraussetzung für ein Kleingewerbe ist, dass du die Rechtsform eines Einzelunternehmens oder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wählst und deine jährlichen Einnahmen folgende Grenzen nicht überschreiten: 600.000 EUR Umsatz und 60.000 EUR Gewinn. Natürlich fangen fast alle Gewerbegründer*innen mal klein an und wachsen erst mit der Zeit. Ob dein Unternehmen dann eines Tages diese Schwellen überschreitet, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Insgesamt zeigen Studien, dass ungefähr ein Viertel der deutschen Unternehmen über diese Grenzen kommt.

Zu den beiden oben genannten Rechtsformen lässt sich zusammenfassend sagen, dass sie für ihre Unkompliziertheit bekannt sind, wenn du weder viel Zeit noch viel Geld für deinen Start in die Selbstständigkeit aufwenden willst. Daher kannst du das Kleingewerbe auch gut als Einstiegsmodell betrachten.

Grundsätzlich herrscht oft viel Unklarheit darüber, was es mit dem Kleingewerbe genau auf sich hat und für wen dieses Modell sinnvoll ist. Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Ganz kurz und knapp können wir dir gleich sagen: Ein Kleingewerbe zu betreiben lohnt sich besonders in zwei Fällen. Erstens, wenn du Einzelunternehmer*in bist und zweitens, wenn du nebenberuflich oder saisonal selbstständig bist und deine Umsätze dadurch natürlicherweise niedriger sind.

Was genau ist ein Kleingewerbe?

Kleingewerbe vs. Kleinunternehmerregelung

Zuallererst: Ein Kleingewerbe hat nichts mit der Kleinunternehmerregelung zu tun, außer, dass es sich bei beiden um gewisse rechtliche Ausnahmeregelungen für Unternehmen handelt, deren jährlicher Umsatz unterhalb der jeweils festgelegten Grenzen bleibt. Ansonsten geht es bei den Begriffen um völlig unterschiedliche Themen. Beim Kleingewerbe geht es um eine Ausnahme, die dich von den Vorschriften des HGB und des Handelsregisters befreit. Bei der Kleinunternehmerregelung geht es um eine steuerrechtliche Ausnahme: Du kannst dich damit von der Umsatzsteuer befreien lassen (Wann sich das für dich lohnt, erfährst du in unserem Ratgeber "Kleinunternehmerregelung: Ja oder nein?")
Mach dir außerdem bewusst: Ganz unterschiedliche Typen von Freiberufler*innen und Gewerbetreibenden können die Kleinunternehmerregelung nutzen. Der Begriff Kleingewerbe ist hingegen auf den Gewerbebereich zugeschnitten und auf zwei Rechtsformen limitiert.

Umsatzgrenzen

Eine entscheidende Voraussetzung, um ein Kleingewerbe zu betreiben, sind die Einnahmen, die dein Unternehmen pro Jahr erwirtschaftet. Dafür gibt es zwei Grenzsetzungen:

  • Maximal 60.000 EUR Gesamtgewinn pro Jahr
  • Maximal 600.000 EUR Gesamtumsatz pro Jahr

Das Wort ‚Gesamtumsatz‘ bezieht sich hier auf die Gesamtsumme der umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen, die dein Unternehmen im Gegenzug für seine Lieferungen und Leistungen erhalten hat. Es ist wichtig, das richtig zu verstehen: Es geht hier um den Brutto-Betrag. Das heißt, dass die Umsatzsteuer (das ist übrigens das Gleiche wie die Mehrwertsteuer) in den Gesamtbetrag mit hineingerechnet wird.
Die selben Grenzen gelten übrigens für alle Gewerbetreibenden, wenn es darum geht, welche Art der Buchführung vorausgesetzt wird. Bleibt man unterhalb der Grenzen, reicht die sogenannte einfache Buchführung, überschreitet man sie, ist eine doppelte Buchführung notwendig.

Für dein Kleingewerbe brauchst du also nur die einfache Buchführung. Das ist ein Vorteil für dich, da es unkomplizierter und weniger aufwendig ist. Wir kommen gleich, bei der Abwägung der Vor- und Nachteile des Kleingewerbes, nochmal darauf zurück.

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Kleingewerbe vs. Handelsgewerbe

Die Feinheiten um den Gewerbebegriff sind im HGB geregelt. Der allgemeine Gewerbebegriff steht für alle gewinnorientierten, selbstständigen Tätigkeiten mit Ausnahme der freien Berufe (zum Beispiel Ärzt*innen, Anwält*innen, Architekt*innen, oder Journalist*innen) und der Urproduktion (zum Beispiel Land- und Forstwirte*innen).
Von einem Kleingewerbe spricht das HGB, wenn „das Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert” (§ 1 Abs. 2 HGB). In anderen Worten bedeutet das: Bei einem relativ niedrigen Geschäftsumfang lohnt sich der Verwaltungsaufwand, der mit den Vorschriften des HGB einhergeht, weder für dich noch für das Finanzamt und du bleibst davon befreit. Damit ist das Kleingewerbe von dem Konzept des Handelsgewerbes abgegrenzt, das den Vorschriften des HGB unterliegt.

Die Begriffe Kaufmann und Kaufleute sind übrigens konkrete Rechtsbegriffe im Sinne des HGB. Im rechtlichen Sinne fällst du insbesondere dann in diese Kategorie, wenn du ein Handelsgewerbe betreibst. Mit einem Kleingewerbe hingegen gehörst du nicht dazu. Denn, wie schon oben erwähnt, bleibst du außerhalb des HGB-Rahmens. Stattdessen bleibst du rechtlich eine Privatperson unter der Gesetzgebung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Das gilt zum Beispiel auch für Freiberufler.
Zusammengefasst kann man sagen, dass Kaufleute im Allgemeinen strengeren Regeln unterliegen. Ein Beispiel dafür ist, dass der gewöhnliche Verbraucherschutz für sie nicht gilt. Es wird erwartet, dass sie sich mit den geschäftlichen Spielregeln gut auskennen – vor allem in ihrer Branche. Aber natürlich hast du auch als Privatperson in keiner Weise einen Freifahrtschein für ein unangemessenes Verhalten.

Kleingewerbe-Rechtsformen

Ein Kleingewerbe ist keine Rechtsform. Trotzdem spielt das Thema Rechtsform im Kontext des Kleingewerbes eine wichtige Rolle. Das liegt daran, dass die Wahl deiner Rechtsform bei der Gründung eines Kleingewerbes stark eingeschränkt ist. Du kannst entweder Einzelunternehmer*in sein oder als Team eine GbR gründen. Alle anderen Rechtsformen sind ausgeschlossen, da sie nur im Rahmen der Rechtsgrundlage des HGB möglich sind, in den das Kleingewerbe ja nicht fällt.

Das Einzelunternehmen ist oft eine beliebte Rechtsform, da es sehr unkompliziert und kostengünstig zu gründen ist. Bei der GbR ist das ähnlich, aber sie bezieht mehrere Personen ein. Beide Rechtsformen sind nicht haftungsbeschränkt. Das bedeutet, dass alle Gesellschafter*innen mit ihrem Privatvermögen haften – im Falle der GbR auch füreinander, wenn dies nicht ausgeschlossen wird. Es ist daher immer eine gute Idee, einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag aufzusetzen, der das Verhältnis der Gesellschafter*innen zueinander regelt. Ein wichtiger Punkt an dieser Stelle ist übrigens: Eine GbR entsteht automatisch, sobald sich mehrere Personen zusammentun. Mach dir auf jeden Fall bewusst, was das bedeutet, wenn du im Team gründest.
Sobald dein Unternehmen die vorgesehenen Grenzen an Umsatz und/oder Gewinn überschreitet, verändert sich deine Rechtsform. Dein kleingewerbliches Einzelunternehmen wird dann zur Rechtsform Kaufmann e.K. und eure GbR zu einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG).

Ein Kleingewerbe zu betreiben lohnt sich besonders in zwei Fällen. Erstens, wenn du Einzelunternehmer*in bist und zweitens, wenn du nebenberuflich oder saisonal selbstständig bist.

Für wen es sich lohnt: Vor- und Nachteile abwägen

Noch einmal das Thema Rechtsform

Hier bleiben wir gleich beim Thema Rechtsformen. Das ist hier ein entscheidender Punkt. Denn da die Kleingewerbebetreibung eben nur in der Rechtsform des Einzelunternehmens oder der GbR möglich ist, gelten die Vor- und Nachteile dieser Rechtsformen natürlich auch für das Kleingewerbe. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorteile in der unkomplizierten Gründung und Handhabung liegen. Es gibt keine größeren Kosten oder Wartezeiten und du brauchst kein Startkapital. Andererseits ist der entscheidende Nachteil – vor allem, wenn du nicht allein gründest – dass dir keine Rechtsform mit beschränkter Haftung zur Verfügung steht.

Andererseits ist die Wahl deiner Rechtsform natürlich auch sonst nicht einfach eine Entscheidung nach Belieben, sondern immer an bestimmte Kriterien geknüpft. Unser Rechtsformfinder hilft dir, die passende zu finden.

Noch einmal das Thema Buchhaltung

Und nun noch einmal zurück zum Thema Buchhaltungsaufwand. Solange dein Unternehmen in den Rahmen des Kleingewerbes fällt, brauchst du – wie gesagt - nur die einfache Buchführung zu betreiben, bei der eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ausreicht. Themen wie doppelte Buchführung und Bilanzierung werden erst dann relevant, wenn du den Vorschriften des HGB unterliegst. Diese Einsparung von Verwaltungsaufwand ist auf jeden Fall praktisch. Es wird auch oft als ein entscheidender Vorteil betont. Hier hilft es aber auch, sich folgendes klarzumachen: Erstens lassen sich in unseren modernen Zeiten viele gängige Verwaltungsaufgaben mit praktischen Buchhaltungsprogrammen meistern, die direkt an Online-Banking-Funktionen und Rechnungsstellung anschließen. Zweitens kann man sich in alles einarbeiten. Mit ein bisschen Mühe und Übung geht einem vieles, was am Anfang sehr kompliziert erscheint, schon nach einiger Zeit ganz leicht und routiniert von der Hand. In jedem Fall ist es immer gut, sich regelmäßig mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen, um immer einen guten Überblick zu behalten.

Taschenrechner, Papier und Stift

Das Kleingewerbe als Nebenerwerb

Wenn du dein Gewerbe nebenberuflich oder saisonal betreiben möchtest, liegst du voll im Trend. Nebenberuflich selbstständig zu sein, ist beliebt und das Kleingewerbe kann ein idealer Rahmen dafür sein, wenn du dich mit einer der beiden möglichen Rechtsformen gut arrangieren kannst. Deine Umsätze und Gewinne werden in so einer Nebenbeschäftigung meistens in den Rahmen passen. Aber ein wichtiger Tipp: Schau in deinen Arbeitsvertrag, wie dieser Punkt in deinem Unternehmen geregelt ist. Eventuell musst du dir dafür eine Erlaubnis von deiner Chefetage  einholen.

So meldest du dein Kleingewerbe an: Kurzanleitung

Wir gehen jetzt Schritt für Schritt alles mit dir durch, was es zu tun gibt, um dein Kleingewerbe anzumelden. Das sieht erstmal nach viel Arbeit aus, ist aber eigentlich überschaubar und geht schneller, als du denkst. Es kann auch Spaß machen, sich den formalen Rahmen für deine Selbstständigkeit oder dein Unternehmen zu erschließen und Kontakte zu den zuständigen Fachleuten zu knüpfen.

Bevor wir mit den einzelnen Schritten loslegen, beachte noch einmal die folgenden Punkte, denn diese sind ausschlaggebend dafür, ob das Kleingewerbe überhaupt der richtige Weg für dich ist:

  • Finde heraus, ob du überhaupt ein Gewerbe anmelden musst. Wenn deine Tätigkeit in die Kategorie Freie Berufe fällt, gelten ganz andere Schritte für dich.
  • Wenn du auf jeden Fall zu den Gewerbetreibenden gehören wirst, überlege dir, ob und welche der beiden möglichen Rechtsformen (Einzelunternehmen und GbR) für dich passt. Wenn keine passt, gelten die folgenden Schritte zwar auch bei anderen Rechtsformen für dich, aber dann kommen noch weitere hinzu.
  • Wenn du auf jeden Fall ein Kleingewerbe betreiben willst – also im Rahmen einer der beiden dafür vorgesehenen Rechtsformen – bist du, genau wie in den Freien Berufen, von der Pflicht befreit, dich ins Handelsregister eintragen zu lassen. Du könntest es trotzdem freiwillig tun, aber das würde höchstens Image-Vorteile für dich haben.
     

Nun zu den konkreten Schritten, um dein Kleingewerbe anzumelden:

  1. Organisiere dir einen Gewerbeschein. Den bekommst du im Idealfall schon online und sonst beim Gewerbeamt oder deinem nächstgelegenen Ordnungsamt. Das hängt einfach davon ab, wo du wohnst, aber sollte ganz leicht herauszufinden sein. Alles, was du sonst noch dazu wissen musst, kannst du in unserem Ratgeber zur Gewerbeanmeldung nachlesen. Wenn du dich im handwerklichen Bereich selbstständig machst, läuft deine Gewerbeanmeldung etwas anders ab. Du lässt dich hier zuerst in die sogenannte Handwerksrolle eintragen und bekommst dann damit einen gesonderten Gewerbeschein, der sich Handwerkskarte nennt.
     
  2. Nach deiner Gewerbeanmeldung schickt dir das Finanzamt deine Steuernummer und einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. In diesem Fragebogen gibst du übrigens auch an, ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchtest oder nicht.
     
  3. Als Nächstes wirst du Mitglied bei einer Kammer. Das ist für alle Gewerbetreibenden und Handwerksleute Pflicht. Erkundige dich, welche IHK oder HWK für dich zuständig ist. Das hängt wieder davon ab, wo du gründest. Erkundige dich hier nochmal, ob du eventuell eine Genehmigung für deine Tätigkeit brauchst. Das ist zum Beispiel oft im handwerklichen Bereich der Fall.
     
  4. Nun meldest du dich bei der Berufsgenossenschaft für deine Branche an, auch dies ist Pflicht. (Beachte auch, dass es hier eine Frist von einer Woche gibt, nachdem du offiziell gegründet hast.) Die Berufsgenossenschaft gehört zur Sozialversicherung und stellt die gesetzliche Unfallversicherung dar.
     
  5. Wenn du in deinem Unternehmen Mitarbeiter einstellst, brauchst du außerdem eine Betriebsnummer von der Bundesagentur für Arbeit (auch wenn es um Auszubildende oder Minijobber geht). Diese Nummer ist für deine Lohnbuchhaltung wichtig. Du kannst sie bequem online über den Betriebsnummernservice der Bundesagentur für Arbeit beantragen.

Übrigens: Bei deiner Gewerbeanmeldung wirst du auch gefragt, ob du dein Unternehmen haupt- oder nebenberuflich gründest. Da geht es nur um die Information, ansonsten wird das keinen Unterschied für dich machen. Und noch ein kleiner Tipp: Es kann ratsam sein, deine Daten nicht für Werbe- und Informationszwecke freizugeben, jedenfalls wenn du nicht mit Werbung überhäuft werden willst.

Wenn du all diese Schritte zur Kleingewerbeanmeldung abgehakt hast, herzlichen Glückwunsch! Das ist ein Grund zu feiern.

Fazit

Das Kleingewerbe ist eine Art Light-Version in der Gewerbewelt, bei der du nicht den Vorschriften des HGB unterliegst und dich nicht ins Handelsregister eintragen lassen brauchst. Als Kleingewerbe kannst du entweder Einzelunternehmer*in sein oder mit anderen eine GbR gründen. Außerdem bist du an bestimmte Größenschwellen gebunden, wenn es um deine Einnahmen geht. Dein Vorteil ist eine unkomplizierte und kostengünstige Gründung und die sogenannte einfache Buchführung. Dein Nachteil ist, dass du bei beiden möglichen Rechtsformen mit deinem Privatvermögen haftest – bei der GbR auch für deine Teampartner*innen. Das kannst du aber ausschließen, wenn du einen entsprechenden Gesellschaftsvertrag abschließt. Meistens lohnt sich das Kleingewerbe besonders in zwei Fällen. Erstens, wenn du Einzelunternehmer bist und zweitens, wenn du nebenberuflich oder saisonal selbstständig bist. Mit der Kleinunternehmerregelung, bei der es um die Befreiung von der Umsatzsteuer geht, hat das Kleingewerbe nichts zu tun (du kannst sie aber in Anspruch nehmen, wenn sich das für dich lohnt).

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