Die Geburt eines Kindes ist einer der magischsten Momente im Leben – ein Augenblick voller Spannung, riesiger Freude und neuem Anfang. Hebammen begleiten genau diese Momente. Sie halten Hände, beruhigen, erklären, bestärken und stehen Frauen und Familien in einer der wichtigsten Phasen ihres Lebens zur Seite. Wer Hebamme wird, entscheidet sich nicht nur für einen Beruf, sondern für eine Berufung – so nah am Menschen und Leben – und das jeden Tag.
Doch es ist nicht immer so romantisch, wie es klingt. Die Arbeitsbelastung ist hoch, politische Diskussionen über das Hebammen-Gehalt, Bürokratie und Klinikkapazitäten reißen nicht ab und viele Hebammen kämpfen um bessere Rahmenbedingungen. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – braucht es motivierte Menschen, die sich für diesen einzigartigen Beruf entscheiden.
Wenn du spürst, dass dich das Wunder Geburt fasziniert, wenn Fürsorge gepaart mit medizinischem Interesse und Stärke in dir wohnen, dann könnte ein Hebammenstudium das Richtige für dich sein. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige – von den Voraussetzungen, Hebamme zu werden, über Aufgaben einer Hebamme bis hin zu Tipps, in diesem Beruf selbstständig zu arbeiten.
Was bedeutet „Hebamme werden“?
Hebamme zu werden bedeutet, Frauen und Familien während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett professionell zu begleiten. Hebammen sind medizinische Fachkräfte mit eigenständigem Tätigkeitsbereich. Sie überwachen Schwangerschaften, leiten Geburten, betreuen Neugeborene, beraten im Hinblick auf Stillen und Ernährung und stehen auch emotional unterstützend zur Seite. Neben technischem Know-how brauchst du als Hebamme auch Empathie, Geduld und Feinfühligkeit. So theoretisch das alles klingen mag, eines ist klar: Als Hebamme wirst du temporär zu einer der wichtigsten Personen im Leben einer schwangeren Frau.
Den Beruf der Hebamme gibt es seit mehreren tausend Jahren. Schon in antiken Kulturen begleiteten Frauen als erfahrene Geburtshelferinnen werdende Mütter. 1818 wurde in Deutschland erstmals eine Hebammenausbildung eingeführt. Heute ist das Berufsbild klar geregelt: Hebammen dürfen ihren Beruf nur mit staatlicher Erlaubnis ausüben. Grundlage hierfür ist eine abgeschlossene, anerkannte Ausbildung bzw. ein duales Studium mit anschließender Berufszulassung (Erlaubnispflicht). Erst mit dieser Erlaubnis dürfen Hebammen eigenständig Geburten betreuen und medizinisch handeln.
Wenn du Hebamme werden möchtest, wählst du einen Beruf mit einem extrem hohen Grad an Verantwortung. Diese musst du tragen können. Die Zahl der Totgeburten liegt in Deutschland weit unter 1 Prozent, doch nicht immer kommen Babys lebend oder gesund zur Welt. Und auch Mütter verlassen den Kreißsaal manchmal ganz anders, als sie es sich gewünscht hätten. Diese Fälle sind zwar selten, sollten aber nicht von dir ausgeblendet werden. Gleichzeitig baust du eine enorme Expertise auf und begleitest Menschen in einem ihrer bedeutsamsten und verletzlichsten Momente des Lebens. Der Beruf liegt näher bei Freud als bei Leid, doch Geburt ist nicht immer nur schön – und der Weg ins Leben kann manchmal sehr holprig sein.
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Ausbildung und Studium zur Hebamme
Der Weg in den Hebammenberuf beginnt heute über ein Studium – doch das war nicht immer so. Jahrzehntelang war die klassische schulische Ausbildung mit praktischem Anteil der übliche Einstieg. Erst in den letzten Jahren hat sich durch gesetzliche Änderungen vieles gewandelt. Wer heute Hebamme werden möchte, muss einen akademischen Weg einschlagen, denn der Beruf ist moderner, wissenschaftlicher und medizinisch komplexer geworden.
Entwicklung: Von der klassischen Ausbildung zum Studium
Bis 2020 erfolgte die Qualifizierung zur Hebamme über eine schulische Ausbildung an Hebammenschulen, kombiniert mit praktischen Einsätzen in Kliniken und Geburtshäusern. Mit der EU-Richtlinie zur Akademisierung der Hebammen kam der Wandel: Um den steigenden medizinischen Anforderungen gerecht zu werden, wurde die klassische Ausbildung schrittweise durch ein duales Studium ersetzt.
Heute führt der Weg zum Beruf über den Studiengang „Hebammenwissenschaft“, mit dem Abschluss Bachelor of Science. Die Studieninhalte umfassen Medizin, Anatomie, Psychologie, Still- und Bindungsforschung, Notfallmanagement sowie wissenschaftliches Arbeiten. Daneben erlebst du umfangreiche Praxiseinsätze – denn eine Geburt zu leiten, kann natürlich nicht nur auf dem Papier erlernt werden. Ziel deines Hebammenstudiums ist es, dich sowohl theoretisch als auch klinisch optimal auf die komplexe Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen vorzubereiten.
Doch warum der Wandel? Wir haben die Gründe für dich leicht verständlich zusammengetragen:
- Weil die EU ein Studium für Hebammen vorschreibt
- Um Hebammen besser und moderner auszubilden
- Damit Hebammen wissenschaftlich fundiert arbeiten können
- Damit sich der Beruf weiterentwickeln und stärker anerkannt wird
- Für eine höhere Qualität in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
- Um Theorie und Praxis besser zu verbinden
- Damit der Abschluss europaweit vergleichbar und anerkannt ist
Schauen wir uns das Gesetz einmal genauer an...
Das Hebammengesetz und die Akademisierung seit 2020
Das neue Hebammengesetz trat 2020 in Kraft und modernisierte den Beruf der Hebamme grundlegend. Die Regierung reagierte damit auf die wachsenden fachlichen Anforderungen in der Geburtshilfe, die zunehmende Komplexität medizinischer Abläufe und internationale Standards der Ausbildung. Der Kerninhalt: Die bisherige schulische Ausbildung zur Hebamme wurde abgeschafft und durch einen Studiengang an einer Hochschule ersetzt.
Während du vielleicht langjährige Hebammen kennst, die eine Ausbildung genossen haben, musst du nun studieren, um Hebamme zu werden. Du absolvierst ein Bachelorstudium in Hebammenwissenschaft an einer Hochschule oder Universität. Doch keine Sorge, auch hier wird Theorie weiterhin eng mit dem praktischen Lernen verknüpft.
Das neue Gesetz definiert klare Anforderungen an Lehrinhalte, Praxisstunden, Prüfungen sowie die staatliche Berufszulassung und steht ganz im Sinne der Sicherheit von Mutter und Kind. Ziel ist es, Hebammen noch besser auf komplexe Schwangerschaftsverläufe, Frühgeborenenversorgung, Risikogeburten und eine evidenzbasierte Betreuung vorzubereiten. Gleichzeitig stärkt die Akademisierung die Profession – sie schafft höhere wissenschaftliche Standards, verbessert internationale Vergleichbarkeit des Abschlusses und eröffnet Absolvent*innen neue Karrierewege in Forschung, Bildung oder klinischer Leitung.
Übrigens: Natürlich musste niemand, der beispielsweise 2019 seine Hebammen-Ausbildung begonnen hat, diese plötzlich abbrechen und es gab auch eine Übergangsfrist für alle, die bereits in den Startlöchern standen: Fachschulische Ausbildungen konnten bis zum 31. Dezember 2022 neu begonnen werden und müssen bis 2027 abgeschlossen sein.
Duales Studium als Hebamme
Das Hebammenstudium ist dual aufgebaut und ein Mix aus wissenschaftlicher Lehre und intensiven Praxiseinsätzen. Die Studiendauer beträgt meist sieben bis acht Semester und schließt mit dem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. In dieser Zeit erwerben Studierende fundiertes theoretisches Wissen, das sie in klinischen Einsätzen und außerklinischen Praxen unmittelbar anwenden.
Die Inhalte reichen von Anatomie, Physiologie und Gynäkologie über Geburtsmechanik, Stillberatung, Neonatologie und Notfallmanagement bis hin zu Ethik, Recht und Kommunikation. Auch wissenschaftliches Arbeiten, Versorgungsforschung und interprofessionelle Zusammenarbeit mit Ärzt*innen, Pflegefachkräften und Sozialdiensten sind zentrale Bestandteile.
Mindestens 2.200 Stunden praktische Ausbildung sind gesetzlich vorgeschrieben – ein Großteil davon findet in Geburtshilfeabteilungen von Kliniken statt. Auch in Hebammenpraxen, Wochenbettstationen, Kinderkliniken und im ambulanten Bereich bist du tätig. Du begleitest reale Schwangerschaften, Geburten und Wochenbettsituationen unter Anleitung erfahrener Fachkräfte. Jede Praxisphase ist eng mit Studienmodulen verknüpft, sodass Theorie und Praxis Hand in Hand gehen.
Das duale Studium qualifiziert dich Schritt für Schritt für alle Aufgaben rund um Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit dem Neugeborenen – praxisnah, wissenschaftsbasiert und mit Blick auf die hohe Eigenverantwortung, die du später in deinem Beruf trägst.
Das Wichtigste im Überblick:
Dauer
- meist 7–8 Semester
- Abschluss: Bachelor of Science (B.Sc.)
Inhalte
- Anatomie, Physiologie, Gynäkologie
- Geburtsmechanik, Still- und Säuglingskunde, Neonatologie
- Notfallmanagement, Ethik & Recht
- Kommunikation, Beratung, wissenschaftliches Arbeiten
Praxisphasen
- mindestens 2.200 Praxisstunden
- Einsätze in Kliniken, Geburtshilfeabteilungen, Wochenbettstationen
- Praktika bei freiberuflichen Hebammen & außerklinischen Einrichtungen
- enge Verzahnung von Theorie und Praxis, begleitet durch Fachpersonal
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Voraussetzungen für dein Hebammenstudium
Da die Geburtshilfe seit 2020 vollständig akademisiert ist, gelten klare Zulassungsvoraussetzungen für das Studium. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl schulische Leistungen als auch deine persönliche Eignung.
Schulische Qualifikation: Welche Abschlüsse brauchst du?
Um Hebamme zu werden, benötigst du in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung. Das bedeutet:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder
- Fachhochschulreife (Fachabitur) oder
- Mittlere Reife mit anschließender Pflegeausbildung (muss meist im Einzelfall geprüft werden)
- ein gleichwertiger Bildungsabschluss wie z. B. ein Meisterbrief oder eine abgeschlossene Berufsausbildung in Kombination mit Berufserfahrung
Jede Hochschule legt häufig eigene Voraussetzungen für die Aufnahme in das Hebammenstudium fest. Prüfe diese also für deine Wunsch-Hochschule vorher genau, bevor du dich bewirbst.
Einige Hochschulen prüfen zusätzlich:
- Notendurchschnitte bestimmter Fächer
- relevante Leistungskurse im naturwissenschaftlichen Bereich (z. B. Biologie)
- Nachweise zur gesundheitlichen Eignung und Impfschutz
Gut zu wissen: Auch Quereinsteiger*innen aus medizinischen oder pflegerischen Berufen haben oft Vorteile im Bewerbungsprozess.
Gesundheitliche und persönliche Eignung
Wenn du Hebamme werden möchtest, musst du nicht nur das Studium erfolgreich meistern. Es gehört noch weitaus mehr dazu. Deine persönliche und gesundheitliche Eignung spielt eine entscheidende Rolle. Die Arbeit als Hebamme ist körperlich anspruchsvoll, emotional intensiv und erfordert einen klaren Kopf – auch in stressigen Situationen. Darum musst du vor Studienbeginn in der Regel ein ärztliches Gesundheitsattest vorlegen, das bestätigt, dass du körperlich und psychisch belastbar bist. Ein vollständiger Impfschutz, insbesondere gegen Masern und Hepatitis, gehört ebenfalls zu den Voraussetzungen. Die genauen Anforderungen kannst du auf der Website deiner Hochschule nachlesen.
Doch mindestens genauso wichtig ist, wer du als Mensch bist. Hebammen begleiten Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett oft in sehr sensiblen Momenten. Empathie, Einfühlungsvermögen und eine respektvolle Kommunikation sind daher essenziell. Darüber hinaus brauchst du:
- Ruhe und Entscheidungsfähigkeit in Notfällen
- Teamfähigkeit, denn du arbeitest eng mit Ärzt*innen, Pflegepersonal und Familien zusammen
- Verantwortungsbewusstsein & Genauigkeit, z. B. bei medizinischen Dokumentationen
- körperliche Ausdauer, da Geburten stundenlang dauern können
- emotionale Stabilität, um schwierige Situationen zu handeln
Hebamme zu sein bedeutet, Menschen durch einen der wichtigsten Augenblicke ihres Lebens zu führen und ihnen Halt zu geben. Wenn du eine Kombination aus den oben genannten Punkten mitbringst, hast du die besten Voraussetzungen, im Studium so wie im Beruf zu wachsen.
Inhalte des Hebammenstudiums: Praxis & Theorie vereint
Das Hebammenstudium ist interdisziplinär aufgebaut und verbindet Theorie mit Praxis. Langweilig wird es sicher nie. Wir haben alle Inhalte übersichtlich für dich zusammengetragen:
| Theoretische Lehrinhalte | Praktische Einsätze / Praxisphasen |
|---|---|
| Hebammenwissenschaft & Gesundheitswissenschaften | Kliniken & Kreißsäle – aktive Begleitung von Geburten, Betreuung vor und nach der Geburt |
| Geburtshilfe & Gynäkologie | Geburtshäuser – alternative, interventionsärmere Geburtsumgebung |
| Anatomie & Physiologie von Mutter und Kind | Freiberufliche Hebammenpraxen – Kurse, Schwangerschaftsvorsorge, Wochenbettbetreuung im häuslichen Umfeld |
| Neonatologie (Versorgung des Neugeborenen) | Ambulante und stationäre Bereiche der Neonatologie |
| Medizinische Grundlagen (Pharmakologie, Pathologie etc.) | Gynäkologische Abteilungen & Wochenstationen |
| Stillberatung, Wochenbettbetreuung & Familiengesundheit | Interdisziplinäre Bereiche wie OP, Anästhesie oder Pädiatrie |
| Psychologie, Kommunikation & Beratung | Kliniknahe Praxiseinsätze zur kontinuierlichen Begleitung von Schwangerschaft, Geburt & Wochenbett |
| Recht, Berufsethik & Qualitätsmanagement | Praxis bei freiberuflichen Hebammen inkl. Dokumentation & Abrechnung |
| Wissenschaftliches Arbeiten & Evidence-based Practice (EBP) | Reflexions- & Prüfungseinsätze über die gesamte Studiendauer |
Selbstständig als Hebamme: Dein eigenes Business in der Geburtshilfe
Viele Hebammen entscheiden sich nach einigen Jahren Berufserfahrung für den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig: mehr Flexibilität, eigenverantwortliches Arbeiten, die Möglichkeit, individuelle Betreuungskonzepte umzusetzen, oder einfach die Chance, die eigene Leidenschaft in einem eigenen Unternehmen zu leben. Freiberufler*in zu werden bedeutet jedoch nicht nur Freiheit – es bringt auch Verantwortung und organisatorische Aufgaben mit sich. Wir haben alles Wichtige sowie die Vor- und Nachteile für dich zusammengetragen:
Freiberuflichkeit und ihre Besonderheiten
Hebammen zählen in Deutschland zu den freiberuflich Tätigen, nicht zu den Gewerbetreibenden. Das heißt für dich:
- Keine Gewerbeanmeldung nötig: Du meldest deine Tätigkeit direkt beim Finanzamt an. Ein Gewerbeschein ist nicht erforderlich.
- Keine Gewerbesteuer: Du zahlst keine Gewerbesteuer, sondern nur Einkommensteuer auf deinen Gewinn.
- Rechtliche Grundlagen: Verträge mit Familien, Haftpflichtversicherung und Einhaltung gesetzlicher Standards sind zentral für deine Arbeit.
Als selbstständige Hebamme kannst du entscheiden, ob du dich gesetzlich oder privat versicherst. Die Freiberuflichkeit erlaubt dir, deine Leistungen direkt mit den Krankenkassen abzurechnen. Hierfür benötigst du:
- staatliche Berufserlaubnis (Examen)
- Eintrag ins Hebammenregister
- Vertrag mit den Krankenkassen (Landesverbände) bzw. Beitritt über Hebammenverband
- Berufshaftpflichtversicherung
- Betriebsstätte oder Tätigkeit anmelden (Finanzamt, ggf. Gewerbeanmeldung)
Die Abrechnung erfolgt über:
- eigene Abrechnungssoftware
- Abrechnungsdienstleister (gegen Gebühr)
- Hebammenverbände
Deine Privatpatient*innen erhalten eine Rechnung von dir, die sie selbst bei ihrer Krankenkasse einreichen.
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Schritte in die Selbstständigkeit
Wenn du als Hebamme selbstständig arbeiten möchtest, solltest du folgende Schritte beachten:
1. Unternehmensgründung vorbereiten
- Businessplan erstellen: Kalkulation von Einnahmen, Kosten, Kapazität, Marketingstrategie
- Marktanalyse: Angebot, Konkurrenz und regionale Nachfrage prüfen
- Rechtsform klären: In der Regel gründest du ein Einzelunternehmen als Freiberufler*in
- Versicherungen abschließen: Berufshaftpflicht und Krankenversicherung sind verpflichtend, Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankentagegeld, Rentenversicherung, private Altersvorsorge und ggf. Betriebs- bzw. Praxisversicherung sind empfehlenswert
2. Formelle Anmeldung
- Steuernummer beim Finanzamt beantragen (als Freiberufler*in)
- Krankenkassen-Zulassung beantragen für die direkte Abrechnung mit gesetzlich Versicherten
- Mitgliedschaft im Hebammenverband (optional, aber empfohlen) zur Vernetzung, Weiterbildung und Beratung
3. Praxis und Infrastruktur
- Praxisräume anmieten oder Hausbesuche anbieten
- Ausstattung für Vorsorge, Betreuung und ggf. Kurse bereitstellen
- Software oder Tools für Terminplanung, Abrechnung und Dokumentation einrichten
4. Kundenakquise und Marketing
- Aufbau einer eigenen Website oder Social-Media-Präsenz
- Netzwerken mit Kliniken, Geburtskliniken, Stillberater*innen oder Gynäkologen
- Mundpropaganda und Empfehlungen spielen eine große Rolle
5. Kontinuierliche Weiterbildung
Fachliche und gesetzliche Anforderungen ändern sich regelmäßig
Kurse in Geburtshilfe, Notfallmanagement, Stillberatung oder Präventionsarbeit sind oft Pflicht oder sehr empfehlenswert
Selbstständige Hebamme – wie sieht das Gehalt aus?
Das Einkommen einer selbstständigen Hebamme lässt sich nicht pauschal festlegen – es hängt stark von deinem Arbeitsumfang, Leistungsangebot und regionaler Nachfrage ab. Anders als angestellte Hebammen erhalten Freiberufler*innen kein festes Monatsgehalt, sondern rechnen ihre Leistungen direkt mit der Krankenkasse oder privat mit den Familien ab. Grundlage dafür sind feste Vergütungssätze, die bundesweit gelten. Für Leistungen wie Vorsorge, Wochenbettbetreuung oder Geburtsbegleitung gibt es feste Honorare pro Einsatz oder Termin.
Wie viel am Ende tatsächlich übrig bleibt, ist abhängig von:
- Anzahl der betreuten Frauen/Geburten
- Art der Leistungen (Geburtsvorbereitungskurse, Wochenbett, Hausgeburten, Beleggeburten)
- Region & Wettbewerb
- Praxis- und Versicherungskosten
- Arbeitsumfang (Vollzeit/Teilzeit)
Viele selbstständige Hebammen verdienen ca. 2.500–4.500 € brutto pro Monat, bei hoher Geburtenanzahl oder zusätzlichen Kursangeboten auch mehr. Davon müssen jedoch Kosten wie Berufshaftpflicht, Krankenversicherung, Steuern und Altersvorsorge abgezogen werden.
Mit zusätzlichen Einnahmequellen kannst du dein Einkommen steigern, das sind z. B.:
- Geburtsvorbereitungs- & Rückbildungskurse
- Beleggeburten & Hausgeburten mit Bereitschaftsdiensten
- Still- & Ernährungsberatung
- private Zusatzleistungen (Hypnobirthing, Akupunktur, Massagen etc.)
- Onlinekurse oder digitale Betreuung als modernes Geschäftsmodell
Neuer Hebammenhilfevertrag seit November 2025
Seit dem 1. November 2025 gilt ein neuer, kontrovers diskutierter Hebammenhilfevertrag, der das Einkommen von freiberuflichen Hebammen regelt. Während die Krankenkassen den Vertrag als Fortschritt sehen, warnt der Deutsche Hebammenverband vor Existenz bedrohenden Einkommenseinbußen. Davon sind vor allem Beleghebammen betroffen – also Hebammen, die als Freiberuflerinnen feste Dienste in den Kreißsälen von Krankenhäusern übernehmen.
Hier die wichtigsten Fakten zum umstrittenen Hebammenhilfevertrag:
Vergütungsstruktur und Stundensatz: Hebammen können nun in abgeschlossenen 5-Minuten-Einheiten abrechnen. Dafür erhalten sie jeweils 6,19 EUR. Insgesamt steigt so der mögliche Stundensatz auf 74,28 EUR. Beleghebammen bekommen aber nur 80 Prozent des Stundensatzes, also 59,42 EUR.
Förderung der 1:1-Betreuung: Betreut eine Beleghebamme eine Frau während der gesamten Geburt (zwei Stunden davor und zwei danach), erhält sie einen Zuschlag von 103,99 EUR. Betreuen sie zeitgleich aber noch eine zweite oder sogar dritte Geburt, erhalten Beleghebammen dafür jeweils nur noch 30 Prozent des Zuschlags.
Welche Auswirkungen der neue Hebammenhilfevertrag für Beleghebammen hat, wird sich erst noch zeigen. Fest steht aber, dass die ersten bereits ihre Tätigkeit in den Kreißsälen aufgegeben haben. Zudem hat der Deutsche Hebammenverband rechtliche Schritte eingeleitet, zu denen die Entscheidungen aber noch ausstehen.
Mehr Infos zum Hebammenhilfevertrag findest du auf der Website des Deutschen Hebammenverbands.
Fazit
Hebamme zu werden bedeutet, einen Weg einzuschlagen, der fachliches Wissen, Empathie und Mut vereint. Die Akademisierung hat den Beruf auf ein neues professionelles Level gehoben und bietet dir heute vielfältige Chancen – ob angestellt in der Klinik, im Geburtshaus oder später selbstständig mit eigener Praxis. Der Weg ist anspruchsvoll, aber er schenkt dir die Möglichkeit, Familien durch eines der bewegendsten Ereignisse ihres Lebens zu begleiten. Wenn dich dieses Berufsfeld fasziniert und du bereit bist, Verantwortung zu tragen, erwartet dich ein erfüllender Gesundheitsberuf mit Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und großem gesellschaftlichen Wert.
Zudem bietet dir die Selbstständigkeit als Hebamme eine große berufliche Freiheit und die Möglichkeit, eigene Betreuungskonzepte zu verwirklichen. Gleichzeitig erfordert sie ein hohes Maß an Organisation, kaufmännischem Verständnis und Eigenverantwortung. Wenn du dich gut vorbereitest, die rechtlichen Vorgaben kennst und deine Praxis systematisch aufbaust, kannst du in eine erfolgreiche Karriere als selbstständige Hebamme starten.
FAQ
Seit Inkrafttreten des Hebammengesetzes 2020 wird die Hebammenausbildung in Deutschland vollständig akademisiert. Das bedeutet: Eine klassische schulische Ausbildung gibt es nicht mehr. Wer heute Hebamme werden möchte, muss ein duales Studium der Hebammenwissenschaft (Bachelor of Science) absolvieren, das sowohl theoretische Inhalte als auch Praxisphasen umfasst und mit einer staatlichen Prüfung abschließt.
Nein. Seit der vollständigen Akademisierung des Berufs im Jahr 2020 ist der Weg in den Hebammenberuf nur noch über ein Bachelorstudium in Hebammenwissenschaft möglich. Eine rein schulische Ausbildung wird nicht mehr angeboten, weshalb ein Studium verpflichtend ist, um als Hebamme arbeiten zu dürfen.
Das Gehalt einer Hebamme variiert je nach Einsatzbereich und Berufserfahrung. Im öffentlichen Krankenhaus liegt das Einstiegsgehalt meist zwischen 2.500 und 3.200 € brutto, in freiberuflicher Tätigkeit hängt das Einkommen stark von der Anzahl der betreuten Geburten und selbstständigen Abrechnungen ab.