Bei einer Fremdkapitalfinanzierung leiht sich dein Startup z.B. Geld und zahlt es samt Zinsen zurück, ohne dafür Unternehmensanteile abzugeben. Für Startups mit planbaren Einnahmen oder Investitionen kann das eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu Beteiligungskapital sein.
In diesem Guide, der auf dem Wissen und den Erfahrungen unseres Experten Jan Schnedler basiert, erfährst du, wann eine Fremdkapitalfinanzierung für dein Startup sinnvoll ist, was Kreditgeber*innen prüfen und wie du dich auf einen Antrag vorbereitest.
Unser Experte für Startups
Unser Experte für Startup-Recht
Jan Schnedler, Rechtsanwalt
Unser Experte begleitet Startups und zukunftsorientierte Unternehmen bei rechtlichen Themen aller Art. Als Autor hat er mit „Startup-Recht. Praktischer Leitfaden für Gründung, Unternehmensführung und Finanzierung“ (O’Reilly, 2025) ein Standardwerk veröffentlicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Du behältst deine Unternehmensanteile, musst das geliehene Geld aber samt Zinsen zurückzahlen – unabhängig von deinem Geschäftserfolg.
- Banken erwarten ein tragfähiges Geschäftsmodell, belastbare Finanzzahlen und häufig Sicherheiten.
- Neben Bank- und Förderkrediten kommen Crowdlending, Wandeldarlehen und Venture Debt infrage.
- KfW-Förderkredite und Bürgschaftsbanken können den Kreditzugang erleichtern.
Was ist Fremdkapitalfinanzierung?
Kreditgeber*innen erhalten grundsätzlich keine Unternehmensanteile und keine gesellschaftsrechtlichen Stimmrechte. Im Kreditvertrag können jedoch Informationspflichten, Kontrollmöglichkeiten oder Kündigungsrechte vereinbart werden.
Entscheidend ist für die Bank, ob dein Startup Zinsen und Tilgung zuverlässig aus seinen Einnahmen bezahlen kann. Deshalb sind ein nachvollziehbares Geschäftsmodell, ein realistischer Finanzplan und ausreichende Liquidität wichtiger als große Wachstumsversprechen.
Experten-Tipp von Rechtsanwalt Jan Schnedler
Eine Bank wird nicht am späteren Erfolg deines Startups beteiligt, sondern verdient an den vereinbarten Zinsen. Mit großartigen Wachstumsversprechen kannst du sie deshalb weniger beeindrucken als mit einem überzeugenden Rückzahlungsplan.
Zeige daher in deinem Business- und Finanzplan, aus welchen Einnahmen du Zinsen und Tilgung bezahlen willst und welche Sicherheiten vorhanden sind.
Was ist der Unterschied zwischen Fremdkapital und Eigenkapital?
Fremdkapital muss samt Zinsen zurückgezahlt werden, während bei einer Eigenkapitalfinanzierung das Kapital ohne Rückzahlungspflicht zur Verfügung gestellt wird. Dafür erhalten die Investor*innen Unternehmensanteile und – abhängig von Beteiligungsform und Vertrag – Informations-, Stimm- oder Vetorechte. Zudem erhalten sie aufgrund der Unternehmensbeteiligung einen entsprechenden Anteil am Exiterlös und auch an möglichen Gewinnausschüttungen.
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Finanzierungsformen:
| Merkmal | Fremdkapitalfinanzierung | Eigenkapitalfinanzierung |
|---|---|---|
| Von wem kommt das Geld? | Banken, Förderbanken oder andere Kreditgeber*innen | Gründer*innen, Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften, Family Offices |
| Was ist die Gegenleistung? | Verzinste Rückzahlung | Unternehmensanteile und Beteiligung am möglichen Wertzuwachs |
| Laufzeit | meist befristet | grundsätzlich ohne Laufzeit |
| Mitspracherechte | normalerweise keine gesellschaftsrechtlichen Mitspracherechte | je nach Beteiligung Informations-, Stimm- oder Vetorechte |
| Laufende Belastung | Zinsen und Tilgung belasten die Liquidität | keine festen Kreditraten |
| Zentrales Risiko | Zahlungsprobleme und mögliche persönliche Haftung | Abgabe von Anteilen und Einfluss |
| Bilanz | erscheint als Verbindlichkeit | stärkt die Eigenkapitalbasis |
Viele Startups kombinieren beide Finanzierungsformen: Eigenkapital für unsichere Entwicklungsphasen, Kredite für Investitionen mit planbarem Rückfluss.
Eigenkapital oder Fremdkapital: Welche Finanzierung passt wann?
Ob eine Finanzierung über Eigen- oder Fremdkapital die bessere Option ist, hängt vor allem davon ab, in welcher Phase sich dein Startup befindet und wie risikoreich dein Vorhaben ist.
- Vor dem Markteintritt: Eigene Ersparnisse, Beteiligungskapital, Zuschüsse oder geeignete Förderprogramme kommen häufig eher infrage. Klassische Kredite sind ohne Sicherheiten und verlässliche Einnahmen schwerer zu erhalten.
- Bei ersten, aber schwankenden Umsätzen: Eine Mischung kann sinnvoll sein. Eigenkapital trägt das Entwicklungsrisiko, kleinere Darlehen finanzieren klar planbare Anschaffungen.
- Bei wiederkehrenden Umsätzen und positivem Cashflow: Fremdkapital wird realistischer, weil sich die Raten besser aus dem laufenden Geschäft bezahlen lassen.
- Bei ausreichenden Überschüssen: Innenfinanzierung erhält die Unabhängigkeit, ist aber auf die selbst erwirtschafteten Mittel begrenzt.
- Bei schnellem, risikoreichem Wachstum: Eigenkapital passt häufig besser, weil feste Kreditraten die Liquidität zusätzlich belasten würden.
Mit FundingReady kannst du prüfen, welche Finanzierungsformen zu deinem Startup passen und wo noch Vorbereitungslücken bestehen.
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Welche Arten der Fremdkapitalfinanzierung gibt es?
Als Fremdkapitalfinanzierung werden zum Beispiel Bankkredite, Förderkredite oder auch Wandeldarlehen gezählt. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Arten zusammen (eine ausführliche Übersicht bietet unser Artikel Startup-Finanzierung).
Bankkredit
Bei einem Bankkredit erhält dein Startup Geld von einer Geschäftsbank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank und zahlt es nach einem vereinbarten Plan samt Zinsen zurück. Junge Startups haben häufig Schwierigkeiten, einen solchen Kredit zu erhalten, weil belastbare Geschäftszahlen, ein planbarer Cashflow oder verwertbare Sicherheiten fehlen.
Kommt eher infrage, wenn: Dein Startup bereits planbare Einnahmen erzielt oder ausreichende Sicherheiten stellen kann.
Förderdarlehen der KfW
KfW-Förderdarlehen sind Kredite mit staatlicher Unterstützung. Je nach Programm bieten sie günstigere Konditionen, tilgungsfreie Anlaufjahre oder eine Risikoübernahme zugunsten der finanzierenden Bank. Beantragt werden sie normalerweise über eine Bank, Sparkasse oder einen anderen Finanzierungspartner.
Für Gründer*innen sind insbesondere diese Programme relevant:
| Programm | Zentrale Merkmale |
|---|---|
| ERP-Gründerkredit – StartGeld | Bis zu 200.000 Euro, davon höchstens 80.000 Euro für Betriebsmittel. Die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos der Bank. |
| ERP-Gründerkredit – StartGeld ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge | Bis zu 500.000 Euro, höchstens 35 Prozent der förderfähigen Kosten. Eine Bürgschaftsbank übernimmt eine 100-prozentige Garantie; Kreditnehmer*innen haften dennoch persönlich. |
| ERP-Förderkredit KMU | Bis zu 25 Millionen Euro für Gründungen, Investitionen, Betriebsmittel und Unternehmensnachfolgen. Optional ist eine 50-prozentige Risikoübernahme möglich. |
Die Konditionen und Voraussetzungen können sich ändern. Prüfe deshalb vor dem Antrag die aktuellen Programmbedingungen.
Kommt eher infrage, wenn: Dein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist, ein klassischer Bankkredit aber an Konditionen oder Sicherheiten scheitern könnte.
Bürgschaften über Bürgschaftsbanken
Eine Bürgschaft ist kein Kredit. Sie sichert einen Teil des Ausfallrisikos gegenüber der finanzierenden Bank ab und kann dadurch fehlende Sicherheiten ersetzen.
Fällt der Kredit aus, zahlt die Bürgschaftsbank den verbürgten Anteil an die Bank. Deine Schulden verschwinden dadurch nicht. Du bleibst zur Rückzahlung verpflichtet; die entsprechende Forderung geht grundsätzlich auf die Bürgschaftsbank über.
Kommt eher infrage, wenn: Dein Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist, dir aber bankübliche Sicherheiten fehlen.
Crowdinvesting
Beim Crowdlending finanzieren viele Geldgeber*innen dein Startup gemeinsam über eine digitale Plattform. Sie erhalten dafür Zinsen, aber keine Unternehmensanteile.
Das kann den Zugang zu Kapital erleichtern, verursacht aber häufig höhere Zinsen und zusätzliche Plattformkosten. Auch beim Crowdinvesting muss dein Startup die Rückzahlung realistisch planen können.
Kommt eher infrage, wenn: Dein Angebot leicht verständlich ist, du eine aktive Community erreichst und die Kreditraten tragen kannst.
Wandeldarlehen
Ein Wandeldarlehen beginnt als Kredit und kann später in Unternehmensanteile umgewandelt werden.
Wandeldarlehen überbrücken häufig die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde. Wandlungsbedingungen, Laufzeit, Verzinsung und mögliche Rückzahlungsfolgen sollten rechtlich sorgfältig geregelt werden.
Kommt eher infrage, wenn: Du eine Finanzierungsrunde überbrücken willst oder eine belastbare Unternehmensbewertung noch nicht möglich ist.
Leasing und Factoring
Beim Leasing nutzt dein Startup beispielsweise Fahrzeuge, Maschinen oder IT-Ausstattung gegen regelmäßige Raten. Das schont zunächst die Liquidität, kann über die gesamte Laufzeit aber teurer als ein Kauf sein.
Beim Factoring verkaufst du offene Kundenforderungen und erhältst einen großen Teil des Rechnungsbetrags sofort. Dafür fallen Gebühren an. Factoring eignet sich vor allem für Startups mit regelmäßigem B2B-Umsatz und längeren Zahlungszielen.
Kommt eher infrage, wenn: Du einzelne Wirtschaftsgüter finanzieren oder lange Zahlungsziele deiner Kund*innen überbrücken möchtest.
Venture Debt
Venture Debt richtet sich an wachstumsstarke Startups, die meist bereits Venture Capital erhalten haben. Das Darlehen kann die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde verlängern, ohne sofort weitere Anteile abzugeben.
Neben Zinsen können Gebühren, Kontrollrechte oder Optionsrechte auf Unternehmensanteile vereinbart werden. Kreditgeber*innen erwarten ein validiertes Geschäftsmodell, starke Investor*innen und einen realistischen Weg zur Rückzahlung oder nächsten Finanzierungsrunde.
Kommt eher infrage, wenn: Dein Startup bereits Venture Capital erhalten hat und weiteres Kapital für sein Wachstum benötigt.
Fremdkapitalfinanzierung beantragen: So gehst du vor
Um eine Fremdkapitalfinanzierung für dein Startup zu bekommen, gehst du am besten in fünf Schritten vor:
1. Kapitalbedarf und Verwendungszweck bestimmen
Berechne, wie viel Geld du benötigst und wofür du es einsetzen willst. Unterscheide zwischen Investitionen (zum Beispiel in Maschinen oder IT-Ausstattung) und Betriebsmitteln (wie Gehälter, Miete oder Marketing). Berücksichtige in deinem Kapitalbedarfsplan unbedingt einen ausreichenden Liquiditätspuffer.
2. Business- und Finanzplan vorbereiten
Dein Businessplan erklärt Geschäftsmodell, Markt und Wachstumsstrategie. Der Finanzplan zeigt, ob dein Startup wirtschaftlich tragfähig ist und die Kreditraten bezahlen kann.
Besonders wichtig sind:
- Umsatz- und Kostenplanung,
- Rentabilitätsvorschau,
- Kapitalbedarfsplanung,
- monatliche Liquiditätsplanung,
- geplanter Zins- und Tilgungsverlauf.
Rechne auch ein Szenario mit niedrigeren oder späteren Umsätzen durch.
3. Bonität, Sicherheiten und Fördermöglichkeiten prüfen
Prüfe deine persönlichen SCHUFA-Daten und kläre falsche oder veraltete Einträge. Bei jungen Unternehmen betrachtet die Bank häufig sowohl das Startup als auch die finanzielle Situation der Gründer*innen.
Beziehe KfW-Förderdarlehen, Programme der Landesförderbanken und mögliche Bürgschaften frühzeitig in deine Recherche ein.
4. Konditionen und Risiken vergleichen
Achte nicht nur auf den Zinssatz, sondern auf die monatliche Gesamtbelastung und alle Vertragsbedingungen. Dazu zählen insbesondere effektiver Jahreszins, Gebühren, Laufzeit, Zinsbindung, tilgungsfreie Anlaufjahre, Sondertilgungen, Rangrücktritte, Vorfälligkeitskosten, Bereitstellungsprovisionen, Sicherheiten, persönliche Haftung sowie Informations- und Kündigungsrechte.
5. Antrag stellen und Kreditvertrag prüfen
Prüfe vor der Unterschrift Kreditsumme, Auszahlung, Tilgungsplan, Sicherheiten, Kündigungsrechte und persönliche Haftungsrisiken. Unterschreibe nichts, was du nicht verstanden hast, und lass dich beraten.
KfW-Kredite beantragst du nicht direkt bei der KfW, sondern über einen Finanzierungspartner. Stelle den Antrag grundsätzlich, bevor du verbindlich mit dem geförderten Vorhaben beginnst. Ein zu früher Vertragsabschluss oder eine Bestellung kann die Förderung gefährden.
Vor-, Nachteile und Risiken der Fremdkapitalfinanzierung
Der wichtigste Vorteil der Fremdkapitalfinanzierung ist, dass du Kapital erhältst, ohne Unternehmensanteile abzugeben. Der größte Nachteil ist die feste Rückzahlungspflicht – unabhängig davon, wie erfolgreich dein Startup wirtschaftet.
Welche Vorteile hat die Fremdfinanzierung?
- Du gibst keine Unternehmensanteile ab.
- Kreditgeber*innen erhalten grundsätzlich keine gesellschaftsrechtlichen Stimm- oder Vetorechte.
- Bei fester Verzinsung sind die Zahlungen gut planbar.
- Nach vollständiger Tilgung enden die Ansprüche aus dem Darlehen.
- Förderkredite können den Kreditzugang und die anfängliche Liquiditätsbelastung erleichtern.
Welche Nachteile hat die Fremdkapitalfinanzierung?
- Zinsen und Tilgung werden auch bei schwachen Umsätzen fällig.
- Banken können betriebliche oder persönliche Sicherheiten verlangen.
- Ohne Track-Record und planbaren Cashflow ist die Rückzahlungsfähigkeit schwer zu belegen.
- Die Bonitätsprüfung und die Zusammenstellung der Unterlagen können aufwendig sein.
- Eine Bank stellt normalerweise weder Branchenkontakte noch operatives Know-how bereit.
- Fremdkapital kann bei einer bilanziellen Überschuldung zum Problem werden, da Darlehensverbindlichkeiten grundsätzlich in die Überschuldungsprüfung einfließen. Ein qualifizierter Rangrücktritt kann unter bestimmten Voraussetzungen dazu führen, dass die Forderung bei der Überschuldungsprüfung nicht berücksichtigt wird.
- Informationspflichten, Zweckbindungen und andere Vertragsbedingungen können die Flexibilität einschränken.
Risiken einer Fremdkapitalfinanzierung
- Verschuldungsrisiko: Eine zusätzliche Kreditaufnahme kann die Eigenkapitalquote senken und den Verschuldungsgrad erhöhen.
- Persönliche Haftung: Bei einer persönlichen Bürgschaft oder einer Grundschuld auf einer privaten Immobilie kann ein Kreditausfall das Privatvermögen treffen. Eine Haftungsfreistellung reduziert das Risiko der Bank, nicht die Rückzahlungspflicht des Startups.
- Abhängigkeit: Eine Kreditlinie kann bei verschlechterter Bonität unter den vertraglichen Voraussetzungen reduziert oder gekündigt werden.
- Insolvenzrisiko: Bei einer GmbH oder UG muss bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung grundsätzlich ohne schuldhaftes Zögern ein Insolvenzantrag gestellt werden. Für die Antragstellung gilt eine gesetzliche Höchstfrist von drei Wochen bei Zahlungsunfähigkeit und sechs Wochen bei Überschuldung. Die Fristen dürfen nur ausgeschöpft werden, wenn innerhalb dieses Zeitraums mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Beseitigung des Insolvenzgrundes erreicht werden kann.
Experten-Tipp von Rechtsanwalt Jan Schnedler
Die Drei- beziehungsweise Sechs-Wochen-Frist ist keine Wartezeit, sondern darf nur ausgeschöpft werden, wenn noch begründete Aussicht besteht, den Insolvenzgrund zu beseitigen. Sobald du unsicher bist, ob dein Startup noch alle fälligen Zahlungen leisten kann, solltest du dir fachkundigen Rat holen und die erforderlichen Schritte einleiten.
Folgende Tabelle ordnet ein, wann eine Fremdkapitalfinanzierung eher sinnvoll und wann sie eher kritisch ist:
| Fremdfinanzierung ist eher sinnvoll, wenn … | Fremdfinanzierung ist eher kritisch, wenn … |
|---|---|
| dein Cashflow die Kreditraten zuverlässig deckt | deine Umsätze noch kaum planbar sind |
| du keine Unternehmensanteile abgeben möchtest | du keine Unternehmensanteile abgeben möchtest dein Startup lange Entwicklungsphasen finanzieren muss |
| der Kapitaleinsatz einen kalkulierbaren Rückfluss erzeugt | du nur mit umfangreichen privaten Sicherheiten einen Kredit erhältst |
| du ein geeignetes Förderdarlehen nutzen kannst | Zinsen und Tilgung deinen Liquiditätspuffer aufzehren würden |
Vereinfacht lässt sich sagen: Fremdkapital passt vor allem zu planbaren Vorhaben. Je unsicherer der Zeitpunkt und die Höhe künftiger Einnahmen sind, desto wichtiger werden Eigenkapital, Zuschüsse oder ein Finanzierungsmix.
Was prüfen Banken und Förderbanken bei der Kreditvergabe?
Banken und Förderbanken prüfen, ob dein Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist, dein Startup den Kredit zurückzahlen kann und das Geld zum Förder- oder Finanzierungszweck passt. Eine gute Idee allein reicht deshalb nicht: Entscheidend ist, ob du sie mit belastbaren Zahlen belegen kannst.
Businessplan und Finanzplanung
Der Businessplan muss erklären, wie dein Startup Geld verdient und warum der Kredit wirtschaftlich sinnvoll ist. Alle Annahmen der häufig dreijährigen Finanzplanung sollten zusammenpassen. Verspricht der Plan beispielsweise starkes Wachstum, ohne entsprechende Personal- oder Marketingkosten abzubilden, wirkt er wenig plausibel.
Bonität und bisheriges Zahlungsverhalten
Geprüft werden können SCHUFA-Daten, bestehende Verbindlichkeiten, bisheriges Zahlungsverhalten, Jahresabschlüsse oder betriebswirtschaftliche Auswertungen sowie Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad. Bei jungen Startups bezieht die Bank häufig auch Gründer*innen und mögliche Bürg*innen ein.
Liquidität und Umsatzentwicklung
Die Bank will erkennen, ob genügend Liquidität für die Kreditraten vorhanden ist. Bestehende Umsätze solltest du mit Rechnungen, Verträgen, Kontoauszügen oder betriebswirtschaftlichen Auswertungen belegen. Wiederkehrende Einnahmen und verbindliche Aufträge sind aussagekräftiger als unverbindliche Absichtserklärungen.
Vorhandene Sicherheiten und mögliche Berichtspflichten
Banken akzeptieren vor allem gut bewertbare und verwertbare Vermögenswerte wie Maschinen, Fahrzeuge, Forderungen, Bankguthaben, Immobilien oder Bürgschaften. Reichen betriebliche Sicherheiten nicht aus, können persönliche Sicherheiten verlangt werden. Bürgschaftsbanken können den Kreditzugang erleichtern, entbinden das Startup aber nicht von der Rückzahlung.
Experten-Tipp von Rechtsanwalt Jan Schnedler
Kläre vor der Unterschrift, welche privaten Vermögenswerte für den Kredit haften, bis zu welcher Höhe die Sicherheit gilt und wann sie freigegeben wird. Begrenze nötige persönliche Bürgschaften möglichst zeitlich und betragsmäßig.
Verwendungszweck des Kredits
Kreditgeber*innen prüfen genau, wofür du das Geld einsetzen möchtest. Typische Verwendungszwecke sind Investitionen, Warenlager oder laufende Betriebsmittel.
Bei Förderdarlehen ist der Zweck besonders wichtig: Nicht jede Ausgabe ist förderfähig. Formuliere deshalb konkret, welchen Betrag du wofür brauchst und welchen wirtschaftlichen Effekt die Investition haben soll.
Eigenkapitalanteil am Vorhaben
Ob Eigenkapital vorgeschrieben ist, hängt vom Programm ab. Eigenes Kapital kann die Bonität verbessern und dient als Risikopuffer. Nach dem Einsatz sollte dennoch ausreichend private und betriebliche Liquidität verbleiben
Wirtschaftliche Tragfähigkeit
Am Ende beurteilt die Bank Markt, Wettbewerb, Preisgestaltung, Gründungsteam und Wachstumsaussichten.
Bei einem Förderkredit muss das Vorhaben zusätzlich die jeweiligen Programmbedingungen erfüllen. Bereite deine Unterlagen so vor, dass eine außenstehende Person Kapitalbedarf, Rückzahlung und zentrale Annahmen ohne zusätzliche Erklärung nachvollziehen kann.
So hilft dir FundingReady, die passende Finanzierung zu finden
FundingReady hilft dir einzuschätzen, welche Finanzierungsformen aktuell zu deinem Startup passen und welche Voraussetzungen noch fehlen. Dafür beantwortest du Fragen zu Unternehmensphase, Produkt, Markt und Team. Anschließend erhältst du für relevante Finanzierungsarten einen individuellen Score und konkrete nächste Schritte.
Das Tool ersetzt weder die Bonitätsprüfung noch eine Förder- oder Kreditzusage. Über Anträge entscheiden weiterhin die zuständigen Förderstellen und Finanzierungspartner*innen.
FundingReady ist als Teil der Gründerplattform dank öffentlicher Förderung durch die KfW kostenlos.
Du willst wissen, welche Finanzierung für dein Startup aktuell realistisch ist? Starte kostenlos mit FundingReady, ermittle deine Finanzierungs-Scores und arbeite gezielt an den noch offenen Voraussetzungen.
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Wie wirkt sich Fremdkapital auf Bilanz und Bonität aus?
Fremdkapital erscheint auf der Passivseite der Bilanz. Nimmt dein Startup einen neuen Kredit auf, steigt in der Regel die Bilanzsumme und die Eigenkapitalquote sinkt zunächst, ohne dass dadurch automatisch ein Verlust entsteht.
Beispiel: Dein Startup nimmt einen Kredit über 50.000 Euro auf. Auf der Aktivseite steigt zunächst das Bankguthaben um 50.000 Euro, auf der Passivseite entsteht eine gleich hohe Kreditverbindlichkeit. Kaufst du damit eine Maschine, sinkt das Bankguthaben und das Anlagevermögen steigt.
Bei einer späteren Finanzierung prüfen Banken unter anderem Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad, bestehende Kreditlaufzeiten und Raten, verfügbaren Cashflow, Sicherheiten und bisherige Zahlungszuverlässigkeit. Wie viel Fremdkapital tragbar ist, hängt vom Geschäftsmodell ab. Planbare, wiederkehrende Einnahmen erlauben meist eine höhere Verschuldung als lange Entwicklungszeiten und stark schwankende Umsätze.
Beispiel: Horny Hive – mit Bankkredit in den Markt starten
Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel von Nina Hannemann und Jered Fastner, die mit ihrem Startup Horny Hive den Markteintritt über einen Bankkredit finanziert haben:
Beispiel - Fremdkapitalfinanzierung
Nina Hannemann und Jered Fastner wollen mit Horny Hive Selbsttests für sexuell übertragbare Krankheiten online verkaufen und gleichzeitig über das Thema aufklären. Investor*innen kamen für die beiden zunächst nicht infrage. Am liebsten wollten sie ihr Unternehmen vollständig aus eigenen Mitteln aufbauen.
Doch als sie ihren Kapitalbedarf genauer durchrechneten, zeigte sich: Für den Markteintritt reichte das eigene Geld nicht aus. Vor allem der Aufbau des Warenlagers und das notwendige Online-Marketing erforderten zusätzliches Kapital. Nina und Jered entschieden sich deshalb für einen Bankkredit.
Darauf bereiteten sie sich sorgfältig vor. Sie berechneten ihren Finanzierungsbedarf und legten der Bank konkret dar, wofür sie das Geld einsetzen wollten. Damit konnten sie grundsätzlich überzeugen und erhielten ein Kreditangebot.
Allerdings lohnte sich ein genauer Blick auf die Konditionen: Das erste Angebot enthielt vergleichsweise hohe Zinsen und zusätzlich eine recht hohe Restschuldversicherung. Nina und Jered gaben sich damit nicht zufrieden und fragten bei weiteren Banken an. Innerhalb weniger Stunden erhielten sie ein attraktiveres Angebot.
Ihr Beispiel zeigt: Eine Kreditzusage allein macht noch keinen guten Kredit. Vergleiche Zinssätze, Zusatzkosten und Vertragsbedingungen und hole möglichst mehrere Angebote ein. Prüfe außerdem, ob Förderprogramme für dein Vorhaben infrage kommen. Der Förder-Finder der Gründerplattform hilft dir dabei, passende Angebote zu finden – darunter können auch Förderdarlehen und weitere Finanzierungsmöglichkeiten für deine Gründung sein.
Nina Hannemann · Horny Hive
Entnommen aus Ideencouch Folge #131
Fazit: Fremdkapital passt gut zu planbaren Vorhaben
Fremdkapital ermöglicht eine Finanzierung ohne Abgabe von Unternehmensanteilen. Es passt vor allem dann, wenn dein Startup die Raten auch bei einem schwächeren Geschäftsverlauf durch eigene Einnahmen tragen kann. Entscheidend sind ein realistischer Kapitalbedarf, belastbare Finanzzahlen, ausreichende Liquidität und eine Finanzierungsform, die zur Unternehmensphase passt.
FAQ zur Fremdfinanzierung
Typische Beispiele sind Bankkredite, KfW-Förderdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Lieferantenkredite und Crowdinvesting. Auch ein Wandeldarlehen zählt häufig zum Fremdkapital, solange es noch nicht in Unternehmensanteile umgewandelt wurde (die genaue Einordnung hängt allerdings vom Einzelfall ab). Leasing und Factoring können die Liquidität ebenfalls verbessern, funktionieren bilanziell und vertraglich aber anders als ein klassischer Kredit.
Die wichtigsten Kosten sind die Zinsen für das geliehene Kapital. Je nach Anbieter und Vertrag können außerdem Bereitstellungs-, Vermittlungs-, Plattform- oder Bürgschaftskosten sowie Kosten für Sicherheiten entstehen. Vergleiche deshalb nicht nur den Zinssatz, sondern die gesamten Finanzierungskosten.
Das ist möglich, aber selten. Wenn das Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist und beispielsweise ein Förderprogramm eine Risikoübernahme vorsieht oder eine Bürgschaftsbank fehlende Sicherheiten ersetzt. Eine solche Absicherung befreit das Startup jedoch nicht von der Rückzahlungspflicht. Auch eine persönliche Haftung kann weiterhin vorgesehen sein, was als Bürgschaft auch eine Sicherheit sein kann.
Die Begriffe Innen- und Außenfinanzierung beschreiben, woher das Geld kommt – nicht, ob es Eigen- oder Fremdkapital ist. Das ist leicht zu verwechseln.
- Bei der Innenfinanzierung entsteht das benötigte Kapital im Unternehmen selbst. Das ist beispielsweise der Fall, wenn dein Startup Gewinne einbehält oder einen Überschuss aus seinem laufenden Cashflow für neue Investitionen nutzt.
- Bei der Außenfinanzierung fließt neues Kapital von außen in das Startup. Dazu gehören sowohl Kredite (Fremdkapital) als auch Einlagen der Gründer*innen oder Investments von Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften (Eigenkapital).