Geschäftsidee
24.03.2018 | Dr. Jan Evers

Ein Nagelstudio eröffnen
Tipps aus der Praxis

Foto: Kaminails

Pflege und Schönheit sind für viele Menschen ein Bedürfnis. Und wo ein Bedürfnis ist, ist auch ein Geschäft. Ob Friseursalon, Kosmetikstudio oder Nageldesign – hier gibt es immer einen Markt. Entsprechend hoch ist die Zahl der Gründer*innen in diesem Bereich, der manchen in der Gründungsszene nicht „hip“ genug ist und medial oft etwas vernachlässigt wird. Wir finden es jedoch toll, wenn Menschen sich dafür entscheiden, anderen das Leben schöner zu machen, und haben uns diesem Thema deshalb näher gewidmet.

Zugegeben, ein Nagelstudio zu gründen, ist als Geschäftsidee nicht neu. Doch mit einer klugen Strategie kannst du dich immer noch am Markt etablieren. Außerdem kann daraus mit der Zeit deutlich mehr werden – wie bei Kamila Wrobel. Aus einer Nebentätigkeit machte sie zunächst ein Nagelstudio, das sie seitdem immer weiterentwickelt hat. Heute bietet sie nicht mehr nur Nagelmodellage und medizinische Fußpflege an, sondern auch kosmetische Behandlungen, Wimpernverlängerungen und Permanent Make-up.

 

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Foto: Andreas Kayales

Wir haben mit Kami gesprochen, um herauszufinden, was entscheidend ist, wenn man sich im Nageldesign selbstständig machen möchte, und wie man sein Geschäftsmodell im Laufe der Zeit weiterentwickeln kann. Dabei war uns vor allem wichtig, von ihr zu erfahren, wie man sich gegen die anderen Nagelstudios am Markt behaupten kann. Über das Vorgehen zur Gewerbeanmeldung, beim Gewerbeschein und anderen notwendigen Genehmigungen informieren inzwischen viele Seiten im Netz – zum Beispiel das BMWi-Portal existenzgruender.de. Aber was macht den Unterschied, um in der Praxis nachhaltig erfolgreich zu sein? Dazu hat uns Kami einiges erzählt, von dem du profitieren kannst.

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Wo willst du dein Nagelstudio eröffnen?

Es gibt verschiedene Strategien und Geschäftsideen, mit denen du dein Nagelstudio zum Erfolg führen kannst. Welche das sind, hängt nicht zuletzt vom Umfeld ab: "In einer großen Stadt, in der es schon viele Nagelstudios gibt, muss man ganz anders vorgehen als in einem kleinen Ort", so Kami. Sie kennt den Unterschied aus eigener Erfahrung: Ihr Kosmetikinstitut, das als Nagelstudio begann, liegt in Stelle, einer Stadt mit ungefähr 11.000 Einwohnern südlich von Hamburg. Sie hat in der Vergangenheit aber auch schon in einem Nagelstudio in Hamburg gearbeitet. "Dort gab es viel Laufkundschaft – die habe ich hier überhaupt nicht." In der Kleinstadt "kommen die Leute zu mir, weil ich mir einen guten Ruf erarbeitet habe". Es dauert insofern vielleicht etwas länger, "bis die Kunden kommen, dafür bleiben sie einem dann aber auch treu und kommen immer wieder". Bei Kami insbesondere deshalb, weil sie "die Qualität der Behandlungen und die persönliche Betreuung schätzen". In einer Großstadt wie Hamburg müsse man im Gegensatz dazu "viel mehr darauf achten, immer etwas Neues anzubieten und die neuesten Trends schnell" zu bedienen, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu erregen.

Ein Vorteil der Kleinstadt als Standort war laut Kami, "dass schon die Eröffnung allein Neugierde geweckt hat". Auch, weil sie selbst sozusagen zum Stadtgespräch wurde: "Ich hatte sehr lange Fingernägel, die ich mir selbst gebastelt hatte. Es sind dann viele Leute vorbeigekommen, nur weil sie davon gehört hatten". Als Nageldesignerin sind die eigenen Hände und Nägel also manchmal die "beste Werbung" – in jedem Fall aber dein Aushängeschild, das du bewusst nutzen solltest. Inzwischen ist für Kami die Mundpropaganda der wichtigste Faktor, um neue Kund*innen zu gewinnen. Es gibt für sie keine bessere Werbung, als "wenn Kundinnen mit gemachten Nägeln, Augenbrauen oder Lippen stolz zur Arbeit gehen und ihren Kolleginnen von mir erzählen". Sie nutzt, wie sie es formuliert, "das Potenzial von den Kundinnen, die ich schon habe, um neue Kunden zu gewinnen".

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Die richtigen Grundlagen legen

Ganz grundsätzlich hält Kami es für sehr wichtig, "selbst Spaß an der Arbeit zu haben". Ihr Interesse am Nageldesign war denn auch zunächst ein persönliches. Sie begann damit, sich für ihre eigenen Nägel Designs auszudenken und umzusetzen. Die Ausbildung zur Nageldesignerin machte sie neben dem Studium, das sie wiederum durch ihr mobiles Nagelstudio finanzieren konnte. Die Flexibilität, "selbst entscheiden zu können, wann ich Kunden annehme und wann nicht", war in Zeiten von Klausuren und Hausarbeiten sehr praktisch. Die ersten Kunden warb sie durch Flyer, die sie in der Umgebung verteilte. Stammkunden aus den Anfangstagen kommen bis heute zu ihr und nehmen inzwischen teilweise sogar lange Anfahrtswege in Kauf.

Auf den Kundenstamm, den sie während des Studiums aufbaute, konnte sie dann bei der Eröffnung des Nagelstudios setzen. Sie konnte sich sicher sein, "dass ich zumindest die Miete schon drin habe". Das gab ihr Sicherheit. Durch die Arbeit vorher hatte sie "auch schon ein wenig Geld auf die Seite legen" können, das sie in die Ausstattung des Studios investierte. Anfangs konzentrierte sie sich auf Nageldesign und medizinische Fußpflege. Letzteres war auch deshalb notwendig, um in dem kleinen Ort, in dem vorher schon mehrere Nagelstudios gescheitert waren, genug Kunden gewinnen zu können. Außerdem habe die medizinische Behandlung älterer Kund*innen den Vorteil, dass man sie, weil sie zeitlich flexibel sind, "immer irgendwie unterbringen" und so "Lücken füllen" könne, in denen ansonsten kein Verdienst zu machen ist. Seitdem hat sie sich durch weitere Fortbildungen auch in neuen Bereichen qualifiziert und diese in ihr Geschäftsmodell integriert. Wimpernverlängerungen, kosmetische Angebote und Permanent Make-up erwiesen sich als gute Erweiterung des Geschäfts.

Kluge Geschäftsideen entwickeln und einen guten Mix finden

Kami weist in diesem Zusammenhang aber auf etwas hin, das dir bei der Planung deiner eigenen Selbständigkeit nützlich sein kann: Man müsse sich "bewusst sein, dass man von Kosmetik allein nicht leben kann, denn Kosmetik ist ein Luxusprodukt". Das zeigt sich auch in der Termintreue: Bei Absage einer kosmetischen Behandlung fällt diese in der Regel einfach aus und die Kunden kämen erst zum nächsten Termin wieder. Im Gegensatz dazu könne man sich auf Kunden, die zur medizinischen Nagelpflege ins Studio kommen, "viel mehr verlassen – selbst, wenn sie einen Termin absagen müssen, verschieben sie ihn nur um ein, zwei Tage, denn sie haben sonst Schmerzen; sie brauchen die Behandlung". Insofern sei dieses Geschäft zwar weniger lukrativ, aber sehr sicher und wichtig in der Gesamtkalkulation. Ähnliches gilt für Kundinnen, die zur Nagelmodellage kommen. Zwar sei auch das ein Luxusprodukt, aber "Nägel wachsen raus und das sieht dann ungepflegt aus – deswegen kommen auch diese Kundinnen regelmäßig und verlässlich". Aus diesen Gründen seien Nageldesign und medizinische Nagelpflege noch immer die beiden "Standbeine", mit denen das Nagelstudio fest auf dem Boden steht. Die kosmetischen Behandlungen als "Bauch", Wimpern und Permanent Make-up als  "Hände" und sich selbst als „Kopf" – mit diesem Bild beschreibt Kami ihr Unternehmen.

Übrigens versucht sie auch in diesem Bereich Schönheit und Pflege mit medizinischem Nutzen zu verbinden – sie bietet z.B. Permanent Make-up auch für Kund*innen an, die infolge von Chemotherapien oder anderen Behandlungen Bedarf an der Rekonstruktion von Wimpern, Augenbrauen oder gar Brustwarzen haben. Dies ist möglich, "weil ich in diesem medizinischen Bereich gut ausgebildet bin", sagt Kami. Die für diese Geschäftsideen notwendigen Fortbildungen waren teuer, aber Kami scheut hier keine Ausgaben, weil "Fortbildungen für meine Arbeit und meinen Ruf wichtig sind. Man kann einfach nicht stehen bleiben, wenn das Studio auch in Zukunft gut funktionieren soll". Diesbezüglich sei es auch notwendig, sich über die eigene Preisstrategie klar zu werden. Kami setzt auf eine mittlere Preisschiene, die es ihr ermöglicht, hochwertige Arbeit zu leisten, zugleich aber zum Budget der Kunden vor Ort passt.

Worauf du achten solltest, wenn du ein Nagelstudio eröffnen willst

Kami hat einen Umgang mit der Schwierigkeit gefunden, die alle haben, die ein stationäres Geschäft eröffnen wollen: Geld verdienst du nur, wenn ein Kunde zu dir in den Laden kommt, während deine Kosten, sei es nun Miete oder Personal, auch anfallen, wenn keine Kunden kommen. Das Wichtigste wird also für dich sein, eine geeignete Strategie zu entwickeln, mit der du genug Kunden zu dir lockst. Wir hoffen, dass dir Kamis Erfahrungen dabei weiterhelfen.

Für alle, die überlegen, ihr eigenes Nagelstudio zu eröffnen, nennt Kami als Voraussetzung eine fundierte Ausbildung und eine gewisse Erfahrung in der Arbeit. Besonders wichtig sei, selbst auf kleine Details zu achten. Dazu zählt sie vor allem die möglichst  hygienische Arbeit als wesentliche Grundlage, aber auch allgemein eine "gute Betreuung und eine familiäre Atmosphäre". Dazu gehören manchmal auch Kleinigkeiten: „Ich habe Kundinnen, die kommen zu mir, weil ihnen mein Kaffee besser schmeckt als der bei der Konkurrenz". Insgesamt basiert Kamis Geschäftsmodell auf den Eckpfeilern "Stammkunden und Qualität".

Wenn du selbst noch keine Kunden hast, auf die zurückgreifen kannst, um dich mit einem eigenen Studio selbstständig zu machen, musst du genau rechnen und einen ehrlichen Businessplan aufstellen. Kami glaubt zwar, dass man auch ohne Kundenstamm ein Nagelstudio eröffnen kann, "aber nur, wenn man viel Geld in die Hand nimmt und eine gute Strategie hat". Denn in diesem Fall müsse man die Kunden mit einer guten Promotion, Rabatten und kleinen Behandlungen locken. Es brauche "Angebote, bei denen die Kunden für wenig Geld viel bekommen und die sich zugleich von der Konkurrenz abheben". Doch ihrer Erfahrung nach zieht man damit dann eben erstmal "wahrscheinlich keine Stammkunden, sondern Schnäppchenjäger, die einmal kommen, aber vielleicht auch nie wieder". Von diesen allein könne man nicht leben, weswegen man "zugleich Qualität anbieten muss, um dafür zu sorgen, dass die Leute wiederkommen". Ein solcher Spagat ist aber "schwierig und mit Investitionen verbunden". Besser sei es, "nach einer Marktlücke zu suchen" oder einem Ort, wo es das eigene Angebot in dieser Weise noch nicht gibt. Auch dann "muss man aber ehrlich mit sich selbst sein: Man wird nicht gleich viel Geld verdienen und man muss bereit sein, viel Arbeit und Zeit zu investieren."

Zum Abschluss nannte uns Kami noch ihr Erfolgsgeheimnis: "Man muss die Kunden so behandeln, wie man selbst behandelt werden will, und ihnen den Service und die Qualität bieten, die man selbst von anderen erwarten würde."
Ob Nagelstudio oder etwas Anderes: Mit diesem Anspruch kannst auch du an deine Selbstständigkeit herangehen.

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bhp