Unternehmen über eine Unternehmens­börse kaufen oder verkaufen

Die besten Unternehmensbörsen und wie der (Ver-)Kauf funktioniert

Der klassische Weg für Gründer*innen zum eigenen Unternehmen ist die Neugründung – von der ersten Idee bis zum erfolgreich abgeschlossenen Projekt oder verkauften Produkt. Es geht allerdings auch anders: indem du die Nachfolge in einem etablierten Unternehmen antrittst, also ein bestehendes Unternehmen kaufst. Was verhältnismäßig einfach klingt, hat seine ganz eigenen Tücken, die mit guter Vorbereitung und der passenden Unterstützung auf jeden Fall zu meistern sind. 

Für alle, die nicht gerade in eine Unternehmerfamilie hineingeboren wurden, sind Online-Unternehmensbörsen praktisch, um ein passendes Unternehmen zum Kauf zu finden. Welche Plattformen es gibt, für wen die Angebote interessant sind und wie nicht nur der Kauf, sondern auch der Verkauf eines Unternehmens über diese Plattformen funktioniert, erklären wir dir in den folgenden Absätzen.

Unternehmen kaufen: Wichtiges vorab

Ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen, klingt erst einmal verlockend: Der Name ist bekannt, es gibt (hoffentlich) bereits eine treue Kundschaft und die Beziehungen zu Partnern und die Abläufe innerhalb des Unternehmens sind eingespielt. Gleichzeitig gibt es oftmals viele gute Möglichkeiten, dem Vorhandenen einen eigenen Stempel aufzudrücken, neue Prozesse einzuführen und Märkte oder Geschäftsbereiche zu erobern. 

Wie bei jeder Gründung gilt aber auch bei einer Übernahme: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. So ist es nicht nur sinnvoll, einen Businessplan für eine geplante Unternehmensnachfolge zu erstellen, sondern auch schon den vorherigen Schritt, die Auswahl des Unternehmens, systematisch anzugehen. Dabei hilft dir unsere Geschäftsmodell-Analyse für den Unternehmenskauf und unserer Checkliste Unternehmenskauf. Letztere geht auf deine Motivation für die Übernahme eines Unternehmenskaufs ein und führt dich durch den kompletten Übernahmeprozess.

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Tipp: Unter unseren Gründer*innen gibt es bereits einige, die eine Unternehmensnachfolge angetreten haben. Mit zwei von ihnen haben wir uns unterhalten und ihre Erfahrungen in einem Blog-Artikel zum Thema Unternehmensnachfolge zusammengefasst.

Unternehmensbörsen im Vergleich

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Unternehmensübernahmen: die interne Übernahme durch ein Familienmitglied oder eine bisherige Führungskraft (Management-Buy-out) oder die externe Übernahme. Für Letztere haben sich verschiedene Online-Börsen etabliert, auf denen zum Verkauf stehende Unternehmen präsentiert werden und sich meist auch potenzielle Unternehmensnachfolger*innen vorstellen können. Die Vermittlung über die Plattform kann also in zwei Richtungen erfolgen: Gründer*innen können nach einem passenden Unternehmen zum Kauf suchen und Unternehmer*innen nach geeigneten Nachfolger*innen

Die drei wichtigsten Unternehmensbörsen im deutschsprachigen Raum sind nexxt-change, die Deutsche Unternehmerbörse (DUB) und die con|cess M+A-Partner. Sie und die weiteren Börsen in der Liste unten unterscheiden sich hauptsächlich in der Größe des Angebots, den Kosten für die Nutzung und die Art der Betreuung während des Vermittlungsprozesses. Außerdem haben sich einige Unternehmensbörsen entweder auf eine bestimmte Region und/oder eine bestimmte Branche spezialisiert.

Unternehmensbörse Region Branche Anzahl Inserate Kosten Betreuung
nexxt-change deutschlandweit übergreifend > 8.000 kostenlos regionale Partner*innen
DUB D-A-CH übergreifend < 1.000 teilweise kostenpflichtig Berater*innen
con|cess M+A-Partner D-A-CH übergreifend < 200 kostenpflichtig Berater*innen
KERN D-A-CH übergreifend < 200 teilweise kostenpflichtig Berater*innen
Biz-Trade weltweit übergreifend k.A. teilweise kostenpflichtig -
E.F.U. Expertengruppe für Unternehmensnachfolge deutschlandweit übergreifend k.A. teilweise kostenpflichtig Berater*innen
Stabwechsel D-A-CH übergreifend > 600 kostenpflichtig Berater*innen
nachfolge-boerse.de deutschlandweit Architektur, Ingenieurwesen < 100 teilweise kostenpflichtig Berater*innen
Nachfolgebörse D-A-CH übergreifend k.A. kostenpflichtig Berater*innen
firma-verkauf.de D-A-CH übergreifend > 500 kostenlos Berater*innen
Biz4.sale weltweit übergreifend < 500 teilweise kostenpflichtig -
meister-boxx deutschlandweit Handwerk k.A. teilweise kostenpflichtig -
Praxenbörse Deutscher Steuerberaterverband e. V. deutschlandweit Steuerkanzleien < 200 teilweise kostenpflichtig regionale Partner*innen
DATEV-Kanzlei-Börse deutschlandweit Steuerberatung < 200 teilweise kostenpflichtig interne Mitarbeiter*innen
DenPhaMed deutschlandweit Apotheken, Arztpraxen < 200 kostenlos -
Arztbörse  D-A-CH Arztpraxen > 1.000 kostenpflichtig ehrenamtliche Ärzt*innen
calandi UNTERNEHMENSBÖRSE deutschlandweit übergreifend k.A. kostenlos Berater*innen
Firmenverkauf Süddeutschland übergreifend k.A. k.A. Berater*innen
Unternehmensbörse SaarLorLux Saarlouis übergreifend < 200 kostenlos regionale Partner*innen
Unternehmensbörse Hessen Hessen übergreifend < 100 kostenpflichtig regionale Partner*innen
Nachfolgezentrale MV Mecklenburg-Vorpommern übergreifend > 1.000 kostenlos interne Mitarbeiter*innen
Betriebsbörse der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Niedersachsen Handwerk < 200 kostenlos -
UBS-Unternehmensbörse Rheinland-Pfalz, Saarlouis, Rhein-Ruhr, Eifel-Rheinland, Hannover übergreifend < 400 kostenlos regionale Partner*innen
IHK Bonn/Rhein-Sieg Bonn/Rhein-Sieg übergreifend k. A. kostenlos regionale Partner*innen

Zielgruppen der Unternehmensbörse

Über die Börsen kannst du entweder selbst ein Unternehmen suchen und/oder dich dort als künftige*r Nachfolger*in präsentieren. Einige Plattformen bieten aber noch weitere besondere Fälle des Unternehmensverkaufs an:

  • Insolvenz: Ein insolventes Unternehmen zu kaufen, kann durchaus interessant sein. Dabei sind aber besondere Bedingungen zu beachten. So sind etwa finanzielle Forderungen offen, die der/die zukünftige Unternehmensinhaber*in übernehmen und ausgleichen muss. Manchmal werden auch nur Teile einer Firma zum Kauf angeboten. Solltest du Interesse an einem insolventen Unternehmen haben, gilt hier einmal mehr, die vorhandenen Strukturen und Bücher zu analysieren und Chancen und Risiken genauestens zu bewerten. Manchmal kannst du dann aber ein echtes Schnäppchen machen.
  • Franchise: Die Eröffnung eines Franchise-Unternehmens ist eigentlich keine echte Unternehmensübernahme, findet in manchen Unternehmensbörsen aber dennoch ihren Platz. Wie das Franchise-Prinzip genau funktioniert und was du benötigst, um ein Franchise zu gründen, verraten wir dir in einem separaten Ratgeber.
  • Finanzinvestor*innen: Manche Unternehmen werden zwar zum Verkauf angeboten, allerdings steht hier eine Finanzspritze im Fokus, weniger die Suche nach einer Nachfolge. Diese Fälle sind für (ausländische) Investor*innen interessant, die entweder das komplette, meist aber nur Anteile am Unternehmen kaufen und von Gewinnen profitieren, im täglichen Geschäft aber keine oder nur eine beratende Rolle spielen. Diese Möglichkeit kann für dich als Gründer*in ebenfalls interessant sein, wenn du mit deinem Unternehmen bereits am Markt bist, dir aber Geld für Wachstum fehlt.  

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Wie läuft der (Ver-)Kauf über eine Unternehmensbörse ab?

Im Detail unterscheiden sich die (Ver-)Kaufprozesse auf den verschiedenen Unternehmensbörsen, grundsätzlich ist der Ablauf und sind die daraus resultierenden Vorteile aber immer sehr ähnlich. 

Wenn du auf der Suche nach einem Unternehmen bist, kannst du auf einigen Plattformen zunächst ohne weitere Anmeldung stöbern. Spätestens für die Kontaktaufnahme mit einem möglichen Übernahmekandidaten musst du dich allerdings (kostenpflichtig) registrieren. Dafür erstellst du ein mehr oder weniger umfangreiches Profil, das bei manchen Unternehmensbörsen vor Freischaltung individuell geprüft wird. 

Interessierst du dich für ein Unternehmen, kommen in den meisten Fällen sogenannte Regionalpartner*innen oder Berater*innen zum Einsatz. Diese nehmen deine Anfrage entgegen, prüfen sie und geben sie ggf. mit weiteren Angeboten an den Anbieter weiter. Manchmal findet schon vorab ein Gespräch statt, bei dem der/die Berater*in weitere Informationen zu dir und deinem Angebot einholt.

Ist dein Angebot auch für die bisherigen Unternehmensinhaber*innen interessant, stellt der/die Berater*in Kontakt her und begleitet beide Parteien durch den folgenden Prozess. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass der Kaufvertrag ausgehandelt und aufgesetzt und die tatsächliche Übergabe besprochen und begleitet wird. 

Begleitung bei der Unternehmens­übernahme

Wie umfangreich die Begleitung ist, ist zum einen abhängig vom Konzept der Plattform, zum anderen aber auch von deinen Bedürfnissen und Kenntnissen. Nicht nur die Vertragsgestaltung bei einer Unternehmensübernahme ist komplex, sondern auch die rundherum anfallenden Formalien – zu zahlende Steuern, Versicherungen, Amts- und Behördengänge. Selbst wenn die Unternehmensbörse, über die du den (Ver-)Kauf abwickelst, keine entsprechende Begleitung anbietet, lohnt es sich, unabhängig davon nach externer Unterstützung zu suchen – das können Jurist*innen, Steuerberater*innen oder Gründungscoaches sein

Exkurs: Unternehmens­bewertung mit Multiples

Einige Unternehmensbörsen, unter anderem die DUB, bieten als zusätzlichen Service die Unternehmensbewertung mithilfe sogenannter Multiples an. Dabei wird geprüft, zu welchem Preis vergleichbare Unternehmen in der Vergangenheit verkauft worden sind. Dieser Preis wird mit verschiedenen Vergleichskriterien (den Multiples) ins Verhältnis gesetzt. Um die passenden Multiples und Werte zu erhalten, gibt es offizielle Tabellen nach Branche und Unternehmensgrößen. Wie diese auch Multiplikatorenverfahren genannte Methode genau funktioniert und welche weiteren Methoden zur Unternehmensbewertung es gibt, haben wir an anderer Stelle ausführlich für dich recherchiert.

Im Zuge der Nutzung einer Unternehmensbörse ist die Unternehmensbewertung in jedem Fall interessant, da du sowohl als Käufer*in als auch als Verkäufer*in eine Vorstellung davon bekommst, ob ein Angebot angemessen ist.

Fazit: Vorteile einer Unternehmensbörse

Hältst du nach einem Unternehmen Ausschau, das du erwerben könntest, bieten dir Unternehmensbörsen viele Vorteile. 

So kannst du dir zuerst einen Überblick verschaffen, welche Firmen überhaupt zum Verkauf stehen – Filter in den verschiedenen Börsen erlauben meist eine sehr genaue Suche nach Branche, Größe, Umsatz usw. Alternativ kannst du dich dort häufig selbst vorstellen, sodass Firmeninhaber*innen, die eine Nachfolge suchen, dich finden können. 

Für besondere Fälle, wie die Übernahme insolventer Firmen oder Investmentcases, haben einige Unternehmensbörsen einen eigenen Bereich. Kleinere Börsen, die auf eine Region oder Branche beschränkt sind, müssen nicht schlechter sein als die überregionalen und branchenübergreifenden Anbieter. In erster Linie hängt es davon ab, was und in welcher Region du suchst. Manchmal lohnt es sich, einfach die Angebote mehrerer Börsen im Blick zu behalten – gerade bei kostenlosen Angeboten kostet das maximal etwas mehr Zeit. 

Eine weitere Stärke von Unternehmensbörsen ist, dass die Kontaktaufnahme und anschließenden Vertragsverhandlungen in den meisten Fällen von Fachleuten begleitet werden, was dich vor unnötigen und teuren Fehlern bewahrt. Gibt es diesen Service nicht oder nur in begrenzten Umfang, kannst du dir jederzeit externe Unterstützung suchen. 

Dieser und auch die vorangegangenen Vorteile gelten natürlich nicht nur für Nutzer*innen mit Kaufabsicht, sondern auch, wenn du selbst ein Unternehmen zum Verkauf anbieten möchtest.

Noch eine abschließende Anmerkung zu den Kosten: Auf manchen Plattformen zahlen nur die Verkäufer*innen, auf manchen beide Parteien oder die Nutzung ist komplett kostenlos. Wie viel dir die Suche nach einem Unternehmen zum (Ver-)Kauf wert ist, kannst du nur selbst entscheiden. Ähnlich wie bei einem Immobilienkauf, bei dem ein/eine Makler*in engagiert und bezahlt wird, gilt auch bei der Unternehmensübernahme, dass sich die Investition lohnen kann. Kommt es tatsächlich zu einem Vertragsabschluss, sind die Kosten für die Benutzung einer entsprechenden Plattform meist nur noch eine kleine finanzielle Nebensache. 

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bhp