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So kannst du Model werden

Dein Weg in die selbstständige Modelkarriere

Ob Beautyshooting für einen Kosmetikkonzern, auf dem Laufsteg einer Nachwuchsdesignerin, der Katalog einer großen Modemarke oder Imageshoot für eine Kampagne – Model zu sein bedeutet, in einem bunten, vielfältigen Umfeld zu arbeiten, in dem du intensiv mit Menschen interagierst und vor allem immer wieder neue Leute kennenlernst. Dazu bietet die Modelwelt unzählige Möglichkeiten – ob Mode, Werbung, Beauty, Lifestyle, Handel, Automotive, Food – fast jede Branche braucht Gesichter, die ihre Produkte und Botschaften in Szene setzen.

Dieser Artikel zeigt dir, wie der Beruf tatsächlich funktioniert, welche Nische zu dir passen könnte und was du brauchst, um als selbstständiges Model professionell durchzustarten – vom Testshoot bis zum ersten Auftrag.

Auf einen Blick

  • Viele Nischen, viele Chancen: Model werden ist nicht nur etwas für Laufstege und Hochglanzmagazine. Von Commercial über Plus Size bis Best Ager – der Markt ist breiter als viele denken.
  • Sedcard und Agentur als Einstieg: Die Sedcard ist die wichtigste Visitenkarte als Model und Grundlage jeder Bewerbung.
  • Projektgagen statt Monatsgehalt: Als selbstständiges Model erhältst du keine feste monatliche Vergütung, sondern Gagen pro Auftrag. Je nach Erfahrung und Auftraggeber variieren diese stark. 
  • Selbstständigkeit richtig aufstellen: Je nach Tätigkeitsschwerpunkt wirst du als Gewerbetreibende*r oder Freiberufler*in eingestuft – das Finanzamt entscheidet im Einzelfall.

Model werden: Was der Beruf heute bedeutet

Model zu sein bedeutet, den eigenen Körper, das eigene Gesicht und die eigene Ausstrahlung als professionelles Arbeitsmittel einzusetzen. Deine Auftraggeber kommen aus der Werbung, Mode, dem Handel, der Industrie oder Medienwelt. Das klingt nach einem Traumjob, und für viele ist es das auch. Gleichzeitig ist es ein Beruf mit klaren wirtschaftlichen Bedingungen, den du kennen solltest, bevor du investierst.

Die meisten Models in Deutschland arbeiten selbstständig auf Projektbasis – das heißt, du erhältst keine monatliche Gehaltszahlung, sondern Gagen für einzelne Aufträge. Zwischen zwei Jobs kann eine Woche liegen, manchmal auch mehrere Monate, in denen du nicht arbeitest und kein Geld verdienst. Wie jede*r andere Selbstständige organisierst du deine Termine selbst (oder deine Agentur), du stellst Rechnungen, trägst Kosten für Portfolio, Reisen und Präsentation und bist für deine Steuern und Versicherungen allein verantwortlich.

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Voraussetzungen, Nischen und seriöse Chancen

Die gute Nachricht zuerst: Die Modelbranche ist längst nicht mehr auf einen einzigen Körpertyp fixiert. Wenn du Model werden möchtest, musst du heute nicht zwingend 1,80 Meter groß sein und Kleidergröße 34 tragen. Auch die „perfekten“ Model-Maße 90-60-90 sind zum Glück in den meisten Nischen veraltet. Es gibt ein breites Spektrum an Nischen, und die meisten davon suchen nach etwas anderem als dem klassischen Hochglanz-Look.

High Fashion und Editorial

Das ist die Nische, die die meisten vor Augen haben, wenn sie an Modeln denken. Gleichzeitig ist sie die engste. Für Laufsteg, Hochglanzmagazine und internationale Modekampagnen gelten nach wie vor strenge Maßvorgaben: Frauen sollten in der Regel ab 174 cm groß sein, Konfektionsgröße 34 bis 36 und Maße um 86-60-89 cm haben. Bei Männern liegen die Anforderungen meist zwischen 183 und 190 cm. Wenn du in diesem Segment Fuß fassen willst, brauchst du nicht nur die passenden Maße, sondern auch eine starke Agentur und viel Geduld.

Commercial und Lifestyle

Das bei weitem größte Segment im Modelbusiness sind nicht die Laufstege, sondern Kataloge, Onlineshops, Werbeplakate, Unternehmensbroschüren und Imagefilme. Hier werden Commercial Models gesucht, also Menschen, die sympathisch, zugänglich und glaubwürdig wirken. Die Anforderungen an Maße und Größe sind deutlich flexibler. Ausstrahlung, Natürlichkeit und Professionalität vor der Kamera zählen mehr als perfekte Proportionen. Für viele selbstständige Models ist dieses Segment das wirtschaftlich stabilste Standbein.

Plus Size und Curvy

Plus-Size-Modeling und curvy Models sind kein Nischentrend mehr, sondern ein wachsendes professionelles Feld. Gesucht werden Models ab Konfektionsgröße 42 bis 44, mit Schwerpunkt auf Größen 44 bis 48. Große Modemarken, Versandhändler und internationale Kampagnen buchen gezielt kurvenreichere Models, der Markt hat sich in den letzten Jahren deutlich professionalisiert. Entscheidend sind hier Körperbewusstsein, Haltung und die Fähigkeit, sich vor der Kamera sicher zu bewegen, auch wenn deine Figur nicht dem „klassischen“ Schönheitsideal entspricht. 

Best Ager

Modeln mit Ü50? Auf jeden Fall! Werbung, die ältere Zielgruppen anspricht, braucht Models, die diese Zielgruppen authentisch repräsentieren. Für Models ab 50 Jahren gibt es einen wachsenden Markt, z. B. in der Pharmawerbung, Anti-Aging-Kosmetik, in der Reisebranche oder in der Finanz- und Versicherungskommunikation. Gefragt sind Natürlichkeit und Reife, keine perfekt retuschierte Jugendlichkeit.

Fotomodel und People Model

Als Fotomodel arbeitest du überwiegend für Fotografinnen und Fotografen – in Kunstprojekten, bei Shootings für Stockfoto-Agenturen oder in der Werbefotografie. Als People Model stehst du für Szenenfotos mit Alltagscharakter vor der Kamera: Familien-, Job- oder Lifestyle-Situationen, die für Unternehmenskommunikation oder redaktionelle Zwecke benötigt werden. Beide Nischen sind besonders für den Einstieg geeignet, weil die Anforderungen an klassische Modelmaße weniger streng sind.

Spezialmodels

Handmodels, Fußmodels, Haarmodels – wenn du herausragende physische Merkmale hast, kannst du dich auf einzelne Körperbereiche spezialisieren. Diese Nische ist überschaubar, aber durchaus spannend: Für Schmuck-, Nagellack- oder Handcremewerbung werden regelmäßig entsprechende Spezialistinnen und Spezialisten gebucht.

Kinder- und Teenager-Models

Auch wenn du noch minderjährig bist, kannst du als Model arbeiten. Allerdings gelten für Kinder und Jugendliche besondere Schutzvorschriften. Bei Foto- und Filmaufnahmen dürfen Kinder beispielsweise nur unter bestimmten Voraussetzungen beschäftigt werden. Je nach Alter kann dafür eine Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde notwendig sein. Auch die Zustimmung der Eltern bzw. Sorgeberechtigten spielt eine wichtige Rolle.

Für Kinder gelten zudem deutlich begrenzte Arbeitszeiten. Bei Foto- und Filmaufnahmen können Kinder über drei bis sechs Jahre beispielsweise bis zu zwei Stunden täglich, Kinder über sechs Jahre bis zu drei Stunden täglich mitwirken – sofern die erforderliche behördliche Genehmigung vorliegt. Schule, Gesundheit und Entwicklung dürfen durch die Tätigkeit nicht beeinträchtigt werden.

Auch Jugendliche unter 18 Jahren unterliegen dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Für Foto- und Filmaufnahmen gibt es zwar besondere Regelungen, trotzdem gelten beispielsweise Vorgaben zu Arbeits- und Ruhezeiten.

Möchtest du als Minderjährige*r nicht nur einzelne Modeljobs annehmen, sondern wirklich ein eigenes selbstständiges Geschäft betreiben, gelten zusätzliche Regeln. Dafür benötigen Minderjährige grundsätzlich die Ermächtigung ihrer gesetzlichen Vertreter und die Genehmigung des Familiengerichts.

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Sedcard, Bewerbung und Modelagentur

Bevor du dich irgendwo bewirbst, brauchst du die wichtigsten Grundlagen: eine Sedcard, ein Portfolio und ein klares Bild davon, welche Agenturen für dich wirklich infrage kommen.

Die Sedcard: Deine Visitenkarte als Model

Die Sedcard ist das Standarddokument der Modelbranche. Sie ist eine kompakte Übersicht mit deinen wichtigsten Fotos, Körpermaßen, Kontaktdaten und gegebenenfalls der zugehörigen Agentur. Sie enthält in der Regel ein Porträtbild, Ganzkörperaufnahmen von vorne und der Seite sowie ein oder zwei Fotos, die deine Bandbreite zeigen. Sedcards werden sowohl digital als auch in ausgedruckter Form verwendet.

Für den Start reichen natürliche, unbearbeitete Bewerbungsfotos von dir: klares Licht, neutraler Hintergrund, keine aufwendige Maske, keine Filter. Professionelle Sedcards werden häufig von Fotografinnen und Fotografen erstellt, die Erfahrung mit Modelfotos haben. Die Kosten dafür variieren je nach Umfang und können bei mehreren hundert Euro liegen.

Bewerbung bei einer Modelagentur

Eine Modelagentur vermittelt dich an Kund*innen, verhandelt Gagen, koordiniert Termine und gibt dir Zugang zu Aufträgen, die du allein nicht erreichen würdest. Dafür nimmt sie einen bestimmten Prozentsatz deines Gehalts als Provision, der sich je nach Agentur stark unterscheiden kann.

Bei einer Modelagentur musst du dich bewerben. Für diese Bewerbung benötigst du in der Regel aktuelle Fotos, deine Körpermaße (Größe, Gewicht, Konfektion, Brust-Taille-Hüfte sowie Schuh- und Kleidergröße) und persönliche Kontaktdaten. Die Bewerbung erfolgt meist per E-Mail oder über das Onlineformular der Agentur. Ein professionelles Portfolio ist hilfreich, aber für deine Erstbewerbung nicht immer zwingend erforderlich.

So erkennst du seriöse Agenturen

Nicht jede Agentur, die sich so nennt, arbeitet professionell oder fair. Folgende Merkmale sprechen für eine seriöse Zusammenarbeit: 

  • Die Agentur verlangt keine Vorabgebühren für die Aufnahme in die Kartei
  • Sie präsentiert transparent, mit welchen Kund*innen sie arbeitet
  • Sie antwortet auf Fragen zur Abrechnung offen und verständlich
  • Sie hat kein Problem damit, wenn du Verträge vor der Unterzeichnung prüfst oder juristischen Rat einholst

Warnsignale sind dagegen: 

  • hohe Vorabzahlungen für Shootings oder Sedcards als Bedingung für die Aufnahme
  • vage Angaben zu Kund*innen und Konditionen
  • überschwängliche Versprechen und Druck zur schnellen Unterschrift

Modeljobs ohne Agentur

Eine Agentur ist keine zwingende Voraussetzung, um als Model zu arbeiten. Viele selbstständige Models, besonders im Commercial- und Fotobereich, akquirieren ihre Aufträge direkt, beispielsweise über eigene Onlineprofile auf Plattformen wie go-models, Model Management oder Sedcards.com, über Instagram oder durch direkten Kontakt mit Fotograf*innen und Werbeagenturen. Das Gute: Ohne Agentur behältst du die volle Kontrolle über deine Aufträge und deine Gage. Dafür musst du jedoch auch viel Zeit und Geduld in deine Akquise investieren. 

So läuft ein Model-Casting ab

Bei einem Casting möchte sich ein*e Auftraggeber*in oder eine Agentur ein persönliches Bild von dir machen und prüfen, ob du zu einem bestimmten Job passt. Wie genau ein Casting abläuft, hängt vom Auftrag ab. Häufig stellst du dich zunächst kurz vor und präsentierst dich möglichst natürlich. Je nach Job werden anschließend Fotos oder kurze Videos von dir gemacht oder du bekommst eine konkrete Aufgabe vor der Kamera.

Bei einem Fashion-Casting kann beispielsweise dein Laufsteg-Walk gefragt sein, bei einem Werbeshooting eher deine Mimik oder die Fähigkeit, bestimmte Situationen glaubwürdig darzustellen. Manchmal wirst du auch gebeten, verschiedene Posen auszuprobieren oder einen kurzen Text zu sprechen.

Bereite dich auf ein Casting ähnlich wie auf ein Bewerbungsgespräch vor: Informiere dich über Agentur oder Auftraggeber*in, erscheine pünktlich und trage schlichte Kleidung, in der deine Figur gut erkennbar ist. Ein natürliches Styling ist meistens die bessere Wahl als ein aufwendiger Look. Halte außerdem aktuelle Fotos, deine Maße und gegebenenfalls deine Sedcard bereit.

Und ganz wichtig: Eine Einladung zum Casting ist noch keine Jobzusage. Absagen gehören zum Modelalltag und bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast. Oft suchen Kund*innen für einen Auftrag schlicht einen ganz bestimmten Typ.

Modeljobs, Verdienst und Wirtschaftlichkeit

Kommen wir zu dem Teil, der in keiner romantischen Karrierevorstellung vorkommt, aber entscheidend ist, wenn du Model werden willst, ohne dir finanziell das Genick zu brechen.

Das Model Gehalt: Wie hoch ist es wirklich?

Als selbstständiges Model erhältst du keine monatliche Zahlung, sondern eine Gage pro Auftrag. Wie hoch sie ist, hängt von deinem Auftraggeber, der Auftragsart, deiner Erfahrung und den vereinbarten Nutzungsrechten ab.

Für Einsteiger*innen liegen die Tagesgagen bei Fotoshootings typischerweise zwischen im dreistelligen Bereich, für Hostess- oder Messejobs ähnlich. Mit wachsender Erfahrung und bei größeren Kund*innen können es auch tausende Euro pro Shooting-Tag sein – bei Werbekampagnen mit weitreichenden Nutzungsrechten auch mehr. Nutzungsrechte spielen eine wichtige Rolle: Wie lange, wo und in welchem Umfang dein Bild eingesetzt wird, beeinflusst die Höhe deiner Vergütung erheblich. Nutzungsrechte solltest du in deinem Vertrag daher immer klar abklären. 

Was danach noch übrig bleibt

Von deiner Bruttogage gehen in der Regel ab: 

  • Agenturprovision (falls du eine Agentur hast)
  • Steuern
  • Krankenversicherung
  • Altersvorsorge 
  • Betriebskosten wie Reisen, Unterkunft, Make-up, Kleidung für Castings und die laufende Pflege deines Portfolios

Models sind häufig selbst für die Finanzierung dieser Posten verantwortlich, was bedeutet, dass eine realistische Kalkulation von Anfang an unverzichtbar ist.

Testshootings und Investitionen am Anfang

Zu Beginn dreht sich vieles um den Aufbau deines Portfolios, nicht um unmittelbare Einnahmen. Testshootings mit Fotograf*innen, bei denen beide Seiten ohne Bezahlung arbeiten, um Material zu produzieren, sind ein üblicher Einstiegsweg. Auch die Sedcard-Erstellung, Reisekosten zu Castings und die Anschaffung von Basiskleidung für Shootings kosten zunächst Geld, bevor du verdienst. Unterschätze diese Kostenpunkte nicht und betrachte sie als wichtige Investition in deine Modelkarriere.

Nutze Testshootings strategisch 

Nicht jedes Testshooting ist gleich wertvoll. Arbeite gezielt mit Fotograf*innen zusammen, deren Stil zu deiner Nische passt und bei denen du ein gutes Gefühl hast. Investiere Zeit, aber verschwende sie nicht. Ein stimmiges, konsistentes Portfolio überzeugt Agenturen und Auftraggeber*innen weit mehr als viele unterschiedliche Bilder ohne roten Faden.

Mehrere Standbeine

Da die Auslastung als Model selten konstant ist, arbeiten viele selbstständige Models mit mehreren Einnahmequellen parallel. So könntest du beispielsweise Hostess-Jobs auf Messen annehmen, als Styling-Assistenz arbeiten, um die Modebranche besser kennenzulernen oder Kleinaufträge für lokale Werbeagenturen durchführen. Ein solides zweites Standbein am Anfang zeugt nicht von Schwäche, sondern von wirtschaftlicher Vernunft.

Selbstständig als Model: Gewerbe, Steuern und Versicherung

Wenn du als Model auf eigene Rechnung tätig bist, musst du dich um die unternehmerische Seite kümmern. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du von Anfang an kennen solltest.

Gewerbe oder Freiberuflichkeit?

Ob du als Model ein Gewerbe anmelden musst oder freiberuflich tätig bist, hängt von der Art deiner Tätigkeit ab. Rein künstlerische oder darstellende Tätigkeiten können als freiberuflich eingestuft werden. Das gilt insbesondere für Fotomodel- oder Castingtätigkeiten mit künstlerischem Charakter. Viele Models werden vom Finanzamt jedoch als Gewerbetreibende eingestuft, weil die Tätigkeit eher werblicher oder kommerzieller Natur ist.

Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig, und das Finanzamt entscheidet im Einzelfall. Wenn du dir unsicher bist, hilft dir ein*e Steuerberater*in mit Erfahrung in der Kreativbranche weiter. Wenn du ein Gewerbe betreibst, meldest du dieses beim zuständigen Gewerbeamt an – wie das geht, erklären wir dir ausführlich unter Gewerbe anmelden. Wer als Freiberufler*in tätig ist, meldet sich direkt beim Finanzamt an.

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Anmeldung beim Finanzamt

Noch bevor du die erste Rechnung stellst, musst du deine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt anmelden. Das geschieht über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, auf dessen Basis du deine Steuernummer erhältst. Ab diesem Zeitpunkt stellst du Rechnungen mit ausgewiesener Steuernummer und gibst deine Einnahmen in der Steuererklärung an.

Steuernummer als Pflichtangabe

Melde deine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt an, bevor du die erste Rechnung stellst. Denn eine Steuernummer gehört zu den Pflichtangaben auf einer ordentlichen Rechnung. Fehlt diese, ist die Rechnung zwar nicht rechtswidrig, kann vom Auftraggeber aber als formal ungültig zurückgewiesen werden. 

Kleinunternehmerregelung

Wenn du am Anfang noch unter 25.000 EUR verdienst, ist die Kleinunternehmerregelung einen Blick wert. Sie erlaubt es dir, keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen auszuweisen und abzuführen, was deine Buchhaltung erheblich vereinfacht. Der Nachteil: Du kannst auch keine Vorsteuer aus bezahlten Rechnungen geltend machen. Ob das für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Situation ab. Auch diese Frage kannst du am besten mit einem/einer Steuerexpert*in beantworten.

Steuern und Buchhaltung

Als selbstständiges Model zahlst du in der Regel Einkommensteuer auf deinen Gewinn, also auf den Überschuss deiner Einnahmen über deine Ausgaben. Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) reicht. Alle weiterführenden Informationen zu Steuern als Selbstständige*r – von der Einkommensteuer bis hin zur Umsatzsteuer – findest du auf unserer Website.

Versicherungen und KSK

Als Selbstständige*r bist du nicht mehr automatisch krankenversichert – du musst dich aktiv für eine Krankenversicherung entscheiden, ob gesetzlich oder privat. Welche Pflichtversicherungen für Selbstständige gelten und was du dabei beachten musst, findest du auf der Gründerplattform.

Für angehende Models ist eine Mitgliedschaftsprüfung bei der Künstlersozialkasse (KSK) eine gute Idee. Denn die KSK übernimmt die Hälfte deiner Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge – ähnlich wie ein Arbeitgeber. Das kann monatlich mehrere Hundert EUR ausmachen. 

Eine klassische Tätigkeit als Werbe-, Fashion- oder Fotomodel gilt allerdings nicht automatisch als künstlerische Tätigkeit im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes. Eine Versicherung über die KSK kommt nur infrage, wenn deine konkrete Tätigkeit die Voraussetzungen einer selbstständigen künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit erfüllt. Die KSK prüft dies für den konkreten Einzelfall.

Businessplan und Finanzplanung

Auch wenn ein Businessplan für viele angehende Models übertrieben klingt: Er hilft dir, deine Einnahmen realistisch zu planen, deine Kosten zu kennen und zu verstehen, wann du tatsächlich profitabel arbeitest. Wir begleiten dich dabei Schritt für Schritt mit einem kostenlosen Businessplan-Tool. So erstellst du auch ohne kaufmännischen Hintergrund einen soliden Finanzplan und bildest damit die Grundlage für eine wirtschaftlich stabile Modelkarriere. 

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Schritt für Schritt als Model starten

Damit dir der Einstieg in die Modelwelt strukturiert gelingt, haben wir die wichtigsten Startschritte für dich zusammengestellt:

  1. Wähle deine Nische: Überlege ehrlich, in welchem Bereich du arbeiten möchtest und welche Voraussetzungen du mitbringst. High Fashion, Commercial, Plus Size, Fotomodel oder People Model – jede Nische hat andere Anforderungen und einen anderen Markt. Eine klare Positionierung hilft dir, gezielt zu akquirieren und dein Portfolio entsprechend aufzubauen.
  2. Baue Portfolio und Sedcard auf: Starte mit natürlichen Bewerbungsfotos und investiere nach und nach in professionelle Aufnahmen. Plane für Testshootings und Sedcard-Produktion ein Budget ein, das du zu Beginn nicht durch Gagen deckst – das ist normal und Teil deines Karrierestarts.
  3. Finde seriöse Agenturen: Recherchiere Agenturen, die zu deiner Nische passen, prüfe deren Seriosität und bewirb dich mit deiner Sedcard und einem kurzen Anschreiben. Gleichzeitig kannst du dein Profil auf Onlineplattformen anlegen, um auch ohne Agentur sichtbar zu werden.
  4. Melde deine Selbstständigkeit an: Sobald du erste Aufträge in Aussicht hast, melde deine Tätigkeit beim Finanzamt an. Klär vorab, ob du gewerblich oder freiberuflich tätig bist, und entscheide, ob die Kleinunternehmerregelung für dich sinnvoll ist.
  5. Plane Einnahmen und Kosten realistisch: Erstelle eine einfache Kalkulation: Welche fixen Kosten entstehen monatlich (Krankenversicherung, ggf. Steuerberatung, Plattformgebühren)? Wie viele Aufträge brauchst du, um diese zu decken? Welche Rücklagen brauchst du für auftragsschwache Phasen?
  6. Richte Rechnung- und Buchführungstool ein: Jede Gage wird mit einer ordentlichen Rechnung abgerechnet, auf der deine Steuernummer und alle Pflichtangaben stehen. Richte eine einfache Buchhaltung ein und pflege sie konsequent. Je früher du damit anfängst, desto weniger Stress hast du mit der Steuererklärung.
  7. Baue dir ein Netzwerk auf und werde sichtbar: Neben Agenturbewerbungen sind Instagram und andere visuelle Plattformen für Models ein wichtiges Marketinginstrument. Ein gepflegtes Profil mit konsistenter Bildsprache und klarer Positionierung erhöht deine Sichtbarkeit bei potenziellen Kunden erheblich. Pflege außerdem dein berufliches Netzwerk: Fotografinnen und Fotografen, Stylingstudios und Werbeagenturen, mit denen du gute Erfahrungen gemacht hast, können zu wiederkehrenden Kooperationspartner*innen werden.

Fazit

Model zu werden ist sicher keine Karriere, die dir von heute auf morgen geschenkt wird. Der Weg dahin ergibt sich nicht von selbst, kann sich aber mit der richtigen Vorbereitung und einer realistischen Erwartungshaltung sehr wohl lohnen. Der Modelmarkt hat sich in den letzten Jahren so stark geöffnet wie selten zuvor: Unterschiedliche Körpertypen, Altersgruppen und Ausstrahlungen sind gefragt, die Nischen sind vielfältiger geworden, und der Bedarf an authentischen Gesichtern wächst in fast jeder Branche.

Wenn du dich klar positionierst, konsequent ein professionelles Portfolio aufbaust, seriöse Kontakte knüpfst und die selbstständige Seite dieses Berufs von Anfang an ernst nimmst, legst du die Grundlage für eine Modelkarriere, die nicht nur kreativ erfüllend ist, sondern auch wirtschaftlich funktioniert. Denn genau das unterscheidet diejenigen, die langfristig im Modelbusiness bestehen, von denen, die nach den ersten Rückschlägen aufgeben: ein klarer Plan, echte Ausdauer und die Bereitschaft, sich stetig weiterzuentwickeln.

Dein erster Schritt? Beginnt nicht auf dem Laufsteg! Sondern mit einem ehrlichen Blick auf die eigenen Stärken, die passende Nische und einem guten ersten Foto.

FAQ

Wie kann ich Model werden?

Der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick auf die eigene Ausgangssituation: Welche Nische passt zu dir, welche Voraussetzungen bringst du mit und welches Segment des Modelmarkts ist für dich realistisch? Danach geht es darum, ein professionelles Portfolio und eine Sedcard aufzubauen, sich bei passenden Agenturen zu bewerben und gleichzeitig auf Plattformen wie Bodalgo oder Model Management sichtbar zu werden. 

Was verdient ein Model?

Das Einkommen als Model ist stark projektabhängig und variiert je nach Nische, Erfahrung, Auftragslage und Auftraggeber erheblich. Ein festes Monatsgehalt gibt es in der Regel nicht. Einsteiger*innen können mit Tagesgagen im dreistelligen Bereich rechnen, erfahrene Models mit größeren Kund*innen können tausende Euro pro Shootingtag erzielen. Von diesen Beträgen gehen als Selbstständige*r noch Steuern, Versicherungen und Betriebskosten ab, weshalb eine realistische Kalkulation von Anfang an wichtig ist.

Kann man mit 172 cm Model werden?

Für High-Fashion und Laufsteg gelten nach wie vor strenge Größenanforderungen ab etwa 174 cm, sodass 172 cm in diesem Segment eine Herausforderung darstellen. In den deutlich größeren und zugänglicheren Bereichen Commercial, Lifestyle, People- oder Foto-Model spielt die Körpergröße hingegen eine untergeordnete Rolle. Ausstrahlung, Natürlichkeit und Professionalität vor der Kamera zählen weit mehr. Hier stehen die Chancen also nicht schlecht. 

Kann man mit 50 noch Model werden?

Ja – und der Markt dafür wächst. Im Segment Best Ager werden Models ab 50 Jahren aktiv gesucht, weil Werbung für Reisen, Finanzen, Gesundheit oder Mode die ältere Zielgruppen authentisch ansprechen möchte und dafür Menschen braucht, die diese Lebenswelt glaubwürdig repräsentieren. Entscheidend sind ein gepflegtes Erscheinungsbild und Selbstsicherheit vor der Kamera, nicht das Alter.

Wo kann man als Model entdeckt werden?

Klassische Entdeckungsmomente gibt es in der Realität seltener als im Film. Die meisten erfolgreichen Models werden nicht zufällig auf der Straße entdeckt, sondern bewerben sich aktiv. Gute Anlaufstellen sind Onlineplattformen wie Model Management oder go-models, auf denen Agenturen und Auftraggeber gezielt nach passenden Gesichtern suchen, sowie direkte Bewerbungen bei Modelagenturen mit einem professionellen Portfolio. Auch Castings, die von Agenturen oder Marken ausgeschrieben werden, sind ein realer Weg in die Branche.

Kann jede*r Model werden?

In irgendeiner Form der Modeltätigkeit können tatsächlich sehr viele Menschen Fuß fassen, denn der Markt ist breiter und diverser als viele denken, mit Nischen für unterschiedliche Körpertypen, Altersgruppen und Ausstrahlungen. Was allerdings jede*r mitbringen muss, sind Verlässlichkeit, Professionalität und die Bereitschaft zu investieren – in Portfolio, Sedcard und Zeit. Realistische Erwartungen an Einnahmen und Anlaufzeit sind ebenfalls von Vorteil. 

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bhp