Sicherheits­firma gründen: Was du wissen solltest

Selbstständig im Personen- oder Gewerbeschutz

Du bist geistig und körperlich fit und auf der Suche nach einer Gründungsidee, bei der du beides miteinander verbinden kannst? Dann ist die Gründung einer Sicherheitsfirma vielleicht genau das Richtige für dich. Ob die Überwachung einer Immobilie in einer gut situierten Gegend, eines großen Fabrikgeländes oder eines öffentlichen Events: Es gibt viele verschiedene Aufgaben, die Sicherheitsdienste übernehmen können. Und was im ersten Schritt so leicht klingt – ein Gebäude überwachen und Menschen zur Ordnung rufen – ist jeden Tag aufs neue ein Job, der einen kühlen Kopf und höchste Konzentration erfordert. Dementsprechend kann auch nicht jeder einfach einen Sicherheitsdienst gründen. Wir verraten dir, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, was in den Businessplan gehört und was du bei der Mitarbeiterauswahl beachten solltest.

Persönliche Voraussetzungen für die Gründung einer Sicherheitsfirma

Als Gründer*in und spätere*r Geschäftsführer*in kommt es besonders auf dich und dein Auftreten an: Kunden wollen und müssen sich auf dich und dein Team verlassen können – entsprechend seriös und entschlossen solltest du auftreten. Ein wenig kommt es auch auf die Branche an, in der du deine Sicherheitsdienste anbieten möchtest. Willst du Luxusimmobilien an der Elbe oder am Starnberger See bewachen, ist nicht nur deine Sprache, sondern auch deine Kleidung wichtig. Wenn du Security-Dienste für Fußballspiele und Konzerte stellen möchtest, ist ein etwas handfesteres Auftreten sicherlich von Vorteil, wobei Zurückhaltung und Gelassenheit auch dort gefragt sind, weil sie zur Deeskalation beitragen können. Bedenke diese feinen Details bei der Erarbeitung deines Konzepts und deiner Zielgruppe.

In jedem Fall solltest du körperliche Fitness und ein gewisses Selbstbewusstsein sowie Menschenkenntnis mitbringen. Du wirst, gerade wenn du in den Event-Bereich gehen möchtest, immer wieder mit aggressiven, aufgeregten oder betrunkenen Menschen in Kontakt kommen und diese maßregeln müssen – da hilft ein kühler Kopf deutlich besser als eine Hau-Drauf-Mentalität. Gesprächstechniken zur Deeskalation kann man ebenso lernen wie den Umgang mit Überwachungsgeräten, die richtige Einstellung zwischen Entschlossenheit und Ruhe hat man aber meistens einfach (oder eben nicht).
Oftmals vergessen wird außerdem, dass du in der Sicherheitsbranche oft zu unchristlichen Zeiten arbeitest, also entweder in der Nacht, rund um die Uhr oder zu Zeiten, wo andere Urlaub oder Freizeit haben. Das muss man wollen und auch mit der Familie vereinbaren können.

Sicherheitsfirma nur mit Gewerbeerlaubnis gründen

Allein die richtige Persönlichkeit für die Eröffnung eines Sicherheitsunternehmens reicht jedoch nicht, um in die Selbstständigkeit zu starten. Da eine Sicherheitsfirma zum Bewachungsgewerbe gehört, ist dieses Gewerbe erlaubnispflichtig. Konkret bedeutet das, dass du beim Gewerbeamt zuerst deine fachliche und sachliche Eignung sowie deine persönliche Zuverlässigkeit nachweisen musst. Folgende Unterlagen musst du dafür einreichen:

  • Personalausweis (Nachweis der Volljährigkeit)
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Nachweis einer Haftpflichtversicherung
  • Auskunft aus dem Gewerbezentralregister
  • Nachweis über finanzielle Mittel
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung durch das Finanzamt und die Krankenkasse
  • Zertifikat über das Bestehen der Sachkundeprüfung bei der IHK

Die Sachkundeprüfung bei der IHK

Wenn du bereits eine gewisse Berufserfahrung in der Sicherheitsbranche oder sogar eine Ausbildung in diesem Bereich nachweisen kannst, musst du meist keine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. Steigst du neu in das Thema ein, musst du zuerst einen mindestens 80 Stunden umfassenden Kurs belegen, der dir folgende Inhalte vermittelt:

  • Recht der öffentlichen Sicherheit
  • Gewerberecht
  • Datenschutzrecht
  • Straf und Strafverfahrensrecht
  • Umgang mit Menschen
  • Unfallverhütungsvorschriften
  • Deeskalationstechniken
  • Sicherheitstechniken
  • Umgang mit Waffen

Nach dem Kurs legst du über diese Inhalte eine Prüfung ab – das Bestehen wird dir mit einem Zertifikat bestätigt. Für den Kurs und die Prüfung fallen Kosten an, die du bei der Planung deiner Gründung berücksichtigen solltest.

Erst wenn du sämtliche Unterlagen beim Gewerbeamt eingereicht hast und das Amt dir die Erlaubnis erteilt hat, kannst du deine Sicherheitsfirma gründen und ein Gewerbe anmelden.

Die richtige Rechtsform für deinen Sicherheitsdienst finden

Theoretisch kannst du deinen Sicherheitsdienst in nahezu jeder Rechtsform gründen, empfehlenswert sind jedoch vor allem Rechtsformen, bei denen du selbst nicht mit deinem privaten Vermögen haftest – also beispielsweise eine UG oder GmbH. Letztere genießt gerade in Deutschland ein hohes Ansehen, sodass du bei Bedarf sehr gute Kreditchancen hast. Allerdings musst du bei einer GmbH bereits mindestens 25.000 EUR Startkapital mitbringen. Wäge diese Faktoren – Haftung, Kapital und Kreditwürdigkeit – also genau ab.

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Weitere Anmeldungen und Verbände

Wenn du deine Sicherheitsfirma als UG oder GmbH gründest, musst du dein Gewerbe auch ins Handelsregister eintragen lassen – das übernimmt ein/eine Notar*in für dich. Außerdem wirst du automatisch Mitglied in der IHK, zwecks eventueller Informationen und zu zahlender Beiträge kommt die Kammer von sich aus auf dich zu. Bei der Berufsgenossenschaft als Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung musst hingegen du dich melden – die Mitgliedschaft ist in jedem Fall verpflichtend, unabhängig davon, ob du Mitarbeiter*innen hast oder nicht. Nicht verpflichtend, aber sinnvoll kann es sein, sich einem Berufsverband anzuschließen, zum Beispiel dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Die Bundesverbände dienen nicht nur dem Informationsaustausch, sondern vertreten auch gesammelt die Interessen der Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Tipp: Um herauszufinden, wo das nächste Gewerbeamt oder deine zuständige IHK sitzt, empfehlen wir dir unseren Behördenfinder.

Sicherheitsfirma gründen mit Hilfe eines Businessplans

Ein Businessplan hilft nicht nur dir selbst, ein klares Bild von deiner Idee zu entwickeln, sondern ist auch essenziell, wenn du Fördergelder oder einen Kredit bei einer Bank beantragen möchtest. Das Herzstück deines Plans ist dein Konzept:

Überlege dir, ob du eher Gebäude oder Veranstaltungen sichern möchtest, Privat- und Einzelpersonen, Gewerbehallen oder einzelne Immobilien. Entsprechend der Kernidee gestalten sich deine Zielgruppe und deine weitere Planung – also ob du eher viele Mitarbeiter*innen benötigst, die große Events absichern und Personen kontrollieren, oder ob du dich eher mit Alarmanlagen und Videoüberwachung auskennen und diese Dinge vielleicht auch anschaffen musst. Wie genau dein Konzept und dein Angebot aussieht, hängt natürlich auch von dir und deinen Fähigkeiten ab.

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Marktanalyse für dein Sicherheits­unternehmen

Der nächste Schritt ist eine Marktanalyse, zu der sowohl die Beobachtung und Analyse deiner Konkurrenz als auch die Untersuchung eines möglichen Standorts gehört. Wie der ideale Standort aussieht, hängt davon ab, ob du beispielsweise ein Büro samt Lager benötigst, um Equipment zu verstauen, und wie weit die Wege dann zu eventuellen Einsatzorten sind. Wenn du eine Sicherheitsfirma gründest, die sich vor allem auf Manpower konzentriert, kommst du vielleicht sogar mit einem einzelnen Büroraum aus, von dem du deine Teams steuerst. Laufkundschaft wirst du in der Sicherheitsfirma ohnehin nicht oder kaum haben. Wenn deine Zielgruppe jedoch eher zur gehobenen Gesellschaft gehört, kann ein repräsentatives Büro in guter Lage natürlich entscheidend sein. Auch hier gilt: Angebot, Idee und Zielgruppe müssen zum Standort passen und umgekehrt.

Sicherheitsfirma gründen mit dem passenden Marketing

Im Businessplan solltest du dir auch schon Gedanken zu deinem Marketing machen, also wie du Kunden ansprichst und Aufträge akquirierst. Die Security-Branche lebt von Vertrauen, dementsprechend sind persönliche Empfehlungen ein sehr großer Hebel bei der Kundengewinnung. Präsentiere dich und dein Angebot entsprechend seriös, beispielsweise auf einer Website, die du über Suchmaschinenmarketing (SEM) nach vorne bringst. Zwar sind generische Suchanfragen, wie etwa „Sicherheitsfirma buchen“ so hart umkämpft, dass du mit deiner Firma dort kaum noch in den Top-Platzierungen auftauchen wirst – allerdings können sich Nischen lohnen, beispielsweise „Sicherheitsfirma Hamburg Altona“ oder „Sicherheitsfirma Berlin Tegel“. Hier sind die monatlichen Suchanfragen vielleicht geringer, dafür gibt es aber auch weniger Konkurrenz beim Schalten von Anzeigen. Öffentliche Referenzen und Bewertungen, beispielsweise auf Google Maps, sind ebenfalls wertvoll. Alle weiteren Werbemaßnahmen sollten auf deine Zielgruppe abgestimmt sein – hier lohnt sich oft auch die Zusammenarbeit mit einer Marketing-Agentur.

Kosten und Finanzierung deiner Sicherheitsfirma

Mindestens so wichtig wie die Idee, ist die Finanzierung ebendieser. Liste in deinem Businessplan alle Kosten, die für die Gründung, aber auch für den laufenden Betrieb anfallen, auf. Die Kosten werden maßgeblich davon beeinflusst, in welcher Rechtsform du gründest, ob und wie viel Equipment und/oder Personal du benötigst und in welchen Räumlichkeiten du startest. Vergiss gerade bei den laufenden Ausgaben auch nicht sämtliche Betriebskosten und Versicherungen. Auf Basis der Auflistung kannst du deine Preise kalkulieren. Triff anschließend Annahmen über Kunden- und Auftragszahlen, etwa wie sich diese entwickeln, und setze alle Zahlen in einem Rentabilitätsplan zusammen. Dieser gibt dir Aufschluss darüber, ab wann du Gewinn erwirtschaftest, und ist ein wertvolles Werkzeug, um deinen Erfolg immer wieder zu überprüfen oder rechtzeitig finanzielle Engpässe zu erkennen.

Wichtig dabei: Gleiche deinen Plan und die Wirklichkeit immer wieder miteinander ab. Prüfe, ob und wie Kunden zu dir gelangen, was dich die Kundengewinnung über welche Kanäle kostet und ob es Unterschiede beim Wert eines Kunden gibt – also ob bestimmte Gruppen dir mehr Geld einbringen, als andere. Nur die echten Zahlen vermitteln am Ende auch ein echtes Bild, ob und wie gut sich deine Pläne auszahlen.
 

Sicherheitspersonal

Mitarbeiter*innen für dein Sicherheits­unternehmen

Wenn du eine Sicherheitsfirma gründest, musst du bei der Auswahl des Personals besonders gründlich sein. Je nach Angebot brauchst du mehr oder weniger Mitarbeiter*innen zum Start – alleine wird die Gründung in jedem Fall schwierig. Wenn du also Personal suchst, achte auf ein verbindliches, seriöses und gelassenes Auftreten. Im Grunde gelten für deine zukünftigen Mitarbeiter*innen ähnliche persönliche Voraussetzungen, wie für dich bereits oben beschrieben. Sie müssen geübt im Umgang mit Menschen und Konflikten sein, Ruhe ausstrahlen und sich dennoch durchsetzen können. Je nach Einsatz ist körperliche Fitness ebenso wichtig wie technisches Verständnis. Die Erlaubnis, eine Waffe führen zu dürfen, kann ebenfalls notwendig sein. Eigentlich selbstverständlich, aber zur Sicherheit erwähnen wir es dennoch: Vorstrafen gehen bei Sicherheitsmitarbeiter*innen gar nicht.

Wichtige Versicherungen für deine Sicherheitsfirma

Als Unternehmer*in begegnest du finanziellen Risiken sowohl zu deiner Person als auch zu deiner Firma. Im Internet wirst du daher z.B. viele Inhalte rund um Kranken- und Pflegeversicherung inklusive Krankentagegeld finden, aber auch zu Berufsunfähigkeitsversicherung und privater Unfallversicherung. Dies sind aber alles Lösungsmöglichkeiten, denen die Analyse des eigentlichen Problems vorangehen sollte – nämlich der Frage danach, welche Risiken in deinem konkreten Fall vorliegen.

Für deine Sicherheitsfirma musst du dich z.B. mit folgenden Risiken auseinandersetzen:

  • Haftungsrisiken – falls du jemand einen Schaden zufügst
  • Ertragsausfallrisiken – falls es z.B. nach einem Brande oder einer Krankheit zu Betriebsunterbrechungen kommt
  • Sachwertrisiken – falls z.B. deine Betriebsgebäude, Betriebseinrichtung, Waren, Vorräte oder Kraftfahrzeuge Schaden nehmen
  • Rechtsschutzrisiken – falls du juristisch gegen jemand vorgehen musst und dabei hohe Kosten riskierst

Hinzu kommen natürlich die Risiken, die sich um deine Person drehen, vom Krankheitsrisiko bis zum kompletten Verlust deiner Arbeitskraft.
Um überall die richtigen Entscheidungen zu treffen, lohnt sich die Investition in eine unabhängige Beratung durch Versicherungsmakler oder Versicherungsberater, die auf gewerbliche Themen spezialisiert sind und sich vielleicht sogar in der Sicherheitsbranche auskennen. Beide Berufsgruppen arbeiten in deinem Auftrag, dürfen sich nicht an Versicherungsgesellschaften binden und haften dir gegenüber für ihre Arbeit.
Natürlich können dich auch gut ausgebildete Versicherungsvertreter gut beraten. Wissen musst du aber, dass sie nicht in deinem Auftrag arbeiten und auch nur Versicherer im Angebot haben, an die sie gebunden sind.

Fazit – Sicherheitsfirma gründen

Einen Sicherheitsdienst zu gründen und damit erfolgreich zu sein – das mag im ersten Moment einfach klingen, erfordert aber deutlich mehr als Muskelkraft. Du musst deinen Kunden von Anfang an ein gutes und sicheres Gefühl vermitteln. Du hast alles unter Kontrolle, egal was kommt. Gleichzeitig begegnen dir im Berufsalltag immer wieder auch weniger freundliche Menschen, und die Arbeitszeiten sind meist nicht sehr massenkompatibel. So ist nicht nur die körperliche Fitness wichtig, sondern vor allem deine mentale Stärke – Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen treffen auf Verhandlungsgeschick und Geduld. Im Einsatz ist höchste Konzentration von dir gefordert. Wenn du all diese Persönlichkeitsmerkmale mitbringst, wirst du die gesetzlichen Auflagen inklusive Prüfung durch die IHK mit etwas Vorbereitung problemlos meistern. Mit der Gewerbeerlaubnis in der Tasche erarbeitest du im Zuge eines Businessplans deine konkrete Idee, findest einen Standort und planst die Kundenakquise. Mindestens genauso wichtig wie deine persönliche Einstellung ist auch die Einstellung deiner Mitarbeiter*innen. Die Suche nach passendem Personal ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen bei der Gründung. Hast du auch diese Hürde genommen, kann es losgehen. Wir wünschen dir viel Erfolg – und danken dir im Voraus für mehr Sicherheit auf Festivals, in Einkaufsmeilen oder wo auch immer du zukünftig dein Revier haben wirst.

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bhp