Eigenen Kiosk eröffnen und als Einzelhändler*in durchstarten

Ein Laden, genau wie du ihn willst. Wir haben alle Infos dazu!

Kiosk eröffnen mit Leichtigkeit: So gelingt dein Start in die Selbstständigkeit

In diesem Artikel geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Eröffnung eines Kiosks. Wir verraten wertvolle Insidertipps und zeigen dir drei verschiedene Möglichkeiten auf, wie du mit deinem Kiosk durchstarten kannst: mit einem eigenen Laden, im Franchise oder als Unternehmensnachfolger*in. Bonus: Am Ende des Artikels sprechen wir mit einem erfolgreichen Kiosk-Besitzer!

Begriffsklärung: Kiosk ist nicht gleich Kiosk

Kiosk, Büdchen, Späti, Trinkhalle – schon die Bezeichnungen sind vielfältig, und dahinter stehen sehr unterschiedliche Konzepte. Während sich der eine Kiosk als praktischer Nahversorger um die Ecke etabliert hat, wo man nach Ladenschluss Tiefkühlpizza und Rotwein fürs Abendessen bekommt, versorgt ein anderer seine Kundschaft vor allem morgens mit Pausensnacks, Tageszeitungen und Kaffee im Becher.  Ein Dritter dient als Nachbarschaftstreff für alle Generationen und hält selbstgebackene Kuchen, Eis und Süßigkeiten bereit. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie bieten auf wenig Fläche allerlei Produkte des täglichen Bedarfs an. Daher kommt auch der etwas sperrige Fachbegriff vom „kleinflächigen Einzelhandel“.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Einen eigenen Kiosk zu eröffnen, ist relativ einfach. Du brauchst keine besondere Ausbildung und musst keine Zertifikate oder Genehmigungen nachweisen. Im Grunde reicht ein Gewerbeschein, der gegen eine geringe Gebühr beim zuständigen Gewerbeamt zu beantragen ist.

Nach der offiziellen Anmeldung deines Gewerbes wird automatisch das Finanzamt über dein Vorhaben informiert. Das Finanzamt möchte von dir wissen, womit du genau dein Geld verdienst, welche Rechtsform dein Unternehmen hat (z. B. Einzelunternehmen, GbR, GmbH oder UG) und mit welchen Einnahmen du rechnest. Diese Informationen werden benötigt, um die Höhe und die Art der Besteuerung festzulegen. Sobald du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (so heißt das Formular, das du vom Finanzamt erhältst) ausgefüllt zurückgeschickt hast, wird dir eine Steuernummer zugeteilt. Die gibst du ab jetzt auf jeder deiner Rechnungen an.

Gewerbeschein und Steuernummer – viel mehr brauchst du nicht, um formal loszulegen. Es sei denn, du möchtest in deinem Kiosk zubereitete Lebensmittel anbieten. Dann musst du zusätzlich noch ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorlegen. Das bekommst du nach einer Aufklärung über die allgemeinen Bestimmungen zur Hygiene im Lebensmittelbereich beim Gesundheitsamt deiner Stadt. Die Bezeichnung „Gesundheitszeugnis“ ist übrigens irreführend. Es geht dabei nicht um eine ärztliche Überprüfung deiner Gesundheit.

Außerdem ist die Mitgliedschaft in der örtlichen IHK (Industrie- und Handelskammer) für dich verpflichtend. Die IHK wird wie das Finanzamt automatisch durch das Gewerbeamt über deine Gewerbeanmeldung informiert und wird sich bei dir melden. Erkundige dich nach vergünstigten Tarifen für frisch gegründete Unternehmen. Diesen Service bieten inzwischen diverse Kammern an.

Was sollte ich persönlich mitbringen, wenn ich mich mit einem Kiosk selbstständig machen will?

Auch wenn du keine bestimmte Ausbildung vorweisen musst, Erfahrungen im Einzelhandel und kaufmännische Grundkenntnisse sind natürlich von Vorteil. Denn als Inhaber*in eines Kiosks musst du unter anderem deine Ausgaben und Einnahmen im Blick behalten sowie dafür sorgen, dass du immer flüssig bist. Du musst deine Buchführung auf dem Stand halten und regelmäßig deine Steuern entrichten. Aber keine Bange: Wenn du deine Gründung sorgfältig vorbereitest und dich gründlich informierst, sammelst du schon einiges an betriebswirtschaftlichem Wissen an. Alles Weitere lernst du dann während der Öffnungszeiten in deinem eigenen Kiosk.

Natürlich solltest du auch Spaß am Verkauf haben und den täglichen Umgang mit Menschen nicht als Belastung empfinden – schließlich bist du hinter der Theke ständig damit beschäftigt, ihre Wünsche zu erfüllen. Und stell dich auf lange Arbeitstage ein: Nicht nur kundengerechte Öffnungszeiten müssen gewährleistet sein. Hinzu kommt der Wareneinkauf, die Abrechnung, die Steuererklärung, Verhandlungen mit Lieferant*innen, das Aufstellen von Schichtplänen und die Betreuung deiner Mitarbeiter*innen. Kläre am besten rechtzeitig, ob deine persönliche Situation einen so hohen Arbeitseinsatz zulässt und ob deine Familie dich bei deinem Vorhaben unterstützt.

Welche Steuern sind für mich relevant?

Welche Steuern für dich gelten, hängt von der Rechtsform ab, die du für dein Unternehmen wählst. Es bietet sich an, mit einem Kiosk als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft wie der GbR zu starten. In diesen Fällen musst du auf deine Gewinne Einkommensteuer bezahlen. Für deine Steuererklärung genügt eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung, die dem Finanzamt als Grundlage dient, um deine Gewinne und die entsprechenden Steuern zu berechnen.

Zusätzlich wird Gewerbesteuer fällig, deren Höhe die Gemeinde festlegt, in der du deinen Kiosk eröffnest. Dabei gilt ein Freibetrag von 24.500 EUR. Gewerbesteuer zahlst du also nur für den Gewinn, der über diesem Betrag liegt.

Wenn du dich für eine Kapitalgesellschaft, also zum Beispiel eine haftungsbeschränkte UG oder eine GmbH entscheidest, musst du auf den Gewinn knapp 16 Prozent Körperschaftssteuer (inkl. Solidaritätszuschlag) zahlen. Werden Gewinne an die Gesellschafter*innen ausgeschüttet, wird dafür Abgeltungssteuer, auch Kapitalertragssteuer genannt, fällig. Der Satz liegt derzeit bei etwas mehr als 26 Prozent. Außerdem sind auch Kapitalgesellschaften gewerbesteuerpflichtig. Für sie gilt allerdings kein Freibetrag!

In jedem Fall ist das Thema Umsatzsteuer bzw. Vorsteuer für dich relevant. Einige Waren werden in Deutschland mit 19 Prozent Umsatzsteuer belegt, einige nur mit 7 Prozent, wie zum Beispiel Zeitschriften und bestimmte (Grund-)Nahrungsmittel und Getränke.

Ideen für ein Kiosk

Welche Versicherungen sind sinnvoll?

Als Gründer*in solltest du dich auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen. In jedem Fall ist eine Betriebshaftpflichtversicherung ratsam. Sie tritt für Schäden ein, die du oder deine Mitarbeiter*innen während der Arbeit einander oder einem Dritten zufügen. Wenn jemand aus deiner Belegschaft versehentlich einen Becher Kaffee über die teure Jacke eines Gastes schüttet, tritt diese Versicherung auf den Plan.

Welche weiteren Versicherungen für deinen Kiosk sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Risiko und auch von deinem persönlichen Umgang damit ab. Solltest du erst ruhig schlafen können, wenn du deine Waren gegen Feuer, Wasserschäden, Einbruchdiebstahl oder sonstige Schäden versichert hast, solltest du darüber nachdenken, ob sich der monatliche Beitrag für eine sogenannte Inhaltsversicherung für dein Unternehmen lohnen könnte.

Brauche ich einen Businessplan?

Bei Versicherungen mag man darüber streiten, ob sie nützlich sind oder entbehrlich. Für den Businessplan gilt das eher nicht. Nach über fünfzehn Jahren Erfahrung in der Gründungsberatung empfehlen wir dringend, einen solchen zu schreiben. Das ist nämlich ein sehr guter Weg, sich auf die Existenzgründung vorzubereiten. Wer seinen Businessplan selbst schreibt, kann aus dem Stegreif sagen, was den Kern des Angebots ausmacht, wie viele Waren jeden Monat mindestens verkauft werden müssen, was die größten Kostentreiber sind und wie sich am ehesten gegensteuern lässt, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant.

Wenn dein Eigenkapital nicht ausreicht, um die Anfangsinvestitionen in deinen Kiosk zu stemmen, benötigst du ohnehin einen Businessplan. Der Grund: Keine seriösen Geldgebenden werden dir eine Finanzierung gewähren, ohne sich vorher von der Machbarkeit deiner Geschäftsidee überzeugt zu haben. Und auch wenn du das Geld von Freund*innen und Familie bekommst, ist es gut, eine solide Planung vorweisen zu können.

Was gehört in einen guten Businessplan?

  • In deinem Businessplan beschreibst du,
  • was du zu welchen Preisen verkaufen möchtest,
  • wie du deine Zielgruppe definierst und wie du sie erreichen willst,
  • welchen Standort du ausgewählt hast und warum,
  • wie der Wettbewerb aussieht und wie du dich von bestehenden Angeboten unterscheidest,
  • was du persönlich mitbringst, um deinen Kiosk zum Erfolg zu führen,
  • wie hoch deine Umsätze, deine Kosten und deine Gewinne voraussichtlich sein werden bzw. wie sie sich in den ersten drei Jahren nach der Gründung entwickeln und
  • wie viel Geld du brauchst, um dein Vorhaben umzusetzen.

Die Gründerplattform unterstützt dich dabei, einen vollständigen Businessplan für deinen Kiosk zu erstellen. Einfache Leitfragen führen dich durch die einzelnen Kapitel und sorgen dafür, dass du kein Thema vergisst. Wichtige Begriffe werden erklärt und du kannst in echten Businessplänen nachlesen, was andere Gründer*innen zu ihren Geschäftsideen geschrieben haben. Außerdem stehen dir im Finanzteil unsere Zahlenassistenten zur Seite, die dir viel mühsame Rechnerei und das Herumdoktern mit selbstgebastelten Tabellen ersparen.

Das Herzstück des Businessplans: Der Finanzplan

Der Finanzplan, in dem du unter anderem berechnest, ab wann dein Kiosk rentabel ist und wie viel Kapital du für den Start brauchst, gilt als das Herzstück deines Businessplans. Geh davon aus, dass die Berater*innen deiner Bank ihn besonders gründlich lesen und dir die eine oder andere kritische Frage dazu stellen werden. Aber: Ohne einen überzeugenden Textteil, der zeigt, wie du zu deinen Zahlen gekommen bist, ist er das Papier nicht wert, auf dem er steht. Achte deshalb in deinem Businessplan auf eine schlüssige Argumentation und liefere so viele handfeste Belege wie möglich, um deine Annahmen zu untermauern.

Letztlich geht es bei deinem Businessplan nicht um eine möglichst tolle Umsatzprognose, sondern um eine einleuchtende Antwort auf die Frage, warum die Leute ausgerechnet in deinen Kiosk kommen sollten, um ihre Zeitschriften, Zigaretten oder Zuckerstangen zu kaufen.

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Ohne Konzept geht es nicht

Da für viele typische Kiosk-Produkte eine Preisbindung gilt, ist es kaum möglich, in diesem Gewerbe deine Kundschaft durch besonders günstige Preise zu überzeugen. Umso entscheidender ist es, dass du dein Sortiment sorgfältig zusammenstellst, sodass es zum Standort, zu deinem Konzept und zu dem Nutzen, den du schaffen willst, passt.

Deshalb solltest du deinen Schwerpunkt auch auf Waren legen, die Kund*innen in einem Kiosk gemeinhin erwarten: Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren und Zubehör, Süßigkeiten und Snacks, kalte Getränke und Kaffee zum Mitnehmen. Ergänzend kannst du anbieten: frische Brötchen, Prepaidkarten, TK-Lebensmittel, Postdienste, Lotto, Postkarten und Souvenirs etc.

Aber überfrachte dein Konzept nicht! Erstens brauchst du für mehr Angebot auch mehr Platz – und das kostet dich jeden Monat mehr Miete. Zweitens geht bei zu großer Vielfalt dein Profil verloren und die Kundschaft findet sich nicht mehr zurecht. Und auch rechtliche Grenzen sind einzuhalten: Die Idee, deinen Kiosk zum Nachbarschaftstreff zu machen, wo man bei einem kleinen Imbiss oder einem kühlen Feierabendbier zusammensitzen und plauschen kann, mag charmant klingen. Aber sobald du Getränke und Speisen zum Verzehr vor Ort anbietest, fällt dein Kiosk unter Umständen unter das Gaststättengesetz. Das bedeutet: Du brauchst entsprechende Konzessionen, die teuer sind, und musst besondere Auflagen erfüllen. Ob sich dieser Aufwand für dich lohnt, kannst du besser beurteilen, wenn du zwei verschiedene Businessplan-Varianten erstellst und miteinander vergleichst – einmal mit und einmal ohne „Treffpunkt-Funktion“. Wenn die höheren Kosten voraussichtlich durch höhere Umsätze wieder reingeholt werden können, spricht nichts dagegen, deine Vision zu verwirklichen.

Wie wichtig ist der passende Standort für meinen Kiosk?

Die Suche nach dem passenden Standort ist eine deiner wichtigsten Aufgaben vor der Eröffnung deines Ladens. Allgemein gilt: Ein Kiosk lebt erstmal von der Laufkundschaft. Überall dort, wo viele Leute unterwegs sind, hat ein solcher Betrieb gute Aussichten auf Erfolg. Perfekt sind zum Beispiel Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs oder beliebte Einkaufszonen.

Das Problem: Perfekte Lagen sind in der Regel teuer. Bevor du den Mietvertrag für einen Laden in Eins-a-Lage unterzeichnest, rechne durch, ob es realistisch ist, die Miete wieder einzuspielen.

Letztlich besteht dein Ziel darin, einen Kompromiss zwischen guter Lage und bezahlbarer Miete zu finden. Auch eine weniger frequentierte Straße in einem Wohngebiet deiner Stadt kann durchaus Potenzial haben, wenn sie für viele Bewohner*innen auf dem Weg zur U-Bahn liegt und wenn es in der Nähe wenig Konkurrenz durch Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte gibt. Dann könntest du vielleicht dein Sortiment anpassen und neben Zeitschriften und Tabak auch frische Brötchen fürs Frühstück und Tiefkühlprodukte für das Abendessen bereithalten.

Diagramm Standort

Wie viel Startkapital brauche ich?

Wenn du einen eigenen Kiosk eröffnen möchtest, brauchst du Startkapital für die Einrichtung deines Ladens und für die Erstausstattung mit Waren.

Bei der Ladeneinrichtung kannst du mit etwas Geschick viel Geld sparen. Ein Kiosk muss nicht unbedingt teuer, sondern zweckmäßig und zur Positionierung passend eingerichtet sein. Die meisten Kund*innen werden sich dort ohnehin nicht lange aufhalten. Kühlschränke, Kühltruhen oder Displays bekommst du meist von deinen Lieferant*innen, wenn du ihre Produkte darin präsentierst. Alles, was du sonst noch brauchst, sind Regale und ein Verkaufstresen. Beides lässt sich günstig – auch gebraucht – beschaffen.

Die Anfangsinvestitionen in deine Einrichtung sind also nicht sehr hoch, es sei denn, du planst aufwendige Umbauten der Räumlichkeiten. In diesem Fall solltest du dich so früh wie möglich mit dem zuständigen Bauamt in Verbindung setzen. Häufig wird vergessen, dass die Mitarbeiter*innen dort nicht nur dazu da sind, die Einhaltung ihrer Auflagen zu kontrollieren, sondern auch, Gewerbetreibende in dieser Hinsicht zu beraten. Nutze diesen Service und binde sie rechtzeitig in deine Pläne ein. So kannst du dir später viel Ärger ersparen.

Was muss ich bei der Berechnung des Kapitalbedarfs beachten?

Was leider viele Gründer*innen übersehen: Sie brauchen nicht nur Geld für ihre Investitionen und für den Wareneinkauf, sondern auch, um ihre Liquidität zu sichern – vor allem in der Anfangszeit, wenn die Einnahmen noch nicht so sprudeln. Dein Businessplan bewahrt dich davor, im Blindflug zu starten, also ohne zu wissen, wie viel Geld du in deinen Kiosk insgesamt hineinstecken musst, bis er das erste Mal Gewinne abwirft.

Wie hoch der Kapitalbedarf für die Gründung eines Kiosks ist, lässt sich pauschal nicht bemessen. Das hängt unter anderem davon ab, wie viel Miete (und damit Kaution) du zahlst, wie aufwendig der Umbau wird und wie umfangreich das Warenangebot ist. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt, aber von mindestens 30.000 EUR Startkapital solltest du ausgehen. Solange du in deinem Businessplan darlegen kannst, dass dein Kiosk dieses Geld mittelfristig wieder einspielen wird, hast du gute Chancen, einen Geldgeber zu finden, der dir einen entsprechenden Kredit gewährt.

Im Mittelpunkt: Die Kundschaft

Wenn du dauerhaft mit deinem Kiosk Erfolg haben willst, solltest du nie damit aufhören, dein Angebot weiterzuentwickeln und es an den Bedürfnissen deiner Kund*innen auszurichten. Nicht ohne Grund nimmt diese Frage in deinem Businessplan einen wichtigen Raum ein. Allerdings bringt es wenig, hierzu theoretische Überlegungen anzustellen. Besser ist es, deine potenzielle Kundschaft persönlich nach ihren Wünschen zu befragen. Eine kleine Straßenumfrage bietet schon eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Anpassung des Geschäftsmodells. Vergiss auch nicht, deine Wettbewerber*innen vor Ort genau anzuschauen: Vergleiche ihr Angebot, ihre Preise und ihren Service miteinander und überlege, wie du dich von ihnen abheben kannst. So kannst du ein eigenes Profil entwickeln, für das dich deine Kund*innen schätzen werden.

Sei aber darauf gefasst, dass sich die Wünsche der Konsument*innen im Laufe der Zeit verändern. Deine Aufgabe ist es, ihre Erwartungen stets zu erfüllen und sie nach Möglichkeit sogar zu übertreffen. So bindest du sie langfristig an dein Geschäft. Du musst nicht jeden Trend mitmachen, aber kommen sehen solltest du ihn schon – um früh zu entscheiden, ob es sich rechnet, dein Sortiment entsprechend anzupassen. Werte regelmäßig deine Abverkaufszahlen aus, um wenig Gefragte gegen neue Artikel auszutauschen. Achte darauf, die Topseller gut sichtbar zu präsentieren.

Nutze die Zeit, die du am Verkaufstresen stehst, für deine tägliche Marktforschung, und sprich mit deinen Kund*innen über ihre Wünsche. 

Drei Wege, sich mit einem Kiosk selbstständig zu machen

Du hast verschiedene Möglichkeiten, dich mit einem Kiosk selbstständig zu machen: mit einer Neugründung, der Übernahme eines bestehenden Ladens oder als Franchise. Sie alle sind mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen an dich als Gründer*in und mit besonderen Vor- und Nachteilen verbunden.

1. Eröffnung eines neuen Kiosks

Am Standort deiner Wahl in einem leerstehenden Geschäft einen Kiosk nach deinen Vorstellungen zu eröffnen, bietet dir größtmögliche Gestaltungsspielräume. Du kannst dir die Räumlichkeiten nach deinem Konzept passend auswählen, das Sortiment von Grund auf komponieren und hast vom ersten Tag an das gute Gefühl, etwas Eigenes auf die Beine gestellt zu haben.

Dafür ist das wirtschaftliche Risiko bei dieser Variante hoch. Du weißt nicht, ob ein Kiosk an diesem Standort überhaupt läuft. Du musst dir deine Stammkundschaft erarbeiten und fängst dabei bei Null an. Und du hast schon im Vorfeld sehr viel Arbeit: Von der Standortsuche über die Inneneinrichtung deines Ladens bis zur Werbung und der Suche nach Lieferanten.

Die Neueröffnung eines Kiosks ist vor allem für Menschen geeignet, die damit eine besondere Vision und ein einzigartiges Konzept verbinden und mit überdurchschnittlichem Einsatz ihre Ziele verfolgen – und dafür auch bereit sind, ein höheres Risiko auf sich zu nehmen.

2. Übernahme eines Kiosks

Demgegenüber ist es meist einfacher, einen bestehenden Laden zu übernehmen. Du kannst auf die Stammkundschaft zählen, die Lieferantenbeziehungen weiterführen und hast sogar schon einen fertig eingerichteten und mit Waren bestückten Laden.

Hier gilt es, sich nicht von den Aussagen des/der vormaligen Inhaber*in zu Umsätzen und Gewinnen blenden zu lassen. Lass dir die Zahlen der letzten Jahre vorlegen und prüfe sie genau, gerne gemeinsam mit einem Steuerberaterbüro oder mithilfe der IHK, die sich im „kleinflächigen Einzelhandel“ auskennt. Außerdem empfiehlt es sich, nach dem Anlass für die Geschäftsaufgabe zu fragen. Vielleicht ließ die Umsatzentwicklung in letzter Zeit zu wünschen übrig und dein/e Vorgänger*in möchte einfach noch rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen?

Behalte in den Verkaufsverhandlungen unbedingt klaren Kopf. Ein zu hoher Kaufpreis verdirbt dir die Freude am Geschäft über Jahre! Als Faustformel gilt: Der Kaufpreis sollte nicht über dem dreifachen des Gewinns pro Jahr (gemessen am durchschnittlichen Gewinn der letzten drei Jahre) liegen. Dabei solltest du bei Personengesellschaften einen kalkulatorischen Unternehmerlohn vom Gewinn abziehen, wenn der/die bisherige Besitzer*in selbst regelmäßig hinter dem Verkaufstresen stand und mitgearbeitet hat.

Das Wichtigste ist auch hier deine Vision, wie du das Geschäft weiterentwickeln willst – sonst hast du vielleicht am Anfang nicht wirklich das Gefühl, in deinem eigenen Laden zu stehen. Deine Aufgabe ist es, den Übergang behutsam zu gestalten. Zwar ist jetzt ein guter Moment, Altes auf den Prüfstand zu stellen und das Konzept zu modernisieren, aber dabei solltest du nicht zu radikal vorgehen, um die Stammkundschaft nicht zu verschrecken.

3. Einen Kiosk als Franchise eröffnen

Viele Kioske, vor allem an Bahnhöfen und in begehrten Innenstadtlagen, werden heute als Franchise betrieben. Der Vorteil für dich: Du kannst im Hinblick auf Warenangebot, Umsatz und Kosten auf die Erfahrungen der Franchisegeber*innen zurückgreifen, profitierst von deren Marke und brauchst dir fast keine Gedanken über das Konzept, die Werbung oder die Inneneinrichtung zu machen. Außerdem wirst du bei wichtigen unternehmerischen Aufgaben, wie der Ermittlung des Personalbedarfs oder der Preisgestaltung, beraten. Das Ganze hat allerdings seinen Preis: Neben einer Einstiegsgebühr von mehreren tausend Euro musst du einen bestimmten Anteil deines Umsatzes an die Franchisegeber*innen zahlen und dich an deren Vorgaben halten.

Auch wenn du als Franchisenehmer*in kein eigenes Geschäftskonzept entwickeln musst, solltest du nicht darauf verzichten, einen Businessplan zu schreiben. In den meisten Fällen wird dies sogar von Franchisegeber*innen und/oder deiner kreditgebenden Bank verlangt. Den Schwerpunkt legst du dabei weniger auf die Geschäftsidee (bzw. übernimmst du die entsprechenden Inhalte von deinen Franchisegeber*innen), sondern auf die Finanzplanung. Auch und gerade im Franchise kommt es darauf an, die Kosten, Umsätze und Gewinne genauestens zu kalkulieren.

Sowohl Franchise als auch die Übernahme eines bestehenden Kiosks bieten sich an, wenn du dich darauf freust, selbstständig die Geschäfte zu managen und etwas weniger Wert darauf legst, deine eigenen Visionen umzusetzen. Das geringere wirtschaftliche Risiko ist ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden will.

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Das kannst du von den Erfahrungen eines Kiosk-Gründers lernen

Kioskbetreiber Cagdas Yavuz, mit dem wir kurz nach seiner Gründung über seine persönlichen Erfahrungen gesprochen haben, hat einen bestehenden Laden mitten in Hamburg-Altona übernommen. Als er hörte, dass für den Traditionskiosk in seiner Nachbarschaft aus Altersgründen ein*e Nachfolger*in gesucht wurde, beschloss er, sich seinen Traum vom eigenen Laden zu erfüllen. Der selbstständige Architekt hat mit seiner Baufirma eigentlich genug zu tun. Aber der Einzelhandel hat ihn, wie er sagt, „schon immer angezogen“. Jetzt hofft er, sich mit dem Kiosk ein zweites Standbein aufbauen zu können.

Sein wichtigster Tipp für andere Gründer*innen, die einen Kiosk übernehmen möchten? „Schaut ganz genau hin, bevor ihr einen Vertrag unterzeichnet! Wir haben uns zuallererst die BWA (Betriebswirtschaftliche Analyse, Anmerkung der Redaktion) unserer Vorgängerin geben lassen und ganz genau unter die Lupe genommen.“ Doch damit nicht genug, Cagdas hat außerdem einen Monat lang im Kiosk mitgearbeitet und sich alle Abläufe zeigen lassen. Er ist mit zu den Lieferant*innen gefahren und hat diese Gelegenheiten genutzt, um erste Kontakte zu knüpfen. Vor allem aber hat er auf diese Weise ein sicheres Gefühl für die Kund*innen bekommen und erkannt, dass die Positionierung des Kiosks aufgeht. „Der Laden liegt ja mitten im Wohnviertel und hat nicht so furchtbar viel Laufkundschaft“ erzählt Cagdas. „Trotzdem stimmt der Umsatz, weil viele Anwohner*innen auf dem Weg zur Arbeit hier ihren Kaffee und ihre Zeitung rausholen.“ Vor allem die frischen Brötchen seien ein echter Kundschaftsmagnet, insbesondere am Wochenende, und auch mit dem Verkauf von Getränken erziele er gute Umsätze.

Allerdings gebe es auch Artikel, mit denen er kaum Gewinne oder sogar Verluste mache. Das wisse er so genau, weil er kurz nach der Übernahme das gesamte Sortiment auf den Prüfstand gestellt habe. „Ich habe mir eine Exceltabelle angelegt und alle Einkaufs- und Verkaufspreise eingetragen, um die Margen zu vergleichen.“ Statt jedoch direkt die Preise zu erhöhen oder die betreffenden Produkte rauszuschmeißen, wolle er die nächsten Monate abwarten und die Entwicklung genau beobachten. „Mit Veränderungen müssen wir vorsichtig sein. Schließlich wollen wir unsere Stammkunden nicht verprellen.“ Preissteigerungen werden, wenn überhaupt, sehr moderat und in kleinen Schritten erfolgen.

Auf die Frage, wie wichtig seiner Meinung nach betriebswirtschaftliche Kenntnisse für das Betreiben eines Kiosks seien, antwortet Cagdas ohne zu zögern: „Die sind das A und O. Man muss nicht BWL studiert haben, aber die Basics sollte man kennen: Man sollte schlicht ausrechnen können, wie viel man einnimmt, wie viel man ausgibt und was übrig bleibt.“ Wer seine Buchhaltung nicht im Griff habe, der werde ganz schnell untergehen: „Wenn dir Geld in der Kasse fehlt, das laut BWA eigentlich da sein müsste, bist du doppelt gekniffen: Das Geld ist weg, und du musst es trotzdem versteuern!“ Deshalb ist die Buchhaltung bei ihm Chefsache. „Ich habe zwar jemanden, der mir diese Arbeit abnimmt, aber ich überprüfe regelmäßig selbst, ob meine Kasse stimmt und die Unterlagen vollständig sind“ – eine doppelte Buchführung also im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine der Aufgaben, die er sich als nächstes vorgenommen hat, besteht darin, sämtliche Abläufe in seinem Kiosk zu systematisieren. Sein Ziel sei größtmögliche Transparenz und ein System, das sich zukünftigen Mitabeiter*innen sofort erschließt. „Meine Vorgängerin brauchte keinen Computer, sie war der Computer. Sie wusste genau, wo was steht, wie viel sie von welchem Artikel verkauft hatte und wann sie Waren nachbestellen musste. Aber wenn ich mir mit mehreren Mitarbeiter*innen die Schichten teile, dann geht das natürlich nicht mehr.“ Diese Veränderungen werden aber, wie Cagdas betont, eher hinter den Kulissen stattfinden. „Wir sehen uns schon in der Tradition unserer Vorgängerin und möchten sie fortsetzen – allerdings mit modernen Mitteln der Betriebsführung.“

Es überrascht nicht, dass der umtriebige Unternehmer auch schon Pläne für die Zukunft hat: „Wenn der Laden hier läuft und wir unser System etabliert haben, dann könnte ich mir auch vorstellen, mit dieser Geschäftsidee zu wachsen und weitere Standorte zu übernehmen.“ 

Bis es so weit ist, wird der kleine sympathische Kiosk in Altona erstmal seine volle Aufmerksamkeit genießen. Cagdas freut sich schon auf die Stunden, die er hier hinter dem Tresen stehen kann, und auf die vielen Begegnungen mit seinen Kund*innen.

Wie ist es bei dir? Willst du dich von diesem Beispiel inspirieren lassen? Dann starte mit deinem eigenen Kiosk in die Selbstständigkeit!

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bhp