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Technologie­transfer

Was es bringt, technisches Wissen weiterzugeben

Vom Faustkeil bis zum Computer – Technologietransfer gab es schon immer. Doch in unseren globalisierten und digitalen Zeiten ist er so wichtig wie noch nie. Denn wenn verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Forschung oder Politik die Köpfe zusammenstecken, können sie in der Regel mehr erreichen.

Doch wie genau funktioniert Technologietransfer? Und was genau bringt er dir und deinem Unternehmen? All das beantworten wir dir in diesem Artikel.

Auf einen Blick

  • Definition: Technologietransfer bedeutet, dass technisches Wissen, Forschungsergebnisse, Patente oder Verfahren auf andere Akteure übertragen und praktisch nutzbar gemacht werden.
  • Akteure: Häufig findet Technologietransfer zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Startups oder internationalen Partnern statt.
  • Nutzen für Gründer*innen: Durch Technologietransfer kannst du Forschungsergebnisse, Lizenzen oder Know-how nutzen, um innovative Produkte, Verfahren oder Geschäftsmodelle zu entwickeln.
  • Förderung & Schutzrechte: Förderprogramme wie EXIST-Forschungstransfer oder WIPANO können dir weiterhelfen. Bei Patenten, Lizenzen und internationalem Technologietransfer solltest du rechtliche Fragen früh prüfen.

Technologietransfer einfach erklärt

Wenn verschiedene Akteur*innen ihr technologisches Know-how zusammenwerfen, kann daraus etwas entstehen, was sie allein nicht entwickeln könnten. Eine Forscherin, die eine neue Theorie entwickelt, kann diese in der Regel nicht allein in die Praxis umsetzen. 

Ein Erfinder, der anhand der Theorie eine neue Maschine entwickelt, hat oft nicht die Ressourcen oder das Interesse, diese auf Masse zu produzieren und zu verkaufen. Und ein Unternehmen ist wiederum häufig auf Forschung und Erfindungsgeist angewiesen, um innovative Produkte zu entwickeln und das bestehende Angebot zu optimieren. 

Technologietransfer ermöglicht es, die Ressourcen einzelner Akteur*innen zu kombinieren, um damit bessere Ergebnisse zu erzielen. Im Idealfall haben alle etwas davon. Diejenigen, die ihr Know-how weitergeben, erhalten etwa Lizenzgebühren und die Gelegenheit, dabei zu sein, wenn ihr Wissen in die Praxis umgesetzt wird. Die Know-how-Empfänger*innen können ein neues Produkt entwickeln, um es am Markt zu vertreiben und damit Geld zu verdienen. 

Der Wissens- und Technologietransfer findet typischerweise zwischen folgenden Akteuren statt:

  • Universitäten/Hochschulen und Unternehmen
  • verschiedene Standorte eines Unternehmens
  • Tochtergesellschaften eines Konzerns
  • Industrienationen und sogenannte Entwicklungsländer

Definition und Ablauf: Was ist Technologietransfer und wie findet er statt?

Beim Technologie- und Wissenstransfer werden Technologien und Wissen auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Das geschieht mit dem Ziel, den Nutzungsgrad dieser Technologien oder der Forschungsergebnisse zu erhöhen. Wenn sie sich effektiver nutzen lassen, ermöglichen sie Innovationen, Wirtschaftswachstum und Wohlstand innerhalb einer Region oder eines Staates. 

Arten und Ablauf des Technologietransfers

Technologietransfer gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen. Da wären etwa der interne und der interorganisationale Technologietransfer. Ersterer findet innerhalb eines Unternehmens statt – etwa zwischen verschiedenen Abteilungen bzw. Tochtergesellschaften. Letzterer geschieht dagegen zwischen verschiedenen voneinander unabhängigen Organisationen. 

Ebenso kann Technologietransfer vertikal oder horizontal stattfinden. Vertikal beschreibt dabei den Austausch zwischen Universitäten als Wissensgeber und wirtschaftlichen Unternehmen als Wissensnehmer. Wenn Forschungseinrichtungen oder Unternehmen dagegen untereinander kommunizieren – also auf derselben Ebene bleiben –, spricht man von horizontalem Wissensaustausch.

Der Technologietransfer kann entweder direkt zwischen den Beteiligten erfolgen oder indirekt, indem die Transferpartner von einem Transfermittler zusammengebracht werden – zum Beispiel durch die Industrie- und Handelskammer. Möglich sind zwei Richtungen: Wissen und Technologien werden in der Forschung entwickelt und anschließend zur Umsetzung in die Wirtschaft gegeben. Oder Unternehmen geben Forschungen oder Erfindungen aus einer konkreten Problemstellung heraus in Auftrag. 

Die wissensgebende Organisation kann die Technologie passiv zur Verfügung stellen oder aktiv in die Umsetzung involviert sein und beratend zur Seite stehen. Und dann gibt es noch einen Unterschied zwischen gegenstandsbezogenem und verfahrensbezogenem Technologietransfer: Beim einen geht es um Know-how bezüglich eines Produkts oder seiner Zusammensetzung, beim anderen um ein bestimmtes Verfahren, also zum Beispiel einen Herstellungsprozess.

Ablauf an einem Beispiel

Im wirtschaftlichen Bereich wird Wissen in der Regel über Lizenzen geteilt. Unternehmen bezahlen also Geld, um eine bestimmte Technologie nutzen zu dürfen. 

Stell dir also vor, ein Doktorand hat im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Verfahren entwickelt, mit dem du dein Produkt schneller und nachhaltiger herstellen kannst. Der Doktorand gibt dir die Lizenz, dieses Verfahren in deinem Unternehmen einzusetzen. Damit wird er zum Lizenzgeber, du zum/zur Lizenznehmer*in. Gemeinsam formuliert ihr einen Lizenzvertrag. Darin wird festgehalten, welche Lizenzrechte du bekommst und wie hoch die Lizenzgebühr ist, die du dafür bezahlen musst. Sie richtet sich oft danach, wie viel du mit dem Lizenzprodukt verdienst. Zudem enthält der Vertrag meist eine Verschwiegenheitsklausel, die den Lizenzgeber und auch dich als Unternehmer*in absichert. 

In vielen Fällen findet ein gemischter Technologietransfer statt, der auch einen patentrechtlichen Bestandteil enthält. Benötigst du etwa eine entsprechende Maschine, um das Verfahren anwenden zu können, musst du auch für die Patentrechte an der Maschine bezahlen. Vorausgesetzt natürlich, dass dafür ein Patent angemeldet wurde. Wenn du möchtest und die Person, die dir die Lizenz erteilt, dazu bereit ist, kannst du zusätzlich ihre Beratung im Sinne eines aktivierten Technologietransfers in Anspruch nehmen. 

Nutzen und Antrieb

Nun fragst du dich vielleicht, warum du dein Wissen und dein technisches Know-how mit anderen teilen solltest – oder warum andere dir ihre Kenntnisse zur Verfügung stellen würden. Wäre es nicht besser, alles für sich zu behalten und den Erfolg mit niemandem teilen zu müssen?

Die Frage ist, ob du allein überhaupt so erfolgreich werden kannst. Wir alle sind auf gegenseitige Unterstützung angewiesen – vor allem Gründer*innen. Was bringt eine tolle Erfindung oder neue Erkenntnis, wenn sie in der Schublade verstaubt und nie angewendet wird? Und wie sollen ohne forschungsbasiertes Wissen hochwertige Produkte hergestellt werden können? 

Die Wirkung von Technologie- und Wissenstransfer ist, dass er Know-how nutzbar und Herstellungsprozesse effizienter macht. So können bessere Ergebnisse erzielt werden, die zu wirtschaftlichem Wachstum und letztlich zu einem erfolgreichen Business führen.

Wissens- und Technologietransfer in Deutschland

In Deutschland spielt der Technologietransfer eine wichtige Rolle. Im Hinblick auf Globalisierung und Digitalisierung profitieren wir zum Beispiel von Wissen aus der internationalen Tech- und Robotik-Branche. Als eine der wirtschaftsstärksten Nationen gibt Deutschland aber auch selbst Wissen und technisches Know-how an andere Länder weiter. Schwerpunkte sind unter anderem die Verkehrs- und Automobilbranche, aber auch Maschinen- und Anlagebau, moderne Agrarwirtschaft sowie die Chemie- und Pharmaindustrie.

Innerhalb Deutschlands erfolgt der Austausch von Wissen und Technologien vorwiegend zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden speziell gefördert, um Ausgründungen (Spin-offs) zu ermöglichen. Seit der Abschaffung des Hochschullehrerprivilegs im Jahr 2002 bestehen formal bessere Möglichkeiten, Forschungsergebnisse und Erfindungen in die Wirtschaft zu transferieren. Auf wirtschaftlicher Seite sind primär große und mittelständische Unternehmen mit von der Partie. Doch auch für Startups und Gründer*innen gibt es Förderprogramme, die hauptsächlich Innovationen im Bereich der Digitalisierung, künstlichen Intelligenz und Industrie 4.0 ankurbeln sollen.

Welche Rolle spielt Technologietransfer für Startups & Gründungen?

Als Gründer*in profitierst du besonders von Wissens- und Technologietransfer. Er kann den Startschuss für dein eigenes Business geben! Falls du noch studierst, kannst du dich direkt von deiner Uni oder Hochschule unterstützen lassen. Geh einfach mal zur örtlichen Gründungsberatung, die heutzutage in vielen Städten kostenfrei angeboten wird. Die Mitarbeiter*innen helfen dir dabei, Förderungen zu beantragen oder Kontakte zur Wirtschaft herzustellen. Außerdem werden an vielen Standorten Ausgründungen aus der Hochschule gefördert. Passende Ansprechpartner*innen findest du, indem du auf der Gründerplattform durch Eingabe deiner Postleitzahl nach Beratungsangeboten filterst.

Bist du selbst nicht mehr an der Uni, kannst du dich je nach Region bei verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen oder Transfermittlern informieren. Mögliche Anlaufstellen sind:

Bundesweit:

Regional:

Lage regional (Standort Augsburg), aber führt auch u.a. überregionale Projekte durch:

Besonders gefördert werden in der Regel technologieorientierte, innovative und auch nachhaltige Gründungsideen. Auf der Gründerplattform findest du eine Übersicht der Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, zum Beispiel durch Gründerstipendien oder Gründungszuschüsse. Angeboten werden diese häufig von Universitäten und Hochschulen, um die kommerzielle Umsetzung von Forschungsergebnissen und Erfindungen zu unterstützen. Nach Eingabe deiner Postleitzahl kannst du dir auch Angebote zur kostenlosen Gründungsberatung in deiner Region anzeigen lassen.

Wenn du selbst kein Startup gründen willst, sondern als Wissenschaftler*in oder Erfinder*in arbeitest, kannst du dein Wissen weitergeben und deine Forschung auf diesem Wege kommerzialisieren. Viele Unis, Hochschulen und auch Unternehmen bieten spezielle Forschungs- und Entwicklungskooperationen an oder geben diese in Auftrag. Geld verdienen kannst du mit deinem Wissen, indem du Lizenzen für angemeldete Patente und andere Schutzrechte verkaufst. 

Unternehmen, die selbst forschen oder Forschung in Auftrag geben, können die steuerliche Forschungszulage nutzen. Der reguläre Fördersatz beträgt 25 Prozent der förderfähigen Aufwendungen; kleine und mittlere Unternehmen können seit 2024 unter bestimmten Voraussetzungen sogar 35 Prozent geltend machen.

Förderprogramme für Technlogietransfer

Wenn du Forschungsergebnisse in ein Geschäftsmodell überführen möchtest, können Förderprogramme den Start erleichtern. 

Für forschungsbasierte und technisch anspruchsvolle Gründungsvorhaben kommt etwa der EXIST-Forschungstransfer infrage. Das Programm unterstützt Teams aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen dabei, Forschungsergebnisse weiterzuentwickeln und die Gründung vorzubereiten. 

Auch WIPANO kann relevant sein, wenn es darum geht, Erfindungen zu schützen, Patente anzumelden oder Forschungsergebnisse wirtschaftlich zu verwerten.

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Wer kontrolliert den Technologietransfer?

Vor allem beim internationalen Technologietransfer stellt sich die Frage, ob und welches Wissen an wen weitergeleitet werden sollte – und an wen lieber nicht. Grundsätzlich richtet sich die vertragliche Ausgestaltung jedes Wissens- und Technologietransfers nach den lizenzrechtlichen Regelungen der jeweiligen Länder. Für die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Ländern des Globalen Südens ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zuständig. Sie steckt den Rahmen, organisiert und kontrolliert entsprechende Projekte.

In bestimmten Bereichen, vor allem, wenn es um Waffen und Rüstzeug geht, ist beim Technologietransfer besondere Vorsicht geboten. Auch ohne böse Absichten kann es sein, dass eine Technologie oder ein Verfahren vom Empfängerland zu militärischen Zwecken missbraucht wird. Daher müssen bestimmte Regelungen zur Exportkontrolle eingehalten werden. Für den Export sogenannter gelisteter Technologie aus den Bereichen Rüstung, Trägertechnologie sowie chemischer, biologischer und nuklearer Waffensysteme ist eine Genehmigung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nötig. Besteht der Verdacht, dass die Technologie missbraucht werden könnte, oder handelt es sich um Zielstaaten, die mit Sanktionen oder einem Embargo belegt sind, musst du ebenfalls Kontakt mit dem BAFA aufnehmen. 

Fazit

Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie verschiedenen Ländern hat für dich als Gründer*in viele Vorteile. Er bietet ideale Voraussetzungen für die Gründung eines Tech-Startups, digitale Transformation und disruptive Innovationen. Durch die Zusammenarbeit von Wissensgeber*innen und praktisch Umsetzenden können neue Ideen und Produkte entstehen oder Herstellungsprozesse effizienter gestaltet werden. Der Technologietransfer birgt aber auch Gefahren, vor allem, wenn er international stattfindet und es um Wissen geht, das potenziell zur Herstellung von Waffen und ähnlich Bedrohlichem missbraucht werden könnte. Es ist daher wichtig, genau zu prüfen, welche Partner*innen du dir da ins Boot holst.

Wenn du mithilfe von Wissens- und Technologietransfer dein erfolgreiches Business aufziehen möchtest, dann leg jetzt los und setz dich an deinen Businessplan!

FAQ

Was gilt als Technologietransfer?

Als Technologietransfer gilt, wenn technisches Wissen, Forschungsergebnisse, Patente, Lizenzen, Prototypen oder Verfahren in die praktische Anwendung überführt werden. Häufig passiert das zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Startups und Unternehmen. Ziel ist, aus Know-how marktfähige Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen zu entwickeln.

Was leistet Technologietransfer?

Technologietransfer macht Forschung wirtschaftlich nutzbar. Er bringt neue Technologien schneller in Produkte, Dienstleistungen oder Produktionsprozesse und verbindet dafür Wissen, Kapital, Marktbedarf und Umsetzungskompetenz. So kann er Innovationen fördern, Wettbewerbsfähigkeit stärken und Gründer*innen helfen, technologische Ideen praktisch weiterzuentwickeln.

Was ist der Unterschied zwischen Wissenstransfer und Technologietransfer?

Wissenstransfer ist der breitere Begriff: Er umfasst auch Methoden, Erfahrungen, Forschungserkenntnisse oder gesellschaftliches Wissen. Technologietransfer ist spezieller und bezieht sich vor allem auf technische Lösungen, Verfahren, Patente oder Prototypen, die in die Anwendung oder wirtschaftliche Verwertung gebracht werden.

Wie funktioniert Technologietransfer?

Technologietransfer beginnt meist mit einer Forschungsidee oder Erfindung. Danach werden Anwendungsmöglichkeiten geprüft, Schutzrechte geklärt, Partner aus Wirtschaft oder Gründung gesucht und Finanzierungsoptionen bewertet. Anschließend folgen Entwicklung, Lizenzierung, Kooperation oder Ausgründung, bis die Technologie praktisch eingesetzt werden kann.

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bhp